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Die Rolle der Frau im Film "Strajk - die Heldin von Danzig"

Seminararbeit 2014 30 Seiten

Kulturwissenschaften - Osteuropa

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1. Teil
1.1 Historie der Geschlechtertheorien
1.2 Gendertheorien
1.3 Rolle der Frau in Polen
1.3.1 WirtschaftlichBsoziale Rolle
1.3.2 Matka Polka
1.3.3 Sanftes Patriarchat
1.4 Gender in Polen heute

2. Teil
2.1 Zusammenfassung Film
2.2 Streik und Solidarność
2.3 Wesentliche Charaktere
2.4 Vergleich der Darstellung der Protagonistin
2.4.1 WirtschaftlichBsoziale Rolle Agnieszkas
2.4.2 Agnieszka - Matka Polka?
2.4.3 Die Rolle des sanften Patriarchats
2.4.4 Gendertheorien im Film

3. Schluss

4. Literaturverzeichnis

1.Einleitung

„ Kobiety)nie)przeszkadzajcie)nam,)my)walczymy)o)Polsk ę 1 )

)

Ein Banner mit ebendieser Aufschrift hing an der Mauer der Danziger LeninBWerft im August 1980 zur Zeit des großen Streiks der Werftarbeiter. Ungeachtet dessen spielte neben dem Vorsitzenden der Gewerkschaft Solidarność, Lech Wałęsa, die Kranführerin Anna Walentynowicz eine wesentliche Rolle. Handelt es sich also bei diesem Plakat um die Meinung eines Einzelnen oder manifestiert sich dahinter doch eine tiefer gehende, allgemeine Auffassung der Rolle der Frau in Polen? In der vorliegenden Hausarbeit, die ich im Rahmen des Seminars „Aspekte der Geschlechtergeschichte Ostmitteleuropas im 20. Jahrhundert“ anfertige, möchte ich auf diese Frage speziell im Themenbereich „Frau und Solidarność“ genauer eingehen. Im Zusammenhang damit analysiere ich die Darstellung der Titelheldin des Films „Strajk - Die Heldin von Danzig“ des deutschen Regisseurs Volker Schlöndorf. In dem Biopic rekonstruiert er das Leben der bereits erwähnten Anna Walentynowicz (im Film: Agnieszka Walczak), ihren Werdegang als Arbeiterin in der Werft und Mitglied der Gewerkschaft „Solidarität“.

Bevor ich mich en detail mit dem Film, dessen historischem Hintergrund und den dortigen wichtigsten Charakteren befasse, werde ich einen theoretischen Exkurs einlegen. In diesem gehe ich zunächst auf die begrifflichen Grundlagen der Gendertheorien ein und werde einige dieser vorstellen. Hierbei werde ich mich auf die Stand der westlichen Hemisphäre beschränken, eine globale Sicht wäre zu umfangreich, da Geschlechtermuster von Kultur zu Kultur divergieren und sich in ständigem Wandel befinden. Im Anschluss daran stelle ich die Rolle der Frau in Polen dar. Neben einem allgemeinen Überblick der Entwicklung ihrer Position in den letzten Jahrzehnten thematisiere in einer Betrachtung der wirtschaftlich-sozialen Rolle die Punkte „Matka Polka“ und „sanftes Patriarchat“. Mit dem darin enthaltenen Aspekt „Frauen in der Solidarność“ schlage ich, nach einem Blick auf das Thema Gender im heutigen Polen, den Bogen zum erwähnten zweiten Teil, der Analyse des Films „Strajk

- Die Heldin von Danzig“.

Zum Schluss meiner Hausarbeit vergleiche ich meine Ergebnisse aus dem theoretischen Teil mit den Resultaten meiner Filmuntersuchung hinsichtlich der Darstellung der Gendertheorien und der Rolle der Frau in Polen.

