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Finanzierung & Investition

Zusammenfassung

Vorlesungsmitschrift 2014 45 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Finanzierung & Investition

1. Aufgaben des betrieblichen Finanzmanagements

Aufgabe des Finanzmanagements:

Planung, Gestaltung und Steuerung der Zahlungsströme in das Unternehmen hinein, aus dem Unternehmen hinaus und innerhalb des Unternehmens.

Es gibt zwei grundsätzliche Arten solcher Zahlungsströme:

- Investition: Zahlungsstrom, der mit einer Auszahlung beginnt und Einzahlungen nach sich zieht (Kapitalverwendung)
- Finanzierung: Zahlungsstrom, der mit einer Einzahlung beginnt und Auszahlungen nach sich zieht (Kapitalbeschaffung)

Hauptaufgabe des betrieblichen Finanzmanagements:

Sicherung der Existenz des Unternehmens durch Erhalt des finanziellen Gleichgewichts (strukturell und dispositiv).

Teilaufgaben des betrieblichen Finanzmanagements:

- Finanzprognose
- Finanzplanung
- Finanzdisposition
- Finanzkontrolle
- Finanzanalyse
- Finanzmarketing
- Finanzorganisation

2. Beurteilung der Vorteilhaftigkeit von Investitionen

2.1 Begriff der Investition

Allgemein kann man unter Investitionen die Verwendung finanzieller Mittel zur Beschaffung von Sachvermögen, immateriellen Vermögen oder Finanzvermögen verstehen.

Investitionsentscheidungen werden auf der Grundlage von Investitionsrechnungen getroffen. Dabei ist bedeutend, wie die zur Verfügung stehenden Daten ausgewählt und beurteilt werden. Wichtig ist die Berücksichtigung von Unsicherheiten, mit denen Annahmen über zukünftige Daten behaftet sind. Dies gilt besonders für längerfristige Investitionen.

Die verschiedenen Verfahren der Investitionsrechung erlauben entweder mehrere Investitionsalternativen zu vergleichen oder einzelne Investitionsobjekte zu beurteilen. Eine Investition kann allgemein dann vorteilhaft durchgeführt werden, wenn die Summe der Einzahlungen die Summe der laufenden Auszahlungen soweit übersteigt, dass die Amortisation des Objektes und die ausreichende Verzinsung des ursprünglich eingesetzten Kapitals möglich ist.

2.2 Investitionsarten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

- Ersatzinvestition: Darunter versteht man den identischen Ersatz von gebrauchten und verbrauchten Investitionsobjekten. Die Leistungsfähigkeit bleibt dabei erhalten.
- Rationalisierungsinvestition: Wird durchgeführt, um die Leistungsfähigkeit des Unternehmens zu erhöhen.
- Erweiterungsinvestition: Erweiterung der vorhandenen Kapazitäten eines Unternehmens, um beispielsweise Produktionsengpässe zu beheben.
- Sicherungsinvestition: Darunter sind alle Investitionen zusammengefasst, die die Sicherung bzw. das Fortbestehen eines Unternehmens gewährleisten.
- Diversifizierungsinvestition: Damit ist besonders die Erschließung branchenfremder Märkte durch die Beteiligung an Unternehmen gemeint.

2.3 Der Investitionsentscheidungsprozess

Investitionsentscheidungen müssen ein einem Entscheidungsprozess stattfinden, der ein planmäßiges Vorgehen ermöglicht. Diese Notwendigkeit resultiert vor allem aus folgenden Gründen:

1) Investitionen haben strategischen Charakter, d.h. sie beeinflussen Existenz und Entwicklung des Unternehmens langfristig. Sind Investitionen durchgeführt, so können sie meistens nur unter hohen finanziellen Aufwand korrigiert werden.
2) Eine Investitionsmöglichkeit muss immer im Zusammenhang mit anderen gesehen und beurteilt werden, denn die Entscheidung für eine bestimmte Investition ist gleichzeitig der Verzicht auf andere Alternativen und den damit zu erzielenden Erfolgen.
3) Investitionen erhöhen die Fixkosten. Bei verringerter Nachfrage kann es dadurch zu Verlusten kommen.
4) Eine getätigte Investition führt durch ihren langfristigen Charakter zur Verminderung der Flexibilität eines Unternehmens.
5) Eine Investition muss auch vom Gesichtspunkt der Verantwortlichkeit gegenüber den Kapitalgebern und deren Interesse planmäßig beurteilt werden.

