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Analyse von ASP-Anbietern unter softwaretechnischen und wirtschaftlichen Aspekten

Diplomarbeit 2001 74 Seiten

Informatik - Wirtschaftsinformatik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Ziel der Arbeit
1.2 Begriffsbestimmung und Grundlagen
1.3 Eingrenzungen des Themas
1.4 Hinweise zur Literaturrecherche
1.5 Danksagung

2 Softwaretechnische Aspekte
2.1 Web-basiertes ASP
2.1.1 HTML
2.1.2 XML
2.1.3 Java und Java-Applets
2.1.4 Einschätzung
2.1.5 Beispiele für web-basierte ASP-Anwendungen
2.1.5.1 ERP-Lösungen
2.1.5.2 Kaufmännische Lösungen
2.1.5.3 Technologieübersicht
2.2 Server-basiertes ASP
2.2.1 Tarantella Enterprise Server 3, Tarantella
2.2.2 Terminal Services, Microsoft
2.2.3 Metaframe, Citrix
2.2.4 Einschätzung und Technologieübersicht
2.2.5 Beispiele für server-basierte ASP-Anwendungen ..
2.2.5.1 MetaFrame-Lösung, asp4you
2.2.5.2 Tarantella-Lösung, work-Center GmbH

3 Wirtschaftliche Aspekte
3.1 Kundennutzen
3.1.1 Planungssicherheit
3.1.1.1 Abrechnungsmodelle
3.1.1.2 Service Level Agreements (SLA)
3.1.2 Professionelle IT-Nutzung
3.1.2.1 Professionelle Softwarenutzung
3.1.2.2 Professionelle Hardwarenutzung
3.2 Kostenaspekte
3.2.1 TCO - Total Cost of Ownership
3.2.2 ROI

4 Resümee

5 Quellenverzeichnis
5.1 Literatur
5.2 Internet-Quellen
5.2.1 Unternehmensspezifische Literatur
5.2.1.1 Citrix Systems Inc
5.2.1.2 SUN
5.2.1.3 Tarantella
5.2.1.4 Microsoft
5.2.2 Sonstige
5.3 Weiterführende Internet-Quellen
5.3.1 Allgemeine Informationen
5.3.2 Produktspezifische Informationen
5.4 Abbildungen
5.5 Tabellen

6 Anhang

Marktübersicht ASP-Anwendungen

1 Einleitung

Diese Diplomarbeit behandelt die Analyse von ASP (Application Service Proving) - Anbietern unter softwaretechnischen und wirtschaftlichen Aspekten.

Nach einer kurzen Begriffsbestimmung sowie Eingrenzungen des Themas und Hinweisen zur Literaturrecherche, wird auf die softwaretechnische Seite der ASP-Anbieter eingegangen. Die Darstellung dieses Teils der Arbeit erfolgt weitgehend unspezifisch, da fast alle befragten Unternehmen wenig oder keine Auskunft über deren softwaretechnische Lösung der ASP-Anwendung gaben. Im Folgenden werden die wichtigsten Möglichkeiten dargestellt, die einem ASP-Dienstleister zur Verfügung stehen, um seine Dienste und Anwendungen im Sinne des ASP-Geschäftsmodells anzubieten. Hierbei wird insbesondere auf die am Markt verfügbare Middleware eingegangen. Auf Grundlage dieser Erkenntnisse wird danach eine kritische Einschätzung der Fähigkeiten der verschiedenen softwaretechnischen Mittel gegeben.

Nach diesem Teil der Arbeit werden wirtschaftliche Aspekte des ASP dargestellt. Besonderes Augenmerk wird hier auf den Nutzen für einen potentiellen ASP-Kunden und auf die Kostenaspekte des ASP gelegt.

Abschließend wird ein kritisches Resümee gezogen, welches beide Hauptteile der Arbeit integriert. Diese Einschätzung soll dem möglichen ASP-Kunden als Entscheidungshilfe und Informationsquelle dienen.

1.1 Ziel der Arbeit

ASP ist eines der bekanntesten Schlagwörter der heutigen ITLandschaft. Allerdings bedarf dieses Geschäftsmodell einiger Erklärungen. Fast die gesamte Literatur beschäftigt sich mit den Vorteilen des ASP und dessen riesigem Wachstumspotential. Kaum eine Publikation erläutert den softwaretechnischen Hintergrund und die Probleme, die es zu lösen gilt, um eine Anwendung oder eine Dienstleistung für diese Art der Softwarenutzung tauglich zu machen.