1.Teil

1.1 Historie der Geschlechtertheorien

Die heutigen Geschlechtertheorien formierten sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der Ursprung dieser liegt in der Transformation früherer religiöser und moralistischer Diskurse aus der Zeit vor dem modernen Imperialismus. Von den Kulturen der Antike rund um das Mittelmeer übernahm das mittelalterliche Christentum eine starke Abneigung gegen Frauen, die teilweise in regelrechten Frauenhass gipfelte. Diese Tradition der Misogynie findet sich in zahlreichen Schriften Intellektueller dieser Zeit. Zu erwähnen sei jedoch eine die Frauen verteidigende Gegentradition. Beispielhaft hierfür Christine de Pizans „Das Buch von der Stadt der Frauen“ aus dem Jahre 14o5, in dem sie sämtliche gängigen Schmähungen widerlegte und die Utopie einer Gesellschaft konstruierte, in der Frauen in gleicher Weise respektiert werden. Zu Zeiten der Reformation und der französischen Revolution wurde die moralische Verteidigung der Frauen fortgesetzt. Gemäß dem Historiker Thomas Laqueur existierte in der europäischen Kultur vor dem 18. Jahrhundert kein natürliches Modell männlicher und weiblicher Körper als natürliche Gegensätze. Das Weibliche galt eher als unvollkommene Version des Männlichen.2 Zur Mitte des 19. Jahrhunderts verdrängte die Naturwissenschaft mehr und mehr die Religion als Bereich des intellektuellen Lebens und setzte sich intensiv mit dem Problem der verschiedenen Geschlechter auseinander. Als einer der bekanntesten wäre hier britische Naturforsche Charles Darwin zu nennen. Obgleich sich die Wissenschaft mit dem Thema beschäftigte, hatte die geschlechtliche Arbeitsteilung und symbolische Trennung von Frauen und Männern ihren Höhepunkt erreicht. Dem entgegen stand die Position des britischen Philosophen John Stuart Mill, der in seinem Essay „Die Hörigkeit der Frau“ im Jahre 1869 für eine Gleichheit plädierte und den Unterscheid zwischen Mann und Frau nicht in der moralischen Überlegenheit der Männer, sondern dem physischen Vorteil sah. Gefördert wurde die zunehmende Bearbeitung des Themas durch mehr und mehr aufkommende Frauenbewegungen, die dieses Thema forcierten. Die wenigsten Abhandlungen dazu stammen von Frauen selbst, da diesen zu jener Zeit der Zugang zu Universitäten verwehrt war.

Auf dem Höhepunkt des Imperialismus Frankreichs, Englands, Russlands und der Vereinigten Staaten von Amerika hatten es die Wissenschaftler mit einer Flut von Informationen über das Zusammenleben von Mann und Frau aus aller Herren Länder zu tun. Insbesondere die Ethnologie versuchte mit den verschiedensten Thesen diese neuen Eindrücke zu bewerten und einzuordnen. Oftmals erklärten sie die fremden Traditionen als Überreste vom Beginn der Menschheit. Von einer ernsthaften vergleichenden Geschlechterforschung kann man erst ab dem späten 19., beginnenden 2o. Jahrhundert sprechen. „Macht“, „Sexualität“ sowie „Arbeitsteilung“ standen erstmalig auf der Agenda der Debatten und begannen, den Glauben an die fixe Geschlechterordnung zu untergraben. Einen entscheidenden Schritt ermöglichte der Wiener Nervenarzt Sigmund Freud, der überzeugend darlegte, dass viele Probleme, sowohl männlicher als auch weiblicher Patienten/innen, psychologischer und nicht physischer Natur seien. Basierend auf den Thesen Freuds setzte sein Schüler Alfred Adler in den 192oern die Gedanken fort und kam zu dem Schluss, dass die Geschlechtereinteilungen nicht von Geburt an festgelegt sind, sondern im Verlauf des Lebens konstruiert werden. Diese Annahme war eine radikale Veränderung der bisherigen Vorstellungen. Bislang war die allgemeine Ansicht, auch die des Feminismus, dass feste männliche und weibliche Charaktere selbstverständlich seien. Denn im Zentrum des Alltagsverstandes stand im Hinblick auf Geschlecht bislang die „Vorstellung eines natürlichen Unterschieds zwischen Frauen und Männern.“3 Diverse Psychologen verfolgten diesen revolutionären Ansatz und manifestierten ihn.

Den psychologischen Theorien kritisch gegenüber stand die neue Technik der Feldforschung, die „Ethnographie“. Zu nennen wären hier die Amerikanerin Margaret Mead und der Pole Bronislaw Malinowski, der insbesondere Freuds „Ödipuskomplex“ als nicht allgemein anwendbar kritisierte. Das neu entstandene Bewusstsein über die Relativität von Geschlecht führte zu einer großen Popularität des Konzepts der sogenannten Geschlechterrollen in den 194oer und 195oer Jahren. Den bekanntesten Ansatz arbeitete der HarvardBProfessor Talcott Parsons 1956 heraus, der die männliche Rolle als „instrumentell“ und die weibliche als „expressiv“ definierte, den Unterschied an sozialen Funktionen festmachte. Alles folge dem Bedürfnis des sozialen Systems nach Integration und Stabilität. Eine Erneuerung erfuhr die feministische Geschlechtertheorie 1949 durch Simone de Beauvoirs Werk „Das andere Geschlecht“ in dem sie Geschlechterkategorien und -herrschaft gleichermaßen herausfordert.4

