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Partizipation in der Hilfeplanung

Hausarbeit 2014 12 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Gender Erklärung

1. Einleitung

2. Diagnose und Aushandlung in der Hilfeplanung

3. Professionelles Handeln zwischen Hilfe und Kontrolle - Eine empirische Studie von Ulrike Urban

4. Partizipation in der Hilfeplanung
4.1 Die Partizipation von Eltern im Hilfeplanverfahren
4.2 Die Partizipation von Kindern im Hilfeplanverfahren

5. Fazit

Literatur

Gender Erklärung

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in dieser Hausarbeit die Sprachform des generischen Maskulinums angewendet. Es wird an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass die ausschließliche Verwendung der männlichen Form geschlechtsunabhängig verstanden werden soll.

1. Einleitung

In der Sozialen Arbeit stellt der Begriff der Partizipation einen Anspruch dar, welcher durch seine gesetzliche Verankerung von den Fachkräften sowohl strukturell, als auch in den Interaktionen mit Adressaten von großer Bedeutung ist und stets umgesetzt werden sollte. (vgl. Bröckling/Schmidt 2012, S.44) Doch um diesem Anspruch gerecht zu werden, ist es nötig, sich mit dem Begriff Partizipation auseinander zu setzen und sowohl Möglichkeiten als auch Grenzen von Partizipation in den Blick zu nehmen.

Partizipation wird im Allgemeinen oftmals als Teilhabe oder Beteiligung definiert. In den sozialpädagogischen Handlungsfeldern wird der Begriff Partizipation jedoch sehr unterschiedlich gebraucht. Dadurch kommt es zu Begriffsbestimmungen die von Teilhabe und Teilnahme, über Mitwirkung und Mitgestaltung, bis hin zu Selbstorganisation oder Koproduzentenschaft reichen. Es handelt sich dabei um verschiedene Dimensionen von Beteiligungsprozessen, sowohl in den Handlungsfeldern als auch in Bezug auf die Lebenswelt und den Sozialraum der Adressaten. (vgl. Bröckling/Schmidt 2012, S.45)

In den 90er Jahren wurde der Begriff der Partizipation in der Sozialen Arbeit stark diskutiert und im 8. Jugendbericht sogar als eine spezifische Entwicklungs- und Strukturmaxime beschrieben. (vgl. Urban 2004, S.209; Bröckling/Schmidt 2012, S.44f.) Dabei geht es vor allem um die Mitbestimmung von Kindern und Jugendlichen im Hinblick auf die Planung und Entwicklung von Angeboten und Maßnahmen und inwieweit diese ernst genommen, und aufgegriffen werden. (vgl. BMJFFG 1990, S. 88f.) Im Feld der offenen Kinder- und Jugendarbeit wird Partizipation beispielsweise auch als eine Form politischer Bildung betrachtet, da in diesem Feld Selbstbestimmung und Selbstorganisation eine große Rolle spielen, und somit Kompetenzen eines demokratischen Bürgertums vermittelt. (vgl. Bröckling/Schmidt, S.47) Durch das Charakteristikum der Freiwilligkeit in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, können die Adressaten auch bewusst über ihre Beteiligung entscheiden. (vgl. ebd.)

Doch wie verhält es sich mit Partizipation in der Hilfeplanung nach §36 KJHG? Dieses Feld der Sozialen Arbeit ist geprägt von Widersprüchen. Es muss das Kindeswohl gesichert werden, das Recht der Eltern dabei jedoch ebenso Beachtung finden, und dennoch dem staatlichen Wächteramt nachgegangen werden. (vgl. Urban 2004, S.13) Hilfeplanung nach §36 KJHG befindet sich somit im Spannungsfeld von Hilfe und Kontrolle. Ein weiterer Widerspruch findet sich jedoch auch bei den Positionen „Aushandlung“ und „Diagnose“, welche zwei wesentliche Bestandteile von Hilfeplanung darstellen. (vgl. Urban 2004, S.13)