Um diesem Informationsdefizit entgegen zu wirken, versucht der Autor in seiner Arbeit Antwort auf folgende Fragen zu geben:

Welche softwaretechnischen Möglichkeiten sind vorhanden, um Anwendungen ASP-fähig zu machen? Welche wirtschaftlichen Aspekte des ASP sind für den Kunden wirklich wichtig? Welche Arten von ASP-Applikationen gibt es? Für welche Kunden lohnt sich ASP überhaupt?

Eine neuere Umfrage von Berlecon Research aus Berlin in Zusammenarbeit mit der „Computerwoche“ zeigt die Hauptkritikpunkte, weshalb ASP-Anwendungen nicht verwendet werden.1 Nachfolgende Abbildung 1 zeigt die Auswertung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Warum wird ASP nicht eingesetzt ?

Insbesondere für diese Arbeit interessant, ist die Nennung von Zweifeln an der Funktionsfähigkeit und Leistung der ASP- Anwendung mit 23 Prozent. Diese Aussage beinhaltet auch die Frage nach der softwaretechnischen Umsetzung von ASP. Somit bietet diese Arbeit für rund ein Viertel der ASP- Interessierten einen Einblick in die vorhandene Softwaretechnik des ASP-Marktes.

Außerdem sind rund 28 Prozent der Umfrageteilnehmer nicht davon überzeugt, dass ASP für sie einen wirklichen Kostenvorteil im Vergleich mit herkömmlichen Software- Lösungen bringen könnte. Darüber hinaus fehlen den Befragten passende Abrechnungsmodelle für den Einsatz von ASP oder diese sind undurchsichtig für den potentiellen ASP-Kunden.

Die Fragen bezüglich softwaretechnischer Aspekte und wirtschaftlicher Überlegungen des ASP werden in den einzelnen Punkten der Arbeit diskutiert. Zunächst will der Autor wichtige Grundlagen zum Thema des ASP erläutern und einige wichtige Begrifflichkeiten festlegen.

1.2 Begriffsbestimmung und Grundlagen

In den folgenden Ausführungen sollen verschiedene Abkürzungen und Fachbegriffe kurz erläutert werden, um dann Grundlagen des ASP darzulegen.

Unter Application Service Providing (ASP) versteht man, dass die benötigten Anwendungen oder Applikationen nicht mehr auf einem lokalen Rechner im Unternehmen installiert sind, sondern auf dem Server (Applikationsserver) eines externen Dienstleisters (Application Service Provider), der die Software über ein Netzwerk jeglicher Art zur Verfügung stellt. Eigentümer der Software bleibt der AS-Provider. Dessen Kunde mietet die Software.

Neben der Bereitstellung der Applikationen übernimmt der ASProvider die Pflege, Wartung und Bereitstellung der Soft- und Hardware sowie die Abrechnung der Softwarenutzung.

Grundsätzlich gibt es zum heutigen Zeitpunkt zwei vorherrschende Arten von ASP-Technologien, um Anwendungen im ASP-Geschäftsmodell anbieten zu können. Diese unterscheiden sich durch die Verarbeitung der Anwendungslogik der Applikation:

- Server-basiertes ASP:

Hier befindet sich die Applikation vollständig auf dem Applikationsserver des AS-Providers. Dort wird auch die Verarbeitungslogik durchgeführt. Hierfür sind allerdings Zusatzprogramme, sogenannte Clients, nötig, um die Bildschirmanzeige des Servers auf den Monitor des Benutzers abzubilden und die Eingaben des Benutzers auf den Server zu übertragen.

- Web-basiertes ASP:

Diese Technik unterscheidet sich in der Art der Verarbeitung der Daten von der server-basierten ASP- Lösung. Hier wird ein Teil der Anwendungsdaten über das Netz übertragen und dann auf dem lokalen Rechner ausgeführt. Eine andere Bezeichnung für diese Art des ASP ist das client-basierte (clientbased) oder Network Computing.2

1.3 Eingrenzungen des Themas

Zur Zeit befindet sich das ASP-Modell und dessen softwaretechnische Umsetzung in einem Strukturwandel. Die US-amerikanischen Unternehmen Microsoft und Sun Micro- systems versuchen jeweils mit deren eigener Strategie (.NET im Falle von Microsoft und Sun mit SUN ONE) geeignete Werkzeuge und Plattformen am Markt zu etablieren, mit denen es für den ASP-Anbieter möglich sein soll, die Anwendungen bereits ASP-fähig zu entwickeln und zu programmieren. Microsoft prägte hierfür den Begriff des Web-Service für alle Arten von Anwendungen oder Diensten, welche in irgendeiner Art über das Internet genutzt werden können. Da diese beiden Strategien noch nicht marktreif sind, sind sie nicht Bestandteil der Arbeit.