Der Entscheidungsprozess lässt sich in vier Phasen darstellen:

2.4 Die Investitionsrechnungen

2.4.1 Die statischen Verfahren der Investitionsrechnung

In der Praxis werden die statischen Verfahren vor allem wegen ihrer einfachen Handhabung und des damit verbundenen geringen Kosten- und Zeitaufwandes sehr häufig eingesetzt. Sie werden als statisch bezeichnet, weil sie den unterschiedlichen zeitlichen Anfall von Einzahlungen und Auszahlungen nicht oder nur teilweise berücksichtigen und außerdem nur eine Planungsperiode betrachten. Zu den statischen Verfahren zählen:

- Kostenvergleichsrechnung
- Gewinnvergleichsrechnung
- Rentabilitätsrechnung
- Amortisationsrechnung

2.4.1.1 Kostenvergleichsrechnung

Es wird ein Vergleich der in einer Planungs- bzw. Nutzungsperiode anfallenden kosten zweier oder mehrerer alternativer Investitionsobjekte durchgeführt.

Sind die Kapazitäten der zu vergleichenden Investitionsobjekte nicht gleich, so muss anstelle des Kostenvergleichs einer Periode ein Stückkostenvergleich durchgeführt werden. Der Kostenvergleich arbeitet also mit der Prämisse gleicher Kapazitäten der Investitionsobjekte. In den Kostenvergleich sind alle relevanten Kosten einzubeziehen. Sofern es sich um Investitionen mit mehrperiodischer Nutzungsdauer handelt, werden die Durchschnittskosten pro Periode zu Grunde gelegt. Erlöse bleiben in diesem Verfahren unberücksichtigt, da unterstellt wird, dass jede Alternative wegen gleicher Kapazitäten auch gleiche Erlöse erwirtschaftet. Die relevanten Kosten sind:

- Betriebskosten
- Personalkosten
- Materialkosten
- Instandhaltungs- und Reparaturkosten
- Raumkosten
- Energiekosten etc.
- Kapitalkosten
- Kalkulatorische Abschreibungen
- Kalkulatorische Zinsen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die kalkulatorischen Zinsen beziehen sich auf das durchschnittlich gebundene Kapital.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

- Durchschnittkosten pro Periode

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Soll aus einer Vielzahl funktionsgleicher Objekte die kostengünstigste Alternative bestimmt werden, führen die Kosten pro Zeiteinheit und die Kosten pro Leistungseinheit der verschiedenen Alternativen zu denselben Vorteilhaftigkeitsaussagen. Bestehen jedoch Unterschiede im Leistungsumfang, führt nur ein Vergleich der Kosten je Leistungseinheit zu einem brauchbaren Ergebnis.

Ein Ersatz einer alten Anlage durch eine neue ist als vorteilhaft anzusehen, wenn die durchschnittlichen Periodenkosten der alten Anlage größer sind als die der neuen Anlage.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Beurteilung des Verfahrens:

- Die Aufstellung von Kostenfunktionen der zu vergleichenden Anlage ist in der Praxis oft mit Schwierigkeiten verbunden.
- Das Verfahren kann nur für kurzfristige Investitionsvorhaben herangezogen werden, da es statisch ist und daher zukünftige Entwicklungen nicht berücksichtigen kann.
- Erlöse werden nicht berücksichtigt, so dass über die Rentabilität des Kapitals keine Aussage gemacht werden kann.
- Unterschiedliche qualitative Leistungen von Investitionsobjekten können nicht in das Verfahren einfließen.
- Eventuelle Auswirkungen auf die Absatzpreise von Produkten durch höhere Produktions- bzw. Absatzmengen müssen gleichfalls unberücksichtigt bleiben.

