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Die Zeichnung als Kommunikationsmittel des Kindes. Ihre Bedeutung für die heilpädagogische Praxis

von Tanja Benner (Autor)

Hausarbeit 2014 10 Seiten

Pädagogik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kinderzeichnung als Kommunikationsmittel

3. Bildkommunikation durch Metapher
3.1. Metaphorische Größendarstellung
3.2. Metaphorischer Ort (rechts/links, Nähe/Distanz)

4. Bedeutung der Kinderzeichnung für die heilpädagogische Praxis
4.1 Therapieformen und Testverfahren

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

O. und E. sind Geschwister, deren Eltern in Trennung leben. Aufgrund der psychischen Krankheit der Mutter und den damit verbundenen längeren Klinikaufenthalten leben die Kinder bei ihrem Vater. Eines Tages malte E. eine große schwarze Schnecke, dieses Bild sollte ein Geschenk für ihre Mutter werden. Von ihrem Bruder erhielt ich eine Zeichnung, auf der seine "zerrüttete" Familie dargestellt worden war. Sich selbst malte er in der Mitte des Bildes als überdimensional breit und kommentierte diese Selbstdarstellung mit den Worten " O. ist ganz dick".

Die Bilder der beiden Kinder regten mich zum Nachdenken an: wollte O. mir durch seine Zeichnung eine Botschaft zukommen lassen, mir einen Ausschnitt über sein Leben, über seine Gefühle, über seine seelische Verfassung mitteilen? Was möchte E. ihrer Mutter mitteilen, indem sie ein solches Bild für sie malt? In meiner langjährigen beruflichen Tätigkeit habe ich schon oft erlebt, wie sich Kinder über eine sehr lange Zeit mit dem Anfertigen einer einzelnen Zeichnung beschäftigten, und dann entweder ganz schüchtern, unsicher oder aber mit einem strahlenden Lächeln dieses Bild einem Erwachsenen schenkten. Benutzen die Kinder ihre Zeichnungen als ein Kommunikationsmittel, möchten sie uns Erwachsenen etwas mitteilen, uns an ihrem Leben und ihren Gefühlen teilhaben lassen? Geben uns die Kinder durch das Verschenken ihrer Zeichnungen einen Wunsch, Appell die Bedeutung dessen zu verstehen, vielleicht ihnen sogar zu helfen? Betrachtet ein Erwachsener das Bild des Kindes sieht er in erster Linie das, was darauf dargestellt wird: Tiere, Wetterdarstellungen etc. Der zweite Sinn des Bildes scheint viel tiefer zu sein. Ich stellte fest, dass ich trotz meiner beruflichen Tätigkeit als Erzieherin nur über wenig Wissen der Bildsprache der Kinder verfüge. Durch diese Arbeit möchte ich mich mit diesem Kommunikationsmedium der Kinder auseinander setzen und neue Erkenntnisse für meine pädagogische und heilpädagogische Praxis gewinnen.

Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit den Metaphern in Kinderzeichnungen. Der erste Teil beschäftigt sich mit der Bedeutung der Kinderzeichnung als Kommunikationsmittel, im zweiten Teil wird der Begriff Metapher als Phänomen der Bildkommunikation definiert, dabei wird die Unterscheidung zwischen sprachlichen und visuellen Metaphern sowie zwischen symptomatischen und kommunikativen Merkmalen von Bildmetaphern vorgenommen. Anschließend wird die Bedeutung von Kinderzeichnungen für die heilpädagogische Praxis mit einigen Beispielen für die Praxis ausgearbeitet.

2. Kinderzeichnung als Kommunikationsmittel

Das Malen und Zeichnen ist neben der Sprache ein wichtiges Kommunikationsmittel für Kinder. So dient die Zeichnung nicht nur zum Verschenken oder um jemanden eine Freude zu bereiten, sie dient auch der Kontaktaufnahme: durch das Verschenken seiner Zeichnung lädt das Kind seinen Gegenüber zu einem Dialog ein. "Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte" lautet eine alte Volksweisheit, die besagt, dass man manchmal unzählig viele Worte braucht, um einen bestimmten Sachverhalt mit allen dazugehörigen Emotionen, Gedanken, Ängsten und Sorgen auszudrücken, welche ein einziges Bild transportieren kann. Aufgrund der noch zu geringen Sprachfähigkeit fällt es einem Kind oft noch schwer sich auszudrücken oder etwas mitzuteilen, so kann es sich mit Hilfe einer bildsprachlichen Metaphorik verständigen oder kommunizieren (vgl. Schuster, 2000, S.138). Die Zeichnung kann also auch ein alternatives Kommunikationsmittel für Kinder sein, deren verbale Kommunikation beeinträchtigt oder gehemmt ist. Das selbstgemalte Bild ermöglicht dem Kind etwas von seinen Gefühlen, Stimmungen, Erfahrungen, Konflikten im Bild zu erzählen, sei es über ein freudiges oder bedrückendes Ereignis. A. Krenz betont einen persönlichen Mitteilungscharakter des Kindes durch seine Zeichnungen und bezeichnet diese als "unverwechselbare Zeugnisse ihres Befindens, ihrer seelischen Verfassung und ihrer Gedankenwelt“ (Krenz, 2002, S.9).