Die Eingrenzung des Themas auf regionale Anbieter in Deutschland ergibt sich auf Grund der erhältlichen ASP- Anwendungen meist von selbst, da viele Software- dienstleistungen auf Basis von gesetzlichen Vorschriften angeboten werden. Beispiele hierfür sind Dienste für die Reise- kostenabrechnung, die die länderspezifischen Umsatz- steuersätze oder die Verpflegungspauschalen in deren Softwarelösung integriert haben.

Sicherheitsaspekte der softwaretechnischen Seite des ASP werden nur explizit behandelt, wenn diese nicht über das SSL- Protokoll (Secure Sockets Layer) abgewickelt werden können. Diese Verschlüsselungsart kann bei fast allen web-basierten ASP-Anwendungen, deren Datenübertragung per HTTP beziehungsweise TCP/IP erfolgt, eingesetzt werden, da die Codierung Aufgabe des Web-Servers ist. Dort müssen entsprechende Vorkehrungen für den sicheren Datentransfer getroffen werden.

1.4 Hinweise zur Lite]raturrecherche

Auf Grund der Aktualität des Themas und der Schnelllebigkeit von Internettechnologien erwies sich die Literaturrecherche nach herkömmlichen Quellen, wie Büchern und Zeitschriften, als sehr unergiebig. Folglich musste der Autor fast ausschließlich auf Internetquellen zurückgreifen, die meist in Form von „White Papers“, technischen Spezifikationen und Fallstudien im pdf-Format zur Verfügung stehen.

Bei der Recherche nach passender und geeigneter produktspezifischer Literatur stellte sich heraus, dass die meisten Unternehmen nicht gewillt sind, detaillierte Informationen über deren Softwarelösungen für wissen- schaftliche Zwecke zur Verfügung zu stellen. Selbst direkte eMail-Anfragen des Autors wurden häufig nicht beantwortet oder eMail-Antworten enthielten einen Verweis auf Unternehmensbroschüren und Internetquellen.

1.5 Danksagung

Herzlichen Dank möchte ich an den Internetnachrichtendienst silicon.de, die IBM Deutschland GmbH sowie an die asp4you GmbH richten. Diese Unternehmen waren dem Autor bei der Suche nach Informationen, bei der Bereitstellung von Unterlagen und bei telefonischen Nachfragen mehr als hilfsbereit.

Ebenfalls danken möchte der Autor Professor Dr. Bieber, der durch eMail-Kontakt und persönliche Gespräche die Arbeit an diesem Thema interessant gestaltet und dem Autor Anregungen zur weiteren Vorgehensweise gegeben hat.

2 Softwaretechnische Aspekte

Softwarehersteller und Dienstleister sehen durch die fortschreitende Verbreitung des Internet und dessen zu- nehmender Akzeptanz als Werkzeug ihre Möglichkeiten wachsen, zusätzliche Kunden zu gewinnen. Bereits bestehende Geschäftsbeziehungen werden um die Sparte der Internet- anwendungen erweitert. Hierbei ist es für die o. g. Anbieter äußerst wichtig, möglichst schnell eine lauffähige Anwendung am Markt zu haben. Der Faktor time-to-market ist also sehr bedeutend für sie.

Dies bestätigt ebenfalls eine Studie der „Computerwoche“ in Zusammenarbeit mit PAC (Pierre Audoin Conseil). Hier nennen 89 Prozent der Kunden und 86 Prozent der ASP-Anbieter die schnelle Einführung von Software als wichtigen Vorteil von ASP-Anwendungen.3 Insofern stellt sich die Frage, wie es ASP- Anbieter schaffen, ihren Dienst oder ihre Anwendung dem Kunden zugänglich zu machen. Die Antwort hierauf geben zwei softwaretechnische Verfahren, die den größten Teil des ASP- Marktes abdecken. Im Folgenden werden die beiden führenden softwaretechnischen Verfahren dargestellt, analysiert und bewertet.