Nachfolgend möchte ich auf eine Studie von Ulrike Urban eingehen, welche sich mit dem Handeln der Professionellen im Spannungsfeld von Hilfe und Kontrolle in der Hilfeplanung beschäftigt. Dabei möchte ich zunächst die beiden Pole der Hilfeplanung „Diagnose“ und „Aushandlung“ vorstellen. Bezugnehmend auf diese Positionen, werde ich mich mit der Rolle der Adressaten in der Hilfeplanung beschäftigen, um der Frage nachzugehen, inwiefern Partizipation in der Hilfeplanung stattfindet, aber auch, welche Grenzen der Partizipation in der Hilfeplanung gesetzt werden.

2. Diagnose und Aushandlung in der Hilfeplanung

Bei der Entscheidung, welche Hilfe die Richtige sei, gibt der §36 KJHG verbindliche Maßstäbe wieder, wie erzieherischer Hilfen auf bundesgesetzlicher Ebene geplant und eingesetzt werden sollen. Dennoch kommt es bei der Auslegung dieses Gesetzestextes zu verschiedenen Positionen, welche mit den Begriffen Diagnose und Aushandlung benannt werden. (vgl. Urban 2004, S.11) Die Diagnosedebatte besteht jedoch schon seit Anfang der 70er Jahre und bis zum Inkrafttreten des KJHG Anfang der 90er Jahre dominierte die Diagnoseposition auch die Fachdebatte. (vgl. Urban 2004, S.26/35) Der Kern dieser Diskussion ist dabei die Haltung der Fachkräfte und deren Leitbilder. (vgl. Merchel 2002, S. 75f.)

Diagnose beschreibt in der Hilfeplanung das Erstellen einer psychosozialen Diagnose, kurz PSD, durch eine Fachkraft nach einem klassischen diagnostischen Schema, bei der vor allem die Beschreibung von abweichendem oder störendem Verhalten von Kindern und Jugendlichen im Mittelpunkt steht. Durch die Einführung der PSD kam es zu verbindlichen Vorschriften, wie bei der Entscheidung über die Gewährung einer Hilfe methodisch vorgegangen werden soll. (vgl. Urban 2004, S.17) Mithilfe verschiedener Kriterien sollen Entscheidungen im Einzelfall fachlich begründet, schriftlich formuliert und dadurch überprüfbar gemacht werden. (vgl. ebd.) Es geht somit „um die fachlich und rechtlich fundierte Datenerhebung und die angemessene Informationübermittlung an die Beteiligten als Aufgabe des Jugendamtes“. (Harnach-Beck 1997, S.7) Kritisch angemerkt wurde jedoch, dass es sich bei der PSD meist nur um eine nachträgliche Begründung der getroffenen Entscheidung handelt, statt einer Hilfe im Prozess der Entscheidung. (vgl. Urban 2004, S.18) Zudem wurde die Objektivität und Absolutheit der psychosozialen Diagnosen kritisiert. In der Sozialen Arbeit können Problemlagen nicht nur objektiv betrachtet werden, sondern es müssen die Komplexität der sozialen Situation und die Lebensbedingungen der Familien Berücksichtigung finden. (vgl. Urban 2004, S.18f.)