1.2 Gendertheorien

Wie aus dem vorhergehenden Kapitel ersichtlich wurde, ist die FrauenB bzw. Geschlechterforschung nicht nur in Polen eine noch verhältnismäßig junge und immer noch randständige Wissenschaftsdisziplin. Entstanden sind die GenderBStudies aus ersterer, den schwulen Bewegungen und der feministischen Kritik der 6oer und 7oer Jahre des letzten Jahrhunderts, die sich aus der politisch motivierten Frauenbewegung entwickelte. Durch sie wurde die Aufmerksamkeit auf einen Bereich menschlicher Wirklichkeit gelenkt, von dem es bislang keine wirkliche Vorstellung gab. Raewyn Connel definiert dies als den „historischen Ausgangspunkt der heutigen Geschlechterforschung.“5

Unter dem Einfluss von marxistischen Ansätzen verlagerten sich die Schwerpunkte der Forschung auf die Produktionsprozesse in der Gesellschaft und die Rolle der Frau darin sowie auf die Beziehungen zwischen den Geschlechtern. Im klassischen Marxismus ging man davon aus, dass die Beziehungen zwischen Arbeitgebern und B nehmern nicht zu kultivieren seien. Nach dem Verständnis dieser Ideologie ist Ausbeutung eine unverzichtbare Kategorie der sogenannten industriellen Beziehungen. Die einzige Lösung, die dichotomische Spaltung auf dem Arbeitsmarkt zu beseitigen, so die Theorie, sei die Abschaffung des Privateigentums. Die bedeutet in der Konsequenz eine faktische Vernichtung der Arbeitgeber. Gemäß der Auslegung radikaler Feministinnen verhält es sich mit Beziehungen zwischen den Geschlechtern ebenso. Es handele sich um Dominanzbeziehungen, die sich nur durch die Geschlechtertrennung selbst abschaffen ließen. Für den Mann bedeute dies die

Dekonstruktion zumindest auf das „Niveau eines ideologisch ungefährlichen metrosexuellen Mannes.“6 CharakterBDichotomie wurde von der Forschung über Geschlechterähnlichkeit entschieden zurückgewiesen. Die „Anthropology of gender“ hat ihr Forschungsinteresse auf das kulturelle Geschlecht - gender B gelegt. Somit wurde das biologische Geschlecht - Sex - der Biologie überlassen.7 Marek Rymsza teilt in seinem Essay „Der polnische Ritter gegen Gender und die Welt“ diese von ihm bezeichnete „Kulturrevolution“ in drei Generationen ein. Beginnend mit den Feministinnen, die Ende des 19., Anfang des 2o. Jahrhunderts gegen die traditionelle viktorianische Kultur aufbegehrten. Forderungen nach gleichen bürgerlichen, politischen und gesellschaftlichen Rechten wurden laut. Die zweite Generation kämpfte nicht mehr nur für die Gleichberechtigung, sondern für eine Verbesserung der Kultur nach dem Motto: „Gender statt Geschlecht“. Die Umgangssprache wurde als „Träger des Patriarchats“8 angesehen und bspw. gegen getrennte öffentliche Toiletten für Männer und Frauen protestiert. Insbesondere das Patriarchat mit seinem Selbstverständnis, dass es für die Frauen in der Gesellschaft lebensnotwendig sei - um sie vor dem Scheitern zu bewahren9 - ist ein Feind sämtlicher Generationen. Wenngleich sich die zweite Generation immer wieder in Widersprüche bezüglich ihrer Forderungen verstrickte, blieb eine Konstante: beständige Opposition zur traditionellen Kultur. Die dritte Generation forderte eine radikale Kulturrevolution. Nach der bereits genannten Trennung von sex und gender) sollte nun die Bedeutung des biologischen Geschlechts im gesellschaftlichen Leben aufgelöst werden. Infolgedessen vermehrte sich die Anzahl der Geschlechter: neben Homosexuellen sollten nun auch Menschen mit bisexuellen Neigungen, Asexuelle etc. den gleichen Status erhalten. Geschlecht sei kein objektiviertes kulturelles Konstrukt mehr, sondern eine individuelle Projektion, es herrsche das Recht des „Geschlechts auf Wunsch“10 ohne Berücksichtigung der äußeren Geschlechtsmerkmale.

