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Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Beratung und Psychotherapie

Hausarbeit 2003 29 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Beratung
2.1 Definitionsversuch
2.2 Ziele
2.3 Beziehung Berater – Klient
2.4 Anlässe und Gründe
2.5 Dauer und Kosten

3. Psychotherapie
3.1 Definitionsversuch
3.2 Ziele
3.3 Beziehung Therapeut – Patient
3.4 Anlässe und Gründe
3.5 Dauer und Kosten

4. Ergebnis
4.1 Einleitung
4.2 Gemeinsamkeiten
4.3 Unterschiede
4.4 Endergebnis

5. Exposé

1. Einleitung

Während eines Studiums der Erziehungswissenschaft und der Psychologie werden einem Studenten viele Bereiche beider Disziplinen nahegebracht. In einem Grenzbereich zwischen Psychologie und Erziehungswissenschaft tauchen dann Fragen wie „Was ist Beratung?“ und „Was ist Psychotherapie?“ auf. Fragen zur Unterscheidung stellen sich. Damit wird der Gegenstand dieser Hausarbeit deutlich: es wird versucht, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von „Beratung“ und „Psychotherapie“ darzustellen. In diesem Zusammenhang wird zuerst auf „Beratung“ eingegangen, es folgt die „Psychotherapie“. Zuletzt wird das Ergebnis, also welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede vorhanden sind, herausgearbeitet.

2. Beratung

2.1 Definitionsversuch

Beratung – Was ist das?

In der Literatur sind eine Vielzahl verschiedener Definitionen zu finden. Das zeigt die Komplexität des Themas. Beratung kann also nicht eindeutig zum Beispiel durch eine (mathematische) Formel definiert werden, daher wird dieser Abschnitt nur ein Definitionsversuch darstellen.

Psychologische Nachschlagewerke kennzeichnen Beratung als zwischenmenschliche Interaktionsform (Asanger / Wenninger, S. 78; Brem-Gräser, Band 1, S. 11 f; Arnold / Eysenck / Meili, S. 253), bei der die Erwartung, besser mit Problemen umgehen zu können im Fordergrund steht (Brockhaus, S. 72). Da eine immer komplexer werdende Gesellschaft eine wachsende Zahl von Problemen mit sich bringt, steigt ebenso der Beratungsbedarf (a.a.O.) wie auch die Beratungsbereiche immer umfangreicher werden: Verbraucherberatung, Versicherungsberatung, Gartenberatung, Rechtsberatung, Unternehmensberatung, ... (Asanger / Wenninger, S. 78; Brockhaus, S. 72). Doch hier steht oft nur der wirtschaftliche Faktor im Fordergrund (a.a.O.).

Beratung ist aber gleichzeitig eine wichtige Methode in der sozialen, medizinischen, psychologischen und pädagogischen Arbeit (Krause / Fittkau / Fuhr / Thiel, S. 15; Brem-Gräser, Band 1, S. 7; Sickendiek / Engel / Nestmann, S. 13). Hier wird Beratung klassisch als „[...] jene Form einer [...] Beziehung, in der ein Berater [...] versucht, bei einem Klienten einen [...] Lernprozess in Gang zu bringen, in dessen Verlauf seine Selbsthilfebereitschaft, seine Selbststeuerungsfähigkeit und seine Handlungskompetenz verbessert werden können“ (Dietrich, S. 2; Brem-Gräser, Band 1, S. 13; Krause / Fittkau / Fuhr / Thiel, S. 22) verstanden. Damit stellt sie ein freiwillige „soziale Interaktion zwischen Ratsuchenden (Klienten) und Berater [dar] mit dem Ziel, im Beratungsprozess eine Entscheidungshilfe zur Bewältigung“ von Krisensituationen oder anderer Konfliktlagen gemeinsam zu erarbeiten (Krause / Fittkau / Fuhr / Thiel, S. 22 f), wodurch Problemlösungen und Verhaltensänderungen im Mittelpunkt stehen (Brem-Gräser, Band 1, S. 12).

