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Die Figuren im Roman "La Princesse de Clèves", ihre Beziehungen zueinander und die Liebe

Hausarbeit 2014 20 Seiten

Romanistik - Französisch - Literatur

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Zum Hof und zur Stellung der Frau an diesem

3. Die Hauptfigur des Romans
3.1 Die Darstellung der Princesse de Clèves
3.2 Die Princesse de Clèves und die Liebe

4. Die Nebenfiguren des Romans
4.1 Madame de Chartres
4.1.1 Das Erziehungsideal der Mutter
4.1.2 Die fünf Bilder der Madame de Chartres nach Campbell
4.2 Der Prince de Clèves
4.3 Der Duc de Nemours

5. Die Entscheidung der Princesse de Clèves

6. Schlussbetrachtung

7. Literaturangabe

1. Einleitung

Madame de La Fayette[1], geboren als Marie-Madeleine Pioche de la Vergne, gilt als eine der bekanntesten Autorinnen des 17. Jahrhunderts in Frankreich. Schon früh lernte sie Pariser Intellektuelle in den literarischen Salons kennen und erhielt als Ehrenjungfer der Königin Zutritt zum französischen Hof.[2]

Im Jahre 1678 erschien ihr Meisterwerk La Princesse de Clèves, das zunächst anonym erschien, und als „wichtigster Roman der französischen Klassik“[3] gilt. In wenigen Worten zusammengefasst, geht es darin um eine Dreiecksgeschichte, die die Liebe zwischen der verheirateten Madame de Clèves[4] und dem Duc de Nemours darstellt. Eine Beziehung der beiden ist zunächst aufgrund gesellschaftlicher Konventionen nicht möglich. Doch auch nach dem Tod ihres Ehemanns, mit dem sie eine Konventionsehe führte, verweigert sich die Protagonistin der neuen Liebe und zieht sich in ein Kloster zurück.

Ziel dieser Hausarbeit ist es, die Beziehungen der Princesse de Clèves zu den anderen im Roman vorkommenden Personen zu analysieren. Genauer gesagt werden das Verhältnis zu ihrer Mutter, der Madame de Chartres, ihrem Ehemann, dem Prince de Clèves, sowie dem Mann, dem eigentlich ihr Herz gehört, dem Duc de Nemours, untersucht. Weiterhin wird auf die viel diskutierte Entscheidung der Fürstin, nämlich den Liebesverzicht, eingegangen und verschiedene Beweggründe aufgezeigt. Da ich es für das Grundverständnis als sinnvoll erachte, stelle ich meiner Arbeit ein Kapitel voran, in dem ich die Zustände am Hof sowie die Stellung der Frau an jenem beschreibe.

2. Zum Hof und zur Stellung der Frau an diesem

Der Roman spielt um 1560 am französischen Hofe und damit etwa gegen Ende der Regierungszeit Heinrich II. Die Erzählung wird mit einer memoirenartigen Beschreibung des Hofes eröffnet. Über mehrere Seiten hinweg wird dieser als gesellschaftliche Institution mit all seinen Machtstrukturen dargestellt.

Die ausgedehnte Schilderung des Lebens am Hofe Heinrich II. und die Aneinanderreihung der Porträts der wichtigsten Personen am Anfang der Princesse de Clèves haben […] die Aufgabe, die Vorbildlichkeit der geschilderten Gesellschaft und das Prestige jedes ihrer Mitglieder vor Augen zu führen […].[5]