Drei weitere prägende Theorien möchte ich im Speziellen noch nennen. Zum einen die von A. Rubin, einer amerikanischen, anthropologisch arbeitenden Feministin, die als erste das biologische (sex) vom sozial konstruierten (gender) Geschlecht analytisch unterschieden und diese beiden Begriffe geprägt hat. Ihr zufolge werden die Kategorien „Männlichkeit“ und „Weiblichkeit“ sozial konstruiert und durch gesellschaftliche Gegebenheiten und Prozesse geformt.11

Judith Butler vertritt in ihren sozialwissenschaftlichBphilosophischen Arbeiten der poststrukturalistischen Strömung die Auffassung, dass nicht nur das soziale Geschlecht (gender), sondern auch das biologische Geschlecht (sex) kulturell konstruiert wird. Gender soll laut Butler dem Sex zugeschrieben werden.12 Henrietta Moore schreibt in ihrem Essay „Whatever happened to Women and Men?“:

"On the one hand, gender and gender relations were concerned with the sexual division of labour, with the roles, tasks an social statuses of women and men in social life broadly understood. On the other, gender was about cosmological beliefs and symbolic principles and valuations. It was not difficult to etsablish that the two were not always concordant. Societies where women were apparently clearly subordinate in domestic, economic and political life, could also be those where symbolic principles and cosmological beliefs valued powerful aspects of femininity.“13

Den theoretischen Exkurs zusammenfassend bleibt mir die Feststellung, dass Gender als Kategorie schwer klassifizierbar ist. Angefangen bei einer einheitlichen Einordnung der Rolle der Frau, die von der untergeordneten Stellung in ökonömischB politischen Bereichen bis zur überragenden Position im symbolischen Rahmen reicht. Eine universelle Unterordnung, die es gemäß vieler Ansichten gibt, ist nicht erkennbar. Schwer nachvollziehbar sind ebenso Zielsetzungen wie eine „Welt ohne Geschlecht“14 oder Thesen wie „Wenn wir es nicht in die Welt setzen, gibt es Geschlecht nicht.“15 Somit kommt auch Raewyn Connel zu der Erkenntnis, dass es bei sieben MehrBEbenen oder MehrBDimensionen Modellen unterschiedlicher Sozialwissenschaftler zum Thema Gender offenkundig keine einzige Lösung gibt: „Der Kuchen lässt sich auf unterschiedliche Weise zerschneiden.“16 Auf ironische Weise geht die polnische Bloggerin Kataryna auf das Sujet ein:

„Wenn das Geschlecht ausschließlich von den Gefühlen und Präferenzen der Betroffenen selbst abhängen sollte, wieso sollte man dann nicht dieselbe Vorgehensweise auch in Bezug auf das Alter und jedes andere objektiv

markierte Element des gesellschaftlichen Status von Individuen anwenden? Warum etwa einen Menschen als Rentner behandeln, der zwar bereits 4o Jahre gearbeitet hat, sich aber immer noch fühlt, als wäre er biologisch erst 35?“17

1.3 Rolle der Frau in Polen

Bevor ich über einen Ausblick über das Thema Gender heute zum zweiten Teil meiner Hausarbeit komme, möchte ich vier Rollen der Frau in Polen skizzieren. Zunächst die wirtschaftlichBsoziale Rolle, die sie in der Gesellschaft spielt, der Mythos der „Matka Polka“, des „sanften Patriarchats“ und abschließend, als Überleitung zum später behandelten Film „Strajk - die Heldin von Danzig“, Frauen in der Solidarność.

