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Fabrikplanung. Methoden und Hilfmittel

Vorlesungsmitschrift 2008 18 Seiten

Ingenieurwissenschaften - Allgemeines

Leseprobe

Fabrikplanung

1. Definitionen

Eine Fabrik ist eine gewerbliche Organisationsform, bei der unter einheitlicher technischer und wirtschaftlicher Leitung eine größere Anzahl von Arbeitern außerhalb ihrer Wohnung in eigener oder gemieteter Betriebsstätte des Unternehmers und mit Hilfe vielfach gegliederter Arbeitsteilung und straffer organisatorischer Zusammenfassung gewerbliche Erzeugnisse für den marktmäßigen Verkauf herstellen.

Entscheidend ist also nicht die Verwendung von Maschinen, denn diese sind auch Hilfsmittel im Handwerk und in der Hausindustrie.

Wie die anderen gewerblichen Organisationsformen unterscheidet sich die Fabrik vom Handels- und Verkehrsbetrieben in ihrem Wesen durch ihre auf Stoffveränderung und Stoffverarbeitung gerichtete Tätigkeit.

Die Fabrikanlage ist der Inbegriff aller baulichen, technischen und wirtschaftlichen Einrichtungen von Produktionsbetrieben, in denen Rohstoffe zu Halb- oder Fertigfabrikaten weiterverarbeitet werden.

2. Planung

Die Planungsgrundlage bildet das Produkt bzw. das Produktionsprogramm. Die Planung erfolgt in Schritten oder Teilprojekten, die sich einerseits zeitlich überlappen und andererseits iterativ mehrmals durchlaufen werden. Die Neuplanung von Produktionsstätten ist wesentlich seltener als die Umplanung. Meist ist der Planungsumfang bei Umplanungen geringer, da eine Reihe von Planungsgrößen durch vorhandene Gebäude, Einrichtungen und Anlagen vorgegeben sind. Die Komplexität der Aufgabe ändert sich jedoch nicht wesentlich, da die Umstellung oder Auslagerung von Produktionsanlagen im Zuge von Rationalisierungsmassnahmen oft höhere Anforderungen an die Planung stellt als eine völlige Neuplanung.

Allgemeine Planungsschritte:

a) Beratung b) Stellungnahme c) Studie d) Untersuchung e) Gutachten

Je nach Verbindlichkeit und Aufgabe der Planung:

Neubauplanung

Erweiterungsplanung Sanierungsplanung

Rationalisierungsplanung

ergeben sich aus der Aufgabe

Strukturplanung Systemplanung

Ausführungsplanung Grobplanung

Feinplanung

Planungsursachen (für ein neues Lager): Hohe Lagerkosten, viel Personal

Große Lagerbestände, aufwendige Organisation Veralterte Lagertechnik

Unübersichtliche Verhältnisse, Störungen

Geringe Auslastung der Transport- und Lagermittel Neue Sicherheitsbestimmungen

Einsparen von Miet-, Lager- und/oder Bereitstellungsfläche

Erhöhen des Mechanisierungs- und Automatisierungsgrades

Einflussfaktoren der Planung:

Schutz des Menschen

- Arbeitsschutzbestimmungen
- Unfallverhütungsvorschriften
- Betriebsverfassungsgesetz

Schutz der Betriebsmittel

- Empfehlungen für den Brandschutz
- Flächen für die Feuerwehr
- Löschwasserleitungen

Schutz der Umwelt

- Immissionsschutz
- Verordnung zur Bekämpfung des Lärms
- Reinhaltung der Luft
- Abwehr von Emissionen
- Wasserhaushaltsgesetz

Nach Entschluss zur Planung wird eine Projektorganisation gebildet, bestehend aus: Leitungsausschuss (Entscheidung)

Projektmanagement (Koordination, Entscheidungsvorbereitung)

Anlagenhersteller und Planungsteam (Realisierung)

Genehmigungsbehörden (Bau, Feuerwehr, Gewerbeaufsicht)

Die Abstufung der Planungsphasen erfolgt aus planungsmethodischen Überlegungen, da die nacheinander folgenden Phasen in einer logischen Abhängigkeit stehen. Wir unterscheiden dabei eine Grobstruktur und eine Feinstruktur. Wenden wir uns der erstgenannten Gliederung zu. Die in der Praxis meist angewendete Gliederung umfasst 3 Planungsstufen und kann wie folgt umschrieben werden.

1. Planungsstufe (Vorarbeiten)

Zusammenfassung der Annahmen im Zielkonzept Zielkonzept:

- Richtwerte:

Höhe der Gesamtinvestition bei vorgegebenem Produktionsprogramm und vorgegebener Fertigungskapazität Mindestrentabilität bei vorgegebenem Beschäftigungsgrad Maximale Amortisationszeit bei vorgegebenem mittleren Beschäftigungsgrad

- Restriktionen:

Gewinnschwelle bezogen auf Beschäftigungsgrad Arbeitsintensität (Erhöhung/Reduzierung) Kapitalintensität (Erhöhung/Reduzierung)

Flexibilität (Abhängigkeit von Rostoffen, Energie, Auslandslieferungen)

- Sonstiges:

Abstufungen in mehrere Ausbauphasen

Abstimmung des Projektes auf andere Investitionsvorhaben

Flexibilität für Erweiterungen, Automatisierung etc. Formulierung der Aufgabenstellung

2. Planungsstufe (Feasibility-Studie)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Betriebsanalyse durchleuchtet den bestehenden Betrieb systematisch, um alle für die Planung erforderlichen Daten und Informationen zu ermitteln.