Jeder Mensch hat ein grundlegendes Bedürfnis von seinem Gegenüber akzeptiert und verstanden zu werden. Kinder entscheiden sich laut A. Krenz bei der Weitergabe ihrer Zeichnungen für die Personen, von denen sie glauben wertgeschätzt und verstanden zu werden (vgl. Krenz, 2002, S.8). Auch M. Schuster betont in diesem Zusammenhang die besondere Wichtigkeit der Zeichnung im Bezug auf Notlagen (z.B. Sexueller Missbrauch) des Kindes: "Vertraut das Kind seinem Gegenüber, möchte es vielleicht die bedrückende Erfahrung in seinem Bild offenbaren" (Schuster, 2000, S.157). Die Zeichnung des Kindes ist eine kindgemäße Form der Kommunikation, auf diese Art und Weise fällt es den Kindern leichter, die Botschaft non-verbal zu vermitteln oder diese mit Worten zu kommentieren und somit vielleicht Schweigegebote Erwachsener zu umgehen und jemandem ein, vielleicht sehr belastendes, Geheimnis anzuvertrauen (vgl. ebd. S. 171).

3. Bildkommunikation durch Metapher

Das Wort Metapher stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Übertragung“, „metaphére“ heißt übersetzt „anderswohin tragen“. Unter Metapher ist ein bildlicher Ausdruck gemeint, der durch Bezeichnungsübertragung zwischen ähnlichen Gegenständen oder Erscheinungen hervorgerufen wird (vgl. Brockhaus, S.243). Es besteht also kein direkter Vergleich beider gemeinter Objekte oder Personen, sondern eine Übertragung in einen neuen Bedeutungszusammenhang. Metaphern sind in unterschiedlichen Bereichen des Lebens zu finden und dienen den verschiedenen Formen der Kommunikation: der sprachlichen Kommunikation als Sprachmetapher und der bildhaften Kommunikation der visuellen Metapher (vgl. Schuster, 2000, S.137). So könnte zum Beispiel ein Vergleich mit einer Fliege auf der sprachlichen Ebene der Sprachmetapher jemanden als lästig oder störend bezeichnen, aber auch als visuelle Metapher könnte sie jemanden als unsauber darstellen (aufgrund der Übertragung von Krankheiten).

In seinen Bildern kommuniziert das Kind auf einer non-verbalen visuellen Ebene, mit Hilfe von einer Kombination aus sprachlicher und visueller Metapher, abstrakte Themen werden in der Zeichnung symbolisiert (durch Bildelemente dargestellt), so werden beispielsweise unwichtige Objekte oder Personen klein, wichtige oder mächtige dagegen sehr groß dargestellt oder besondere Stimmungen durch Farben betont (vgl. Schuster, 2000, S.138). So drückt das Kind beispielsweise seine gegenwärtige Stimmung durch ein Gewitter oder Sonnenschein aus. Metaphern in Kinderzeichnungen sind also eine Form der symbolischen Sprache, die kindliche Gefühle oder Gedanken auf eine indirekte Art vermitteln.

Das Verständnis der Sprachmetapher ist stark kulturabhängig, hierfür ist eine erst im Laufe der Entwicklung entstandene kulturelle Kenntnis notwendig. Im Laufe der kindlichen Entwicklung werden erst die einfacheren Bedeutungskomponenten der Wörter verstanden, später aber differenziertere, "übertragene-literale" Bedeutung dieser Begriffe. So greift das Kind bei seiner eigener Metapherproduktion auf sein bereits vorhandenes Wissen über Objekte und Gegenstände und auf seine bereits gemachte Erfahrung zurück (vgl. Schuster, 2000, S. 139-140). Beispiel aus meiner Praxis: Ich: "E. du bist ein Sonnenschein!" Kind: "Nein, Tanja, ich bin kein Sonnenschein! Weißt du nicht was ein Sonnenschein ist?"

Visuelle Metaphern werden von Schuster als visuelle Ähnlichkeit zwischen Objekt und Abbild beschrieben und werden von den Kindern deutlich früher verstanden, als die, die auf indirekte und nicht sichtbare Eigenschaften des gleichen Objektes beruhen (vgl. Schuster, 2000, S.137). So beschreibt beispielsweise ein Kind Sand beim Kuchenbacken im Sandkasten als Zucker. Bildmetaphern sind im Gegenzug zu Sprachmetaphern ohne einen langen Lernprozes für ein Kind ersichtlich (vgl. Schuster, 2000, S.140). Schon bereits ein dreijähriges Kind produziert laut Schuster eine bildhafte Gleich-wie-Beziehung in dem es zum Beispiel den Mond mit einer Banane oder einen langen Bauklotz mit einem Telefon vergleicht. Erst später ist das Kind in der Lage auch abstrakte Sachverhalte zu symbolisieren. (ebd. S.142).

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Details

Seiten
10
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656704331
ISBN (Buch)
9783656706465
Dateigröße
467 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v276607
Note
1,0
Schlagworte
Heilpädagogik Kinderzeichnungen Psychologie der Kinderzeichnungen Kommunikation des Kindes Kommunikation Elementarpädagogik Elementarpädagogik Kunstpädagogik Kinderbilder vertsehen Kinderbilder deuten Metapher Metapherkommunikation Baumtest Familie in Tieren

Autor

  • Tanja Benner (Autor)

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