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Grundlagen der behördlichen Risiko- und Krisenkommunikation

Studienarbeit 2012 55 Seiten

Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungen

1 Einleitung

2 Grundlagen zur Projektfragestellung
2.1 Gefahrenabwehrplanung im nuklearen Katastrophenschutz
2.2 Die nukleare Katastrophenschutzübung „Biblis 2008“
2.2.1 Teilziele der nuklearen Katastrophenschutzübung „Biblis 2008“
2.3 Informationstransfer der Stabsarbeit der nuklearen Katastrophenschutz übungen „KKW Biblis“

3 Projektfragestellung und Lösungsvorschlag

4 Kommunikation und Information
4.1 Kommunikation, Information, Koordination und Nutzergruppen
4.2 „Kommunikation“ – eine Begriffsdarstellung
4.3 „Information“ – eine Begriffsdarstellung

5 Kommunikationsmodelle
5.1 Technische Kommunikationsmodelle
5.1.1 Das Kommunikationsmodell von Laswell
5.1.2 Das Kommunikationsmodell von Shannon & Weaver
5.2 Zeichenvorrat und Zeichenverständnis
5.3 Erweiterte Kommunikationsmodelle
5.3.1 Psychosoziale Kommunikationsmodelle - Watzlawik
5.3.2 Psychosoziale Kommunikationsmodelle – Schulz von Thun
5.4 Komplexität der Kommunikation

6 Kommunikationsfallen
6.1 Kommunikationsfallen - Modellkritik
6.2 Kommunikationsfallen in Risikosystemen

7 Kommunikationsrichtungen
7.1 Bidirektionale Kommunikation
7.2 Unidirektionale Kommunikation

8 Risiko- und Risikokommunikation – Begriffsdarstellung
8.1 Risiko
8.2 Risikokommunikation

9 Behördliche Risikokommunikation
9.1 Absichten und Ziele
9.2 Erhöhung der Selbsthilfefähigkeit
9.3 Risikowahrnehmung und –bewertung durch die Bevölkerung
9.4 Formen der Risikokommunikation

10 Krise- und Krisenkommunikation – Begriffsdarstellung
10.1 Krise
10.2 Krisenkommunikation

11 Behördliche Krisenkommunikation
11.1 Absichten und Ziele (äußere Krisenkommunikation)
11.2 Krisenkommunikation in der Gefahrenabwehr(innere Krisenkommunikation)
11.3 Formen behördlicher Krisenkommunikation
11.4 Behördliche Kommunikation mit den Medien im Kreis Bergstraße (Krisenkommunikation)
11.5 Behördliche Kommunikation mit der Bevölkerung im Kreis Bergstraße (Krisenkommunikation)
11.6 Formen der behördlichen Krisenkommunikation
11.7 Vorbereitung der behördlichen Krisenkommunikation
11.8 Durchführungsgrundsätze der behördlichen Krisenkommunikation

12 Die Medien in der Risiko- und Krisenkommunikation
12.1 Bedeutung der Medien
12.2 (Massen)mediale Kommunikation im Krisenfall (Katastrophe)
12.2.1 Fukushima - ein Krisenfall und die Medien

13 Zusammenfassung und Ausblick

Quellenverzeichnis

Vorwort

In verschiedenen Forschungsprojekten werden die Nutzungsmöglichkeiten von internetbasierten Informations- und Kommunikationsplattformen wissenschaftlich untersucht. Datenbasierte Informations- und Kommunikationssysteme befinden sich bereits als lokale oder regionale Einrichtungen im Einsatz, stellen aber aufgrund ihrer Begrenzung auf Belange der jeweiligen Organisationsform[1] und paralleler statt vernetzter Strukturen, bisher kein umfassendes Lösungsangebot für ein integriertes Krisenmanagementsystem dar[2]. Großeinsätze erfordern von der täglichen Gefahrenabwehr bis zum Katastropheneinsatz eine adressatenorientierte Kommunikationsmöglichkeit mit zielgruppenspezifischen Abstufungen. Seitens des Verfassers wird Einrichtung einer webportalbasierten Gefahrenabwehr als Informations- und Kommunikationsplattform für die Bevölkerung, die Medien und behördliche Nutzergruppen (Führungsstäbe, Fachbehörden etc.) als Lösungsvorschlag für behördliche Risikokommunikation, Krisenkommunikation und „Kommunikation in der Krise“ angesehen. Ein solches Portal ist als zentrales Informations- und Kommunikationsmedium ausbaufähig und von jedem internetfähigen Zugang betretbar – Betriebsfähigkeit vorausgesetzt (z.B. Problem Stromausfall). Das Portal stellt eine sinnvolle Erweiterung und mit geringem Aufwand eine gestaltbare Ergänzung bestehender Informations- und Kommunikationswege dar. Die Studienarbeit zeigt die theoretischen Grundlagen der Kommunikation auf, beschreibt Kommunikationsmodelle und die Begriffe Risiko- und Krisenkommunikation, Möglichkeiten behördlicher Kommunikation und die Bedeutung der Medien als „Transportmittel“ des Kommunikationsgegenstandes. Die auf der Studienarbeit aufbauende Projektarbeit stellt erweiternd die praktischen Umsetzungsmöglichkeiten sowie weitere bestimmende Elemente vor (u.a. Informationsmanagement in der Gefahrenabwehr, Warnung der Bevölkerung als Ergänzung der Risiko- und Krisenkommunikation, Informationsverhalten im World Wide Web).

