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Globale Gerechtigkeit. Die Theorien von John Rawls und Amartya Sen

von Anna Benz (Autor)

Hausarbeit 2013 18 Seiten

Ethik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsdeutung
2.1. Globalisierung
2.2. Gerechtigkeit

3. John Rawls - Theorie der Gerechtigkeit
3.1. Gerechtigkeit als Fairness
3.2. Urzustand
3.3. Ordnung der Gesellschaft
3.4. Das Recht der Völker

4. Amartya Sen
4.1. Idee der Gerechtigkeit
4.2. Globale Gerechtigkeit. Jenseits internationaler Gleichberechtigung

5. Thomas Pogge - Weltarmut und Menschenrechte

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Mehr als ein Drittel der Menschheit ist von Armut betroffen. Dabei sterben jedes Jahr sechs Millionen Kinder vor ihrem fünften Geburtstag an Mangelernährung. Alle 30 Sekunden stirbt ein Afrikanisches Kind an Malaria. Jeden Tag gehen mehr als 800 Millionen Menschen hungrig zu Bett. Alle 3,6 Sekunden verhungert ein Mensch. Mehr als 2,6 Milliarden Menschen fehlt es an grundlegenden sanitären Einrichtungen, und mehr als eine Milliarde Menschen holen ihr Trinkwasser nach wie vor aus verunreinigten Quellen. Mehr als eine Milliarde Menschen auf der Welt müssen von weniger als einem Dollar pro Tag leben. Die Armut in den Entwicklungsländern geht jedoch weit über die Einkommensarmut hinaus.1

Aufgrund der schwerwiegenden Armut, die auf der Welt allgegenwärtig ist, beschäftigten sich einige Philosophen mit der Lösungsfindung, indem sie verschiedene Theorien entwarfen. Dabei geht es um die Gerechtigkeit in moralphilosophischer Hinsicht. Im Zentrum des philosophischen Geschehens steht die Gerechtigkeit zwischen den Nationen und ihren Institutionen. Im Folgenden geht es um die Interaktion der Nationen untereinander und um die Institutionen, die keinem Nationalstaat allein unterstehen. Welche Regeln und Normen sind für die Konzerne und ökonomischen Subjekte zu definieren? Es soll gezeigt werden, inwiefern Gerechtigkeit global gelten kann und welche Standards dafür nötig sind. Welche Rolle sollen außerdem Nationalstaaten und Institutionen spielen?

Zur Einführung werden die grundlegendsten Begriffe erklärt und gedeutet. Im zweiten Teil wird das Verständnis und die Theorie John Rawls ausgeführt und anschließend mit dem globalen Gerechtigkeitsbegriffs Amartya Sens in Verbindung gebracht. Um am Ende noch einen Überblick über das Verständnis von Thomas Pogge zu bekommen, wird seine Ansicht über die Menschenrechte kurz erläutert.

Mit der Theorie der Globalen Gerechtigkeit befasste sich John Rawls und Amartya Sen, welche bedeutende Theorien lieferten. Das Werk „Philosophie der Gerechtigkeit“ von Nico Scarano und Christoph Horn bietet ein zahlreiches Sammelwerk an Theorien und philosophischen Grundzügen. An dieser Stelle könnten noch etliche literarische Werke genannt werden, die sich mit diesen Themen auseinandersetzen, denn es gilt eine genaue Auffassung der Ideen und Theorien zu beschreiben und zu verstehen.