1.3.1 wirtschaftlich-soziale Rolle

Da, wie bereits erwähnt, das Forschungsfeld der Frauengeschichte ein wenig bearbeitetes ist, fehlt es bis heute an einer Gesamtdarstellung zur Geschichte der Frauen in Polen.18 Seit dem Mittelalter genossen sie eine hohe Wertschätzung im Bezug auf ihre Rollen in Familie und Gesellschaft. Doch obwohl sie auf den nationalen Denkmalsockel gestellt wurden, waren sie gleichzeitig zu Passivität im politischen Kampf um die Macht verurteilt.19 Nach der Dritten Teilung Polens 1795, mit dem das Land faktisch für 123 Jahre von den Karten verschwand, blieb die Familie der einzige Raum, in dem die Teilungsmächte Russland, Österreich und Preußen keine Kontrolle hatten. Die Frauen wurden somit zu Hüterinnen und Garantinnen der familiären nationalen Tradition und Identität. Dementsprechend gewann die Stellung der Frau wesentlich an Bedeutung,20 wenngleich sie immer noch im Schatten des Mannes stand und ganz im Alltag, in der Familie, in Kindern und Küche aufgeht. Eine einschneidende Veränderung kam in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Folge der Industrialisierung, Frauen strömten auf den Arbeitsmarkt. Die Erwerbstätigkeit war eine Notwendigkeit, die das Überleben der Familien sicherte. Es waren in der Regel einfache Arbeiten, die von ihnen ausgeführt wurden, zudem deckelte der Staat das Einkommen 1886 auf 5o% desjenigen der Männer. Mit dem polnischen Positivismus kam gleichzeitig auch eine neue geistige Ausrichtung, die neben der körperlichen Arbeit auch die Bildung zum Ziel hatte. Forderungen nach besseren Bildungsmöglichkeiten, Gleichstellung und Wahlrecht wurden laut. Frauen werden zunehmend „sichtbar“, doch ihr öffentliches Wirken, ihr politisches wie ökonomisches, bleibt trotz wachsender formaler Gleichberechtigung nach 1918 - etwa in den aufkommenden Salons - in krassem Widerspruch zu ihrer Huldigung durch Männer.21 Diese Situation änderte das lediglich zehn Tage nach Wiederherstellung des polnischen Staates erlassene Dekret über die Gleichheit der politischen Rechte, unabhängig von Geschlecht, das in der Verfassung von 1921 bestätigt wurde, nur langsam. Immerhin wurde einem zentralen Ersuchen Folge geleistet und 1920 den polnischen Frauen das Recht gewährt, Bildungseinrichtungen uneingeschränkt zu besuchen. Trotzdem bleibt es bei dem Stereotyp der Zwischenkriegszeit: die Frau führt die traditionelle Rolle aus, eine Teilnahme am öffentlichen Leben gibt es nur in Ausnahmefällen.22

Auf den Zweiten Weltkrieg folgte ab 1944 die Volksrepublik Polen, die Alina PetrowaBWasilewicz in dem Essay „Denkmal der unbekannten Köchin oder braucht Polen den Feminismus?“ als „eine echte Katastrophe für die polnischen Frauen“23 nennt.

[...]


1 „Frauen, stört uns nicht, wir kämpfen um Polen.“

2 Vgl. Connel, Raewyn (2013): Gender. Wiesbaden: Springer Fachmedien. S. 152

3 Connel (2013) S.77

4 Detaillierter hierzu Connel S. 55ff

5 Connel S. 26

6 Deutsches PolenBInstitut Darmstadt[2] (2014): Jahrbuch Polen - Männer. Wiesbaden: Harrassowitz. S. 79

7 Vgl. hierzu Waniek, Katarzyna (2013): Das traditionelle Frauenbild in der polnischen Kultur. Saarbrücken: Akademikerverlag. S. 24

8 Deutsches PolenBInstitut Darmstadt[2] (2014). S. 75

9 Connel (2013) S. 80

10 Deutsches PolenBInstitut Darmstadt[2] (2014). S. 76

11 Fuchs, Brigitte; Nöbauer, Herta; Zuckerhut, Patricia (2001): Vom Universalismus zu Differenz. Feminismus und Kulturanthropologie. In: Karl R. Wernhart; Werner Zips, (Hg.): Ethnohistorie. Rekonstruktion und Kulturkritik. Eine Einführung. Wien: Promedia. 175B195. S. 178

12 Ebd S. 179

13 Moore, Henrietta L. (1999): Whatever happened to Women and Men? Gender and Other Crises in Anthropology. In: Henrietta L. Moore (Hg): Anthropological Theory Today. Polity Press: Cambridge. 151B172. S. 152

14 Connel (2013) S. 197

15 Connel (2013) S. 106

16 Connel (2013) S. 109

17 Deutsches PolenBInstitut Darmstadt[2] (2014) S. 77

18 Vergleiche hierzu Gertrud Pickhan „Frauenrollen, Geschlechterdifferenz und NationBBuilding in der Geschichte Polens“ in Jahrbuch Polen 2oo6 - Frauen. S. 8.

19 Koschmal, Walter (Hrsg.) (1996): Die Frau in der polnischen Gegenwartskultur. Köln, Weimar, Wien: Böhlau Verlag. S. 10

20 Koschmal (1996) S. 36

21 Ebd. S. 13

22 Vgl. ebd. 47ff

23 Deutsches PolenBInstitut Darmstadt[1] (2006): Jahrbuch Polen - Frauen. Wiesbaden: Harrassowitz. S. 54

Details

Seiten
30
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656703655
ISBN (Buch)
9783656710318
Dateigröße
642 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v277692
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Slavisches Institut
Note
1,4
Schlagworte
rolle frau film strajk heldin danzig

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