Heppenheim, den 03.05.2012 Jörg Oberkinkhaus

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Vernetzung von Kommunikation, Information und Kommunikation

Abbildung 2: Lineare Kommunikationsprozesse nach Lasswell

Abbildung 3: Sender-Empfänger Modell nach Shannon & Weaver

Abbildung 4: Kommunikation im Kontext psychologischer Variablen

Abbildung 5: Bidirektionale Kommunikation

Abbildung 6: Unidirektionale Kommunikation

Abbildung 7: Visualisiertes Risiko vor Ereigniseintritt

Abbildung 8: Varianten der Risikokommunikation

Abbildung 9: Abrufbare Darstellung einer Hochwasserlage in der Einsatzfrühphase

Abbildung 10: Nutzergruppe „Medien“: Darstellung von Hintergrundinformationen

Abbildung 11: Portalseite „Bevölkerung“

Abbildung 12: Krisenverlauf in den Medien

Abkürzungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Webportalbasierte Kommunikationswege und -instrumente können ein vernetztes organisationsübergreifendes Informations- und Kommunikationsangebot darstellen. Die Projektarbeit des Verfassers thematisiert die Etablierung eines Webportals „Gefahrenabwehr“ – Informations- und Kommunikationsplattform für Bevölkerung, Presse und Behörden im Kreis Bergstraße, wobei hier eine überregionale Vernetzung erfolgt:

https://gefahrenabwehr.kreis-bergstrasse.de .Die Studienarbeit zeigt mit dem Titel „Grundlagen der behördlichen Risiko- und Krisenkommunikation“ die theoretische Basis des Projektes auf (Kommunikationsmodelle), erläutert die Begriffe „Kommunikation“ und „Information“ und stellt die Grundlagen der Risiko- und Krisenkommunikation, deren behördliche Umsetzung , sowie die Bedeutung der Medien in diesen Kommunikationssystematiken dar. In der Projektarbeit werden dann unter anderem die praktischen Umsetzungsmöglichkeiten vorgestellt (Informationsmanagement in der Gefahrenabwehr, Warnung der Bevölkerung als Ergänzung der Risiko- und Krisenkommunikation, Informationsverhalten im World Wide Web etc.)

2 Grundlagen zur Projektfragestellung

2.1 Gefahrenabwehrplanung im nuklearen Katastrophenschutz

Im nuklearen Katastrophenschutz orientieren sich die Maßnahmen der Gefahrenabwehrbehörden für Einsatzvorbereitung und Ereignisfall an den „Rahmenempfehlungen für den Katastrophenschutz in der Umgebung kerntechnischer Anlagen“[3]. Hier werden u.a. Bereiche wie „Aufstellung von Katastrophenschutzplänen“, „Alarmstufen und -maßnahmen“ und „Evakuierungsmaßnahmen“ thematisiert. Ziel der Rahmenempfehlungen ist eine bundeseinheitliche Planung der Katastrophenabwehrmaßnahmen durch die betroffenen Bundesländer mit kerntechnischen Anlagen, ohne dabei in länderspezifische Verfahrensweisen regulierend einzugreifen. Auf der Grundlage der „Rahmenempfehlungen“ wurde durch die Katastrophenschutzbehörde des Kreises Bergstraße der „Katastrophenabwehrplan für kerntechnische Störfälle – Kernkraftwerk (KKW) Biblis“ ausgearbeitet[4].

Ergänzt werden die Rahmenempfehlungen durch den „Leitfaden zur Information der Öffentlichkeit in kerntechnischen Notfällen“[5]. Der Leitfaden soll im Ereignisfall den Gefahrenabwehrbehörden eine zielgerichtete Reaktion auf das allgemeine Informationsbedürfniss der Öffentlichkeit ermöglichen, mit der Intention einer klaren, eindeutigen, verständlichen, lagegerechten und widerspruchsfreien Information[6] (Krisenkommunikation) .

2.2 Die nukleare Katastrophenschutzübung „Biblis 2008“

Die Projektgrundlage wurde durch die länderübergreifende nukleare Katastrophenschutzübung „Biblis 2008“ (12.09.-13-09-2008) geschaffen. Die Erprobung der Katastrophenschutzplanungen für ein Ereignis im Kernkraftwerk Biblis bildeten die Basis für die Vorbereitung von „Biblis 2008“, der bereits vergleichbar ausgerichtete Übungen in den Jahren 1995 und 2001 vorausgegangen waren. Das generelle Übungsziel von „Biblis 2008“ waren die Bewältigung eines nuklearen Unfalls im Kernkraftwerk Biblis und die Überprüfung der im Katastrophenabwehrplan für kerntechnische Störfälle (KKW Biblis) vorgesehenen Vorsorge- und Schadensabwehrmaßnahmen auf ihre Anwendbarkeit und Effizienz[7].

2.2.1 Teilziele der nuklearen Katastrophenschutzübung „Biblis 2008“

Spezielle Teilziele der Übung wurden durch Übungsbeobachter begleitet und interdisziplinär evaluiert[8]:

- Stabsarbeit in mehreren Schichten
- Öffentlichkeitsarbeit/Pressearbeit
- Kommunikation zwischen den beteiligten Bundesländern, dem Kreis Bergstraße, dem Regierungspräsidium Darmstadt und den Nachbarkreisen (horizontale und vertikale Kommunikation)

- Aufbau einer Kommunikationsstruktur
- Ausgabe von Kaliumjodidtabletten
- Einrichtung und Betrieb einer Messzentrale
- Aufbau und Betrieb von Notfallstationen
- Planung und Durchführung einer fiktiven Evakuierung

2.3 Informationstransfer der Stabsarbeit der nuklearen Katastrophenschutzübungen „KKW Biblis“

Im Rahmen der bisherigen Übungsszenarien zum nuklearen Katastrophenschutz im Umfeld des KKW Biblis wurden radiologische Lage, Prognosen der Strahlenschutzfachberater, Ausbreitungsberechnungen, allgemeine Lagedarstellungen, Lagebilder, Pressemitteilungen, Information der Bevölkerung in Verhaltensmaßnahmen, Empfehlungen und Anordnungen transformiert und über das Verbindungsmedium IuK-Zentrale[9] per Funk, Telefon oder Fax an die beteiligten Nachbarstäbe, Behörden, Dienststellen und operativen Einheiten (z.B. Notfallstationen) verteilt - eindimensional in Papierform auf schwarz-weiß Faxen ohne ausreichende Visualisierbarkeit der dargestellten Inhalte[10]. So basieren die Entscheidungsprozesse der beteiligten und betroffenen Katastrophenschutzstäbe auf den verfügbaren und vermittelten, aber auch nachvollziehbaren Informationen der einsatzführenden Katastrophenschutzbehörde[11], hier können gesicherte Prozesse der Stabsarbeit nur durch eine mehrdimensionale Informationsübertragung erfolgen (farbige Lagebilder, Texte, Videokonferenz etc.).