2.1 Web-basiertes ASP

Unter web- bzw. client-basierten Applikationen versteht man Anwendungen, die teilweise oder komplett über ein Netzwerk übertragen und von einem lokalen Rechner verarbeitet werden. Die Bezeichnung web-basierte Anwendungen beschreibt die Art der verwendeten Technologien besser als client-basierte, da hier bereits aus dem Begriff heraus erahnt werden kann, dass Web-Technologien zum Einsatz kommen, wohingegen client- basiert lediglich den Ort der Applikationsverarbeitung benennt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: web-basierte Anwendungen und Technologien

Im web-basierten ASP-Bereich ist der Grossteil der Anwendungen entweder

- als Java Programm oder Java-Applet erstellt oder
- in einer serverseitigen Skriptsprache wie Perl oder Smalltalk erstellt und
- mit HTML und/oder XML als Frontend der Anwendung verknüpft.

Um die Vorteile der unterschiedlichen Möglichkeiten kennen zu lernen, werden im Folgenden diese Basistechnologien erläutert und bewertet.

2.1.1 HTML

Grundsätzlich ist HTML eine Beschreibungssprache, die Befehle (tags) über die Formatierung und das Aussehen des eigentlichen Inhalts des Dokuments enthält. Standardbrowser interpretieren die HTML-Dokumente und stellen den Inhalt der Internetseite dar.

In den meisten ASP-Anwendungen werden die benötigten HTML-Dokumente, welche die Daten des Kunden enthalten, dynamisch durch serverseitige Skriptsprachen erstellt. Dies hat Vorteile aber auch Nachteile.

Standardbrowser können HTML-Dokumente problemlos darstellen. Dies ist eine direkte Folge der Standardisierung des HTML-Befehlssatzes. Somit soll gewährleistet werden, dass die Datenausgabe an jedem Kundenrechner, der einen HTMLfähigen Browser installiert hat, die gleiche ist.

Des Weiteren können ASP-Frontend’s mit HTML relativ leicht erstellt werden, da entsprechende grafische Software- werkzeuge auf dem Markt angeboten werden. Dies führt zu kürzeren Softwareproduktions- und time-to-market-Zeiten für ASP-Anbieter und deren Kunden.

Außerdem besteht die Möglichkeit, serverseitige Skriptsprachen leicht in die Anwendung zu integrieren. Der standardisierte Befehlssatz von HTML ermöglicht es, die Befehle für die meisten server- und clientseitigen Skriptsprachen wie Perl, VBScript, etc. direkt in den HTML-Code einzubauen. Hierzu gehört auch Javascript. Dies ist eine einfache Programmier- sprache, die direkt in HTML-Seiten eingebettet werden kann. Sie wird meist dazu benutzt, kleinere Anwendungen zu erstellen und das Frontend mit zusätzlichen Funktionen auszustatten.4

Ein weiterer Vorteil von HTML ist, dass die Brandbreite, also die Übertragungskapazität der Internetverbindung, für web-basierte Anwendung auf Basis von HTML nicht hoch sein muss. Meist reicht eine ISDN-Verbindung mit 64 kbit/s aus, um zügiges Arbeiten mit der Anwendung zu ermöglichen.

Diese Vorteile werden von den ASP-Anbietern konsequent genutzt, um entsprechende Anwendungen zu konzipieren. Allerdings stehen diesen Vorteilen deutliche Nachteile gegenüber:

HTML ist nicht gleich HTML. HTML-Dokumente werden de facto nicht von jedem HTML-Browser gleich dargestellt. Somit ist die oben genannte Browserunabhänigkeit nicht gegeben und für verschiedene kundenseitig installierte Browserversionen müssen unterschiedliche HTML-Dokumente erstellt werden. Somit steigt der Programmieraufwand für die ASP-Anbieter wieder.

Ferner sind serverseitige Skripte, die das eigentliche Programm darstellen, mit viel Programmieraufwand zu erstellen, da HTML für die grafische Aufbereitung der Daten verantwortlich ist. Meist werden hier Perl, Smalltalk oder Active Server Pages benutzt. Die Programmierung dieser Skripte ist zeit- und kostenaufwendig.

Darüber hinaus ist die Interoperabilität der Anwendung durch die Verwendung von HTML nur bedingt gewährleistet. Inter- operabilität bedeutet, dass Anwendungen auf unterschiedlichen Plattformen, möglichst ohne große Anpassungen, arbeiten können. Da HTML eine Beschreibungssprache ist, die nur HTML-fähige Endgeräte interpretieren können, werden andere Endgeräte wie Mobilfunkgeräte, Handhelds, etc. von der Verwendung der ASP-Anwendung ausgeschlossen. Allerdings stellt sich hier die Nutzenfrage einer mobilen Verwendung.

