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Die Pflegevisite. Instrument der Qualitätssicherung

Akademische Arbeit 2006 21 Seiten

Pflegemanagement / Sozialmanagement

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entstehung und Definition der Pflegevisite

3. Die Pflegevisite – Instrument der Qualitätssicherung
3.1 Der Pflegeprozess
3.2. Die Pflegevisite – Führungsinstrument vs. Instrument der klientenzentrierten Pflege
3.3 Diskussion zur praktischen Anwendung
3.4 Partizipation

4. Zusammenfassung

5. Anhang

Literaturverzeichnis (inkl. weiterführender Literatur):

Abkürzungsverzeichnis:

1. Einleitung

In dieser Arbeit soll die Pflegevisite als ein Instrument der Qualitätssicherung vorgestellt werden. Dass eine kontroverse Auseinandersetzung mit dem Begriff Pflegevisite stattfindet, beweist die Vielfalt an Definitionen, die zum Teil unterschiedliche Schwerpunkte festlegen. Einen Überblick gibt das 2.Kapitel. Im 3. Kapitel wir die Pflegevisite mit Bezug auf ihre qualitätssichernde Funktion diskutiert. Die Diskussion soll verdeutlichen, welches Potential sie im Rahmen eines klientenzentriert durchgeführten Pflegeprozesses besitzt. Es thematisiert des Weiteren konträre theoretische Sichtweisen und deren Auswirkung auf das praktische Verständnis und beleuchtet den Erfolgsanteil der Partizipation beim Erreichen der Qualitätsziele im Rahmen der Pflegevisite.

2. Entstehung und Definition der Pflegevisite

Visite, abgeleitet vom lateinischen Wort visitare, bedeutet: besuchen, hingehen. Das Bertelsmann Lexikon definiert Visite als Besuch und genauer als „Besuch zur Untersuchung von Kranken“.[1] Der Duden definiert Visite als „Krankenbesuch des Arztes im Krankenhaus“.[2] Daraus lässt sich einerseits schließen, dass die Abstammung des Begriffes aus der Terminologie der Mediziner stammt und andererseits, dass es sich um eine interaktive und beziehungsgestützte Maßnahme handelt, die dem Kennen lernen und dem Austausch dient.[3] Die Araber benutzten das Wort bereits im 10. Jahrhundert für die Befragung des Patienten nach seinem körperlichen und seelischen Befinden, also im Sinne einer ganzheitlichen körperlichen Medizin.[4]

Der Begriff Pflegevisite tauchte erstmals 1978 in Verbindung mit einer Übergabe am Bett auf einer Intensivstation auf.[5] In der Folge entwickelten sich viele unterschiedliche Durchführungsformen mit der Auswirkung, dass die Fachwelt immer noch kein einheitliches Verständnis ihrer Anwendung besitzt. Die folgenden zeitlich geordneten Definitionen geben diesbezüglich einen Überblick.

Die Pflegevisite ist „eine Interaktion von Sachverständigen der Pflege

- initiiert von Pflegedienstleitung und Pflegenden,
- durchgeführt mit dem Patienten,
- analog der Methode des Pflegeprozesses
- mit dem Ziel der Qualitätssicherung und der Entwicklung einer Pflegekultur im Krankenhaus“.[6]
„Die Pflegevisite ist ein regelmäßiger Besuch bei und ein Gespräch mit der/ dem Klienten/ in über ihren/ seinen Pflegeprozess. Die Pflegevisite dient der gemeinsamen:
- Benennung der Pflegeprobleme und Ressourcen beziehungsweise der Pflegediagnose
- Vereinbarung der Pflegeziele
- Vereinbarung der Pflegeinterventionen
- Überprüfung der Pflege“.[7]

„Pflegevisite ist ein regelmäßiger, gemeinsamer Besuch der Krankenschwestern und -pfleger des Pflegeteams bei Patienten, um im Gespräch alle Schritte der Pflege zu erörtern. Gruppen-/ Schicht-/ Stations- und Abteilungsleitung/ PDL sollten sich durch die Teilnahme einen Überblick über die geleistete und zu leistende Pflege verschaffen sowie ihrer Verpflichtung zur Fachaufsicht und Kontrolle nachkommen. Der Krankenpflegeprozess muss der thematische Mittelpunkt der Pflegevisite sein“.[8]

„Pflegevisite: regelmäßiger Besuch von Pflegekräften bei der KundIn zwecks Informationsaustausch und gleichzeitiger Kontrolle des Pflegeprozesses. Es gibt Mikro- und Makrovisiten“.[9]

