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Die Grundeigenschaften der Kirche

Einheit, Heiligkeit, Katholizität und Apostolizität

Hausarbeit 2013 11 Seiten

Theologie - Vergleichende Religionswissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Glaubensbekenntnis – Herkunft, Geschichte und Entwicklung
2.1 Das erste ökumenische Konzil
2.1.1 Das Nicänische Glaubensbekenntnis
2.2 Das zweite ökumenische Konzil
2.2.1 Das Nicäno-Konstantinopelitanum

3. Die Einheit
3.1 Die Einheit der Liebe
3.2 Die Konfessionelle EinheitI
3.3 Die Interkonfessionelle Einheit

4. Die Heiligkeit

5. Die Katholizität

6. Die Apostolizität

7. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Die christliche Kirche ist die eine, heilige, katholische, apostolische Kirche.

Diese vier Eigenschaften gelten als die Grundeigenschaften der Kirche. Doch woher kommen diese Eigenschaften und was bedeuten sie? Diese Fragen sollen in der Hausarbeit geklärt werden.

2. Das Glaubensbekenntnis – Herkunft, Geschichte und Entwicklung

2. 1 Das erste ökumenische Konzil

325 nach Christus wurde das Konzil von Nicäa durch Konstantin I als Reaktion auf den arianischen Streit einberufen. Wann genau dieser Streit anfing und was Gegenstand des Streites war, kann heute nicht mehr eindeutig rekonstruiert werden. Als sicher gilt allerdings, dass der arianische Streit seinen Ursprung als Streit innerhalb von Alexandrien hatte. Arius, Presbyter der alexandrinischen Gemeinde, vertrat die Ansicht, dass Gott alleine wahrer Gott sein könne, er distanzierte sich von der Idee, dass es etwas gebe, dass wesensgleich mit Gott sei, außerdem habe es eine Zeit gegeben, in der Jesu nicht existierte. Arius hatte einige Anhänger und somit entfachte sich ein Streit um das Wesen Jesu und die Trinität, an dessen die Christenheit drohte auseinanderzubrechen. Die Einheit der Kirche war für Konstantin I allerdings herrschaftssichernd, deswegen rief er das Konzil ein. Es nahmen ungefähr 2000 Personen teil, darunter ca. 300 Bischöfe. Die Diskussion um die Dreifaltigkeit wurde vom Kaiser Konstantin I mit der Schlussfolgerung, dass Jesu er Sohn eines Wesens mit dem Vater sei, beendet.

Das Konzil von Nicäa ist ein wesentlicher Bezugspunkt der Kirchengeschichte, es wird oft in vor-nicänische und nach-nicänische Theologie unterteilt. Neben dem Hauptthema entschied das Konzil über weitere Fragen, die zu der Zeit in der Kirche diskutiert wurden, so gingen aus dem Konzil noch weitere Konzilsdokumente hervor. Nämlich 20 Kanones, außerdem wurde das Osterdatum festgelegt und das Nicänische Glaubensbekenntnis ist entstanden.

Die Christenheit bliebt in der folgenden Zeit trotz des Konzilentschieds gespalten, und einige Unterzeichner widerriefen ihre Unterschrift später, so wie Eusebius von Nikomedia.

2.1.1 Das Nicänische Glaubensbekenntnis

Wir glauben an einen Gott,

den Vater, den Allmächtigen,

den Schöpfer alles Sichtbaren und Unsichtbaren.

Und an den einen Herrn Jesus Christus,

den Sohn Gottes,

der als Einziggeborener aus dem Vater gezeugt ist, das heißt: aus dem Wesen des Vaters,

Gott aus Gott, Licht aus Licht,

wahrer Gott aus wahrem Gott,

gezeugt, nicht geschaffen,

eines Wesens mit dem Vater[1] ;

durch den alles geworden ist, was im Himmel und was auf Erden ist;

der für uns Menschen und wegen unseres Heils herabgestiegen und Fleisch geworden ist,

Mensch geworden ist,

gelitten hat und am dritten Tage auferstanden ist,

aufgestiegen ist zum Himmel,

kommen wird um die Lebenden und die Toten zu richten;

Und an den Heiligen Geist.

Diejenigen aber, die da sagen „es gab eine Zeit, da er nicht war“ und „er war nicht, bevor er gezeugt wurde“, und er sei aus dem Nichtseienden geworden, oder die sagen, der Sohn Gottes stamme aus einer anderen Hypostase oder Wesenheit, oder er sei geschaffen oder wandelbar oder veränderbar, die verdammt die katholische Kirche.

