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Team, Kommunikation und Bedürfnisse in der ambulanten außerklinischen Beatmung

Fachbuch 2014 35 Seiten

Medien / Kommunikation - Interpersonale Kommunikation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungen

1. Vorwort

2. Einleitung

3. Team oder (Arbeits-) Gruppe
3.1. Was ist eine Gruppe, was wird allgemein darunter verstanden?
3.1.1. Primärgruppen
3.1.2. Sekundärgruppen
3.2. Merkmale eines Teams
3.3. Vier Phasen Entwicklungsprozess einer Kleingruppe
3.4. Was also ist ein Team, welcher Leitungsstil ist der beste?

4. Kommunikation und Bedürfnisse
4.1. Die 4 Seiten einer Nachricht
4.2. Wozu dient Kommunikation?
4.3. Ist optimale Kommunikation möglich?
4.4. Ist Kommunikation also schwierig?

5. Besondere Situation der häuslichen 24 Std. Pflege
5.1. Die Bedürfnisse der Pflegenden
5.2. Bedürfnisse der ersten Ebene
5.3. Bedürfnisse der zweiten Ebene
5.4. Bedürfnisse der dritten Ebene
5.5. Bedürfnisse der vierten Ebenen
5.6. Bedürfnisse der Fünften Ebene

6. Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Abkürzungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Vorwort

“Eine Kollegin fragte während der Pflege mit herablassenden Blick: „Stimmt es, dass der Judith* gekündigt wurde? „Angeblich war sie nicht teamfähig“? Nah, die wusste sowieso immer alles besser, die passte gar nicht in unsere Gruppe rein. Wir können froh sein das wir die los sind.“

Vor allem der Ton mit dem diese Kollegin sprach, herablassend, machte mich sehr nachdenklich.

Diese Aussage berührte mich so stark, worauf ich anfing, zu beobachten, wie in meinem Umfeld mit Kollegen, Patienten und deren Angehörigen umgegangen wird. Ich hinterfragte auch mein eigenes Verhalten und entschloss mich, den Umgang mit Teammitgliedern, [Patienten und Angehörigen] zum Thema meiner Facharbeit zu wählen.

*Name frei erfunden

2. Einleitung

Angehörige sind fester Bestandteil in der häuslichen Pflege. Sie gehören ebenso zum Bild in der außerklinischen Beatmung wie die Patienten. Und hier sind häufig emotionale Momente und Krisen verbunden. Durch meine langjährige Arbeit im stationären wie auch in der außerklinischen Beatmungspflege, konnte ich beobachten wie wichtig Kommunikation und Interaktion im Team sind. Es zeigt sich, dass gute Kommunikation die Basis für jegliches Zusammenarbeiten ist. Die Kommunikation kann zwischen einzelnen Pflege-Teammitgliedern sich als ebenso schwierig darstellen, wie zwischen Pflegenden und Patienten und/oder Pflegenden und Angehörigen. Dies führt sogar manchmal dazu, dass auf die Form der professionellen Kommunikation verzichtet bzw. diese gänzlich unterlassen wird.

Es kommt zum Austausch oder Versetzung von Teammitgliedern in andere Versorgungen/Stationen, doch das Problem geht oft mit, denn auch dort wird kommuniziert. Da stellt sich mir die Frage, warum fällt es Pflegenden im Team so schwer eine stressfreie Kommunikation zu Teammitgliedern [und Angehörigen] aufzubauen, obwohl es den meisten in der Interaktion mit den Patienten ohne Schwierigkeit gelingt?

In meiner Facharbeit möchte ich darstellen, was ein Team sein kann, welche Führungsstile es gibt und welchen Stellenwert die Kommunikation und die damit verbundenen Bedürfnisse haben. Zwei Postulate1 [Duden, 1097, 647] der Psychologin Ruth C. Cohn, die ich während meiner Ausbildung hörte, sollten mich in vielen Situationen begleiten: „Sei dein eigener Chairman“! und „Störungen haben Vorrang“! [C. Cohn R., 2009,120] Jeder ist für sein Kommunikationsverhalten ebenso selbst verantwortlich wie für seine Motivation Teamgeist zu entwickeln.