„Die Pflegevisite ist ein Instrument zur Überprüfung von pflegerischen Leistungen und deren Qualität. Sie wird in festgelegten Abständen von den zuständigen Pflegemitarbeiter/ innen als strukturierter Klientenbesuch durchgeführt. Die Teilnahme von Angehörigen oder anderen Bezugspersonen sowie weiteren an der Betreuung beteiligten Berufsgruppen ist wünschenswert. Grundsätzlich werden zwei Formen der Pflegevisite

unterschieden:

- Die Supervidierende Pflegevisite: Sie wird von einer leitenden bzw. vorgesetzten Pflegefachkraft mit der zuständigen Pflegekraft vor Ort durchgeführt.
- Die kollegiale Pflegevisite: Sie wird von hierarchisch gleichgestellten Pflegenden durchgeführt, z.B. führt eine Pflegemitarbeiterin der Station A eine Pflegevisite auf Station B mit einer dortigen Kollegin durch.

Beide Formen unterscheiden sich hinsichtlich der durchführenden Personen, jedoch nicht bzgl. der Ziele, der Inhalte oder der Durchführung vor Ort“.[10]

„Die Pflegevisite wird als Besuch beim Bewohner durchgeführt und dient u.a. der Erörterung des Befindens des Pflegebedürftigen, seiner individuellen Wünsche und seiner Zufriedenheit mit der Pflegeeinrichtung sowie der Erstellung, kontinuierlichen Bearbeitung und Kontrolle der Pflegeplanung sowie -dokumentation. Gleichzeitig bildet sie eine Möglichkeit, die Qualität der Pflege zu beurteilen sowie zu optimieren und mit dem Bewohner die Ziele und Maßnahmen zu vereinbaren. Die Pflegevisite ist ein Planungs- und Bewertungsinstrument, das bewohner- oder mitarbeiterorientiert durchgeführt werden kann“.[11]

Wie schon in der Einleitung erwähnt, unterscheiden sich die Inhalte und die festgelegten Schwerpunkte. Oft auch nur marginal. Ich schließe mich der Meinung der Autoren an, die Klientenbedürfnisse und aktive Mitgestaltung des Klienten in den Mittelpunkt der Pflegevisite rücken. Das entspricht dem charakteristischen Kern der Pflegevisite und dem Menschenbild der professionellen Pflege. Kritisch zu beurteilen sind Definitionen, die Interpretationen zulassen, dass die Kontrolle der Qualifikation der Mitarbeiter Sinn und Zweck einer Pflegevisite ist. Insbesondere tragen die Unterteilungen supervidierend und kollegial oder mitarbeiter- und klientenzentriert bzw. bewohner- und mitarbeiterorientiert dazu bei.

Festzuhalten gilt, dass alle Autoren mehr oder weniger deutlich ausdrücken, dass die Pflegevisite einen überprüfenden Charakter besitzt und somit der Qualitätssicherung dient. Deshalb beschäftigt sich das nächste Kapitel ausführlich mit Qualität und Qualitätssicherung um darauf aufbauend, die unterschiedlichen Durchführungsformen der Pflegevisite zu betrachten.

3. Die Pflegevisite – Instrument der Qualitätssicherung

Wie bereits im vorhergehenden Kapitel dargelegt wurde, empfiehlt der MDK die Pflegevisite als ein Instrument zur internen Qualitätssicherung. Auch in der mir vorliegenden Literatur besteht diesbezüglich Einigkeit. Kontroverse Meinungen existieren jedoch über die Nutzung und Form der Durchführung. Die unterschiedlichen Darstellungen werde ich in diesem Kapitel unter dem Aspekt der Qualitätssicherung thematisieren. Als Grundlage dazu ordne ich die Pflegevisite in das 3-Dimensionen-Modell zur Erfassung der Pflegequalität ein, um das Potential anzudeuten, aber auch um den Einfallsreichtum an Art und Form schon einzugrenzen.

