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Politische Sozialisation von Kindern und Jugendlichen

Hausarbeit 2008 22 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Soziologie

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Politische Sozialisation
2.1. Politische Sozialisation und der politisch mündige Bürger
2.2. Politische Identitätsentwicklung
2.3. Politisches Interesse – Politisches Wissen
2.4. Einstellungen zur politischen Effektivität
2.5. Politische Partizipation

3. Sozialisationsinstanzen
3.1. Familie
3.2. Schule
3.3. Gleichaltrige
3.4. Massenmedien

4. Politische Sozialisation und Geschlecht

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Wir leben in einem Staat, indem wir als Bürger aufgrund der demokratischen Verfassung ein gewisses Maß an Mitbestimmung besitzen. Wir wählen Repräsentanten und autorisieren sie zur Machtausübung. Umso wichtiger ist es, um diese Vertretung zu wählen und auch die politischen Geschehnisse einschätzen und beurteilen zu können, auf ein politisches Wissen zurückgreifen zu können. Denn die Politik bestimmt unserern Alltag und usner ganzes Leben entscheidend mit. Wie aber erlangen wir dieses Wissen genau?

In der Kindheit und Jugend vollzieht sich die Entwicklung der Persönlichkeit und das Mitglied-Werden in der Gesellschaft. Hierbei setzt auch eine starke Auseinandersetzung mit gesellschaftspolitischen Themen und Sachverhalten ein. Die politische Sozialisation beginnt. Ziel dieser Arbeit soll es sein, den Weg der politischen Sozialisation von Kindern und Jugendlichen darzustellen.. Dabei gilt es zunächst genauer zu klären was genau politische Sozialisation ist, was sie beinhaltet und worauf sie abzielt. Auch von Interesse für diese Arbeit sind die Faktoren der Umwelt, die Einfluss auf die Entwicklung unserer politischen Einstellungen haben. Die Darstellung dieser soll den zweiten Teil der Arbeit umfassen.

2. Politische Sozialisation

Zunächst erscheint es sinnvoll, genauer auf den Begriff der politischen Sozialisation einzugehen und zu definieren, worum es sich dabei handelt, worauf die politische Sozialisation abzielt und worin ihre Wichtigkeit für die demokratische Gesellschaft liegt. Eine weitere Rolle soll die Entwicklung der politisches Identität, des politischen Interesses und des politischen Wissens von Jugendlichen im Rahmen dieser Sozialisation spielen. Es wird weiterhin geklärt, wie wichtig die Einstellung zur politischen Effektivität und die politische Partizipation für die Aufrechterhaltung der demokratischen Ordnung ist. Zugrunde liegen diesen Ausführungen vor allem die Untersuchungen von Christine Schmid: „Politisches Interesse von Jugendlichen: Eine Längsschnittuntersuchung zum Einfluss von Eltern, Gleichaltrigen, Massenmedien und Schulunterricht“ und das Werk von Hans-Peter Kuhn: „Mediennutzung und politische Sozialisation: eine empirische Studie zum Zusammenhang zwischen Mediennutzung und politischer Identitätsbildung im Jugendalter“.

2.1. Politische Sozialisation und der politisch mündige Bürger

Laut Hurrelmann bezeichnet man als Sozialisation „den Prozess der Entstehung und Entwicklung der Persönlichkeit in wechselseitiger Abhängigkeit von der gesellschaftlich vermittelten sozialen und dinglich-materiellen Umwelt“ (Schmid 2004, S.3).

In Anlehnung daran liegen verschiedene Definitionen der politischen Sozialisation vor. Die Begrifflichkeit selber wurde von Herbert Hyman eingeführt. Ihm zufolge ist „Politische Sozialisation als Teilprozess der allgemeinen Sozialisation zu sehen, in dem politische Kenntnisse, Einstellungen, Werte und Handlungsmuster erworben werden, die die Grundlagen konkreten politischen Verhaltens bilden. Im Rahmen der politischen Sozialisation soll das Individuum zu einem Mitglied der Gesellschaft gemacht werden. Wegen der Verknüpfung von politischer und allgemeiner Sozialisation erfolgt diese in erster Linie im Jugendalter ist aber nicht auf diesen Lebensabschnitt beschränkt. Auch in höheren Lebensalter können speziell Krisenerlebnisse oder andere einschneidende Erlebnisse zu einer erneuten oder veränderten politischen Mobilisierung und Aktivierung führen.“ (Ingrisch 1997, S.11).