2. Begriffsdeutung

2.1. Globalisierung

Die Globalisierung ist eine weltweite Vernetzung von Nationen in allen Bereichen, was sich zwischen Individuen, Organisationen, Unternehmen, Gesellschaften und Staaten auswirkt. Dabei kommt es zu einer Verkettung von ökonomischen, sozialen, kulturellen und politischen Aktivitäten.2 Meist wird Globalisierung mit wirtschaftlichen Veränderungen verbunden, wobei die Ökonomie, das Völkerrecht, die Theorie internationaler Politik und die Soziologie ihren Platz finden. Allerdings soll laut Otfried Höffe auch die Politische Philosophie einen höheren Stellenwert bekommen, denn sie beruft sich einzig und allein auf die Sprach- und Vernunftfähigkeit. Dadurch kann Globalisierung erst möglich gemacht werden. Die Globalisierung als Gesamtheit lässt sich in drei Themenfeldern von Phänomenen zusammenfassen. Im ersten Phänomenbündel wird die weltweit operierende Gewalt als Gewaltgemeinschaft beschrieben, welche sich durch die Bedrohung menschlichen Lebens und Wohlergehens auszeichnet. Eine geographische Komponente wird im zweiten Themenbündel beschrieben. Die Kooperationsgemeinschaft zeichnet sich durch die Philosophie und den Wissenschaften, einschließlich dem Schul- und Hochschulwesen aus, welche sich über die ganze Welt ausbreiten. Des Weiteren wird die Weltöffentlichkeit unter anderem verstärkt durch die Erweiterung und Verdichtung des internationalen Rechts und Völkerrechts, weltweiter Organisationen, Sportverbänden und internationalen Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen. Die Kooperationsgemeinschaft wird von technischen Fortschritten, internationalen Vereinbarungen und politischer Liberalisierung beeinflusst. Das dritte Phänomenbündel zeichnet sich durch die Gemeinschaft von Not und Leid aus. Es geht um die Missachtung von Menschenrechten, Hunger, Armut, sowohl wirtschaftliche als auch kulturelle und politische Unterentwicklung und Naturkatastrophen.3

2.2. Gerechtigkeit

Gerechtigkeit ist mit einer moralisch angemessenen und gleichberechtigten Behandlung von Personen und Gruppen verbunden. Es muss darauf geachtet werden, dass Gerechtigkeit nicht nur die Teilnehmer bzw. Adressaten betreffen kann, sondern auch wie Außenstehende behandelt werden. Außerdem muss das Interesse von Menschen mit einbezogen werden.4 Gerechtigkeit ist eine Tugend, die sich dadurch auszeichnet, dass das Verhalten eines Menschen als recht beurteilt wird. Außerdem ist sie das oberste Ziel des Rechtsstaates, das als Ordnungs- und Verteilungsprinzip immer wieder neu bestätigt und angewandt werden muss. Schon in der Antike unterschied Aristoteles zwischen einer ausgleichenden und einer austeilenden Gerechtigkeit. Die ausgleichende Gerechtigkeit bezieht sich auf das Verhältnis von Individuen, wobei zum Beispiel geschlossene Verträge eingehalten werden. Die austeilende Gerechtigkeit wird dadurch geschaffen, dass ein Individuum zum Wohle der Gemeinschaft beiträgt, indem die staatsbürgerlichen Pflichten eingehalten werden. Die Gemeinschaft ist dafür zuständig, dass dem Individuum sein gerechter Anteil zukommt.5

3. John Rawls - Theorie der Gerechtigkeit

John Bordley Rawls wurde am 21. Februar 1921 in Baltimore, Bundesstaat Maryland, geboren und war der zweite von fünf Söhnen der Ehepartner William Lee und Anna Abell Rawls. Schon in seiner Kindheit wurde Rawls Gerechtigkeitssinn stark von seiner Mutter geprägt, die sich für die Rechte der Frauen engagierte. Nach Abschluss des Internats besuchte Rawls die Princeton University, wo sein Interesse an Philosophie geweckt wurde. Der größte Einfluss auf Rawls hatte sein Lehrer der Philosophie Norman Malcolm, der das Thema Religion in ihm neu aufleben ließ. Nachdem er 1943 sein Bachelor of Arts Abschluss erhielt, ging er zur Armee. Anschließend promovierte Rawls an der Princeton University in Philosophie über die moralische Beurteilung menschlicher Charakterzüge. Er war an verschiedenen Universitäten tätig, zuletzt lehrte er an der Harvard University. Sein berühmtestes Werk ist die 1971 erschienene „Theory of Justice“, in der er der These nachgeht, Gerechtigkeit über Fairness zu begründen.6 John Rawls starb am 24. November 2002 in Lexington, Massachusetts.7