3 Projektfragestellung und Lösungsvorschlag

Ausgehend von den Erfahrungen der bisherigen Übungslagen zum KKW Biblis, dem „Leitfaden zur Information der Öffentlichkeit in kerntechnischen Notfällen“, den „Rahmenempfehlungen“ und der Anforderung an eine adressatenorientierte Kommunikationsmöglichkeit in der täglichen Gefahrenabwehr und im Katastropheneinsatz, ergeben sich die zentralen Fragestellungen für die Projektarbeit:

- welche Nutzgruppe[12] (Adressaten) benötigen welche Informationen?
- wie können benötigte Informationen zur richtigen Zeit, im richtigen Format dem richtigen Adressaten (Bevölkerung, Presse und Behörden) zur Verfügung
gestellt werden?
- welche Möglichkeiten des Informationstransfers bestehen im Rahmen der

Risiko – und Krisenkommunikation?

Als Lösungsvorschlag wird die Einrichtung einer webportalbasierten Informationsplattform angesehen, mit einem offenen Zugang für die Bevölkerung und einer abgestuften Zugangsberechtigung für die gesonderten Untergruppierungen „Presse“ und „Behörden“, sowie formulierten Zielvorgaben und Kernfunktionen[13][14]:

- Informationen und Daten zusammenfassen, aufbereiten und bereitstellen
- Informationsflut eindämmen
- Entscheidungen auf eine fundierte Grundlage von gesicherten Informationen stellen
- Reaktionszeiten verkürzen und Handlungssicherheit erhöhen
- Fachwissen bündeln
- Informationsaustausch und Kommunikation durch Vernetzung.

Für die Katastrophenschutzübung „Biblis 2008“ wurde eine webportalbasierte Kommunikationsplattform als regionales Experiment mit auf bestehenden EDV Infrastrukturen (Microsoft SharePoint) kostenneutral geplant, eingerichtet, im Übungsverlauf getestet, evaluiert und anschließend weiterentwickelt[15].

Das Portal dient als Produkt einer Bedarfsanalyse im Bereich der Pressearbeit auch zur Information der Medien bei größeren oder außergewöhnlichen Schadensereignissen: Bei Großeinsätzen werden die örtlichen Einsatzleitungen durch die Pressevertreter vor Ort in ihrer eigentlichen Aufgabe eingeengt, gleichzeitig benötigt die Presse Sachinformationen zum Einsatzgeschehen und will in ihrem lokalen Wirkungsbereich auch vermehrt über presserelavante Einsätze des Alltagsgeschehens informiert werden[16].

4 Kommunikation und Information

4.1 Kommunikation, Information, Koordination und Nutzergruppen

Neben der „Kommunikation“ nimmt die „Information“ einen zentralen Stellenwert in der Gefahrenabwehr ein, so dass die Bereiche „Kommunikation“, „Information“ und „Koordination“ eng miteinander verflochten sind: Keine Information ohne Kommunikation, keine Maßnahmenkoordination ohne Information und Kommunikation (Abb.1). In dieser Vernetzung finden sich auch die beteiligten Akteure und Nutzergruppen wieder, die einen unterschiedlichen Informations- und Kommunikationsbedarf aufweisen:

- Führungsstäbe und Katastrophenschutzstäbe
- Leitstellen
- Einsatzleitungen vor Ort
- Behörden und Dienststellen
- Pressestellen
- Medien
- Bevölkerung[17]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Vernetzung von Kommunikation, Information und Koordination

4.2 „Kommunikation“ – eine Begriffsdarstellung

Unabhängig von der Betrachtung verschiedener Kommunikationstheorien lässt sich der Begriff „Kommunikation“ in seiner Vielfältigkeit auf grundlegende Eigenschaften reduzieren, wie beispielsweise von Hehlmann dargestellt: „(…) Verbindung, Mitteilung, Verständigung; sozialer Kontakt im Sinne des Empfanges oder Gebens von Informationen; heute allgemein die zwischenmenschliche Verständigung durch Signale, Zeichensysteme, Sprache (…)“[18]. Brunner und Zeltner betrachten Kommunikation als „(…) soziale Interaktion, bei der Informationen zwischen zwei oder mehreren Personen mit Hilfe eines Kommunikationsmittels ausgetauscht werden (…)“[19]. Systemtheoretisch wird als Vorstufe zur Darstellung von Hehlmann unter „Kommunikation“ bereits die vorangegangene nonverbale Wahrnehmung einer anderen Person definiert „Dort wird Kommunikation als einfachstes Sozialsystem verstanden. Dieses entsteht durch das Reflexiv-Werden der Wahrnehmung von zwei Personen: Nehmen beide Personen die jeweils andere Person wahr und nehmen beide Personen zudem wahr, dass die jeweils andere Person sie wahrnimmt, so entsteht daraus ein System – und interpersonale Kommunikation in ihrer einfachsten, nonver­balen Form beginnt. Zur Selbsterhaltung braucht das System mehr Struktur, die durch den sprachlichen Kanal geliefert wird (...)“[20]. Buerschaper bezeichnet Kommunikation als „(…) die Interaktion von Menschen und auch den Inhalt dieses Informationsprozesses (…)“,[21] verweist aber auch auf die Mehrdeutigkeit des Begriffes. Im Kontext der „Human Factors“ in Risikobranchen geht Hofinger in der Betrachtung von „Kommunikation“ konform mit Buerschaper, auch sie beschreibt die Interaktion und Information als zentrale Elemente und verweist auf unterschiedliche Begriffsverständnisse von „Kommunikation“ als[22]:

- technische Fragen der Übermittlung von Informationen
- Sprachtheorie
- Wahrnehmung und Verarbeitung von Sprache und Zeichen
- Standardisierung von Kommunikation und
- Gestaltung von Prozessen und Beziehungen in Organisationen

Das psychologische Wörterbuch[23] sieht Kommunikation ebenfalls als Vorgang der Informationsübertragung durch Kommunikator (Sender) und Kommunikant (Empfänger) an, wobei als Kommunikationsmittel sprachliche oder nichtsprachliche Zeichen auf unterschiedlichen Kommunikationskanälen Verwendung finden (akustisch, optisch, face to face oder Massenmedium).