2.4.1.2 Die Gewinnvergleichsrechnung

Der Kostenvergleich ist bei vielen Investitionsvorhaben nicht ausreichend, da die Erträge auch aufgrund verschiedener qualitativer Leistungen unterschiedlich sein können. Zur Beurteilung der Investitionsalternativen müssen daher neben den Kosten auch die Erträge berücksichtigt werden. Insofern stellt die Gewinnvergleichsrechnung eine Erweiterung der Kostenvergleichsrechnung dar. Bei gleichen Erlösen pro Mengeneinheit führen beide Verfahren zu gleichem Ergebnis. Die Gewinnverteilungsrechnung kann zur Beurteilung einzelner Investitionen oder zum Alternativvergleich mehrerer herangezogen werden. Dabei ist bei einzelnen Investitionen jede vorteilhaft, die einen Gewinn größer Null aufweist. Beim Alternativenvergleich wird diejenige Investitionsmöglichkeit gewählt, die den größten durchschnittlichen Jahresgewinn erwarten lässt.

1. Möglichkeit: durchschnittlicher kalkulatorischer Gewinn pro Periode

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(2. Möglichkeit: durchschnittlicher Kapitalgewinn pro Periode)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Gewinnvergleichsrechnung in Abhängigkeit von der Stückzahl:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Beurteilung des Verfahrens:

- Die Aufstellung von Kostenfunktionen der zu vergleichenden Anlage ist in der Praxis oft mit Schwierigkeiten verbunden.
- Das Verfahren kann nur für kurzfristige Investitionsvorhaben herangezogen werden, da es statisch ist und daher zukünftige Entwicklungen nicht berücksichtigen kann.
- Erlöse werden nicht berücksichtigt, so dass über die Rentabilität des Kapitals keine Aussage gemacht werden kann.
- Investitionsvorhaben, die starke Auswirkungen auf Erlösseite haben können besser beurteilt werden.

2.4.1.3 Die Rentabilitätsrechnung (Return on Investment)

In der statischen Rentabilitätsrechnung wird der Bezug vom Gewinn zum eingesetzten Kapital hergestellt, da der Investitionsgewinn oft mit unterschiedlichem Kapitaleinsatz erwirtschaftet wird und Kapital in der Regel nicht unbegrenzt zur Verfügung steht. Es wird die Periodenrentabilität berechnet, wobei beim Alternativenvergleich die Alternative mit der maximalen Rentabilität gewählt wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Möglichkeit: durchschnittliche Gesamtrentabilität

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Möglichkeit: durchschnittliche Überrentabilität

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Möglichkeit: durchschnittliche Eigenkapitalrentabilität

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

bei Ersatzinvestitionen: rEK =[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Investitionsprojekt ist dann vorteilhaft, wenn diese Rentabilität größer als die anderweitig mit dem Eigenkapital erzielbare Verzinsung ist.

Beurteilung des Verfahrens:

- Die Aufstellung von Kostenfunktionen der zu vergleichenden Anlage ist in der Praxis oft mit Schwierigkeiten verbunden.
- Das Verfahren kann nur für kurzfristige Investitionsvorhaben herangezogen werden, da es statisch ist und daher zukünftige Entwicklungen nicht berücksichtigen kann.
- Erlöse werden nicht berücksichtigt, so dass über die Rentabilität des Kapitals keine Aussage gemacht werden kann.
- Schwierigkeit, Umsätze und Erlöse den einzelnen Investitionsalternativen zuzurechnen.

2.4.1.4 Die statistische Amortisationsrechnung

Auch die Amortisationsrechnung stellt eine Erweiterung der Kosten- und Gewinnvergleichsrechnung dar. Es wird hierbei der Zeitraum ermittelt, in dem das ursprünglich eingesetzte Kapital durch Erlöse wieder vollständig zurückgeflossen ist. Es wird dadurch eine überschlägige Risikoeinschätzung verschiedener Investitionsobjekte möglich. Ein einzelnes Objekt kann dann als vorteilhaft gelten, wenn dessen Amortisationszeit kürzer ist, als die vom Investor als maximal zulässige. Beim Alternativenvergleich wird diejenige Alternative gewählt, die die kürzere Amortisationszeit hat. Die Amortisationsrechnung kann auf verschiedene Weise durchgeführt werden.

a) Durchschnittsrechnung (Rückflüsse konstant)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Rückfluss enthält weder kalkulatorische Zinsen, noch Abschreibungen, da es sich um keine Geldströme handelt.

b) Totalrechnung oder Kumulationsrechnung (Rückflüsse variabel)

Es werden die erwarteten Rückflüsse pro Periode geschätzt und kumuliert, bis sie der Höhe des Kapitaleinsatzes entsprechen.

