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Kommunikation im Internet. Blutspende-Aufruf per Email

Zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 13 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Medium und Kommunikationsform
2.1. Theorie
2.2. Analyse

3. Mediale und konzeptionelle Schriftlichkeit
3.1. Theorie
3.2. Analyse

4. Zusammenfassung

5. Bibliographie

6. Anhang
6.1. Analysetext
6.2. Email

1. Einleitung

In unserem Alltag nehmen wir sehr leicht den Unterschied zwischen mündlichen Äußerungen und schriftlichen Äußerungen wahr, ohne wirklich genauer darüber nachzudenken. In der Linguistik ist die Differenzierung allerdings nicht so einfach. Beginnt man dort den Versuch zu definieren, was gesprochene und geschriebene Sprache ausmacht, wird man schnell feststellen, dass es viele menschliche Arten von Kommunikation gibt – gerade in der heutigen Zeit -, die sich nicht so einfach mit den prototypischen Merkmalen von gesprochener und geschriebener Sprache definieren lassen. Man denke zum Beispiel nur an die Chatsprache, eine relativ neue Kommunikationsform, in der zwei – oder mehr – Menschen mithilfe eines Computers miteinander schriftlich kommunizieren. Diese Art der Kommunikation erinnert in Thematik und Wortwahl, aber auch in der Anwesenheit der beiden Personen, in diesem Fall am Computer – schließlich ist ein Chat darauf angewiesen, dass mein Gegenüber relativ zeitnah antwortet – eher an ein persönliches Gespräch zwischen vier Augen, als zum Beispiel an das Schreiben einer Email. Obwohl beide Formen der Kommunikation sich auf irgendeine Art und Weise wieder unterscheiden, benötigt man doch für beides das Vorhandensein eines Computers mit Internetanschluss und muss den Text über die Computertastatur eingeben.

Das Internet hat unsere Kommunikationsformen sehr verändert. Deswegen wurde für die folgende Analyse ebenfalls ein Text aus dem Internet gewählt (siehe Kapitel 6.1.). Es handelt sich dabei um eine Meldung innerhalb einer Blutspender-Community vom Deutschen Roten Kreuz, die über die Dringlichkeit der Blutspende aufklärt und zu einer erneuten Blutspende aufruft. Ist man als Blutspender in der Community angemeldet, erhält man per E-Mail eine Benachrichtigung über neue Meldungen wie diese und hat nach dem Lesen der Meldung die Möglichkeit, sich direkt innerhalb der Community darüber zu informieren, wo und wann an gegebenenfalls spenden kann oder sich mit anderen Spendern austauschen.

In dieser Arbeit geht es darum, zu analysieren, um was für eine Kommunikationsform es sich bei dieser Meldung, die in der Community unter den Begriff „Neuigkeiten“ fällt, handelt und wie die Meldung hinsichtlich medialer und konzeptioneller Schriftlichkeit gestaltet ist. Bevor mit der jeweiligen Analyse in Bezug auf einen bestimmten Gesichtspunkt begonnen wird, werden die wichtigsten theoretischen Aspekte kurz erläutert.

2. Medium und Kommunikationsform

2.1. Theorie

Bevor mit einer Analyse des vorliegenden Textes begonnen werden kann, muss man sich darüber klar werden, was genau man eigentlich unter den Begriffen Medium und Kommunikationsform versteht. Der Begriff Medium – oder besser Medien – ist in unserer Gesellschaft allgegenwärtig und wahrscheinlich hat jeder seine eigene Vorstellung davon, was ein Medium ist. Häufig fallen unter den Begriff die sogenannten „Massenmedien“, wie Zeitung, Fernsehen und Internet. Genau genommen sind Medien aber alle Hilfsmittel, die wir zur Herstellung von sprachlichen Zeichen brauchen, und manchmal eben auch die Hilfsmittel, die wir brauchen, um sprachliche Zeichen zu rezipieren. Am Beispiel der Email wird diese Funktion des Mediums ziemlich deutlich. Wir benötigen einen Computer um die Email zu verfassen, und der Adressat braucht ebenfalls einen Computer um die Email zu empfangen. Nur so wird die Kommunikation überhaupt möglich.

Was genau ist nun aber die Kommunikationsform ? Unter Kommunikationsformen verstehen wir „kommunikative Konstellationen, die über ein Hilfsmittel erst möglich gemacht werden“ (Dürscheid, 2005: 5). Die Beziehung zwischen Medien und Kommunikationsformen wird bei Holly etwas deutlicher. Er sagt „Medien (z.B. Rundfunk) sind Kommunikationsmittel, ihre technischen Bedingungen ziehen jeweils bestimmte Kommunikationsformen (z.B. Rundfunksendung) nach sich“ (2011: 148). Wenn der Computer also unser Medium ist, ist die Email in diesem Fall eine der vielen Kommunikationsformen, die durch die technischen Bedingungen des Computers überhaupt erst möglich werden. Da das Internet eine noch relativ neue Form ist, um zu kommunizieren, und in Zukunft sicherlich noch viele neue technische Möglichkeiten zur Kommunikation dazu kommen werden, stimmt Hollys Aussage, dass „das Spektrum der Kommunikationsformen über die bisher beachteten weit hinausgeht, so dass man sagen kann, dass ihre systematische Erforschung gerade einmal in den Anfängen steckt“ (154).