Einen Ausweg bieten zusätzliche Dienste an, die HTMLDokumente in andere Formate umwandeln können, um die Inhalte anderen Endgeräten zugänglich zu machen. Hier kommt ein neuer Standard ins Spiel, der die Erstellung und Anwendung von ASP-Applikationen erleichtern könnte: XML, Extensible Markup Language.

Des Weiteren bietet HTML von Grund auf kein Schnittstellenmanagement an, auf dessen Basis ein Daten- austausch mit anderen Anwendungen erfolgen könnte. Dies müsste dann im serverseitigen Skript hinterlegt werden und bedeutet somit zusätzliche Herstellungskosten und Pro- duktionszeiten für die ASP-Anwendung. Einen Ausweg bietet hier ebenfalls XML.

2.1.2 XML

XML ist eine Technologie, die unter Anwendungsentwicklern im Internet immer weitere Verbreitung findet, da sie die Informationen von deren Darstellung trennt. Wie bereits angesprochen, beinhaltet ein HTML-Dokument die eigentlichen Dateninformationen und die grafischen Layoutelemente wie Fettschrift, rechtsbündige Ausrichtung, etc. XML-Dokumente enthalten lediglich die Dateninformationen.

Das Beispiel in Tabelle 1 zeigt HTML- und XML-Code mit gleichem Inhalt. Es verdeutlicht die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale zwischen beiden Möglichkeiten, Daten anzuzeigen und zu speichern.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Codebeispiel HTML vs. XML

Der wichtigste Unterschied beider Technologien, außer der Syntax, ist der, dass XML ohne Hintergrundwissen über die Verwendung der Daten bereits im Sourcecode den Inhalt des Dokumentes erkennen lässt. Bei HTML hat der Anwender ohne Spezialkenntnisse keine Chance, die Daten den richtigen fachlichen Begrifflichkeiten zuzuordnen. Folglich ist XML geradezu prädestiniert, Daten semantisch korrekt und ohne die grafischen Anweisungen eines HTML-Dokumentes zu speichern. Das Layout der XML-Dokumente beinhaltet eine separate XSL-Datei, Extensible Stylesheet Language, die erst bei Anforderung der XML-Dokumente zum Einsatz kommt.5

Folglich spricht einiges dafür, web-basierte ASP-Lösungen auf Grundlage der XML-Technologie zu erstellen.

XML ermöglicht es dem Anbieter von ASP-Lösungen, spezifische Sprachelemente selbst zu erstellen. In der oben gezeigten Tabelle 1 gibt es das Element <product>, welches Produktinformationen enthält. Dies ist in dieser Art und Weise mit HTML nicht machbar. Somit ist es für den ASP- Anwendungsprogrammierer einfacher auf, die Inhalte der Dokumente zugreifen zu können, und es erfordert kürzere Produktionszeiten und geringere Herstellungskosten.

Mit XML ist die Interoperabilität gewährleistet, da Layout und Inhalt getrennt gespeichert werden. Der Anwendungs- programmierer muss noch immer ein Frontend für ein Endgerät erstellen. Allerdings ist dieser Aufwand als gering einzuschätzen, da lediglich die spezifischen Layoutvorgaben programmiert werden müssen. Weiterhin besteht die Möglichkeit, XML-Dokumente mit Hilfe von XSLT (Extensible Stylesheet Language Transformation) in HTML-Dateien zu transformieren, um deren Inhalte von herkömmlichen Browsern anzeigen zu lassen.6

Ebenfalls ein Punkt, der für die Interoperabilität von web- basierten ASP-Anwendungen auf Basis von XML-Dokumenten spricht, ist die Unterstützung durch die Programmiersprache Java des US-amerikanischen Unternehmens Sun. Diese Firma bietet bereits Schnittstellen an, mit deren Hilfe man aus Java- Anwendungen und Java-Applets auf XML-Dokumente zugreifen kann. Dazu im Abschnitt 2.1.3 mehr.7

Überdies besteht großes Interesse seitens der ASP-Anbieter, ein Dateiformat im Geschäftsverkehr des Internet zu etablieren, das anwendungsübergreifend, anwendungsunabhängig und anbieterunabhängig verwendet werden kann, ähnlich der SQL- Sprache im Datenbankbereich. XML ist durch Trennung von Layout und Inhalt auf dem besten Wege, sich im professionellen Bereich als Standard durchzusetzen. Folglich ist es nur vernünftig, ASP-Anwendungen auf Basis von zu- künftigen Standards zu entwickeln. Nachstehende Abbildung 3 zeigt den Einsatz von XML in der Praxis bei der web-basierten ASP-Anwendung reisekosten.de des Freiburger Unternehmens Classware GmbH. Bei dieser Lösung werden bei der Ein- und Ausgabe der Daten Dokumente auf Basis der XML-Technologie erzeugt.8

