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Herrschaft und Knechtschaft in Johann Karl Wezels "Robinson Krusoe"

Hausarbeit 2014 15 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Herrschaftsformen Robinsons - Herrschaft über Natur und Tiere
1.1 Ankunft auf der Insel - Robinson als Herrscher über Flora und Fauna

2. Herrschaftsausführung Robinsons und deren Legitimierung
2.1 Der Sklave Xuri
2.2 Franz

3. „Inselpolitik“
3.1 Herrschaftsverhältnisse nach Robinsons Rettung
3.2 Untergang der Herr-Knecht-Verhältnisse

Schluss

Literatur

Einleitung

Die Figur des Robinson Crusoe und dessen Geschichte, zählt noch heute zu den bekanntesten der Weltliteratur. Das Motiv eines unglücklich Gestrandeten wird seit dem Roman von Daniel Defoe bis heute immer wieder neu erzählt und bearbeitet. So entsteht der Begriff Robinsonade, der eine ganze literarische Gattung bezeichnet: Ein Schiffbrüchiger gelangt ganz allein auf eine einsame Insel, wo er sich abgeschieden vom Rest der Welt, in der Natur zurecht finden muss. Im Fokus stehen hierbei ihm bislang unbekannte Erfahrungen und Erlebnisse, die es zu bewältigen gilt, damit er sein Überleben sichern kann. Durch Isolation sowie der Notwendigkeit des Erlernens der Jagd, des Feuermachens und der potentiellen Gefahr durch die mögliche Anwesenheit von Wilden auf der Insel, ergeben sich diverse Konfliktmöglichkeiten sowie Gefahrenquellen, die es für den „Robinson“ zu bewältigen gilt. Die Robinsonaden berichten also stets von Abenteuern eines Protagonisten, der sich in der neuen Welt um ihn herum anpassen, beziehungsweise unter ihren Umständen zu leben lernen muss.

Johann Karl Wezels Robinson Krusoe, erscheint 1779 als bearbeitetes Werk, dem Daniel Defoes Robinson Crusoe voran geht. Auch hier muss Robinson lernen mit den Gegebenheiten der Insel insofern ins Gleichgewicht zu kommen, dass es ihm nicht nur möglich wird dort zu überleben, sondern, dass ihm sein Dasein dort nach Möglichkeit auch recht angenehm wird. Diese Arbeit wird sich nicht nur mit der Inselherrschaft Robinsons befassen, sondern sich ebenso mit den weiteren Herrschaftsformen des Romans beschäftigen. Ein besonderer Fokus wird natürlich auf dem Verhältnis von Krusoe und Franz liegen, da diese Herr-Knecht-Konstellation sich nicht nur durch einen Großteil der Erzählung zieht, sondern durch die freiwillige Unterwerfung von Franz und dessen Treue zu seinem Herrn über die Insel-gefangenschaft hinaus, durchaus als eine besondere zu klassifizieren ist.

Darüber hinaus finden sich weitere Herrschaftsverhältnisse - im Hinblick auf Natur und Tiere, was sich Robinson zu Nutzen macht, diverse Figuren, die auf der Insel in Erscheinung treten sowie deren Funktion als Herren beziehungsweise als Knechte - die vorgestellt und beleuchtet werden sollen.

1. Herrschaftsformen Robinsons - Herrscher über Natur und Tiere

1.1 Ankunft auf der Insel - Robinson als Herrscher über Flora und Fauna

Nach seiner Strandung auf einer einsamen Insel, ist es an Robinson sich mit den gegebenen Umständen vertraut zu machen, um irgendwie sein Überleben sichern zu können. Die Natur ist bei Wezel ein wesentlicher Bestandteil der Erzählung, da der Held sich der Held ihrer bemächtigen, über sie zu herrschen lernen muss, damit sein Dasein so angenehm wie möglich wird.

Krusoe fällt hier die Aufgabe zu, dass er die Natur zu seinem Knecht macht, um nicht ihr Knecht zu bleiben und ihren Einflüssen zu unterliegen, sondern, dass er sie sich zu Nutzen macht. Zunächst besteigt er einen Berg und verschafft sich so einen Überblick von der Umgebung.[1] Diese Darstellungsweise von Krusoe, der weit und breit keine andere Menschenseele erblicken kann, von hoch oben auf „sein Reich“ hinab schaut, vermittelt zum ersten Mal das Bild eines Herrschers, der die Weite des Landes erfasst. Vom Überblicken bis hin zu jenem Punkt, an dem Robinson als Herr über Flora und Fauna agiert, gilt es für den Gestrandeten noch einiges an Fähigkeiten zu erwerben.