Wir können den vorliegenden Text also keiner vorhandenen Kommunikationsform zuordnen, sondern er muss „unter situationalen und medialen Aspekten beschrieben werden“ (147). Im folgenden Abschnitt wird versucht, einige dieser Aspekte im Bezug auf den Text zu analysieren.

2.2. Analyse

Betrachten wir den Text in Hinblick auf den Kanal, kann man ganz klar feststellen, dass hier die Optik angesprochen wird. Der Rezipient erfasst den Text mit dem Auge, Töne sind nicht zu hören und auch Gerüche oder Berührungen, bzw. körperliche Nähe, können über den Bildschirm nicht vermittelt werden. Dafür bieten sich bestimmte typografische Möglichkeiten, von denen z.B in der Überschrift Gebrauch gemacht wird:

Bsp. 1:

Dringend Blutspender gesucht!!

Durch den Gebrauch von zwei Ausrufezeichen besteht bei einem Text die Möglichkeit, eine bestimmte Wichtig- oder Dringlichkeit auszudrücken, die bei Sprache über den akustischen Kanal z.B. nur über bestimmte Tonlagen deutlich gemacht werden kann. Auch die Angabe eines Veröffentlichungszeitpunkts in Klammern wäre bei einer Meldung über den akustischen Kanal so nicht möglich.

Zwischen dem Produzent des Textes und dem Rezipienten herrscht Distanz. Beide sind in der Kommunikationssituation nicht am gleichen Ort, was bei einem Face-to-face-Gespräch der Fall wäre. Außerdem ist die Kommunikationssituation zeitlich zerdehnt. Das heißt, dass zwischen der Produktion des Textes und dem Lesen durch den Adressaten, eine gewisse Zeit vergangen ist. Zwar ist am Anfang der Meldung ein Datum und eine Uhrzeit angegeben, allerdings ist es fraglich, ob der Text auch genau zu dem Zeitpunkt produziert wurde. Vielmehr wurde er zu diesem Zeitpunkt nur veröffentlicht und nicht alle Leser der Meldung werden die Meldung auch genau zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lesen. Die Angabe beruht eher auf der Tatsache, dass die Meldung hinterher noch einer bestimmten Zeit zugeordnet werden kann, eventuell um daraus auf die Aktualität der Meldung schließen zu können.

Die Meldung ist außerdem nicht darauf ausgelegt, dass der Adressat kommunikativ darauf reagieren könnte. Es kommt keine Interaktion zustande. Stattdessen handelt es sich hier vielmehr um eine Einweg-Kommunikation, in welcher der Produzent des Textes dem Adressaten eine bestimmte Nachricht übermitteln will um ihn zu einer Handlung zu bewegen (nämlich einer erneuten Blutspende). Interagieren kann der Rezipient der Nachricht aber nicht, dafür fehlt auch jegliche Möglichkeit, den Produzenten der Nachricht zu kontaktieren, z.B. über ein Kommentarfeld, wie es bei einigen Online-Zeitschriften mittlerweile der Fall ist um Meinungen bezüglich eines Artikels äußern zu können.

Bei den Bedingungen der Produktion und der Rezeption des Textes kann man sagen, dass zu allererst einmal ein internetfähiger Computer vorhanden sein muss. Außerdem müssen Produzent und Rezipient Mitglieder der Blutspender-Community sein um Zugriff auf die Meldung zu erhalten. Der Produzent der Meldung muss ferner auch elementare Kenntnisse über das Programmieren haben, bzw. die Kenntnis, wie man einen Text in der Art als Neuigkeit in der Community vermitteln kann.

Institutionelle und organisationale Voraussetzungen sind auf der Seite des Produzenten eine Zugehörigkeit zum Deutschen Roten Kreuz, das als eigentlicher Überbringer der Meldung erscheint. Eine andere organisationale Voraussetzung ist ein Telefonanbieter, der das Internet und die Server für die Community zur Verfügung stellt.

Obwohl die Meldung sich öffentlich an „alle gesunden und wetterfesten Spenderinnen und Spender“ (vgl. Kapitel 6.1.) richtet, vermittelt die Meldung auch eine gewisse Privatheit. Das Mitglied der Community erhält bei Veröffentlichung der Meldung eine Email mit der Erinnerung, dass es neue Neuigkeiten gibt, woraufhin sich der interessierte Leser in der Community die Meldung anschauen kann. Es ist auch nicht hundertprozentig klar, ob die gleiche Meldung öffentlich vielleicht auch noch an anderer Stelle veröffentlicht wurde, aber davon ist aufgrund der Dringlichkeit der Meldung auszugehen, da das Deutsche Rote Kreuz nicht nur registrierte Spender zur Blutspende bittet, sondern in der Regel auch Werbung für potentielle Neuspender macht. Daher ist die Meldung definitiv als öffentlich einzustufen, auch wenn sie durch die Email-Erinnerung eine gewisse Privatheit vermittelt.

