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Praktische Erprobung des Tschoukballspiels unter besonderer Berücksichtigung der sportartspezifischen Regelkunde

Unterrichtsentwurf 1999 17 Seiten

Didaktik - Sport, Sportpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I THEMA DER UNTERRIC HTSREIHE

II LEITENDE ZIELVORS TELLUNG DER UNTERRIC HTSREIHE

III ZUR STRUKTUR DER UNTERRICHTSREIHE

IV TEILZIELE DER UNTERRICHTSSTUNDE

V BEDINGUNGSFELD

VI LEGITIMATION

VII SACHSTRUKTUR DER UNTERRICHTSREIHE

VIII SACHANALYSE

IX DIDAKTISCHE REDUKTION

X SACHSTRUKTUR DER UNTERRICHTSSTUNDE

XI METHODISCHE SCHLÜSSELENTSCHEIDUNGEN

XII GEPLANTER STUNDENVERLAUF

I Thema der Unterrichtsreihe

Kooperative Spielformen im Sportunterricht - Wir treiben Sport gemeinsam und nicht in Konkurrenz

II Leitende Zielvorstellung der Unterrichtsreihe

Die Schüler1 sollen in der geplanten Unterrichtsreihe lernen, sich im Sportunterricht kooperativ zu verhalten und gemeinsam zu Problemlösungen gelangen. Die dabei erfahrenen Momente, die eine von Kooperation und Akzeptanz der Schüler untereinander geprägte Lernatmosphäre erzeugen, sollen in Hinblick auf die Erarbeitung sportunterrichtlicher Unterrichtsinhalte (insbesondere des Tschoukballspiels) genutzt werden. Ein weiterer Zielaspekt der Unterrichtsreihe besteht in der kontinuierlichen Anleitung der Schüler zu einer selbst gestalteten Aufwärmarbeit, die durch eine schrittweise vorgenommene Reduktion der lehrergeleiteten Inhaltsmomente erreicht werden soll.

III Zur Struktur der Unterrichtsreihe

Die Unterrichtsstunden wurden als Doppelstunden gehalten und sind bei Abweichungen als Einzelstunde kenntlich gemacht. Die Inhalte stellen den Stundenschwerpunkt dar.

Zur Struktur der Unterrichtsreihe Völkerballvarianten mit dem Schwerpunkt des Kooperierens

Die Sporthalle ist überschwemmt - Wie gelangen wir gemeinsam zur rettenden Insel ? (letzter Unterrichtsbesuch im Rahmen der Ausbildung)

Gemeinsam Handeln - Akrobatische Grundformen/ Kooperationsspiele

Wir gestalten unser Aufwärmprogramm selbst - Erstellung und Erprobung von Auf- gabenkarten/ Spielvarianten in Anlehnung an das Tschoukballspiel

Tschoukballspiel - Grundtechniken Werfen, Fangen in Anlehnung an das Handball-/ Volleyballspiel

Tschoukballspiel - spielnahes Anwenden der Grundtechniken in Form einer methodi- schen Übungsreihe

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Freudiger Abschluss der Reihe in Form eines Tschoukball-Abschlussturniers (letzte Stunde vor den Ferien) Schülergestaltete Auf- wärmarbeit

