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Psychologische Interpretation von Märchen. "Schneewittchen"

Hausarbeit 2014 15 Seiten

Germanistik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Bedeutung von Märchen für Kinder

3 Psychologische Interpretation von Märchen

4 Die Märchenanalyse
4.1 Das Märchen vom Schneewittchen
4.2 Psychoanalytische Interpretation von Schneewittchen nach Bettelheim
4.3 Kritik an der Analyse von Bruno Bettelheim

5 Zusammenfassung

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die vorliegende Arbeit soll sich mit der psychologischen Deutung im Bereich der Märchenforschung befassen. Dabei soll die Methodik kritisch betrachtet und hinterfragt werden.

In einem ersten Schritt soll die Notwendigkeit der psychoanalytischen Märchenanalyse geklärt werden. Hierbei geht es vor allem um die Bedeutung der Märchen für Kinder.

Da in der heutigen Zeit eine enorme Bandbreite an unterschiedlichen Richtungen der Märchenforschung existieren, sind für diese Arbeit in erster Line die Freud’sche und die Jung’sche Schule der Psychoanalyse für die psychoanalytische Märchenforschung von Bedeutung, auf die im Verlauf der Arbeit kurz eingegangen wird.

In der Arbeit liegt ein psychoanalytischer Text vor, der betrachtet werden und eine kritische Auseinandersetzung erfahren soll.

Zur besseren Anschaulichkeit wird eine psychoanalytische Interpretation des Märchens Schneewittchen von Bruno Bettelheim vorgestellt und anschließend ausgewertet.

Im Rahmen dieser Hausarbeit kann nur ein kurzer Überblick über die psychologische Märchendeutung in Entwicklung und Forschungsweise dargelegt werden.

Es folgt abschließend eine Zusammenfassung der allgemeinen Kritikpunkte zu dieser Deutungsart in der Märchenforschung.

2 Die Bedeutung von Märchen für Kinder

Märchen können für Kinder jeden Alters und Geschlechts eine große psychologische Bedeutung aufweisen. Mit zunehmendem Alter müssen Kinder sich nach und nach mit den unterschiedlichsten Problemen auseinandersetzen und befassen. Dabei kommt es zu einem Identifikationswechsel der Kinder. Genau an diesem Punkt kann das Märchen den Kindern helfen, indem es ihnen diesen Wechsel erleichtert.[1]

Die Notwendigkeit einer psychologischen Hinterfragung der Märchentexte ergibt sich aus dem unschätzbaren Wert der Märchen. Für die Fantasie von Kindern eröffnen sie eine Vielzahl neuer Dimensionen, die diese sich selbst nicht erschließen können.[2]

Geschichten für Kinder sind oft so geschrieben, dass sie die Neugier der Kinder wecken können und sie so eine unterhaltende Funktion haben. Aber nur selten schaffen sie es darüber hinaus das Leben der Kinder zu bereichern. Bettelheim geht davon aus, das eine Geschichte nur dann eine Bereicherung für Kinder sein kann, wenn sie es schafft die Ängste, Sehnsüchte und Schwierigkeiten des Kindes aufzugreifen, und ihm parallel Lösungsvorschläge für diese Probleme anbietet.[3] Anhand dieser Kriterien zieht Bettelheim den Schluss, dass nur das Volksmärchen es schafft, den kindlichen Nöten gerecht zu werden und dabei gleichzeitig die Fähigkeit besitzt, „das Vertrauen des Kindes in sich selbst und in seine Zukunft [zu] stärken.“[4]

Oberflächlich betrachtet, lehren Märchen zwar wenig über die Verhältnisse des modernen Lebens in der Massengesellschaft […]. Über die inneren Probleme des Menschen jedoch und über die richtigen Lösungen für seine Schwierigkeiten in jeder Gesellschaft erfährt man mehr aus ihnen als aus jeder anderen Art von Geschichten […].[5]

Märchen zeigen uns einen Weg, wie wir mit schwierigen Situationen umgehen können, sie zeigen uns Prozesse auf, die durchlaufen werden müssen um diese Situationen angemessen meistern zu können.[6] Dabei verkörpert der Held oder die Heldin des Märchens das Symbol einer menschlichen Haltung die für die zu bewältigende Situation angebracht wäre.[7] Thematische Schwerpunkte legt das Märchen auf die sexuelle Reifung, die Selbstverwirklichung, die Bewältigung von Gefahren und Prüfungen sowie das Erlangen der Unabhängigkeit.[8] Diese Themen sind allgemein gültig, wir sprechen also von generellen menschlichen Problemen und Schwierigkeiten. Wir können davon ausgehen, dass die genannten Themen für die eigene Entwicklung wichtig sind, denn sie vermögen es die Entfaltung des eigenen Ichs zu fördern. Entsprechend ihrer jeweiligen Entwicklungsstufe gelingt es Märchen wichtige Botschaften auf sowohl bewusster, vorbewusster und auch unbewusster Ebene zu vermitteln.[9]

In ihrer Schrift „Das Märchen und die Phantasie des Kindes“ deutete Charlotte Bühler die Ereignisse in Märchen als Ausdruck von Reifungsvorgängen.

Der im Kinderspiel wie im Märchen häufig vorkommende Rollentausch (z. B. zwischen Kindern und Hexe in Hänsel und Gretel) und die ebenso häufigen Abholvorgänge (z. B. in Rapunzel, in Rumpelstilzchen) deuten auf Gestaltwandel, auf den Übergang von einer Entwicklungsstufe in eine andere […].[10]

Märchen sind bedeutend für das Innere eines Kindes, denn sie setzen dort an, wo sich das Kind in seiner seelischen und emotionalen Existenz befindet. Das Märchen schafft es innere Probleme des Kindes so darzustellen, das das Kind sie auf einer instinktiven Ebene versteht.[11] Durch Märchen besteht die Möglichkeit Kindern zu helfen, innere Spannungen und Schwierigkeiten zu bewältigen, dauerhaft zu lösen und es gleichzeitig darin zu ermutigen, sich dem Mächtigen zu stellen.[12]

[...]


[1] Bettelheim 1993, S. 24.

[2] Bettelheim 1993, S. 13.

[3] Ebd., S. 11.

[4] Ebd., S. 11.

[5] Ebd., S. 11.

[6] Kast 1993, S. 9.

[7] Ebd., S. 9.

[8] Bettelheim 1993, S. 162.

[9] Bettelheim 1993, S. 12.

[10] Lüthi 2005, S. 107.

[11] Bettelheim 1993, S. 12.

[12] Lüthi 1964, S. 422.

Details

Seiten
15
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656711902
ISBN (Buch)
9783656713005
Dateigröße
450 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v277344
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
2,0
Schlagworte
psychologische interpretation märchen schneewittchen

Autor

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Titel: Psychologische Interpretation von Märchen. "Schneewittchen"