Lade Inhalt...

Kreativitätsförderung im Waldkindergarten

Hausarbeit 2014 20 Seiten

Pädagogik - Kindergarten, Vorschule, frühkindl. Erziehung

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung

2. Kreativität
2.1 Der Mensch als ein natürliches kreatives Wesen
2.2 Kreativität als Schlüsselkompetenz
2.3 Ästhetische Erfahrungen als Basis von Kreativität

3. Der Waldkindergarten
3.1 Konzeptionelle Grundlagen und Ziele des Waldkindergartens
3.2 Historische Entwicklung und Verbreitung des Waldkindergartens
3.3 Der Naturraum – Raum für Kreativität?
3.4 Die Rolle der pädagogischen Fachkraft
3.5 Forschungsergebnisse

4. Resümee

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Der kreativste Künstler ist die Natur“ – Andreas Tenzer

Das Aufwachsen heutiger Kinder unterscheidet sich beträchtlich von dem voriger Generationen. In Zeiten des maßlosen Medienkonsums findet Kindheit immer mehr in geschlossenen Räumen statt. Insbesondere für Kinder, die in Klein- und Großstädten leben, sind die Möglichkeiten, sich frei in der Natur zu bewegen und diese mit allen Sinnen zu erfahren, enorm eingeschränkt. Nur wenige Kinder können ungestört in einem Garten tollen oder unberührte Wiesen und nahegelegene Wälder erkunden. Raum und Zeit für spontanes Spiel, freies Gestalten und kreatives Werkeln bleibt kaum. Hinzu kommt, dass neben diesen äußeren Faktoren, die das Aufwachsen der Kinder betreffen, immer häufiger gesundheitliche Probleme, wie Haltungsschäden oder Adipositas, bereits bei Kindern festgestellt werden. Die Konsequenz aus diesen Beobachtungen ist, dass Kinder verstärkt Freiräume brauchen, in denen ganzheitliches Erleben und Lernen möglich ist.

Dem allgemeinen gesellschaftlichen Wandel versucht das Modell des Waldkindergartens entgegenzuwirken. Dieser bildet eine Alternative zum herkömmlichen Regelkindergarten. Die erste dieser Einrichtungen entstand 1993 in Flensburg. Seitdem kam es zu einer regelrechten Gründungswelle, denn das Spiel in der Natur bietet vielfältige und ständig wechselnde, veränderbare Erfahrungs- und Erlebnismöglichkeiten und regt die kindliche Neugierde sowie den Forscherdrang an.

Aktuell sehen die einzelnen Bildungs- und Erziehungspläne der Bundesländer Kreativität als ein bedeutendes Ziel von Bildungs- und Lernprozessen im Kindesalter an. Sie ist als eine Art Schlüsselkompetenz des Menschen anzusehen, die ihm ermöglicht, Antworten auf den Wandel von Lebenssituationen zu entwickeln und die Herausforderungen der Zukunft angemessen zu bewältigen. Tatsächlich wird der Förderung kreativer Leistungen in der praktischen Arbeit in Kindertageseinrichtungen allerdings vielfach zu wenig Bedeutung zugestanden. Voll möblierte Kindergartenräume, ein Überangebot an vorgefertigtem Spielmaterial sowie ein meist eng gesteckter zeitlicher Rahmen wirken sich zusätzlich hemmend auf die Entwicklung der kindlichen Kreativität aus.

Die Vermutung liegt nahe, dass ein kontinuierlicher Aufenthalt im sich stetig ändernden Naturraum die kindliche Kreativität in besonderem Maße angeregt und gefördert wird. Die Autorin versucht deshalb im Rahmen dieser Ausarbeitung folgende These argumentativ zu untermauern:

„Das Spiel in der Natur fördert die kindliche Kreativität.“

Nach einer Einleitung wird im zweiten Kapitel aufgrund seiner Komplexität der Kreativitätsbegriff aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet. Der Leser soll dadurch für die Wichtigkeit von Kreativität für das menschliche Individuum sensibilisiert werden.

Den eigentlichen Schwerpunkt der Ausarbeitung bildet das dritte Kapitel. Hier wird der pädagogische Ansatz des Waldkindergartens als eine Form der naturnahen pädago-gischen Arbeit vorgestellt. Nach der Vorstellung konzeptioneller Grundlagen und Ziele des Waldkindergartens sowie seiner historischen Entwicklung, wird beleuchtet, inwieweit sich Naturerfahrungen auf die Kreativität von Kindern auswirken. Auch die Rolle der pädagogischen Fachkraft wird in diesem Zusammenhang näher betrachtet. Zudem werden Forschungsergebnisse herangezogen, welche einen eventuellen Zusammenhang zwischen Naturerfahrungen und Kreativität eines Kindes belegen sollen.

In der Schlussbetrachtung fasst die Autorin elementare Inhalte zusammen und geht auf die eingangs formulierte These ein. Zudem werden die Ergebnisse der Ausarbeitung in einen Gesamtzusammenhang gestellt.

2. Kreativität

Kreativität wird gewöhnlich auf das ideenreiche Schaffen von Künstlern reduziert. Tatsächlich ist der Begriff der Kreativität jedoch äußerst komplex und lässt sich nicht einheitlich definieren (vgl. Braun 2007, 33). Aus diesem Grund soll ist es notwendig den Kreativitätsbegriff aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu beleuchten.