Im technisch geprägten Umfeld der Gefahrenabwehr wird der Begriff „Kommunikation“ auch entsprechend „technisiert“ und überwiegend den Kommunikationsinstrumenten (Funk, Telefon, Fax, PC als Kommunikationsausrüstung) eine zentrale Bedeutung im Kommunikationsbegriff zugeordnet „(…) Besser zu viel Funkgeräte als zu wenig (…)“[24]. Kommunikationsprobleme bei Übungen und Einsätzen werden hier vor allem auf Mängel im technischen Ablauf oder der Organisation des technischen Ablaufs reduziert[25].

„Kommunikation“ umfasst aber auch eine psychosoziale Komponente: Durch Tonfall, Gestik und Mimik werden in der Kommunikation zusätzliche Signale gesendet, die den Kommunikationsgegenstand verstärken, abschwächen oder ganz im Gegensatz dazu stehen können.

Unabhängig von der psychosozialen oder technischen Betrachtungsweise des Kommunikationsbegriffs dient Kommunikation dem Austausch, dem Transport oder der Übermittlung von „Informationen“ in sozialen Systemen - diese Informationen werden zum Gegenstand der Kommunikation. Dabei kann die Informationsübertragung und damit die Kommunikation innerhalb dieser Systeme auch auf rein technischer Ebene zwischen technischen Systemen stattfinden, oder in einem technisch-menschlichem Mischsystem (beispielsweise das Monitoring in der Intensivmedizin: Der Zustand eines Patienten wird technisch überwacht, Zustandsveränderung werden optisch und akustisch kommuniziert). Bei der Betrachtung von „Information“ (als durch Kommunikation von einem Kommunikator vermitteltes „Objekt“) liegt der Verwertungszusammenhang beim Kommunikanten als Rezipient, d.h. dieser entscheidet wie die Information von ihm verwertet wird.

4.3 „Information“ – eine Begriffsdarstellung

Begrifflich wird „Information“ eng mit „Wissen“ verbunden, ohne das eine reine Beschränkung und Isolierung des Informationsbegriffes auf „Wissen“ zulässig erscheint: „Information ist zweckbezogenes Wissen“[26] diese Definition von Wittmann charakterisiert und reduziert „Information“ als handlungs- oder entscheidungs- vorbereitendes Wissen[27] in einem Verwendungszusammenhang.

Informationen beeinflussen jedoch Handlungen und Entscheidungen, sie ermöglichen eine Neubetrachtung des status quo und eine Korrektur oder Neuausrichtungen von Handlungen und Entscheidungen[28]. Informationen sind mit Inhalten verknüpft, es gibt einen Informationsgegenstand, so dass Informationen zu einem Gewinn an Wissen und Verringerung von Unwissenheit führen[29], die Kommunikation dient dabei der Transportlogistik. Die Verbindung von Information mit dem Wissensbegriff findet sich auch in einer weiteren Definition: „(…)Information ist die Teilmenge von Wissen, die von einer bestimmten Person oder Gruppe in einer konkreten Situation benötigt wird und häufig nicht explizit vorhanden ist (…)“[30]. Hier wird postuliert, dass Information nicht vorhandenes, aber aktuell benötigtes Wissen vermittelt. Ebenso wie bei Wittmann wird vorausgesetzt oder unterstellt, dass eine Informationsassymetrie[31] bei den Kommunikationsteilnehmern vorhanden ist[32], dass Unwissenheit besteht und ein Wissensgewinn stattfindet. Payr bezeichnet Informationen hingegen als „Nahtstelle zwischen Daten und Wissen“[33].

Unabhängig davon, ob Informationen Wissen beinhalten, zur Wissensbildung beitragen, oder nur übertragene optische oder akustische Signale darstellen, ermöglichen sie dem Empfänger eine Verwertung, können in Entscheidungen und Handlungen einfließen oder umgesetzt werden. So informiert die Auslösung einer Sirene zur Alarmierung der Feuerwehr den Feuerwehrangehörigen lediglich durch die akustische Information über den Bedarf einer organisierten Hilfe, wobei Art, Ort und Umfang verborgen bleiben. Dem Feuerwehrangehörigen wird lediglich vermittelt, dass er sich zum Feuerwehrhaus begeben muss (Entscheidung und Handeln).

5 Kommunikationsmodelle

Kommunikation findet nicht isoliert sondern in einem System statt, in dem Kommunikator und Kommunikant Rollen zugewiesen sind und der Kommunikationsvorgang nach bestimmten Verhaltens- und Vorhersagemustern abläuft oder ablaufen kann. Diese Vorgänge im System lassen sich durch Kommunikations- oder Übertragungsmodelle darstellen. Ziel dieser Modelle ist eine Transparenz im Kommunikationsvorgang, d.h. Störfaktoren zu identifizieren, aufzuzeigen und zu beseitigen um den Transport, Empfang und die Deutung beim Kommunikanten mit der Intention des Kommunikators störungsfrei zu ermöglichen.