Kurz nach seiner Ankunft auf der Insel steigt Robinson auf einen Berg, um sich einen Überblick zu verschaffen.[2] Diese Darstellung vermittelt das Bild von einem Herrscher oder hier vielmehr von einem, der noch Herrscher werden will, der zum ersten Mal sein Land auf sich wirken lässt. Als er herunter steigt, zögert er nicht den ersten Krieg gegen die Natur anzufangen und erschießt einen großen Vogel, weil es ihn „reizte“.[3] Hier wirkt Robinsons Handeln sinn- und wahllos, beziehungsweise diese „Jagd“, der Schuss auf den Vogel, wirkt wie ein willkürlicher Akt des Tötens, nach einer „weil ich es kann“- Manier. Dass dem gestrandeten Mann nichts anderes übrig bleibt, als auch Tiere zu erlegen, um sich ernähren zu können, steht außer Frage, sein erster Umgang mit der Natur, stellt ihn jedoch als respektlosen, dummen Jungen dar, der der Ansicht zu sein scheint, er könne alles, weil er ein Gewehr hat. Zwar verspeist er den Vogel (wohl zumindest teilweise)[4], der Text berichtet aber vom „Reiz den ersten Krieg in diesem einsamen Ort anzufangen“ als primäre Motivation.[5]

Die Natur zu beherrschen, bedeutet auch in ihr leben, in ihr wohnen zu können. Nun muss Robinson dies nicht nur können, vielmehr hat er auch keine andere Wahl, als sich eine Hütte oder Ähnliches zu errichten. Robinson erschafft sich nicht nur eine Wohnung, sondern durch seine Arbeit gewinnt sein Dasein auch noch jeden Tag an Bequemlichkeit.[6] Der Text spricht von ihm als „kluger Baumeister“[7], was zeigt, dass er mit den natürlichen Vorkommen, die ihm dargeboten werden, durchaus in der Lage ist, sich einen brauchbaren Unterschlupf zu bauen.

„Die Natur ist für Menschen geschaffen und soll ihm nutzen.“.[8]

Natürlichen Vorkommen wie Pflanzen und Tieren habhaft zu werden, erfordert jedoch zunächst, dass Krusoe das ein oder andere Geschick erst noch zu erlernen hat. Bei der Jagd zum Beispiel, hat er nicht immer ein so leichtes Ziel, wie bei dem Vogel, „der auf einem Baum saß und ihn ohne Furcht erwartete“.[9] Auch wenn seine Schusswaffen ihm vieles erleichtern, so hat er es doch mit Tieren zu tun, die nicht allzu leicht zu erlegen sind. Um seinen Herrschaftsstatus der Natur gegenüber auszubauen, bedarf es doch des Erwerbens an Jagderfahrung.[10]

„Der Zufall lehrte ihn Dinge, die er nie durch Fleiß und Nachsinnen gefunden hätte“.[11]

durch einen solchen Zufall, gelangt Robinson zum Ackerbau. Er lernt zu säen und zu ernten, da er sich mit der Regenzeit vertraut gemacht hat und dieses Wissen für seine „Landwirtschaft“ einsetzen kann. Nach und nach macht er sich die Natur also immer mehr zu Nutzen, was seine Position als Inselherrscher ausweitet.

Die Entwicklung, die Robinson im Laufe der Zeit durchläuft, ist bemerkenswert. Er fertigt sich Geschirr und umfährt seine Insel mit einem eigens erbauten Boot.[12] Während des Prozess, in dem er die Natur mehr und mehr zu beherrschen lernt, durchläuft er alle Stände der Menschheitsgeschichte: er ist Jäger, Fischer, Ackermann, Hirte, sogar verschiedene Handwerke und die Schifffahrt „erfindet“ er.[13] Robinson hat diese Künste nicht als der erste Mensch überhaupt erfunden, für ihn selbst ist die Bezeichnung des Erfindens jedoch zutreffend, wenn man bedenkt, dass er niemanden hat, der es ihm hätte beibringen können und er sich daher all diese Vorgehensweisen selbst von Grund auf erwirbt.

[...]

[1] Wezel, Johann Karl: Robinson Krusoe. (Quelle:http://gutenberg.spiegel.de/buch/3493/1): S.49

[2] ebd.

[3] ebd.

[4] Wezel, S.50

[5] ebd. S.49

[6] Wezel, S.56

[7] ebd. S.57

[8] Friedrich, Hans-Edwin: Nützliche oder grausame Natur? Naturkon-struktionen in der spätaufklärerischen Robinsonade. Campe, Wezel:2004. In: Goethezeitportal: http://www.goethezeitportal.de/db/wiss/epoche/friedrich_robinsonaden.pdf: S.4

[9] Wezel, S.49

[10] ebd. S.58

[11] ebd. S.65

[12] ebd. S.89ff.

Details

Seiten
15
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656685104
ISBN (Buch)
9783656685074
Dateigröße
427 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v275687
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
3,0
Schlagworte
herrschaft knechtschaft johann karl wezels robinson krusoe

Autor

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