Aufgrund der Kritik am diagnostischen Modell wurden Veränderungen der Gestaltung von Entscheidungsfindungen im Jugendamt gefordert. (vgl. Urban 2004, S.24) Im Sinne einer sozialpädagogischen Problemanalyse sollen die komplexen Problemlagen in den Blick genommen werden. Dabei soll es nicht nur darum gehen, Verhaltensdefizite festzustellen, sondern Probleme in einem kommunikativen Prozess zusammen mit den Beteiligten zu bearbeiten. (vgl. BMJFFG 1980, S.187) Es geht sozusagen um Prozesse der Aushandlung, bei denen die Betroffenen am Hilfe- und Entscheidungsverlauf beteiligt werden sollen. (vgl. Urban 2004, S.24) Im Gegensatz zur PSD, bei der es vornehmlich um das Feststellen der Störungen von Jugendlichen geht, welche eher objektiv ausgerichtet ist und bei der sich die Fachkräfte als Experten verstehen, soll eine sozialpädagogische Fachlichkeit entwickelt werden, bei der die Umwelt der Adressaten, sowie politische und soziale Hintergründe mit in den Blick genommen werden und der Schwerpunkt somit subjektiv auf der Adressatenorientierung und Betroffenenbeteiligung liegt. (vgl. Urban 2004, S.26) Obwohl es mit dem Inkrafttreten des KJHG 1990 zu einer diagnosekritischeren Ausrichtung der Jugendhilfe mit der Orientierung auf eine stärkere Beteiligung der Adressaten kam, besteht dennoch ein Streit um Aushandlung und Diagnose in der Hilfeplanung.

Urban resümiert jedoch, dass sowohl Diagnose als auch Aushandlung Anregungen und Vorschläge für das Vorgehen bei Hilfeplanverfahren bieten. Fachkräfte in der Hilfeplanung müssen bei ihren Entscheidungen mit den Betroffenen zusammenarbeiten, aber die Situationen der Betroffenen auch nach fachlichen Kriterien einschätzen. (vgl. Urban 2004, S.53) Auch in empirischen Forschungen werden das Aushandlungsmodell und das Diagnoseverfahren diskutiert. Verknüpft sind beide Positionen mit jeweiligen Leitbildern, welche dem Handeln der Fachkräfte zugrunde liegen. (vgl. Urban 2004, S.56) Die oben erläuterten Helfer-Klient-Beziehungen verdeutlichen diese Positionen.

Die Begriffe Diagnose und Aushandlung geben schon einen Ausblick, welche Rolle die Beteiligung der Adressaten in der Hilfeplanung spielt. Nachfolgend möchte ich auf die Ergebnisse der Studie von Ulrike Urban in Bezug auf die Helfer-Klienten-Beziehung und die Partizipation in der Hilfeplanung eingehen und dabei aufzeigen, welche Grenzen, aber auch welche Möglichkeiten die Beteiligung der Betroffenen im Hilfeplanverfahren bietet.

3. Professionelles Handeln zwischen Hilfe und Kontrolle - Eine empirische Studie von Ulrike Urban

Wie schon beschrieben, befinden sich Fachkräfte in der Hilfeplanung in einem Spannungsfeld zwischen Hilfe und Kontrolle. Ulrike Urban geht in ihrer empirischen Studie zum Professionellen Handeln zwischen Hilfe und Kontrolle der Frage nach, wie die Fachkräfte diese Widersprüche in ihrem Alltag bewältigen. Diese Studie soll einen Beitrag dazu leisten, sich theoretisch und empirisch mit dem Thema des Handelns von Sozialarbeitern in den Widersprüchen der Hilfeplanung auseinanderzusetzen, um so die sozialpädagogische Entscheidungsfindung weiterentwickeln und qualifizieren zu können. Möglich wird dies, in dem Urban zeigt, wie Hilfeplanung tatsächlich ist und wie sie realisiert wird. (vgl. Urban 2004, S.11f.) Die Studie ist der rekonstruktiven Sozialforschung zuordnen. Dabei wurden narrative Interviews mit 10 Sozialarbeitern des ASD durchgeführt. Die Auswertung erfolgte dabei nach Regeln der hermeneutischen Interpretation. (vgl. ebd.) Die Informationen, welche anhand der Interviews gewonnen werden konnten, belaufen sich sowohl auf Fallerzählungen, als auch auf Auskünften über die Arbeit des ASD, bis hin zu den Regelungen des Jugendamtes zur Hilfeplanung.

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Details

Seiten
12
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656701552
ISBN (Buch)
9783656703921
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Erscheinungsdatum
2014 (Juli)
Note
1,7
Schlagworte
Partizipation Hilfeplanung

Autor

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Titel: Partizipation in der Hilfeplanung