5.1 Technische Kommunikationsmodelle

5.1.1 Das Kommunikationsmodell von Laswell

Ein einfaches, technisch geprägtes Kommunikationsmodell wurde 1948 durch Laswell dargestellt. Das lineare Modell beschreibt den Prozessablauf der Kommunikation mit seinen einzelnen Elementen (Sender, Botschaft, Übertragungsmedium, Empfänger, Effekt):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Linearer Kommunikationsprozess nach Lasswell (aus Ulbig, E. et al 2010, S. 36)

Im Gegensatz zu dem von Shannon & Weaver 1949 modifiziertem Modell von Lasswellwird hier nicht nur der Prozessablauf aufgezeigt, sondern auch die Intention, die Wirkung auf den Empfänger berücksichtigt[34]. Im Marketingbereich hat das Modell von Laswell Bestand und ist in das Marketingkommunikationssystem integriert. Der von Lasswell als „Effect“ / „with what effect“ bezeichnete Kommunikationsabschnitt wird hier inhaltlich belegt und interpretiert mit „Kommunikationserfolg“, „Kauf“, „Image“ und „Einstellung“[35]

5.1.2 Das Kommunikationsmodell von Shannon & Weaver

Das Modell von Shannon & Weaver (1949) bedient sich seiner Grundstruktur des Kommunikationsmodells von Lasswell (Abb.3) und stellte ursprünglich die Signalübertagung für eine Telefongesellschaft dar. Mit der Reduzierung von Kommunikation auf den technischen Vorgang zwischen einem „Sender“ und einem „Empfänger“ durch einen Übertagungskanal wird hier für die erfolgreiche Signalübertragung vorausgesetzt, dass das gesendete codierte Signal vom Empfänger auch richtig decodiert werden kann[36] (vgl. 5.2).

Eine Rückkopplung ist in diesem Modell aber nicht vorgesehen[37], ebenso bleibt ein psychosoziales Umfeld unberücksichtigt, es findet eine ausschließliche Reduktion auf den technischen Ablauf der Signalübertragung statt.

Das von Shannon und Weaver beschriebene und übertragungsverzerrende „Rauschen“ („noise source“) ist nachrichtentechnisch im analogen Funkverkehr zu beobachten, es führt zu Verlusten der Übertragungsqualität und damit auch zur Zeichenbeeinflussung zwischen Sender und Empfänger: Informationen werden verzerrt oder inhaltlich falsch übermittelt, beispielsweise durch Umgebungsgeräusche (Lärmpegel einer Einsatzstelle, Störungen durch Funkverkehr, Telefongespräche, technische Geräusche in einer Leitstelle bei der Notrufabfrage etc.). Ein Einfluss auf die Übertragungsqualität entsteht aber auch durch eine Überlastung des Übertragungskanals: Wenn mehrere Sender zeitgleich Signale versenden wird der Empfang gestört (z.B. gleichzeitiges Sprechen mehrerer Personen zu einer anderen Person).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Sender-Empfänger Modell nach Shannon & Weaver (aus Ulbig, E. et al 2010, S. 37)

5.2 Zeichenvorrat und Zeichenverständnis

Eine Kombination in der Betrachtung beider Modell zeigt auf, dass die Voraussetzung für eine funktionierende Informationsübertragung (Nachrichtenübertragung) ein gemeinsamer Zeichenvorrat ist, d.h. ein Signal muss beim Sender und beim Empfänger mit den gleichen Zeichen belegt sein und die gleiche Bedeutung haben. Im Rahmen der Kommunikation muss sichergestellt werden, dass die gesendete Nachricht vom Empfänger so decodiert und verstanden wird, dass sie der inhaltlichen Vermittlungsabsicht des Senders entspricht[38] ohne dass der Inhalt der Nachricht beim technischen Übertragungsvorgang zu berücksichtigen ist[39].

Als angewandtes Kommunikationsmodell lässt sich ein asymetrischen Zeichenverständnis durch die Verwendung des Begriffes „schnell“ in der Gefahrenabwehr aufzeigen: Im Verständnis des Rettungsdienstes handelt es sich hierbei um wenige Minuten, im Verständnis der Feuerwehr um ein einsatzabhängiges Zeitintervall. Wird vom Rettungsdienst aus medizinischen Gründen die schnelle technische Rettung des Patienten durch die Feuerwehr gefordert, so kann dieser Vorgang ablauftechnisch begründet 10 – 15 Minuten dauern, also nicht „schnell“ von der medizinischen Perspektive aus gesehen, aus technischer Perspektive aber schon. Hier ist im Einsatzfall eine ständige Kommunikation zwischen medizinischer und technischer Rettung mit einem regelmäßigen inhaltlichem Abgleich der „Zeichen“ erforderlich um ein gleiches Bedeutungsverständnis zu erhalten - im konkreten Beispiel bei erfolgtem gleichem Zeichenverständnis durch eine Alternativenauswahl im Rettungsablauf[40].

Problematischer gestaltet sich das Modell der Übertragung von „Zeichen“ bei Begriffen, deren gedankliche Vorstellung scheinbar dem gemeinsamen Zeichenvorrat von Sender und Empfänger unterliegt, in der jeweiligen individuellen Vorstellung bei Sender und Empfänger jedoch inhaltlich völlig abweichend voneinander belegt sein kann, beispielsweise der Begriff (das Zeichen) „Tisch“. So wird von Dombrowsky das „(…) unilineare Sender Empfänger Modell (…)“entsprechend als „(…) Informatiktheorie zur bestmöglichen Übertragung von Informationen (…)“[41] bewertet und nicht als Informationstheorie angesehen[42].

Weder bei Shannon & Weaver noch bei Lasswell erfolgt eine Rückkopplung zwischen Sender und Empfänger, die Bedeutung der übermittelten „Zeichen“ müssen Sender und Empfänger bekannt sein. Kommunikation wird funktional reduziert auf eine ausschließliche Signalgebung, ähnlich der Nachrichtenübermittlung durch Licht- oder Flaggensignale in der Seefahrt, wo durch die Kombination von Signalen Worte und Begriffe entstehen. Psychosoziale Komponenten und mögliche zwischenmenschliche Beziehungen zwischen Sender und Empfänger bleiben unberücksichtigt.