In Staaten, denen eine demokratische Verfassung zugrunde liegt, besteht die Notwendigkeit der politischen Unterstützung in Form des Vertrauens der Bevölkerung in die Leistungsfähigkeit des politischen Systems zur Aufrechterhaltung der politischen Ordnung. Hierfür braucht es einen politisch mündigen Bürger, dessen weitere Aufgabe die Machtkontrolle ist, das heißt, „politische Prozesse kritisch zu verfolgen, Abweichungen von Verfassungsnormen zu erkennen und gegebenenfalls von politischen Eingriffsmöglichkeiten Gebrauch zu machen.“ (Schmid 2004, S.5). Auch diese politische Machtkontrolle trägt zur Stabilität der Demokratie bei.

Über die Übernahme dieser Rolle des politischen Bürgers geschieht das Mitglied-Werden in einer politischen Gemeinschaft. Aufgrund seiner Aufgaben muss der politisch mündige Bürger die demokratischen Normen und Regeln kennen, die Grundwerte der Verfassung akzeptieren, Wissen über die politische Wirklichkeit besitzen, politische Analysefähigkeiten entwickeln, die es ihnen ermöglichen, eine eigene politische Meinung zu bilden und politische Gegebenheiten beurteilen zu können, sowie eine politische Handlungsfähigkeit entwickeln. Demokratische politische Systeme brauchen Bürger, die sich an politischen Prozessen beteiligen, beispielsweise zur Wahl gehen (vgl. Schmid 2004, S.5f). Ziel der politischen Sozialisation ist eben dieser politisch mündige Bürger, der die politische Ordnung unterstützt und kritisch gegenüber der politischen Praxis ist, um eine Aufrechterhaltung der politischen Ordnung zu garantieren. Die Problematik, die sich Jugendlichen stellt, besteht darin, diese beiden Aufgaben zu vereinen und gleichzeitig ein produktives Verhältnis zur Politik zu finden.

Die Entwicklung des politischen Denkens ist abhängig von den kognitiven Kompetenzen des Individuums. Die Unterstützung demokratischer Prinzipien setzt abstraktes Denkvermögen voraus. Erste wenn formale Denkoperationen möglich sind, können demokratische Prinzipien auch verstanden werden (vgl. Schmid 2004, S.6). Da dies erst dann möglich ist, geht man davon aus, dass sich politisches Denken in der frühen Adoleszenz, das heißt zwischen 12 und 16 Jahren, herausbildet. Aber auch wenn Jugendliche in diesem Alter fähig sind, zum formal-logischen Denken, stehen sie den Erwachsenen noch nach, da sich die Fähigkeit des komplexen Denkens zur Problemlösung und die des dialektischen Denkens zur Aufhebung von Widersprüchen erst in einer späteren Phase vollständig entwickeln.

2.2. Politische Identitätsentwicklung

Als Identitätsentwicklung bezeichnet man allgemein die Entwicklungsaufgabe eines Individuums: „…herauszufinden, wer man ist oder sein kann und was man tun und glauben will. Dabei muss eine Balance hergestellt werden zwischen den Anforderungen der eigenen Individualität einerseits und denen des sozialen und gesellschaftlichen Umfelds andererseits. Identitätsbildung findet statt im Spannungsfeld zwischen Individuation und Integration, zwischen der Herausbildung einer eigenen Persönlichkeit und dem Hineinwachsen in die Gesellschaft“ (Schmid 2004, S.8). Unter der politischen Identitätsbildung versteht man nach dem österreichischen Pädagogikprofessor Helmut Fend die Erarbeitung eines eigenen und unabhängigen politischen Standpunktes und das Hineinwachsen in die politische Gemeinschaft, sowie die Teilhabe an der politischen Kultur.