Ziele dieser Facharbeit sollen sein, einerseits einen Denkanstoß zu geben und andererseits Interesse zu wecken, sich mit diesen Themen auseinander zu setzen. Eine gute Kommunikation fällt nicht vom Himmel, es sollte täglich daran gearbeitet werden. Sie hilft eine gute Beziehung, ob im Team oder mit Patienten und deren Angehörigen, aufzubauen. In einer von Wertschätzung gestalteten Arbeitsatmosphäre ist darüber nachzudenken, ob dies die tägliche Arbeit erleichtert und nebenbei bereichern kann.

3. Team oder (Arbeits-) Gruppe

Einen beatmungspflichtigen Patienten zu versorgen bedarf es eine bestimmte Anzahl von Pflegekräften. Es wird seitens der Organisation zugesagt, wer bei welchem Patienten eingeteilt ist.

Schnell ist gesagt: „ Pfleger2 A gehört zum Team Patient B“ Pfleger B gehört zum Team Patient C“ usw. Uns allen ist allerdings bekannt, dass es hier neben den eigentlichen Fragen: „Zu welchem Team gehöre ich denn jetzt?“ und „Worin unterscheidet sich ein Team von einer Gruppe?“, zu unvorhergesehenen Problemen kommen kann, in denen die Pflegekraft bei einem anderen Patienten eingesetzt wird. Das wären z.B.: Krankheitsausfall einer Kollegin, Sympathie-Antipathie von Seiten des Pflegepersonals bzw. des Patienten und/oder deren Angehörigen.

Um sich mit dem Thema Team zu beschäftigen, ist es erforderlich, sich mit der Gruppe im Allgemeinen auseinanderzusetzen. In unserem Arbeitsfeld der außerklinischen Beatmungspflege wird viel von Team, von Teamsitzung, von der Teamarbeit und anderen Begrifflichkeiten gesprochen, ohne dass so richtig klar ist, was denn ein „Team“ ausmacht.

Im Gesundheitswesen arbeitet kein Pfleger für sich allein. Sie sind einer [Arbeits-]Gruppe zugeordnet, die wiederum in eine größere Organisation eingebettet ist, welche die Leitziele des Unternehmens und deren bestehenden Vereinbarungen für die Aufgabenerledigung erklärt.

Sobald es in der „Arbeitsgruppe“ zu Unruhe kommt, sprich: „Es klappt nicht mehr und die Luft „elektrisch geladen“ ist, die Phantasie der Gerüchteküche blüht, dann wird die Schuld schnell einer einzelnen Person zugewiesen. Dabei zeigt sich oft nur die Spitze des Eisbergs. Es treten Konflikte in der Kommunikation und Interaktion auf.

Doch zunächst beschäftigte mich die Frage:

3.1. Was ist eine Gruppe, was wird allgemein darunter verstanden?

Gruppen, in denen soziale Beziehungen zwischen den Mitgliedern bestehen, werden soziale Gruppen genannt [im Gegensatz z.B. zu statistischen Gruppen, etwa alle Menschen im Alter von 65 Jahren].

Soziale Gruppen werden unterschieden in Primär- und Sekundärgruppen, die sich durch einige Merkmale auszeichnen.

3.1.1. Primärgruppen

Die bedeutendste Primärgruppe ist die Familie. Gemeinsame Merkmale aller Primärgruppen sind:

- alle Mitglieder verfolgen ein bestimmtes Ziel [um die Harmonie zu erhalten]
- sie kennen sich gegenseitig
- sie verkehren unmittelbar, von Angesicht zu Angesicht
- die Beziehungen sind überwiegend emotional
- es gibt ein Zusammengehörigkeitsgefühl
- jedes Mitglied ist [relativ] fest in der Gruppe integriert (Birkenbihl, M., 1995, 49)

3.1.2. Sekundärgruppen

Sekundärgruppen sind z.B. Schulen, Behörden, Dienstleistungsbetriebe [z.B.: Pflegedienste]. Gemeinsame Merkmale aller Sekundärgruppen sind:

- sie haben eine innere Organisation [Geschäftsführer, Pflegedienstleitung, Pflegende u.a.]
- ihre Mitglieder bleiben verhältnismäßig anonym [Pflegende duzen sich – Pflegedienstleitung wird gesiezt]
- die Beziehungen sind relativ unpersönlich
- die Tätigkeit ist auf ein Ziel ausgerichtet (ebenda, 49,50)

Innerhalb einer Sekundärgruppe können sich wiederum formelle und informelle Gruppen bilden. Formelle Gruppen werden eingerichtet, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Ist dieses Ziel erreicht, löst sich die Gruppe auf. Ein Beispiel dafür sind besondere Arbeitsgruppen [z.B.: Qualitätszirkel um Standards zu erstellen bzw. zu überarbeiten]. (Le Mar B., 2001, 31,32)

So gesehen ist eine Gruppe nicht eine durch Zufall zusammengestellte Menschen- Gruppe, sondern sie kennzeichnet sich durch ihre Beziehungen untereinander aus.

In der Organisationslehre wird die Arbeitsgruppe mit folgenden Merkmalen dargestellt:

Eine Arbeitsgruppe ist eine Gruppe von Menschen

- mit Ausführungsaufgaben
- zwischen denen unmittelbare Arbeitsbeziehungen bestehen,
- die von einem Gruppenleiter [Vertreter der untersten Instanz einer Hierarchie] unmittelbar geführt werden
- die zum Team werden kann

Charakteristisches Merkmal ist die gemeinsame Aufgabenorientierung (Wirsing 2000, 357)

Informelle Gruppen sind z.B. Freundschaften innerhalb eines Betriebes oder Pausengruppen in Fachseminaren. Man hilft sich, trifft sich vielleicht auch außerhalb des beruflichen Zusammenhangs. Aus den informellen Gruppen können sich Teams [Gruppen] entwickeln. (Le Mar, 2001, 31,32)

So lassen sich hier teils formelle, von außen festgesetzte schriftliche Anweisungen [z.B.: Gruppenleiter] erkennen bzw. informelle Spiel-Regeln [z.B. Übernahme hauswirtschaftlicher Tätigkeiten die vertraglich nicht vereinbart sind], Rangfolge [unwissend wird eine Person als Leiter gewählt] und Kommunikationswege sind ein unausgesprochenes Gesetz.

3.2. Merkmale eines Teams

Das Team als eine bemerkenswerte Form einer Arbeitsgruppe, die er mit folgenden Merkmalen darstellt, zitiert Wirsing hier nach Chrobok:

„Ein Team ist eine Gruppe von Menschen,

- deren Fähigkeiten einander ergänzen,
- die sich für einen gemeinsamen Zweck [das Wohl des Patienten], gemeinsame Leistungsziele und einen gemeinsamen Arbeitseinsatz engagieren,
- die gemeinsam Verantwortung tragen, [Jeder der sich montags im Dienst befindet, bestellt beim zuständigen Arzt die fehlenden Medikamente.]
- die Abläufe und Aufgabenverteilungen innerhalb von Vorgaben selbstverantwortlich regeln, Charakteristisches Merkmal ist die gemeinsame Leistungsverantwortung.“ (Wirsing, 2000, 357)

[...]


1 Ein Postulat wird bezeichnet als die unbedingte Forderung, der sachlich oder kognitiven Annahme die unbeweisbar bzw. noch nicht bewiesen ist und doch glaubhaft und einsichtig ist.

2 Mit dem männlichen Geschlecht ist in dieser Arbeit immer auch das weibliche gemeint.

Details

Seiten
35
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656705437
ISBN (Buch)
9783656712688
Dateigröße
590 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v276411
Institution / Hochschule
Bildungsakademie und Wissenschaft im Gesundheitswesen, Essen
Note
1,0
Schlagworte
Team Kommunikation Wazlawik Schulz von Thun Ruth Cohn außerklinische Beatmung Abraham Maslow Bedürfnispyramide Stressfaktor Kommunikation

Autor

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Titel: Team, Kommunikation und Bedürfnisse in der ambulanten außerklinischen Beatmung