5.3 Erweiterte Kommunikationsmodelle

Erweiterte Kommunikationsmodelle verstehen Kommunikation als komplexeren Vorgang wie die ausschließliche Reduktion auf „Senden“, „Signaltransport“ und „Empfangen“. Hier wird die Beziehung zwischen Sender und Empfänger, deren Intentionen, die nonverbalen und paraverbalen Kommunikationselemente[43], aber auch das Umfeld (soziale System) betrachtet in dem die Kommunikation stattfindet. Dieses Umfeld kann kleindimensional die Organisationsstruktur eine Katastrophenschutzstabes oder eines Notfallteams im Rettungseinsatz darstellen, aber auch ein gesamtgesellschaftlicher Kontext.

5.3.1 Psychosoziale Kommunikationsmodelle - Watzlawik

Die zwischenmenschliche Beziehung zwischen Sender und Empfänger wird von Watzlawik aufgegriffen „(…) Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und Beziehungsaspekt, derart, dass letzterer ersteren bestimmt (…)“ und „(…) man kann nicht nicht kommunizieren (…)“[44]. Hier wird einerseits der nonverbale Aspekt der Kommunikation angesprochen, in dem sich beispielsweise schon Sympathie oder Antipathie, Zustimmung oder Ablehnung ausdrücken können, ohne dass eine verbale Aktivität stattgefunden hat. Andererseits weist Kommunikation nach Watzlawik einen Sach- und Beziehungsaspekt auf: Kommunikation vermittelt eine Sachinformation (Fakten, Daten), die Übermittlung des Sachaspektes wird beeinflusst durch die Beziehung zwischen Sender und Empfänger (Vertrauen, Erfahrungen, Konflikte, Erlebnisse, Gefühle), also „wie“ der Sachaspekt transportiert wird (mitfühlend, ironisch, ablehnend, zustimmend usw.).

5.3.2 Psychosoziale Kommunikationsmodelle - Schulz von Thun

Die Verflechtung der Beziehung von Sender und Empfänger, sowie der Einfluss auf den Sachinhalt, wurde von Schulz von Thun weiterentwickelt. In seinem Modell von den „Vier Seiten einer Nachricht“ wird im Kommunikationsablauf zwischen den Elementen „Sachinhalt“, „Selbstoffenbarung“, „Beziehung“ und „Apell“ unterschieden[45]:

- „Sachinhalt: Sachinformation der Nachricht“ - „worüber ich informiere“, über Dinge und Geschehnisse.
- „Selbstoffenbarung: Informationen über die Person des Senders“ - „was ich von mir selbst kundgebe“ sowohl beabsichtigt im Rahmen der Selbstdarstellung, als auch der ungewollten Selbstenthüllung.
- „Beziehung: Information über die Beziehung zwischen Sender und Empfänger“ - „was ich von Dir halte und wie wir zueinander stehen“.Die Beziehung wird durch Formulierungen, nonverbale und paraverbale Äußerungen aufgedeckt.
- „Apell: Einflussnahme auf den Empfänger“. Aufforderung zum Handeln oder Unterlassen.

Senden und Empfangen einer Nachricht erfolgt nach Schulz von Thun unter Einbeziehung aller vier Ebenen[46], d.h. der Sender sendet auf allen vier Ebenen, der Empfänger dekodiert die Nachricht in seiner individuellen Ansprache von „Sachinhalt“, „Selbstoffenbarung“, „Beziehung“ und „Apell“ („mit vier Ohren Empfangen“[47] ), wobei die Anzahl der „empfangsbereiten“ und „empfangswilligen Ohren“ individuell ausgeprägt und vom Gesprächsgegenstand abhängig sind. Daraus können Missverständnisse und Konflikte resultieren, oder „eine Risikobotschaft bleibt schlicht ohne Wirkung“[48].

5.4 Komplexität der Kommunikation

Hofinger[49] hat die Komplexität der Kommunikation in sozialen System „zwischen konkreten Menschen“ unter Einbeziehung der technischen und psychosozialen Kommunikationsmodelle aufgezeigt und grafisch dargestellt (Abb. 4), wobei hier der soziotechnische Aspekt (Mensch – Maschine) nicht berücksichtigt wird, obwohl die lineare Modellvorstellung von Lasswell integriert worden ist:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Kommunikation im Kontext psychologischer Variablen (Hofinger 2012, S.147 )

6 Kommunikationsfallen

6.1 Kommunikationsfallen – Modellkritik

Die aufgezeigten Kommunikationsmodelle stellen einerseits eine Reduzierung auf die Informations- oder Nachrichtenübertragung dar (Lasswell, Shannon & Weaver), andererseits berücksichtigen sie den psychosozialen Kontext in dem die Kommunikation stattfindet, sowie nonverbale und paraverbale Einflussfaktoren (Watzlawik, Schulz von Thun). Codierungs- und Decodierungsfehler „Es wurde nicht gesagt was gemeint war“ und „Es wurde nicht verstanden was gesagt wurde“[50] beeinflussen die Kommunikation und die Verwertung des Kommunizierten. Kommunikationsfallen und ihre Einflüsse werden zwar identifiziert, führen in den Modellen aber nicht zu einer Absicherung des Kommunikationsablaufes.

6.2 Kommunikationsfallen in Risikosystemen

Der Umgang mit Kommunikationsfehlern und ihrer Minimierung für eine richtige Codierung beim Sender und richtiger Decodierung beim Empfänger (im Sinne der Codierung des Senders) wird in kleinräumigen sozialen Risikosystemen (OP-Bereich, Notfallteams, Luftfahrt etc.) bereits praktiziert, da hier ein Kommunikationsversagen in kritischen Situationen zu weitreichenden Auswirkungen führen kann[51]. In der direkten Kommunikation („face to face“) lässt sich am Verhalten des Empfängers die Dekodierung im Sinne des Senders überprüfen, außerhalb der direkten Kommunikation ist diese Kontrolle der „richtigen“ Decodierung problematischer, hier sind Rückkopplungen und ein „gemeinsamer Zeichenvorrat“ erforderlich, damit eine deckungsgleiche Dekodierung des Codierten erfolgen kann. Besteht kein „gemeinsamer Zeichenvorrat“ zwischen Sender und Empfänger, so wird aus der individuellen Vorstellung durch wechselseitige Codierung und Decodierung der individuelle Zeichenvorrat in einen „gemeinsamen Zeichenvorrat“ überführt[52].