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Diagramm reisekosten.de

Weiterhin ermöglicht, die baumartige Struktur von XML- Dokumenten, relationale Datenbankstrukturen fast eins zu eins in XML abzubilden. Die meisten professionellen RDBMS (Relationale Datenbankmanagementsysteme) bieten bereits XML-Schnittstellen an.9 Somit entsteht aus dem Zusammenspiel von Perl, Smalltalk oder anderen Skript- sprachen eine Möglichkeit, web-basierte ASP-Anwendungen standardisiert und anwendungsübergreifend zu erstellen. Für die Anbindungen von Perl oder Smalltalk wird auf weiterführende Literatur verwiesen.

Die beiden oben genannten Technologien HTML und XML, jeweils in Verbindung mit serverseitigen Skriptsprachen, stellen den Grossteil der am Markt befindlichen web-basierten ASP- Anwendungen dar. Darüber hinaus gibt es noch andere Technologien, die verwendet werden können, diese Art von ASP-Applikationen zu entwickeln. Hier sei der proprietäre Standard der Active-X Controls von Microsoft genannt, der es ermöglicht, Anwendungen nach einer Art Baukastensystem zusammenzusetzen. Diese Anwendungen würden nur auf Kundenrechnern, die mit dem Microsoft Windows Betriebs- system ausgestattet sind, arbeiten können, da nur Windows diese Technologie unterstützt. Des Weiteren stellen diese Active-X Controls, nach herrschender Meinung, ein nicht zu unterschätzendes Sicherheitsrisiko für den Client-Rechner dar. Aus beiden genannten Gründen wird auf Actice-X nicht weiter eingegangen.

Allerdings gibt es darüber hinaus weitere Möglichkeiten, web- basierte Anwendungen zu entwickeln, die allgemein als sicher gelten. Der wichtigste Vertreter ist hier die Programmiersprache Java.

2.1.3 Java und Java-Applets

Java ist eine Programmiersprache der US-amerikanischen Firma Sun Microsystems Inc. aus dem Jahre 1995. Sie wurde für das Programmieren von Anwendungen in verteilten Umgebungen (z. B. Client / Server-Umgebungen) entwickelt. Das Internet ist ebenfalls eine Umgebung für verteiltes Arbeiten. Da man web-basierte ASP-Applikationen per definitionem in verteilten Umgebungen nutzen möchte, bietet es sich auf Grund dieser und anderer Eigenschaften an, ASP-Anwendungen mit Java zu entwickeln. Außerdem sind Java-Programme und Java- Applets auf jedem Rechner lauffähig, der eine Java Virtual Machine (JVM) installiert hat.

Java-Applets sind „kleine“ Java-Programme, zu deren Aus- führung ein Internet-Browser benötigt wird. Der Aufruf des Applets erfolgt meist durch einen Aufruf per <applet>-Tag10 aus

HTML-Code heraus. Danach wird das Applet vom Server geladen und dann auf der Client-Seite ausgeführt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Java im Vergleich

Im Vergleich mit anderen Programmiersprachen, siehe Abbildung 4, schneidet Java sehr gut ab. Allerdings muss man hierbei beachten, dass diese Übersicht aus einem White Paper von Sun Microsystems entnommen worden ist und auch die Bewertungsparameter offensichtlich zu Gunsten von Java ausgewählt worden sind. Trotzdem beweist diese Tabelle, dass die bereits angesprochenen Skriptsprachen wie Smalltalk und Perl ebenfalls gute Möglichkeiten anbieten, web-basierte ASP- Anwendungen zu erstellen.11

Ein Grund, warum es sinnvoll ist, ASP-Anwendungen auf Java- Basis zu entwickeln, ist die Einfachheit von Java. Einfachheit bedeutet im Zusammenhang mit web-basierten ASP- Anwendungen, dass die Programmierzeiten vermindert werden können. Programmierern, die C oder C++ kennen, fällt es nämlich leichter, sich in Java einzuarbeiten, da Java eine Weiterentwicklung von C++ ist. Folglich ist der ASP-Anbieter durch kürzere Entwicklungszeiten mit seinem Produkt schneller am Markt.