Teilziele der Unterrichtsstunde

IV Teilziele der Unterrichtsstunde

Motorische Lernziele und -inhalte

- Die Schüler üben sich im selbsttätigem Aufwärmen.
- Die Schüler schulen Kraft, Ausdauer und Geschicklichkeit.
- Die Schüler üben sich im Werfen und Fangen auf das Tschoukball-Frame.
- Die Schüler verbessern ihre kinästhetischen und koordinativen Fähigkeiten. Kognitive Lernziele und -inhalte
- Die Schüler lernen sich auf andere Schüler und deren Meinungen einzulassen.
- Die Schüler verbalisieren wesentliche Merkmale des Tschoukball-Regelwerkes.
- Die Schüler lernen in einer von Akzeptanz und Kooperation geprägten Lernatmosphäre und übertragen diesen Inhalt auf den zukünftigen Sportunterricht.
- Die Schüler erproben das Tschoukballspiel in wettkampfnaher Form. Sozial-affektive Lernziele und soziale Inhalte
- Die Schüler kombinieren Wetteifern und gemeinschaftliches Handeln.
- Die Schüler bauen untereinander Berührungsängste ab.
- Die Schüler übernehmen Verantwortung für einen Teil des Unterrichts und identifizie- ren sich mit den Unterrichtsinhalten.
- Die Schüler lernen Gruppeninteraktionsprozesse kennen und erfahren Methoden für eine geregelte Kommunikation (Zuhören, Kommunikationsregeln).
- Das Gemeinschaftsgefühl innerhalb der Lerngruppe wird verbessert.
- Die Schüler erweitern ihre kooperative Handlungsfähigkeit beim selbsttätigen Aufwär- men, Spielen und Schiedsrichten.
- Die Schüler erfahren, das ein Ballsportspiel ohne Körperkontakt gespielt werden kann.
- Eigenverantwortlichkeit wird sowohl beim Aufbau der Geräte als auch bei der selbst- verantwortlichen Schiedsrichterfunktion gefordert.

V Bedingungsfeld

(A) Anthropogene und soziokulturelle Voraussetzungen

Am Sportunterricht nehmen 18 Schüler und 9 Schülerinnen der 6. Jahrgangsstufe teil. Ich unterrichte diese Lerngruppe seit Beginn des Schuljahres jeweils donnerstags in der 3. und 4. Stunde, konnte krankheitsbedingt jedoch erst seit dem Ende der Herbstferien den Sportunterricht gestalten. Ein Teil der Schüler ist mir aus dem Schwimmunterricht des letzten Schuljahres bekannt.

Der Unterricht findet in der Halle 4 der Hauptschule II +++ statt. Diese Kleinturnhalle verfügt über eine ausreichend gute Materialausstattung und kann von uns in ihrer Gesamtheit genutzt werden. Zusätzliche Sportgeräte können in die Unterrichtsplanung einbezogen werden, da die Verantwortlichen der Landessportschule Hachen den regionalen Schulsport wohlwollend unterstützen.

Die dargestellte Unterrichtsstunde wird auf Grund der besonderen Unterrichtssituation (Prüfungsstunde) als Einzelstunde (45 Minuten) geplant und durchgeführt.

(B) Sachstruktureller Entwicklungsstand

Der Sportunterricht wurde bisher möglichst offen gestaltet, hier zeigten die Schüler und Schülerinnen ein hohes Maß an Kreativität und Ideenreichtum. In der vorangegangenen Stunde wurde das Spielen auf Frames mit dem Schwerpunkt Werfen und Fangen in Form einer methodischen Übungsreihe eingeführt. Die Lerngruppe weist diesbezüglich gute Vor- aussetzungen auf, um das Spiel problemlos zu erlernen und zu erproben. Insbesondere die Grundtechniken Werfen und Fangen werden von den Schülern der Lern- gruppe gut beherrscht. Die Klasse ist altersgemäß gut für die verschiedenen Inhalte des Sportunterrichtes zu begeistern und zeigt sich auch neuen und alternativen Bewegungs- angeboten gegenüber sehr aufgeschlossen. Im Rahmen der Unterrichtsarbeit wurden bei- spielsweise auch Inhalte zum Ultimate-Frisbeespiel oder das NBA -Twoballspiel problemlos erarbeitet.

Im Bezug auf das Sozialverhalten weisen die Schüler der Klasse teilweise aufzuarbeitende Defizite auf. Die Klasse ist insgesamt entwicklungsbedingt sehr ungestüm und bewegungs- freudig. Dies stellt einerseits eine gute Grundlage für ein gelingendes Sporttreiben dar, führt aber dann zu Problemen, wenn es darum geht gemeinsame Aufgaben zu bearbeiten oder bestimmte organisatorische Vorgaben zu erfüllen2. In solchen Momenten stellen sich immer wieder die "Experten" in den Vordergrund, andere Schüler fallen automatisch in eine sehr passive Position.