Der „Confirmation-Correction-Loop“[53] beschreibt eine Kommunikationssystematik aus der Luftfahrt: Die übermittelte Meldung des Senders wird vom Empfänger aktiv aufgenommen, dieser wiederholt die Meldung an den Sender („read back“), der Sender hört aktiv auf das richtige Zurücklesen („hear back“), hier dominiert aber das gemeinsame Verständnis von situationsrelevanten Informationen (Vermeidung von Missverständnissen) innerhalb einer sozialen Gruppierung (Cockpitteam), die als homogene Gruppe bereits über einen „gemeinsamen Zeichenvorrat“ verfügt. Diese Procedere findet sich auch in der Durchführung des Sprechfunkbetriebes der BOS (Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben) wieder: Hier sind wichtige Nachrichten zu wiederholen, wobei die Wiederholung durch den Sender aktiv eingefordert wird „(…) wiederholen Sie“[54].

7 Kommunikationsrichtungen

7.1 Bidirektionale Kommunikation

Die Beseitigung von Kommunikationsunschärfen durch einen Abgleich von Codierung und Decodierung erfordert einen wechselseitig gleichgerichteten Kommunikations- ablauf, in dem Kommunikator und Kommunikant ihre Positionen wechseln. Hierbei ist eine aktive Rückkopplung durch den Funktionswechsel „senden“ und „empfangen“ möglich (Abb. 5). In der interpersonellen bidirektionalen Kommunikation findet dieser Wechsel statt, wie beispielsweise bei einem Telefon- oder Funkgespräch oder der „face to face“ Kommunikation. In der Internetkommunikation ist diese Kommunikation in Foren möglich, wobei sich hier gesendete und empfangene Nachrichten überlagern können (z.B. „Gruppenchat“) der ursprüngliche Ausgangspunkt der Kommunikation kann verlorengehen, Unschärfen und Missverständnisse entstehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Bidirektionale Kommunikation

7.2 Unidirektionale Kommunikation

Die Möglichkeit der Rückkopplung und damit eine Überprüfung von Codierung und Decodierung in der Intention des Senders bleibt den Akteuren bei der unidirektionalen Kommunikation (Abb. 6) versagt, hier wird durch einen Sender entsprechend dem Modell von Shannon & Weaver, bzw. Lasswell linear kommuniziert: Homepage, Radio, Fernsehen, Lautsprecherdurchsagen, SMS, Printmedien etc.. Die Unidirektionale Kommunikation ermöglicht allerdings die Erreichbarkeit einer hohen „Empfängeranzahl“ durch einen Sender, diese Kommunikationsform charakterisiert die „Massenkommunikation“, wobei hier nur ein Transportmedium mit breiter Streuungsmöglichkeit[55] dargestellt wird, ohne dass eine Verwertung des Übermittelten durch den Empfänger evaluierbar ist – außer in sichtbaren, messbaren Verhaltensweisen (beispielsweise Massenphänomene wie das Fluchtverhalten nach einer Katastrophenwarnung).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6: Unidirektionale Kommunikation

8 Risiko- und Risikokommunikation–Begriffsdarstellung

8.1 Risiko

Der Begriff „Risiko“ wird von verschiedenen Wissenschaftsrichtungen unterschiedlich belegt (Wirtschaftswissenschaften, Sozialwissenschaften, Naturwissenschaften, Medizin, Bevölkerungsschutz)[56]. Vom BBK wird „Risiko“ definiert als „Maß für die Wahrscheinlichkeit des Eintritts eines bestimmten Schadens an einem Schutzgut unter Berücksichtigung des potenziellen Schadensausmaßes“[57], hieraus lässt sich „Risiko“ als Produkt der beiden Faktoren „Schadensausmaß“ und „Eintrittswahrscheinlichkeit“ ableiten. Im Wörterbuch des Zivil und Katastrophenschutzes gilt Risiko als „das Maß für die Gefährdung, die von einer Tätigkeit oder einem Vorgang ausgeht (…)“[58].

Der Risikobegriff kann beim Empfänger mit Unsicherheit behaftet sein, da ihm der Kommunikationsgegenstand möglicherweise abstrakt erscheint und schwer vermittelbar ist: Wenn die risikobestimmenden Faktoren „Schadensausmaß“ und „Eintrittswahrscheinlichkeit“ mental kaum erscheinen (großflächige Überschwemmungen in bewohnten Gebieten, Flugzeugabsturz in der Innenstadt, bis 2011 auch nukleare Zwischenfälle in hochtechnisierten Gesellschaften).

[...]


[1] Feuerwehren und Hilfsorganisationen, aber auch kommunal begrenze Organisationstrukturen der Gefahrenabwehr oder Leistellenbereiche

[2] vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF [2009]: S.5 f

[3] Strahlenschutzkommission (SSK) [2008]

[4] Stand 2010, eine redaktionelle Fortschreibung erfolgt alle zwei Jahre, eine Aktualisierung der Kontaktdaten jährlich (Papierform, CD), wobei in der behördenzugänglichen EDV-Version Aktualisierungen sofort hinterlegbar sind.

[5] SSK [2007]

[6] ebd. S. 3

[7] Koob, H. [2010], S. 203 ff.

[8] Oberkinkhaus, J. ; Koob, H., Müller, M. [2009]: S. 29 ff.

[9] Die IuK-Zentralen (Information- und Kommunikation) sind die technischen Verbindungen der Katastrophenschutzstäbe für die ein- und ausgehende Kommunikation, im Regelfall per Funk, Fax und Telefon.

[10] Das Verfahren der Faxübertragung vom KS Stab des Kreises Bergstraße zum Regierungs- präsidium Darmstadt als übergeordnete Katastrophenschutzbehörde wird als „standardisiertes Verfahren“ bezeichnet, weil dieses Procedere per Erlass als „Standard“ der Kommunikation und Informationsübertragung festgelegt worden ist.