3.1. Gerechtigkeit als Fairness

Nach John Rawls besitzt jeder Mensch durch Gerechtigkeit eine Unverletzlichkeit, die auch durch das Wohl der Gemeinschaft nicht aufgehoben werden kann. Daher gelten in einer Gesellschaft für alle die gleichen Bürgerrechte. Für eine funktionsfähige Gesellschaft bedarf es an einer Übereinstimmung der Gerechtigkeitsvorstellungen, wobei die Vorhaben der einzelnen Menschen so aufeinander abgestimmt werden müssen, dass ihre Tätigkeiten zusammenpassen und alle zusammen ausgeführt werden können. Probleme gibt es, wenn das Schema der gesellschaftlichen Zusammenarbeit nicht ausgeführt wird. Dabei muss beachtet werden, dass es stetig befolgt wird, die Grundregeln bereitwillig eingehalten werden und bei Verstößen muss es Kräfte geben, die die Ordnung wiederherzustellen versuchen. Rawls nennt die Verfassung und die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse als die wichtigsten Institutionen der Gesellschaft. Diese legen die Rechte und Pflichten der Menschen fest und beeinflussen ihre Lebenschancen. Ebenso wird der Gerechtigkeitsbegriff dadurch definiert, dass gesellschaftliche Güter richtig verteilt werden. Dadurch sollen bestimmte Verteilungsgrundsätze für die gesellschaftliche Grundstruktur beschrieben werden. Fairness drückt den Gedanken aus, dass die Grundsätze der Gerechtigkeit in einer fairen Ausgangssituation festgelegt werden.8 Für Rawls ist die Gerechtigkeit vor allem eine Verteilungsaufgabe, die durch den Staat wahrgenommen werden soll. Der Grundgedanke der Theorie der Gerechtigkeit wurde in zwei Grundsätzen entwickelt. Zum einen hat jede Person ein gleiches Recht auf das umfassende System gleicher Grundfreiheiten, das mit demselben System von Freiheiten für alle vereinbar ist. Zum anderen sind soziale und ökonomische Ungleichheiten zulässig, wenn sie zum größten zu erwartenden Vorteil für die am wenigsten Begünstigten führen und mit Positionen und Ämtern verbunden sind, die allen unter Bedingungen fairer Chancengleichheit zur Verfügung stehen. Für eine Gruppe von Menschen bedeutet das, dass ihre Interessen, Sorgen und Freiheiten eines jeden Individuums gleichermaßen berücksichtigt werden.9

Weiter sieht er Fairness als Ausgangsbedingung an, damit jede Person die gleichen Rechte und Pflichten hat und diese auch erfüllt, ohne andere zu diffamieren. „Voraussetzung dafür ist ein bestimmtes Bild des Bürgers eines Staates:

Alle Bürger sind frei, sofern ihre Selbstbestimmung nicht in Weisen eingeschränkt werden darf, die sich nicht auch ihnen selbst gegenüber rechtfertigen ließen.

Alle Bürger sind gleich zumindest in dem Sinne, dass politische Institutionen (hier: Der Staat, seine Gesetze und die moralischen Regeln) allen gegenüber gerechtfertigt werden sein müssen.

Alle Bürger sind grundsätzlich bereit, rationale Überlegungen darüber anzustellen, wie die Institutionen ihrer Gesellschaft gerechterweise eingerichtet werden sollten.

Alle Bürger sind grundsätzlich bereit, faire Beschränkungen ihrer ungehinderten Selbstbestimmung anzuerkennen.“10

Als Ergebnis aus diesen Überlegungen sieht Rawls einen wohlgeordneten Staat, bei dem der Einfluss von Zufällen auf die Verteilung (von Gütern, Leistungen) abgeschwächt wird und so jedem Bürger das gleiche Maß an Gerechtigkeit wiederfährt. In diesem Staat gibt jeder Bürger den Institutionen das, was sie verlangen, weil diese genau so viel verlangen, was die Bürger ihnen vorher schon aus eigenem Interesse gegeben hätten. Weiter ermöglichen die Institutionen den Bürgern eine autonome Lebensweise und schränken sie nicht in ihrer Freiheit, ihrem höchstem Gut, ein.