Die dem Investitionsobjekt zurechenbaren Rückflüsse werden in der Praxis durch Gewinn plus Abschreibungen angenähert. Man geht also davon aus, dass alle Einzahlungen, soweit nicht für laufende Auszahlungen der Investition benötigt, zur Amortisation des eingesetzten Kapitals verwendet werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei der dynamischen Amortisationsrechnung wird das Kapital auf den Zeitpunkt 0 abgezinst.

Beurteilung des Verfahrens:

Das Verfahren liefert als Ergänzung zur Rentabilitätsrechnung wertvolle Hinweise bezüglich der Risikoabschätzung von Investitionsvorhaben. Je länger die Kapitalbindung desto unsicherer ist die Rückgewinnung des Kapitals zu beurteilen.

2.4.2 Die dynamischen Verfahren der Investitionsrechnung

Mit Hilfe der dynamischen Investitionsrechnungen kann die Vorteilhaftigkeit von Investitionen wesentlich besser beurteilt werden, als mit statischen Verfahren. Durch Anwendung von dynamischen Verfahren lassen sich die für die statischen Verfahren bekannten Schwächen beseitigen:

- Die einperiodische Betrachtungsweise, die auf Durchschnittswerte angewiesen ist, wird durch die genaue Erfassung von Ein- und Auszahlungen während der ganzen Nutzungsdauer abgelöst.
- Die Ein- und Auszahlungen werden entsprechend ihrem zeitlichen Anfall bewertet

Zu den klassischen dynamischen Verfahren zählen:

- Kapitalwertmethode
- Annuitätenmethode
- Interne Zinsfuß-Methode

2.4.2.1 Grundlagen dynamischer Verfahren

a) Aufzinsung

Bei der Aufzinsung wird errechnet, wie viel ein im Zeitpunkt 0 eingesetzter Betrag nach einer Anzahl von Jahren, in deren Verlauf Zins und Zinseszins anfallen, wert ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

b) Abzinsungsfaktor

Bei der Abzinsung wird errechnet, welcher Betrag im Zeitpunkt 0 eingesetzt werden muss, um einen Betrag K im Zeitpunkt n zu besitzen. Der erwünschte Betrag wird mit dem Abzinsungsfaktor abgezinst.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

c) Umrechnung von Zinssätzen auf andere Periodenlängen

Periode habe m (gleichlange) Teilperioden oder Zinsabschnitte (unterjährige Verzinsung)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

d) Effektivzins

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

e) Rentenendwert

Ist r die Höhe dieser Zahlungen, werden n Perioden betrachtet und erfolgt die Zahlung jeweils am Ende der Periode, so ergibt sich der Rentenendwert als

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

f) Rentenbarwert

Fällt eine begrenzte Anzahl von Rückflüssen am Ende mehrerer Jahre in gleicher Höhe an, so wird ihr Gegenwartswert, der Wert zum Zeitpunkt Null wie folgt ermittelt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

g) Wiedergewinnungsfaktor

Die Verteilung eines heute zur Verfügung stehenden Betrages zu gleichen Teilen über eine Anzahl von Jahren unter Berücksichtigung von Zinseszinsen wird durch Multiplikation mit dem Wiedergewinnungsfaktor ermöglicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Geldbetrag, der jährlich nachschüssig eingenommen werden muss, um die Anschaffungsauszahlung wiederzugewinnen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Anstatt jährlich r zu bezahlen, alles auf einmal Ro. Ist das ok?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.4.2.2 Die Kapitalwertmethode

Die Kapitalwertmethode (KWM) ermittelt den Barwert (Kapitalwert) einer bevorstehenden Investition durch Diskontierung der Zahlungsreihen auf den jetzigen Zeitpunkt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

oder bei Ersetzen von E - A durch Z und (1+i) durch q

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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Details

Seiten
45
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656707868
ISBN (Buch)
9783656712848
Dateigröße
732 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v277764
Institution / Hochschule
Technische Universität Ilmenau
Note
Schlagworte
finanzierung investition zusammenfassung

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