Dabei werden drei Dimensionen der politischen Identitätsbildung unterschieden: die kognitive Dimension, die Verhaltensdimension und die affektiv-motivationale Dimension. Die kognitive Dimension, die sich auf intellektuelle Aspekte, wie die Entwicklung des politischen Wissens und der politischen Analyse- und Urteilsfähigkeit bezieht, beinhaltet somit die Entwicklung kognitiver Kompetenzen, wie abstraktes Denken oder die Fähigkeit komplexe Sachverhalte zu verstehen. Die Verhaltensdimension hingegen bezieht sich auf die politische Partizipation, genauer auf den Aufbau von Handlungsbereitschaften. Als dritte Dimension umfasst die affektiv-motivationale Dimension die Identifikationsdynamik und die Intensität des emotionalen Bezugs zu politischen Sachverhalten. Dies betrifft die Aufgeschlossenheit gegenüber Politik, die Unterstützung der politischen Ordnung und den Grad an Integration in die politische Gemeinschaft (vgl. Schmid 2004, S.8).

Die Integration in einer politischen Gemeinschaft ist die eine Seite des Prozesses der politischen Sozialisation. Die andere Seite bezieht sich auf die Persönlichkeitsentwicklung. „Weil politische Überzeugungen, ähnlich wie religiöse, Antworten auf existentielle Fragen nach dem Sinn und Ziel der menschlichen Existenz sowie des gesellschaftlichen Systems und gemeinschaftlichen Zusammenlebens anbieten, sind diese in besonderer Weise mit der Identität einer Person verbunden und tragen zur Persönlichkeitsentwicklung bei“ (Kuhn 2000, S.24).

2.3. Politisches Interesse – Politisches Wissen

Interesse bildet die Voraussetzung von Lernprozessen und bezeichnet: „…die besondere Beziehung einer Person zu einem subjektiv bedeutsamen Gegenstand oder Wissensbereich. Für etwas Interesse zu haben ist mit dem Gefühl verbunden, dass das Objekt oder Ereignis auf welches das Interesse sich richtet, für das Selbst von Bedeutung ist. Das Gefühl der Bedeutsamkeit weckt Neugier und führt zu einer Beschäftigung mit dem Gegenstand des Interesses“ (Schmid 2004, S.13). Für was ein Individuum Interesse entwickelt hängt zum einen ab von den Fähigkeiten, Einstellungen, Kenntnissen und Werthaltungen des Individuums und zum anderen von den spezifischen Anregungen der Umwelt. In der Forschung wurde nachgewiesen, dass Lernen aus Interesse zu mehr Erfolg und besseren Ergebnissen führt, als Lernen ohne Interesse, da effektivere Lerntechniken und kognitive Verarbeitungsstrategien angewandt werden.

Politisches Interesse ist demnach Neugier, Zuwendung und Aufmerksamkeit gegenüber politischen Angelegenheiten. Politisches Interesse soll nach Fend gefördert werden durch eine soziale Umwelt, die viele Informationen über Politik bereitstellt und somit Jugendlichen Anreiz bietet, sich mit Politik zu beschäftigen und handelnd politische Verhaltensweisen einzuüben, da das gesellschaftliche Zusammenleben der Menschen wesentlich durch Politik beeinflusst wird (vgl. Schmid 2004, S.14f). Interesse für Politik ist demzufolge eine Bedingung für die Auseinandersetzung mit politischen Themen, auch Exploration genannt, welche wiederum Voraussetzung ist für Lernprozesse im politischen Bereich, also um politisches Wissen zu erlangen. Dies wurde mehrmals empirisch belegt. Jugendliche mit höherem politischem Interesse wiesen ein umfassenderes politisches Wissen auf. Jedoch beeinflusst politisches Wissen auch umgekehrt politisches Interesse. Hier liegen Wechselwirkungen zwischen den beiden Größen vor. Politisches Interesse ist aber ebenso Voraussetzung für die Bereitschaft zur politischen Partizipation. Politisch interessierte Jugendliche zeigten eine höhere Bereitschaft sich an politischen Aktionen zu beteiligen als weniger Interessierte (vgl. Schmid 2004, S.16). Die Unterstützung der politischen Ordnung und der Institutionen ist abhängig vom politischen Wissen.

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Details

Seiten
22
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656682769
ISBN (Buch)
9783656682783
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v275790
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Institut für Erziehungswissenschaft
Note
2,0
Schlagworte
politische sozialisation kindern jugendlichen

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