Diese und noch weitere Punkte zeigt John Rawls auf, um seine Theorie der Gerechtigkeit als Fairness aufzuzeigen und zu begründen.11

3.2. Urzustand

Der Urzustand wird bestimmt von den ersten Grundsätzen der Gerechtigkeit, die vernünftige Menschen in diesem Zustand der Gleichheit aufstellen, um die Grundbedingungen ihrer Vereinigung festzulegen. Dabei ist die beste verfügbare Möglichkeit seine Ziele zu fördern die Einigung auf die Grundsätze im Hinblick auf die Ansichten und Interessen der Beteiligten. Man muss beachten, dass nicht jeder Mensch haben kann, was er möchte, was schon durch das Vorhandensein anderer Menschen verhindert wird. Somit sollte es das Beste sein, dass sich alle anderen der Verwirklichung der Vorstellung eines Menschen anschließen. Das Zweitbeste wäre, dass alle anderen sich gerecht verhalten müssen, er für sich aber beliebige Ausnahmen machen darf. Der Urzustand ist so definiert, dass die in ihm getroffenen Vereinbarungen fair sind. Außerdem bekommt der Begriff des Urzustands moralische Züge, da die moralische Einschätzung von Gleichgewichtszuständen von den ihnen zugrundeliegenden Bedingungen abhängt. Dadurch möchte man in diesem Zustand die Grundsätze moralisch richtig wählen. Zum Urzustand gehören Bedingungen, die man für die Wahl von Grundsätzen für vernünftig hält. Die Voraussetzung ist der Schleier des Nichtwissens, der die Bedürfnisse und Interessen eines jeden Teilnehmers fair repräsentiert. Die Teilnehmer wissen nicht, wie sich die Möglichkeiten auf ihre Interessen auswirken würden und müssen Grundsätze unter allgemeinen Gesichtspunkten beurteilen. Den Menschen sind bestimmte Arten von Einzeltatsachen unbekannt. Niemand kennt seinen Platz in der Gesellschaft, seine Klasse oder seinen Status. Ebenso kennt niemand seine natürlichen Gaben, seine Intelligenz oder seine Körperkraft und wissen nicht zu welcher Generation sie gehören. Außerdem sind die besonderen Verhältnisse in der Gesellschaft, wie die wirtschaftliche und politische Lage, unbekannt. Dadurch sollen Grundsätze gewählt werden, deren Folgerungen sie hinzunehmen bereit sind. Die Teilnehmer wissen nur, dass ihre Gesellschaft die Anwendungsverhältnisse der Gerechtigkeit aufweist und alles, was damit zusammenhängt. Eine weitere Voraussetzung von Rawls ist die Vernunft der Menschen im Urzustand. Allerdings kennen sie ihre Vorstellung von ihrem Wohl nicht. Wenn die betroffenen Parteien zu einer Übereinkunft kommen, sorgt ihr Gerechtigkeitssinn dafür, dass die aufgestellten Grundsätze auch beachtet werden. Dabei wird den Menschen die Möglichkeit gelassen, nach verschiedenen Gerechtigkeitsvorstellungen zu handeln. Die Menschen sind vernünftig, da sie sich nicht auf Abmachungen einlassen, von denen sie wissen, dass sie sie nicht oder nur mit großen Schwierigkeiten einhalten können. Zur Theorie der Gerechtigkeit gehört, dass Menschen in ihrem Urzustand bestimmte Entscheidungen treffen.

[...]


1 http://www.un.org/Depts/german/millennium/mp-povertyfacts-g-new.pdf

2 http://www.ikud.de/Globalisierung.html

3 Höffe, Otfried: Demokratie im Zeitalter der Globalisierung. 1. Aufl.. München: C.H.Beck, 1999. S. 14- 20.

4 Pogge, Thomas: Weltarmut und Menschenrechte : Kosmopolitische Verantwortung und Reformen. Berlin: Walter de Gruyter, 2011. S. 45 ff.

5 http://www.bpb.de/wissen/EN028Q

6 Pogge, Thomas W.: John Rawls. 1. Aufl.. München: C.H.Beck, 1994. S. 11-29.

7 http://www.neuemoral.de/www_neuemoral_de/Philosophen/John_Rawls/john_rawls.html

8 Rawls, John: Eine Theorie der Gerechtigkeit. 1. Aufl.. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 1979. S. 19-29.

9 http://www.fairness-stiftung.de/pdf/Rawls.pdf

10 http://leps.de/up/rawls.html

11 Pogge, Thomas W.: John Rawls. 1. Aufl.. München: C.H.Beck, 1994.

Details

Seiten
18
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656691419
ISBN (Buch)
9783656691426
Dateigröße
445 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v276078
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Karlsruhe
Note
2,0
Schlagworte
globale gerechtigkeit theorien john rawls amartya

Autor

  • Anna Benz (Autor)

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