Die Pflegevisite ist eine der strukturellen Rahmenbedingungen, deren Nachweis der MDK fordert.[12] Das geschieht vor dem Hintergrund, dass ein bestimmtes Maß an Strukturqualität vorhanden sein muss um Prozessqualität und Ergebnisqualität auf einem bestimmten Niveau zu ermöglichen. In dieser Funktion überwacht die Pflegevisite die Einhaltung und bewertet die Wirksamkeit der festgelegten Standards im Rahmen des Pflegeprozesses. Nur eine kontinuierliche Durchführung gewährleistet die schnelle Reaktion auf Fehlentwicklungen. Die Pflegevisite dient dann auch dazu Veränderungen bzw. Anpassungen an den festgelegten Maßnahmen und Zielen vorzunehmen. Sie ist somit nicht nur Bewertungsinstrument sondern auch Planungsinstrument.[13] Schon das Festlegen der Maßnahmen und Ziele, das Sammeln von Informationen sowie das Erfassen von Ressourcen und Problemen im Rahmen des Pflegeprozesses kann in Form einer Pflegevisite durchgeführt werden.[14] Das ständige Feedback des Klienten während der Gespräche ist die Basis, auf der die Bewertung und Anpassung, aber auch die Planung erfolgt. Die Pflegevisite erfüllt deshalb die Kriterien der Prozess- und Ergebnisqualität nach Barth, die ich im vorhergehenden Kapitel beschrieben habe. Wie wichtig die Partizipationsbereitschaft des Klienten ist um das Potential der Pflegevisite als Instrument der Qualitätssicherung freizusetzen, zeigt das folgende Zitat.

„Wahrnehmungen, über die der Mensch seine Umwelt erfährt, können auch nur von diesem Menschen selbst interpretiert und in ihrer Bedeutung für diesen Menschen auch nur von diesem und keinem anderen eingeschätzt werden“.[15]

Der nächste Abschnitt gibt einen Überblick zu den einzelnen Phasen des Pflegeprozesses, der den theoretischen Bezugsrahmen bildet in dem die Pflegevisite Anwendung findet. Der von Heering (1994), als Grundlage für die Pflegevisite, überarbeitete Pflegeprozess weist einen klientenzentrierten Ansatz auf.[16]

3.1 Der Pflegeprozess

Der Pflegeprozess wird in der Fachliteratur einheitlich dargestellt. Auch wenn Heering oder Brobst z.B. einen 5-Schritt-Zyklus und Barth einen 6-Schritt-Zyklus verwenden, unterscheiden sich die Inhalte nicht. Barth liefert folgende Beschreibung:

[...]


[1] Bertelsmann, Die deutsche Rechtschreibung, Wiesbaden 1999, S. 952

[2] Duden, Das Fremdwörterbuch, Wiesbaden 2004

[3] Hollick, Jürgen; Kerres, Andrea, Pflegevisite, Stuttgart 2004, S. 18

[4] vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/visite, 29.08.2006, 13 Uhr

[5] Panka, Christiane, Pflegevisiten, in: Heilberufe, Nr.: 4/ 2006, S. 26

[6] Bieg, Ute, Theorie und Praxis der Pflegevisite 5.Folge, in: Die Schwester/ Der Pfleger, Nr.: 3/ 95, S. 208

[7] Heering; Heering; Bode; Müller, Pflegevisite und Partizipation, Berlin/ Wiesbaden 1997, S. XX

[8] Augsten, Martin, Kloster, Werner, Knipfer, Ernst, Selent, Karl, Theorie und Praxis der Pflegevisite, in: Die Schwester/ Der Pfleger, Nr.: 12/ 1997, S. 1045

[9] Barth, Myriam, Qualitätsentwicklung und -sicherung in der Altenpflege, München 1999, S. 171

[10] DBfK, Leitfaden zur Pflegevisite, Berlin-Brandenburg 2004, S. 6

[11] MDS e.V., Richtlinien/ Erhebungsbogen/ MDK-Anleitungen-Grundlagen der MDK-Qualitätsprüfungen in der stationären Pflege, Köln 2005, S. 104

[12] vgl. MDS e.V., Richtlinien/ Erhebungsbogen/ MDK-Anleitungen-Grundlagen der MDK-Qualitätsprüfungen in der

stationären Pflege, Köln 2005, S. 77

[13] vgl. Barth, Myriam, Qualitätsentwicklung und -sicherung in der Altenpflege, München 1999, S. 173

[14] vgl. Heering; Heering; Bode; Müller, Pflegevisite und Partizipation, Berlin/ Wiesbaden 1997, S. 52

[15] Heering; Heering; Bode; Müller, Pflegevisite und Partizipation, Berlin/ Wiesbaden 1997, S. VIII

[16] vgl. Heering; Heering; Bode; Müller, Pflegevisite und Partizipation, Berlin/ Wiesbaden 1997, S. XVII und 116

Details

Seiten
21
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783656679219
ISBN (Buch)
9783656681366
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v275728
Note
1,5
Schlagworte
pflegevisite instrument qualitätssicherung

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