2.1 Der Mensch als ein natürlich kreatives Wesen

Seit Anbeginn der Menschheit ist das menschliche Wesen als ein kreatives anzusehen, welches sich zum einen an bestehende Gegebenheiten anpassen, zum anderen aber diese bestehenden Gegebenheiten auch beeinflussen kann, „indem ‚Neues‘ entdeckt, entwickelt, erschaffen und produziert oder ‚Altes‘ verändert, weiterentwickelt und modifiziert wird“ (ebd., 33).

Die genauere Betrachtung des Wortursprungs gibt Aufschluss über die eigentliche Bedeutung des Kreativitätsbegriffs. „Das Lateinische „creare“ bedeutet schaffen, erschaffen, zeugen, gebären“ (ebd., 27). Der Ursprung des Wortes weist also auf die „Schöpfung“ von etwas Neuem, etwas noch nicht Dagewesenem oder auf diese Art noch nicht Dagewesenem, hin. Es stellt sich die Frage, ob das „Erschaffene“ absolut neu und bedeutungsvoll für die Allgemeinheit sein muss oder ob es genügt, dass es allein für das Individuum einmalig und fortschrittlich ist, um als kreative Leistung angesehen werden zu können. Sind also nur die herausragenden Künstler und Denker mit ihren einzigartigen Ideen kreativ oder ist es beispielsweise auch ein Kind, welches herausfindet, das eine Nussschale wie ein kleines Boot auf der Wasseroberfläche schwimmen kann (vgl. Braun 2007, 27f)? Scheinbar zählt die alltägliche Form kreativer Handlungsweisen, wie beispielsweise das kindliche Experimentierverhalten, so sehr zu unseren natürlichen Verhaltensweisen, dass der Mensch diese gar nicht als solche wahrnimmt. Dabei ist der Mensch dauernd kreativ, denn das Leben stellt immer wieder neue Herausforderungen, für welche die entsprechenden Handlungsweisen und Lösungen entwickelt werden müssen (vgl. Brodbeck 2007, 25). Die Wissenschaft beschäftigt sich häufig allein mit den herausragenden Persönlichkeiten einer Epoche, grundsätzlich ist Kreativität aber allen Menschen zugänglich (vgl. Braun 2007, 27f).

Auch wenn der Kreativitätsbegriff nicht eindeutig definierbar ist, lassen sich folgende Grundannahmen der Wissenschaft zusammenfassen:

„Kreativität ist eine Grundkompetenz des Menschen, die entwickelt und gefördert werden kann“ (Braun 2007, 34).

- „Kreativität produziert Neues.
- Kreativität basiert auf Problemsensitivität.
- Kreativität wird durch die Offenheit und Flexibilität von Denkformen ermöglicht.
- Kreativität bezieht auch den Zufall und die Inspiration mit ein.
- Kreativität ist ein kognitives Phänomen, das in Handeln umgesetzt wird.
- Kreativität hat eine individuelle und gesellschaftliche Bedeutung“ (Braun 2011, 17).

2.2 Kreativität als Schlüsselkompetenz

„Kreativität gewinnt als Schlüsselkompetenz immer mehr Bedeutung, weil sie eben jene geistige, emotionale und auch soziale sowie handlungsbezogene Flexibilität mit dem Potential von Innovation ist, welche für Antworten auf den Wandel von Lebenssituationen und die Herausforderungen der Zukunft unverzichtbar ist“ (Braun 2011, 101).

In diesem Zitat äußert sich Braun zur enormen Bedeutung von Kreativität für das Individuum. In unserer sich immerfort und rasant modifizierenden Welt, ist es von außerordentlicher Wichtigkeit für den Menschen, sich auf die wechselnden Anforderungen einstellen und angemessen darauf reagieren zu können. Die „Fähigkeit zum variablen Umgang mit Veränderungen (Braun/Dieckerhoff 2010, 10)“ stellt eine besonders wichtige Kompetenz für das Leben und die Zukunft eines Menschen dar, welche es bereits in der frühpädagogischen Arbeit zu fördern gilt. Kreativität kann als die ideale Möglichkeit angesehen werden, auf die Anforderungen unserer Gesellschaft angemessen und flexibel zu reagieren, denn als kreativ ist auch immer die Entwicklung von abweichenden, innovativen Gedanken und einer einfallsreichen, problemorientierten Handlungsweise anzusehen (vgl. Braun 2007, 49).

Kreativität ist auch als die Kompetenz eines Menschen zu verstehen, sein Leben aktiv zu gestalten. Die sogenannte „Lebensgestaltungskompetenz“ (Braun 2007, 49) ist in den verschiedenen Lebensphasen eines Menschen immer wieder vonnöten, um Herausforderungen erfolgreich bewältigen zu können. Es gilt sie „zu unterstützen durch die Akzeptanz der Persönlichkeit des Kindes, seines individuellen Ausdrucks und seiner Gefühle, Ideen und Ausdrucksformen“ (ebd., 49).

[...]

Details

Seiten
20
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656688426
ISBN (Buch)
9783656688457
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v275996
Institution / Hochschule
Hochschule Koblenz (ehem. FH Koblenz)
Note
1
Schlagworte
Natur Umwelt Waldkindergarten Waldpädagogik Frühpädagogik

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Kreativitätsförderung im Waldkindergarten