Die Analyse der Abläufe zeigt zugleich Möglichkeiten für Verbesserungen und Kostensenkungen, die bei einer Neuplanung zu berücksichtigen sind. Die darauf folgende Optimierungsstudie (FeasibilityStudie)gliedert sich in folgende Planungsstufen:

Strukturplanung zur Ermittlung der Betriebsabläufe, Gliederung und Dimensionierung der einzelnen Funktionsbereiche und Erarbeitung eines Idealplans.

Globalplanung oder Grobplanung: Gesamte Ermittlung von Lösungsmöglichkeiten mit Berücksichtigung der konkreten Gegebenheiten und Randbedingungen. Gegenüberstellung der Alternativen und Ermittlung einer engeren Auswahl.

Bereichsplanung oder Feinplanung in der die ausgewählten Alternativen von Betriebsbereich zu Betriebsbereich einer näheren verfeinerten Untersuchung, Optimierung und einem Vergleich unterzogen werden

Kostenplanung, in der die erforderlichen Investitionskosten und die zu erwartetenden Herstellkosten ermittelt und optimiert werden.

Die Planungsstudie wird mit einem zusammenfassenden Bericht abgeschlossen, der zugleich als Grundlage für eine Detailplanung dient.

Anhand der so erarbeiteten Planungsgrundlage entscheidet die Geschäftsleitung grundsätzlich über die Verwirklichung des Vorhabens, die Auswahl der Alternative und die Freigabe des Investitionskredites.

3. Planungsstufe (Ausführungsplanung)

Die hierauf folgende Ausführungsplanung umfasst alle Planungstätigkeiten technischer, kaufmännischer und organisatorischer Art, die zur Verwirklichung des Investitionsvorhabens notwendig sind und endet mit der Inbetriebnahme der Anlage. Die Ausführungsplanung gliedert sich in der Regel in folgende Arbeitsphasen:

Bereinigung und Ergänzung der Planungsgrundlagen im Sinne der getroffenen Entscheidung

Erarbeitung des Bauprojektes als Aufgabenstellung für die bautechnische Detailplanung

Aufbau einer Projektorganisation

Detailplanung der Anschaffungseinheiten

Detailplanung 2.Teil: Erstellung und Koordinierung der Ausführungspläne in enger Zusammenarbeit mit den beauftragten Firmen

Montageplanung

Bau- und Montageleitung

Abnahmeprüfung, Inbetriebnahme und Nacharbeiten

Ausführungsteilpläne:

System- und Strukturplanung

- Dimensionierung der Hilfs- und Nebenbetriebe
- Dimensionierung der Ver- und Entsorgungssysteme
- Dimensionierung der Lager- und Transportsysteme Globalplanung
- Materialflussplanung
- Flächen- und Raumplanung
- Layoutplanung Bereichsplanung sowie Kosten- und Investitionsplanung
- Logische Abstimmung der Produktionsbereiche
- Hilfs- und Nebenbereiche
- Ver- und Entsorgung Bauplanung und Haustechnik
- Ebenerdig oder Geschossbau
- Erforderliche Gruben
- Spezialfundamente für Betriebsmittel
- Einzuhaltende Abstände

3. Methoden und Hilfsmittel der Feasibility-Studie

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.1 Standortplanung (Flächen- und Raumplanung / Zonenplanung)

Sofern es um einen Neubau auf der „grünen Wiese“ geht, sind zunächst die Fragen des Standorts zu klären.

Die Standortbestimmung von Fertigungsstätten hat sich in den letzten Jahren aus einer Transport- und Kostenoptimierungsfrage in ein recht komplexes Problem verwandelt. Die Ursache dafür ist hauptsächlich in der weltwirtschaftlichen Entwicklung zu suchen:

Entwicklungsprozesse im Absatzmarkt

Vermehrte Zusammenarbeitsmöglichkeiten im Ausland

Regional unterschiedliche Rohstoff-, Lohn- und Energiekosten

Unterschiedlicher technischer Entwicklungsstand und Infrastruktur

Aus systemtechnischer Sicht lässt sich die Standortplanung in vier Phasen unterscheiden:

a) Zielplanung und Aufgabenstellung
b) Bedarfsermittlung und Erfassung der Möglichkeiten
c) Auswahlverfahren und interne Entscheidung
d) Verhandlungen und Vertragsabschluss

Festlegung der Standortfaktoren:

Definition der Anforderungen an die Standortfaktoren

Auswahl von Standorten, die mindestens den wichtigsten Anforderungen genügen Permanente Überprüfung der Anforderungen

Übersicht über die wichtigsten Einflussbereiche der industriellen Standortwahl: Fabrikgelände

Verkehr

Energie Wasser

Arbeitskräfte (Quantität, Qualität) Klima

Behörden Preis

Sonderanforderungen

Markt (Präsens, Nähe, Erschließung)

Gliederung der Standortfaktoren:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Rückkehr zum Standort: Bürokratie

- Qualitätsmängel
- Rechtsunsicherheit
- Logistikmängel
- Ausbildung

[...]

Details

Seiten
18
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656707912
ISBN (Buch)
9783656709381
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v277778
Institution / Hochschule
Technische Universität Ilmenau
Note
Schlagworte
fabrikplanung zusammenfassung

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Titel: Fabrikplanung. Methoden und Hilfmittel