Die Analyse der Privatheit versus der Öffentlichkeit beantwortet auch schon eine weitere Frage, nämlich die nach den beteiligten Kommunikationspartnern. Obwohl sich die Meldung persönlich an jeden einzelnen Spender richtet, ist sie für jeden registrierten Nutzer der Community und wahrscheinlich auch darüber hinaus für Menschen sichtbar. Demnach sind auf der Seite der Rezipienten definitiv mehrere Kommunikationspartner vorhanden. Auch auf der Produzentenseite ist vorstellbar, dass mehrere Menschen an der Verfassung der Meldung beteiligt waren, auch wenn das Deutsche Rote Kreuz als Institution öffentlich als Verfasser der Meldung in Erscheinung tritt.

Die Speicherkapazität innerhalb des Internets sind unbegrenzt, anders als wenn man die Nachricht auf Papier veröffentlich hätte. Dort bleibt einem nur der Platz, der auf dem Blatt Papier zur Verfügung steht. Im Internet ist ein Text nicht auf Seiten beschränkt. Außerdem besteht die Möglichkeit, den Text mit Links auszustatten, die direkt zu weiterführenden Infos führen. Auch werden Inhalte im Internet wesentlich länger gespeichert als Inhalte auf Papier, die einfach vernichtet werden können, indem man sie zum Beispiel wegschmeißt. Im Internet ist auch Gelöschtes oft noch Jahre später rückholbar.

Durch das Internet kann die Meldung auch viel schneller veröffentlicht werden als in Papierform. Man kann an der Zeitangabe sehen, dass die Meldung mittags veröffentlich wurde. In einer Zeitung wäre die Meldung wahrscheinlich erst am nächsten Tag erschienen, da die Zeitung erst noch in den Druck gehen muss. Der Rezipient hat auch viel schneller Zugriff auf die Nachricht. Ein Mausklick genügt in der Regel, der Weg zum nächsten Kiosk oder das Warten auf den Erhalt der Zeitung entfällt.

Zu guter Letzt schauen wir uns die Codes der Meldung an. Es handelt sich nicht nur um reine Schriftzeichen, sondern auch um Bildzeichen (auf der rechten Seite, Avatare von anderen, registrierten Nutzern; Logo des DRK oben auf der Seite). Außerdem können die Schriftzeichen so versehen werden, dass sie beim Anklicken auf andere Seiten führen. Gerade letztes zeigt uns, dass das Internet ein Medium, dass immer mehr neue Kommunikationsformen über verschiedenste Codes ermöglicht.

3. Mediale und konzeptionelle Schriftlichkeit

3.1. Theorie

Zunächst scheint unbestritten: Eine Äußerung ist entweder mündlich oder schriftlich, die Zuordnung zur materialen Dimension scheint also unproblematisch zu sein.

(Dürscheid, 2012: 51)

Dieser Aussage von Christa Dürscheid in Einführung in die Schriftlinguistik würde soweit wahrscheinlich jeder zustimmen. Allerdings lässt schon das Wort „zunächst“ vermuten, dass mehr hinter den Begriffen „mündlich“ und „schriftlich“ steckt. Tatsächlich schreibt Dürscheid dass sich die Begriffe auf „das Medium der Realisierung spachlicher Äußerungen“ (42/3) beziehen können, aber auch, dass sie „die Modalität der Äußerung“ beschreiben können (43). Man sagt daher, dass ein Text „konzeptionell (eher) mündlich oder konzeptionell (eher) schriftlich“ (43) ist. Diese Konzeption der Mündlichkeit und der Schriftlichkeit ist nicht so einfach festzustellen, wie die Zuordnung zum Medium. Man kann nicht sagen, dass ein Text zu einhundert Prozent konzeptionell mündlich oder schriftlich ist. Wohl kann man davon ausgehen, dass es „ein Kennzeichen für konzeptionelle Mündlichkeit ist“, wenn „Äußerungsformen sprachlich weniger elaboriert, weniger formell sind als solche, die der konzeptionellen Schriftlichkeit zugeordnet werden“ (47). Für eine bessere, genauere Orientierung bieten sich allerdings gewisse Parameter an, die Dürscheid ebenfalls in ihrem Buch auflistet (vlg. Dürscheid, 2012: 46) und nach der die folgende Analyse zur konzeptionellen Schriftlichkeit durchgeführt wurde. Bei alldem ist zu beachten, dass sich die Funktion des Textes, die Textsorte und das Medium immer auch auf die konzeptionelle Mündlichkeit oder Schriftlichkeit auswirken.

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Details

Seiten
13
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656703181
ISBN (Buch)
9783656703846
Dateigröße
552 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v276758
Institution / Hochschule
Universität Siegen
Note
2,7
Schlagworte
kommunikation internet blutspende-aufruf email zwischen mündlichkeit schriftlichkeit

Autor

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Titel: Kommunikation im Internet. Blutspende-Aufruf per Email