[11] Für Ereignisse des nuklearen Katastrophenschutzes im KKW Biblis ist die untere Katastrophenschutzbehörde des Kreises Bergstraße die einsatzführende Einrichtung der Gefahrenabwehr (Hier sind im Ereignisfall auch die Fachberater Strahlenschutz verortet, wird die Auswertung der kerntechnischen Fernüberwachung KFÜ und der elektronischen Lagedarstellung ELDA durchgeführt etc.)

[12] Führungsstäbe und Katastrophenschutzstäbe, Leitstellen, Einsatzleitungen vor Ort, Behörden und Dienststellen, Pressestellen, Medien, Bevölkerung, vgl. S. 6

[13] Oberkinkhaus, J. et al [2008]

[14] Das Projekt ist seit Juni 2010 auch als Bestandteil des Projektes „Information der Öffentlichkeit“ des Arbeitskreises Notfallschutz der Strahlenschutzkommission (SSK) beim Bundesumweltministerium integriert.

[15] Oberkinkhaus, J.; Koob, H. [2010], S. 20 ff

[16] Der Informationsanspruch ergibt sich aus dem Hessischen Pressegesetzes (HPresseG; §3, Absatz 1: „Die Behörden sind verpflichtet, der Presse die gewünschten Auskünfte zu erteilen“.

[17] Wohn- und Aufenthaltsbevölkerung

[18] Hehlmann, W., [1965], S. 305

[19] Brunner, R,; Zeltner, W. [1980], S. 117

[20] Goersch, H.G., Werner,U. [2012], S. 66

[21] Buerschaper, C. [2005], S. 41

[22] Hofinger, G. [2012], S. 143

[23] Dorsch, F. et al [1987], S. 343

[24] Graeger, A., Cimolino, U. et al [2003], S. 174 ff.

[25] Der Themenbereich „Kommunikation“ erweist sich aber in seinem Ablauf immer wieder als „wicked problem“ - Kommunikation bedeutet aber auch in der Gefahrenabwehr nicht „nur“ Miteinander funken: „Hannibal überschritt die Alpen mit zwei Heeresteilen - ohne Funkgeräte“, Rechenbach, P. [2010], Folie 9

[26] Wittmann, W. [1959], S. 14

[27] Krcmar, H. [2005], S. 17

[28] in der Gefahrenabwehr werden Informationen werden über die Lageerkundung und den Führungsvorgang gesammelt, hierbei werden entscheidungsrelevante Faktoren erkannt und in Beziehung zueinander gebracht. Nach der Lageerkundung und Lagefeststellung ist ein Optimierungsprozess von Erfordernissen und Ressourcen erforderlich (quasi eine Triagierung der Möglichkeiten).

[29] Payr, M [2006], S. 13

[30] http://www.uni-saarland.de/campus/fakultaeten/fachrichtungen/philosophische- fakultaetfachrichtungen/informationswissenschaft/infowissthemen/datwissinf/definitio.html , Internetabruf am 02.04.2012 um 08:23 Uhr

[31] es besteht kein Informationsgleichgewicht, z.B. Experte versus Laie

[32] Dombrowsky, W. [2008], S. 262 ff..

[33] Payr, M. [2006], S. 13

[34] Hofinger, G. [2012], S. 144

[35] Weis, C. [2009], S. 451,452

[36] Ulbig, E. Hertel, R. F., Böl, G.-F. (Hrsg.) [2010], S. 36 ff.

[37] ebd. S. 36

[38] Hofinger, G. [2012], S.144

[39] Weischede, F. [2009], S. 20

[40] Oberkinkhaus, J.; Neuhauser, S. [1997], S. 37

[41] Dombrowsky, W.R. [2007], S. 264

[42] ebd., S. 277

[43] Gestik, Mimik, Körpersprache, Lautstärke, Betonung, Sprechtempo, Pausen etc.; Hofinger, G. [2012], S. 146

[44] Watzlawick, P., Beavin, J., Jackson, D.D. [2007], S. 53, 56

[45] Schulz v. Thun, F. [1981], S.26 ff.

[46] Werden Nachrichten auf der „nonverbalen“ Ebene gesendet, so bleibt die Sachebene leer, beispielsweise „weinen“: „ich bin traurig“ – Selbstkundgabe, „so weit hast Du es gebracht, du Schuft“ – Beziehungsseite, „Bitte schone mich, tröste mich“ – Appellseite; Schulz von Thun, F.[1981], S. 34

[47] ebd., S. 30

[48] Ulbig, E. Hertel, R. F., Böl, G.-F. (Hrsg.) [2010], S. 38

[49] Hofinger, G. [2012], S. 146, 147

[50] Bräuer, M. [2011], S. 518

[51] Die Problematik der unpräzisen Kommunikation wurde erstmals in der Luftfahrt identifiziert, sowohl in der internen Kommunikation des Cockpitteams, als auch in der Cockpit-Tower Kommunikation {Badke-Schaub, P. [2005], S. 8 ff.}.

[52] Dombrowsky, W. [2007], S. 268 ff.

[53] Reinwarth, R. [2005], S. 152

[54] PDV / DV 810 [1985], S. 25

[55] Die Streuungsmöglichkeit erscheint relativ, da bestimmte Medien über eine eingrenzbare „Empfängergruppierung“ verfügen: Das Internet wird nicht von allen Altersgruppen der Bevölkerung genutzt, Sprachbarrieren, Selektion in der Nutzung der jeweiligen Printmedien („FAZ“ versus „Bild)“ lassen eine gewisse Kategorisierung der Empfänger zu.

[56] Stillig, V. [2010], S. 17

[57] BBK [2011], S. 23

[58] SKK [2003], S. 43

Details

Seiten
55
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656702733
ISBN (Buch)
9783656702887
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v276356
Institution / Hochschule
Steinbeis-Hochschule Berlin
Note
1,2
Schlagworte
grundlagen risiko- krisenkommunikation

Autor

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Titel: Grundlagen der behördlichen Risiko- und Krisenkommunikation