Durch diesen klassischen Definitionsversuch kristallisieren sich aber drei wesentliche Bestandteile (Abb. 1) von Beratung heraus, die in allen Definition enthalten sind: erstens der Berater bzw. das Beraterteam, zweitens der Klient bzw. die Klientengruppe und drittens eine auf Kommunikation beruhende Interaktion zwischen Berater und Klient (a.a.O., S. 23).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1:

Interaktion

Dem gegenüber steht die aktuelle Diskussion um Beratung, welche zusätzliche Aspekte einbezieht (a.a.O.). Ein Vertreter ist Nestmann, der Beratung als Ressourcenförderung betrachtet, da sie sich „primär an den vorhandenen und entwickelbaren Ressourcen in der Bearbeitung der Anfragen und Probleme und weniger an den Defiziten und Störungen von Personen und Kontexten“ orientiert (a.a.O., S. 23 f). Das heißt nichts anderes, als das der Berater die Ressourcen des Klienten erkennt (a.a.O., S. 24) und bei diesem durch Bereitstellung von Informationen über bestehende Möglichkeiten (Arnold / Eysenck / Meili, S. 253), durch Bewusstmachen von Risiken und durch Kompensation von Verlusten und Rückschlägen eine unterstützende Orientierung ermöglicht (Krause / Fittkau / Fuhr / Thiel, S. 24). Damit ist Beratung eine Hilfe zur Selbsthilfe (a.a.O.).

Weiterhin gibt es verschiedene Richtungen von Beratung, die jeweils ihre eigene Unterdefinitionen besitzen (a.a.O.; Sickendiek / Engel / Nestmann, S. 15). Psychologische Beratung ist eine nichtdirektive Hilfe zur Orientierung und Entscheidung durch ausgebildete Fachkräfte (Sickendiek / Engel / Nestmann, S. 16). Soziale Beratung wiederum wird mit allen beraterischen Hilfen von Individuen oder Gruppen mit Einbezug ihrer sozialen Umwelt gleichgesetzt (a.a.O., S. 17). Im dritten Bereich, der pädagogischen Beratung, geht es um die Gestaltung von Lernprozessen in einem pädagogischen (erzieherischen) Handlungsfeld (Krause / Fittkau / Fuhr / Thiel, S. 25) durch Aktivierung und Fortentwicklung von Ressourcen (a.a.O., S. 26) unter Einbeziehung des Umfeldes (a.a.O., S. 27). Die letzte Richtung ist die psychosoziale Beratung, die als Herausarbeiten von Lösungsmöglichkeiten für Probleme des sozialen Lebens mit emotional-persönlichem Hintergrund (Sickendiek / Engel / Nestmann, S. 19).

2.2 Ziele

Wie sich schon im Definitionsversuch herauskristallisierte, ist das übergeordnete Ziel von Beratung die Hilfe zur Selbsthilfe (Dietrich, S. 4; Krause / Fittkau / Fuhr / Thiel, S. 28; Brem-Gräser, Band 2, S. 34). Ausgehend von dem Angebot von Hilfe und Unterstützung durch den Berater (Sickendiek / Engel / Nestmann, S. 15) soll der Ratsuchende zu einer möglichst eigenverantwortlichen und flexiblen Handlungskompetenz geführt werden (Brem-Gräser, Band 2, S. 34). Um dies zu erreichen wurden untergeordnete Teilziele aufgestellt (Krause / Fittkau / Fuhr / Thiel, S. 28; Brem-Gräser, Band 2, S. 34). Am Beginn steht der Erhalt von Informationen, denn einerseits gibt der Klient Informationen von sich preis und andererseits erwartet er gewisse Informationen über sein Problem und über Möglichkeiten vom Berater (Brem-Gräser, Band 2, S. 34), wodurch ein erster Schritt zur Änderung der eigenen Hilfebedürftigkeit bzw. zur Bewältigung einer spezifischen Krise getan ist (Brem-Gräser, Band 1, S. 14).