Die höfische Gesellschaft zeichnet sich durch eine außerordentliche Pracht aus, die im Roman durch den Begriff magnifience immer wieder verdeutlicht wird, wie die folgende Beschreibung zeigt: « La magnifience et la galanterie n’ont jamais paru en France avec tant d’éclat que dans les dernières années du règne de Henri second. »[6] Das äußere Erscheinungsbild am französischen Hof des 17. Jahrhunderts spielt eine äußerst wichtige Rolle. Jeder achtet auf Anmut, Eleganz und Geschmack der Kleidung.[7] Diese Welt der Schönheit wird im Roman deutlich sichtbar gemacht: « Jamais Cour n'a eu tant de belles personnes et d'hommes admirablement bien faits, et il semblait que la nature eût pris plaisir à placer ce qu'elle donne de plus beau dans les plus grandes princesses et dans les plus grands princes. »[8] Die Persönlichkeiten werden ausführlich beschrieben, wobei auffällt, dass nicht nur die Damen, sondern auch die Herren großen Wert auf ihr Äußeres legen, was in der „Sprache des Blickes“ begründet liegt. Und zwar existiert am Hofe laut Brink neben der reinen Kommunikation eine Art von Sprache, bei der es darum geht, von den anderen Mitgliedern des Hofes betrachtet und bewundert zu werden. Demnach beurteilen die Angehörigen der feinen Gesellschaft die Anderen und deren Verhalten stets kritisch.[9] Auch die Princesse de Clèves kann sich dem nicht entziehen und verbringt Stunden mit dem Herrichten ihrer Festrobe, bevor sie auf den schicksalhaften Ball geht.[10]

Dass sich hinter dieser prächtigen Fassade des französischen Hofes eine unsichtbare Wirklichkeit versteckt, hat auch Madame de Chartres erkannt und gibt ihrer unerfahrenen Tochter bald nach deren Einführung am Hofe die folgende Lebensweisheit mit auf den Weg: « Si vous jugez sur les apparences en ce lieu-ci [...] vous serez souvent trompée : ce qui paraît n’est presque jamais la vérité. »[11] Damit prangert die Autorin Madame de La Fayette diskret die Korruptheit des höfischen Lebens an.[12]

Am Hof lebt die Frau in einem vom Mann dominierten und gestalteten Raum, in dem es für sie keinen privaten Rückzugsraum gibt. Der Princesse de Clèves gelingt es jedoch, sich ihren eigenen kleinen Bereich zu schaffen, wohin sie sich zurückziehen kann. Dabei ist anzumerken, dass der Landsitz in Coulommiers „[…] sich immer noch im Bannkreis des höfischen Lebens befindet“[13] und sich diese Rückzugsmöglichkeit damit nur als scheinbar erweist. „Die allgegenwärtige Autorität der Gesellschaft macht es nötig, daß man alle von ihren Forderungen etwa abweichenden, persönlichen Wünsche und Handlungen fortwährend erklären und entschuldigen muß.“[14] D.h. die Princesse kann sich nicht nach Belieben nach Coulommiers zurückziehen, da „[…] für das Fernbleiben vom Hof und von obligaten Festen ständig ”prétextes“ gefunden werden müssen, Vorwände und Verschleierung der Wahrheit also, damit der Gesellschaft gegenüber immer das ”Dekorum“ gewahrt bleibt.“[15]

In dieser männlich dominierten Gesellschaft des 17. Jahrhunderts besitzt die Ehe einen hohen Stellenwert. Jedoch spreche ich an dieser Stelle nicht von einer Ehe, die von den Partnern aus freiem Willen und nur aus Liebe füreinander eingegangen wird, sondern vielmehr von einer Vernunftehe, bei der gesellschaftliche, politische sowie ökonomische Interessen im Vordergrund stehen. Meist hat die Frau kein Mitspracherecht bei der Auswahl des Ehegatten und so fügt sich auch die Princesse de Clèves der Entscheidung ihrer Mutter.[16]

3. Die Hauptfigur des Romans

3.1 Die Darstellung der Princesse de Clèves

Mit folgenden Worten wird die Princesse de Clèves dem Leser zum ersten Mal präsentiert: « Il parut alors une beauté à la Cour, qui attira les yeux de tout le monde, et l’on doit croire que c’était une beauté parfaite, puisqu’elle donna de l’admiration dans un lieu où l’on était si accoutumé à voir de belles personnes. »[17] Dass sie an einem Ort, an dem man daran gewöhnt war, schöne Frauen zu sehen, auf eine derartige Bewunderung stößt, spricht für ihre außergewöhnliche Schönheit, die jene aller anderen Damen des Hofes zu übertreffen scheint und ihr Tür und Tor öffnet:

Cette nouvelle beauté fut longtemps le sujet de toutes les conversations. La reine lui donna de grandes louanges et eut pour elle une considération extraordinaire. La reine dauphine en fit une de ses favorites et pria madame de Chartres de la mener souvent chez elle. Mesdames filles du roi l’envoyaient chercher pour être de tous leurs divertissements. Enfin, elle était aimée et admirée de toute la Cour […].[18]

Zudem erfährt man, dass die junge Frau nicht nur schön, sondern auch von hoher Geburt ist und aufgrund ihres Ranges und ihres Vermögens zu den besten Partien des Königreichs zählt.[19] Bedingt durch den frühen Tod ihres Ehemannes kümmert sich Madame de Chartres allein um ihre Tochter, die sie nach strengen moralischen Werten erzieht: « […] [E]lle [Madame de Chartres, Anm. d. Verf.] avait donné ses soins à l’éducation de sa fille ; mais elle ne travailla pas seulement à cultiver son esprit et sa beauté, elle songea aussi à lui donner de la vertu et à la lui rendre aimable. »[20] Weiterhin werden ihre Bescheidenheit[21], ihre vornehme Gesinnung[22] sowie ihre Aufrichtigkeit[23] erwähnt.

[...]


[1] Über die Schreibweise ihres Namens herrscht allgemeine Uneinigkeit. So lassen sich mitunter auch die Varianten de LaFayette sowie de Lafayette finden.

[2] Vgl. Garapon, Jean (1994): La Princesse de Clèves (1678). Madame de Lafayette. Resumé, Person-nages, Thèmes, Paris: Hatier, S. 7

[3] Matzat, Wolfgang (1985): „Affektrepräsentation im klassischen Diskurs: La Princesse de Clèves , in: Nies, Fritz/Stierle, Heinz (Hg.): Französische Klassik. Theorie – Literatur – Malerei, München: Fink, S. 231- 266, hier: S. 231.

[4] Im Sinne einer leichteren Lesbarkeit wird im Folgenden stets die Bezeichnung „Madame/Princesse de Clèves“ für Mademoiselle de Chartres verwendet – auch wenn die dargestellte Szene sich vor der Hochzeit mit Monsieur de Clèves abspielt.

[5] Schneider, Margot (1983): „Amour passion“ in der Literatur des 17. Jahrhunderts, insbesondere im Werk Mme de Lafayette, Frankfurt am Main: Universitätsverlag (Diss.), S. 95.

[6] Madame de La Fayette (1999): La Princesse de Clèves, Paris: Librairie Générale Française, S. 45.

[7] Vgl. Garapon (1994), S. 47.

[8] Madame de La Fayette (1999), S. 46.

[9] Vgl. Brink, André (1998): The novel. Language and narrative from Cervantes to Calvino, New York: Macmillan., S. 56f.

[10] Vgl. Madame de La Fayette (1999), S. 71.

[11] Ebd., S. 75.

[12] Vgl. Garapon, (1994), S. 49

[13] Matzat (1985), S. 232.

[14] Schneider (1983), S. 95.

[15] Ebd.

[16] Vgl. Campbell, John (1996) Questions of interpretation in La Princesse de Clèves, Amsterdam/Atlanta: Rodopi, S. 72f.

[17] Madame de Lafayette (1999), S. 53f.

[18] Ebd., S. 57f.

[19] Vgl. ebd., S. 54.

[20] Ebd.

[21] Vgl. ebd., S. 57.

[22] Vgl. ebd., S. 66.

[23] Vgl. ebd., S. 68.

Details

Seiten
20
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656684701
ISBN (Buch)
9783656684688
Dateigröße
438 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v275698
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
2,3
Schlagworte
Roman Klassik Princesse de Clèves Madame de La Fayette amour vs. passion

Autor

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