2.2 Das zweite ökumenische Konzil – Das Konzil von Konstantinopel

381 wurde das Konzil von Konstantinopel durch den Kaiser Theodosius einberufen. Theodosius hatte das Christentum zur Staatsreligion erhoben, nachdem im Jahre 311 unter Kaiser Galerius erstmals ein Toleranzedikt für das Christentum ausgesprochen wurde[2]. Der Kaiser rief das Konzil ein um den seit 325 andauernden Streit und die deswegen drohende Glaubensspaltung zu lösen. Das Thema des Konzils war die Dreifaltigkeit.

Während des Konzils wurde endgültig über den Arianischen Streit entschieden, außerdem wurde die Infragestellung der Göttlichkeit des Heiligen Geistes durch die Macedonianer beantwortet, indem die wahre Gottheit des Heiligen Geistes klar herausgestellt wurde.

Fortan sollte dem Heiligen Geist die gleiche Verehrung zukommen wie dem Vater und dem Sohn, nur wenn man so denke, sei man ein wahrer Christ. Als Konzilsdokumente gingen aus dem Konzil von Konstantinopel 7 Kanones hervor, in dem ersten Kanon werden die Arianer, Eunomianer, Macedoniaer, Sabellianer und weitere als Häresien verurteilt. Außerdem ging aus diesem Konzil ein neues Glaubensbekenntnis hervor, das Nicäno-Konstantinoplitanum.

2.2.1 Das Nicäno-Konstantinopelitanum

Wir glauben an den einen Gott,

den Vater, den Allmächtigen,

der alles geschaffen hat, Himmel und Erde,

die sichtbare und die unsichtbare Welt.

Und an den einen Herrn Jesus Christus,

Gottes eingeborenen Sohn,

aus dem Vater geboren vor aller Zeit:

Gott von Gott, Licht vom Licht,

wahrer Gott vom wahren Gott,

gezeugt, nicht geschaffen,

eines Wesens mit dem Vater;

durch ihn ist alles geschaffen.

Für uns Menschen und zu unserem Heil

ist er vom Himmel gekommen,

hat Fleisch angenommen

durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria

und ist Mensch geworden.

Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus,

hat gelitten und ist begraben worden,

ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift

und aufgefahren in den Himmel.

Er sitzt zur Rechten des Vaters

und wird wiederkommen in Herrlichkeit,

zu richten die Lebenden und die Toten;

seiner Herrschaft wird kein Ende sein.

Wir glauben an den Heiligen Geist,

der Herr ist und lebendig macht,

der aus dem Vater (und dem Sohn) hervorgeht,

der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird,

der gesprochen hat durch die Propheten,

und die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche.

Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden.

Wir erwarten die Auferstehung der Toten

und das Leben der kommenden Welt.

Amen.

Die fettgedruckten teile sind jene, die vom Nicänischen Glaubensbekenntnis abweichen. Das Nicäno-Konstantinopelitanum ist das wichtigste christliche Glaubensbekenntnis, es ist bis heute gültig und verbindet alle christlichen Konfessionen. Besonders wichtig ist die viertletzte Zeile in der von der „einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche“ gesprochen wird. Diese vier Adjektive beschreiben die Grundeigenschaften der Kirche und auf diese wird im weiteren Verlauf eingegangen.

3. Die Einheit

3.1 Die Einheit der Liebe

Die Einheit wird von zwei Seiten begründet, sie ist zum einen ontologisch und schöpfungstheologisch, weil die Kirche die „die trinitarische Gemeinschaft Gottes abbildende und bezeugende Gemeinschaft der Gläubigen ist, muß die Struktur ihrer Einheit der Einheit Gottes entsprechen“[3]. Die höchste Form der Einheit ist die Liebe, dies zeigt die trinitarische Gotteserfahrung. Die Personen sind Kraft des Geistes Christi nicht mehr durch ihr Gegeneinander definiert, sondern durch ihr Miteinander. Die Christenheit ist eine Gemeinschaft des Glaubens, Liebens, Feierns, Hoffens, Betens, Leidens und Handelns.

Auf der anderen Seite wird die Einheit heilsgeschichtlich und eschatologisch begründet, denn für den gläubigen Christen ist die gesamte Menschheitsgeschichte von der Macht des Bösen und der Sünde geprägt. Die Sündenfallgeschichten in Genesis 3-11 zeigen, dass die Macht des Bösen nicht nur zu fortschreitendem Selbstverlust führt, sondern auch zu einem immer aggressiver werdendem Versuch der Selbstbehauptung und Zurückerlangung der verlorenen Einheit, wie man es in Genesis 11, 1-9 (Turmbau zu Babel) sehen kann.