Nachdem der Ratsuchende kurz in die Zusammenhänge der eigenen Entwicklungen, Einstellungen, Motivationen, des eigenen Handelns und des Umfeldes eingeführt wurde (Brem-Gräser, Band 2, S. 34), geht es darum, bei ihm den Erwerb von Fähigkeiten, das eigene Problem bestimmen zu können, zu fördern, damit dieser in der Lage ist, sich erreichbare Ziele zu stellen, seine eigenen Entscheidungen zu reflektieren sowie mittels eigener Ressourcen die Effektivität der selbst herbeigeführten Handlungen zu überprüfen, neue Handlungspläne zu entwickeln und diese letztendlich auch zu realisieren (Krause / Fittkau / Fuhr / Thiel, S. 28; Brem-Gräser, Band 1, S. 14; ähnlich: Sickendiek / Engel / Nestmann, S. 15). Eine bessere Regelung von Konflikten bezüglich Situation und Persönlichkeit und eine konstruktive Problemlösung stehen im Mittelpunkt (Brem-Gräser, Band 2, S. 34).

Die vorangegangenen Ausführungen schließen zwei weitere wichtige Teilziele mit ein: Prävention und Empowerment (Sickendiek / Engel / Nestmann, S. 222). Ersteres ist gleichzusetzen mit Vorbeugung (Wahrig-Burfeind, 1991, S. 606), also bereits vor der Problementstehung den Menschen anzusprechen (Sickendiek / Engel / Nestmann, S. 222) um ihn für drohende Gefahren zu sensibilisieren und vorbeugende Maßnahmen aufzuzeigen (Brem-Gräser, Band 2, S. 34). Bei letzterem steht die Förderung der Potentiale der Selbstorganisation und des gemeinschaftlichen Handelns im Fordergrund (Stark, S. 16 ff), wodurch soziale Verantwortung erlernt werden soll (Brem-Gräser, Band 2, S. 34).

All diese Teilziele können auch sehr technisch zusammengefasst und ausgedrückt werden, wie es Dietrich beschreibt: „[...] dem Klienten dabei zu helfen, seine eigene problematische Ist-Lage durch eine antizipierte ‚bessere’ Soll-Lage [oder durch Teilaspekte dieser Soll-Lage] zu ergänzen bzw. zu differenzieren“ (Dietrich, S. 62; Brem-Gräser, Band 1, S. 14). Über einen aktiven Lernprozess auf Seiten des Ratsuchenden soll von einer Ausgangslage (Ist-Lage) in Richtung einer Soll-Lage (Endlage und damit Resultat) gearbeitet werden (Dietrich, S. 57). Dies ist zwar wissenschaftlich schön umschrieben, aber ob ein Laie dies auf Anhieb versteht, ist fraglich.

Unabhängig von Kompliziertheit oder Verständlichkeit steht immer noch die überzeugte, selbstgewählte Entscheidung bezüglich der Hilfe zu Selbsthilfe im Mittelpunkt (Brem-Gräser, Band 1, S. 15).

2.3 Beziehung Berater – Klient

Die Literatur ist sich allgemein darüber einig, dass in einer Beratung sich auf der einen Seite der Ratsuchende, also der Klient oder eine Klientengruppe, und auf der anderen Seite der Berater bzw. ein Beraterteam, gegenüberstehen (Krause / Fittkau / Fuhr / Thiel, S. 22, 40; Dietrich, S. 3 ff; Sickendiek / Engel / Nestmann, S. 129). Allerdings verweisen einige wenige Autoren auf die Problematik der Bezeichnung „Klient“ (Müller, S. 43; Brem-Gräser, Band 2, S. 53). Historisch betrachtet ist der „Klient“ eine hörige und damit abhängige Person, später wurde damit auch ein Auftraggeber definiert (Brem-Gräser, Band 2, S. 52). Der Grund, warum der Begriff übernommen wurde liegt im englischen Sprachgebrauch, denn dort ist ein Klient nicht nur ein Auftraggeber sondern auch ein Kunde (a.a.O.). Eine Person wendet sich an einen Experten, damit sie spezielle Unterstützung und Hilfe bei einem bestimmten Problem erhält (a.a.O., S. 52 f). Eine große Rolle spielt dabei auch, dass der Klient freiwillig die Beratung wahrnimmt (a.a.O., S. 53; Müller, S. 39, 42). Die Betrachtung hängt also immer von der jeweiligen Sichtweise und des betrachteten Bereichs ab (a.a.O.).