Die Klasse ist sehr darauf bedacht alle Arten von wettkampforientierten Sportspielen zu spielen, was des Öfteren zu nicht ganz unproblematischen Diskussionen und letztlich zu einer Lernatmosphäre führt, die nicht selten von Trotz und Aggression geprägt gewesen ist. Das Verhalten einiger Schüler in der Klasse machte es in der Vergangenheit zusätzlich nötig, auf das jeweilige Sozialverhalten Bezug zu nehmen. Hier trat besonders das re- spektlose Verhalten gegenüber der Mädchen und leistungsschwächeren Schülern in den Vordergrund der Besprechungen. Insbesondere die im folgenden aufgeführten Schüler fallen beim Vergleich mit dem Rest der Lerngruppe durch ihr ungestümes (nicht böse ge- meintes) Verhalten auf.

In diesem Zusammenhang fallen Nedjad3 (jugoslawischer Abst.), Kemal4 (türkischer Abst.), Albert5 (jugoslawischer Abst.) und Sascha6 heraus. Sie sind sehr aufbrausender Natur und prinzipiell sehr gut motiviert. Sie sind sehr gute Sportler, weisen aber im Sport- unterricht sehr egoistische Züge auf. Es fällt allen Vieren sehr schwer sich einmal den Be- dürfnissen der Gruppe unterzuordnen. Im Unterrichtsverlauf kam es desöfteren zu aggres- siven Disputen mit ihren Mitschülern, die jedoch nach dem Unterricht zurückgestellt wur- den. Ich konnte selbst erfahren, dass es diesen Schülern enorme Schwierigkeiten bereitet, Fehler7 vor der Gruppe einzugestehen und Einsicht zu zeigen. Sie prägen in dieser Lern- gruppe das Lernverhalten erheblich, was sich unter anderem darin äußert, dass die Mäd- chen der Lerngruppe sehr passiv am Unterricht teilnahmen. Eine weitere Besonderheit stellt Jan-Hendrik dar, er ist auf Grund einer Muskelschwäche nicht in der Lage, seinen rechten Arm effektiv zu nutzen. Er konnte jedoch durch ein entsprechend differenziertes Bewegungsangebot gut in den Unterricht integriert werden. Jan-Hendrik nimmt trotz sei- ner motorischen Defizite keine Sonderstellung ein und wird als „Professor“ in der Lern- gruppe voll akzeptiert. Trotz der oben genannten Auffälligkeiten macht mir der Unterricht in dieser Lerngruppe außerordentlich viel Spaß. Insbesondere weil sie allen Bewegungsan- geboten aufgeschlossen gegenüber reagieren und immer gewillt sind, das Unterrichtsge- schehen auch kritisch und offen zu reflektieren.

[...]

1 Im weiteren Verlauf sind mit dem Begriff Schüler sowohl Schüler und Schülerinnen gemeint. Auf eine gesonderte Unterscheidung wird aus stilistischen Gründen verzichtet.

2 Insbesondere Gesprächsphasen sind desöfteren durch eine starke Unruhe gekennzeichnet, da einzelne Schüler nicht in der Lage sind einfache Regeln einer geregelten Kommunikation einzuhalten (Ausreden lassen, Zuhören).

3 Er ist für alle Inhalte gut zu motivieren, bekommt Anleitungen und Beschreibungen leider trotz ruhiger und bewusster Ansprachen oft nicht mit. Typischer Ausspruch: "Wann fangen wir denn endlich an ? und was sollen wir machen ?"

4 Er ist der kräftigste Schüler der Klasse und nimmt für viele seiner Schüler eine "Führerrolle" ein.

5 Er zeigt gegenüber eigenen Fehlleistungen ein geringes Frustpotenzial und fühlt sich schnell benachteiligt.

6 Er wiederholt diese Jahrgangsstufe, fügt sich aber trotz seines überdurchschnittlich antriebhaften Wesens (Aufmerksamkeits-Defizit- Syndrom) gut in das Klassengefüge ein.

7 Beispiele: Akzeptanz eigener Regelverletzungen, Zurückstellen eigener Wünsche vor Wünschen der Gruppe etc

Details

Seiten
17
Jahr
1999
ISBN (eBook)
9783638296588
Dateigröße
792 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v27669
Note
1.0
Schlagworte
Praktische Erprobung Tschoukballspiels Berücksichtigung Regelkunde Studienseminar Arnsberg tchoukball sport und gewaltprävention gewaltprävention

Autor

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Titel: Praktische Erprobung des Tschoukballspiels unter besonderer Berücksichtigung der sportartspezifischen Regelkunde