Weiterhin spricht für Java die Tatsache, dass ein Client- Rechner, an dem mit web-basierten ASP-Anwendungen auf Java-Basis gearbeitet werden soll, keine kostenintensive Hardwareausstattung benötigt. Die Java-Grundausstattung benötigt nach Angabe von Sun nur rund 215 KB an Hauptspeicher. Auf Basis dieser Angabe wäre es den ASP- Kunden möglich, sehr geringe Hardwareinvestitionen zu tätigen. Auf der anderen Seite ist die Hardware meist bereits vom ASP-Kunden angeschafft worden und deutlich besser ausgestattet als Java es formal fordert. Also ist dieser Vorteil nur noch bei größeren Neuinvestitionsvorhaben von Belang.

Ein weiterer wichtiger Grund, der für Java im Zusammenhang mit ASP spricht, ist die Interoperabilität von Java-Programmen. Wie unter Punkt 2.1.2 bereits genannt, ist dies ein entscheidender Punkt für die Verwendung von web-basierten ASP-Lösungen. Hierdurch verringern sich die Herstellungs- und Supportkosten dieser Art von ASP-Anwendungen deutlich, da nur eine Anwendung erstellt und gewartet werden muss, die dann auf allen Betriebssystemplattformen lauffähig ist, für die ein JVM existiert. Nach Aussagen von Sun werden alle wichtigen Desktopbetriebssysteme unterstützt.

Die unten stehende Abbildung 5 zeigt schematisch die Einsatzmöglichkeiten und Struktur von Java und Java-Applets. Insbesondere interessant ist, dass Java nur über die JVM auf den Client-Rechner zugreift.12

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: JAVA-Plattform

Dies wird ermöglicht durch das Compiler / Interpreter - Konzept, dem Java zu Grunde liegt. Allerdings liegen die Vor- und Nachteile dieses Konzeptes nah beieinander. Abbildung 6 zeigt die schematische Darstellung eines Java-Programmes. Der Entwickler erstellt seinen Sourcecode und kompiliert diesen dann in Java Bytecode. Dieser wird entweder vom Interpreter oder Just-in-Time (JIT)-Compiler übersetzt und erst dann vom Prozessor des Client-Rechners ausgeführt. Die Kompilierung mit Hilfe des JIT-Compilers erzielt, nach Angaben von Sun, eine um den Faktor 10 schnellere Ausführung des Java- Programmes als ohne ihn. Der Bytecode ermöglicht letztendlich die Interoperabilität von Java-Programmen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Schematische Darstellung eines Java-Programms

Ein- und dieselbe Java-Applikation läuft somit ohne Änderung auf allen unterstützten Systemen, für die es eine JVM gibt.13

Dadurch fallen diverse Entwicklungsschritte beim Erstellen der Anwendung weg und ermöglichen damit eine Verkürzung der Herstellungszeit.

Allerdings ist die Verwendung von Java-Programmen immer noch eine langsame Angelegenheit. Trotz der Versuche seitens Sun, die Programmausführung zu beschleunigen, gelingt es nicht, annehmbar schnelles Arbeiten mit den meisten Java- Programmen zu ermöglichen. Vor allem bei einer geringen Übertragungsbandbreite wie Modem- und ISDN-Anbindungen sind Java-Programme träge und langsam in der Ausführung.

Nach diesen Ausführungen über die softwaretechnischen Basistechnologien, mit denen ASP-Anbieter ihre Produkte erstellen und sie am Markt anbieten, soll im nächsten Teil der Arbeit eine Einschätzung dieser web-basierten ASP-Anwen- dungen und die Chance der verwendeten Technologien gegeben werden. Darauf folgt eine Darstellung einiger Anbieter dieser Art von ASP-Anwendung aus verschiedenen Anwendungsbereichen.

2.1.4 Einschätzung

Die Ausführungen über die Web-Technologien HTML, XML, Java und Java-Applets haben einen Einblick gegeben, wie ASP-Anbieter ihre Software an den Kunden bringen können. Allerdings hat sich gezeigt, dass die web-basierten ASP- Applikationen den kleineren Teil der professionellen ASP- Anwendungen darstellen. Welche Gründe gibt es hierfür? Warum finden diese Technologien, die deutliche Vorteile in verteilten Umgebungen (z. B. Internet) aufweisen, kaum Interesse auf Seiten der AS-Provider?