Die Abkehr von Gott bedeutet also nicht nur Trennung und Gegeneinander, sie äußert sich auch in dem Versuch, die Einheit, ohne die der Mensch nicht leben kann, wiederzugewinnen.

3.2 Die Konfessionelle Einheit

Die dreifache Einheit der Kirche (im Bekenntnis des einen Glaubens, in der gemeinsamen Feier des Gottesdienstes und in der brüderlichen Eintracht der Familie Gottes[4] ) sieht man auch am Bischofsamt, er vollzieht die gläubige Predigt des Evangeliums, er verwaltet die Sakramente und er hat die Leitung in Liebe.

Diese äußere Einheit spiegelt die innere Einheit, die Einheit im Geist Christi beziehungsweise in der Liebe wider.

Für den einzelnen Gläubigen hat die Einheit in allen drei Hinsichten (des Glaubens, des Gottesdienstes und des Zusammenlebens) eine Grenze, die er nicht überschreiten darf. Wer sich gegen die, durch die Ämter repräsentierte gottesdienstlich und soziale Gesellschaft der Glaubenden wendet (Schisma) oder wer die Inhalte des Glaubens öffentlich leugnet (Häretiker) trennt sich von der Kirche.

Die konfessionelle Einheit ist gleichzeitig eine Einheit in Vielfalt, da zum einen die Grundvollzüge der Kirche verschieden sind (Diakonia, Leiturgia und Martyria) und zum anderen, da die Grundgestalten der Kirche unterschiedlich sind (Hauskirche, Ortskirche, Bischofskirche und Gesamtkirche).

3.3 Interkonfessionelle Einheit

Es gibt verschiedene Modelle der Wiedervereinigung der Kirche, die sich dadurch verbinden, dass sie sich gegenseitig annehmen und aufeinander zugehen und dabei die Andersartigkeit des anderen achten. Sie zielen eine Einheit der Christenheit an, die „eine wirkliche Einheit im Glauben mit einer legitimen, ja notwendigen Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Formen des kirchlichen Lebens (….) verbindet“[5].

Das Judentum erfährt die Kirche als judenfeindlich, dies wurde insbesondere während des Ersten Weltkrieges bewusst. In Folge der Aufarbeitung des Holocausts wurde beispielsweise auch klar, dass auch Auschwitz eine christliche Vorgeschichte hat.

Allerdings gehört für die wahren Christen eine positive Einstellung zum Judentum, da Jesus ein Jude war und weil die Gründer der ersten Gemeinde Juden waren. Außerdem gehört die heilige jüdische Schrift zu den heiligen Schriften des Christentums. Andererseits gehört zum Wesen der christlichen Kirche auch eine fundamentale Differenz zum Judentum, sie dient als Schutz vor einer „selbstbezogenen triumphalistischen und absolutistischen Ekklesiologie und ein ständiger Anstoß der Umkehr angesichts dieser ersten und fundamentalen Spaltung der Heilszeichen Gottes in der Welt“[6]

Es gibt aber auch eine Einheit der Kirche, in die die nichtchristlichen Religionen einbezogen sind.

Diese Einheit wird durch den Heilswissen Gottes konstituiert, durch die Liebe Gottes wird ein missionarischer Raum der Offenheit erzeugt.

[...]


[1] ΄ομοούσιον τωι πατρί / homoousious (dt. wesensgleich, wesenseins) dieser Begriff war sehr strittig, da er nicht in der Bibel vorkommt.

[2] Enslin, W., Staat und Kirche von Konstantin dem Großen in: G. Ruhbach (Hrsg.), Die Kirche angesichts der Konstantinischen Wende, Darmstadt 1976 S. 74

[3] Schneider, Theodor, Handbuch der Dogmatik Bd. 2, 2. Auflage – 1995 S. 113

[4] Ebenda S. 114

[5] Schneider, Theodor, Handbuch der Dogmatik Bd. 2, 2. Auflage – 1995 S.117

[6] Ebenda S. 11

Details

Seiten
11
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656688518
ISBN (Buch)
9783656688495
Dateigröße
418 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v276030
Institution / Hochschule
Universität Bremen
Note
2,3
Schlagworte
grundeigenschaften kirche einheit heiligkeit katholizität apostolizität

Autor

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