Grundsätzlich spricht vieles dafür, web-basierte ASPAnwendungen mit diesen Technologien zu erstellen. Wie bereits oben ausgeführt, ist der größte Vorteil die Interoperabilität der Anwendung hinsichtlich des Betriebsystems und den dahinter agierenden RDBMS durch den Zugang via XML, Java, Perl, Smalltalk, etc.

Außerdem verspricht die Verwendung von web-basierten ASP- Applikationen geringe Hardwareinvestitionen und kaum Vor-Ort- Installationen einer Software. Doch bei den meisten Kunden dürfte es so sein, dass Arbeitsplatzrechner bereits vorhanden sind und diese nicht erst angeschafft werden müssen. Darüber hinaus bieten heutige Standard-PCs bereits genügend Ausstattung, um fast jede Art von Software lokal zu installieren und auszuführen. Somit ist der Vorteil der geringen Hardwareinvestitionen nur zum Teil gegeben.

Für die Verwendung von web-basierten Anwendungen spricht weiterhin, dass auf Herstellerseite geringere oder keine Client- Lizenzkosten an den Softwarehersteller zu zahlen sind. Dies ist für den ASP-Kunden allerdings lediglich von indirekter Bedeutung. Solche finanziellen Vorleistungen seitens des AS- Providers schlagen sich im Preis für den Kunden nieder. Somit kann man abschätzen, dass eine Applikation, die mit ver- gleichbarer Funktionalität via Web angeboten wird, im all- gemeinen billiger sein wird als eine server-basierte Lösung gleicher Qualität.

Gegen web-basierte ASP-Lösungen spricht allerdings, dass diese Anwendungen erst programmiert werden müssen und somit zeit- und kostenintensiv sind. Dieses Problem haben die

[...]


1 Vgl. Hackmann, Joachim, Zu viele Stolpersteine für ASP, in: Computerwoche, Ausgabe 45/2001, 28. Jg. (2001), S. 52.

2 Vgl. Citrix, Application Serving White Paper, 2000, S. 3-4. Online im Internet: URL: http://www.citrix.com/products/library/pdf/APPLICATION_SERVING_WP_0700.PD F [27.12.2001].

3 Vgl. Seidel Bernd, ASP: Großes Angebot - schleppende Nachfrage. Online im Internet: URL: http://www2.computerwoche.de/index.cfm?pageid=256&artid =26980&main_id=26980&category=27&currpage=3 [01.12.2001].

4 Vgl. searchwebmanagement.com. JavaScript. Online im Internet: URL:

http://searchwebmanagement.techtarget.com/sDefinition/0,,sid27_gci212418,00.ht ml [10.12.2001].

5 Vgl. Goldfarb, Charles F., XML in an Instant, 1999. Online im Internet: URL: http://www.xml.org/xml/goldfarb.shtml [15.12.2001].

6 Vgl. Münz, Stefan, XML als Definitionssprache für Auszeichnungssprachen, 2001. Online im Internet: URL: http://selfhtml.teamone.de/intro/technologien/xml.htm [15.11.2001].

7 Vgl. Sun, XML at Sun, 2002. Online im Internet: URL:

http://www.sun.com/software/xml/faqs.html#3 [13.01.2002].

8 Vgl. Holzer, T., Knöfel, S., Siegling, I., Mit XML um die Welt, 2000. Online im Internet: URL: http://www.heise.de/ct/00/10/214/ [13.01.2002].

9 Vgl. Hampton, K., Using XML and Relational Databases with Perl, 2000. Online im Internet: URL: http://www.xml.com/pub/a/2000/12/13/perlxmldb.html [10.01.2002].

10 Ein Tag ist ein HTML-Befehlscode

11 Vgl. Gosling, J., McGilton, H., The Java Language Environment, 1996, S.71-73. Online im Internet: URL: ftp://ftp.javasoft.com/docs/papers/langenviron-pdf.zip [13.01.2002].

12 Vgl. Kramer, D., The Java Platform, 1996, S. 10-16. Online im Internet: URL: ftp://ftp.javasoft.com/docs/papers/JavaPlatform.pdf [04.01.2002].

13 Vgl. Gosling, J., McGilton, H., a. a. O., S. 50-59.

Details

Seiten
74
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638116640
ISBN (Buch)
9783638690935
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v2757
Institution / Hochschule
Fachhochschule für Wirtschaft Berlin
Note
1
Schlagworte
Analyse ASP-Anbietern Aspekten

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Titel: Analyse von ASP-Anbietern unter softwaretechnischen und wirtschaftlichen Aspekten