Nachdem erläutert wurde, wer an einer Beratungsbeziehung beteiligt ist, muss nun erst mal geklärt werden, wie der Beziehungsbegriff im Zusammenhang von Beratung zu verstehen ist (Krause / Fittkau / Fuhr / Thiel, S. 34 ff): Beziehung stellt sich einmal als Hintergrundphänomen dar, da jeder Mensch täglich in verschiedene Beziehungen eingebunden ist, und einmal als Erfahrungsphänomen dar, da sich durch erlebte Beziehungen (a.a.O., S. 34) Kommunikations- und Kontakterfahrungen herausbilden, jede Person also bestimmte Beziehungsmuster verinnerlicht, die lebenslang wirken (a.a.O., S. 35). Und obwohl Beziehungen „gut“ oder „schlecht“ sein können, sind sie dennoch wertfrei, denn selbst eine ablehnende Haltung oder gar Hass gegenüber einem anderen Menschen sind Ausdruck einer engen, aber schwierigen Beziehung (a.a.O., S. 35). Dies ist aber kritisch zu sehen, denn wenn jemand die Beziehung zu einer Person als liebevoll oder einengend ansieht, ist damit subjektiv immer eine Wertung bzw. Werte verbunden.

Ein anderer Autor namens Brem-Gräser stellte in Anlehnung an Zimmer acht Merkmale einer beraterischen Beziehung auf (Brem-Gräser, Band 2, S. 62): „Die helfende Beziehung ist:

1. freiwillig,
2. zeitlich begrenzt,
3. basiert auf unterschiedlichen Bedürfnissen,
4. geprägt von Rollendefinitionen darüber, wer als Hilfesuchender erscheint und wer als Helfer bzw. Experte fungiert,
5. gerichtet auf die Modifikation von umgrenzten Einstellungen, Verhaltensmustern und somatischen Reaktionen [...], dass eine erhöhte Selbst-Steuerung ohne Fremdhilfe wieder erreichbar wird,
6. in der Regel ein kooperativer und [...] transparenter Problemlöse-Prozess in einem vertrauensvollen Klima,
7. im Prozess der zunehmenden Fähigkeiten des Klienten, [...] für das eigene Handeln Verantwortung zu übernehmen, veränderbar,
8. gekennzeichnet durch wechselseitige Einflussnahme.“

Sehr ähnlich stellte Carl Rogers drei für ihn wichtige Merkmale einer hilfreichen Beziehung zwischen Berater und Klient auf, welche Carkhuff durch weitere drei Kriterien ergänze (Abb. 2; Sickendiek / Engel / Nestmann, S. 129). Demnach sollte eine Beratungsbeziehung von Empathie, Akzeptanz, Echtheit, Unmittelbarkeit, Konkretheit sowie Konfrontation gleichermaßen geprägt sein (a.a.O.), wodurch sich vier verschiedene Stufen des Anspruchsniveaus bzw. der Bedeutsamkeit ergeben (Krause / Fittkau / Fuhr / Thiel, S. 42). Die erste Stufe ist das Arbeitsbündnis (eine gute Arbeitsbeziehung) ( a.a.O., S. 43; Brem-Gräser, Band 1, S. 15). Sie beinhaltet einerseits klar definierte Rollen, geklärte vertragliche Bedingungen, Einhalten von Vereinbarungen sowie ethischer Mindeststandards (Krause / Fittkau / Fuhr / Thiel, S. 43) und andererseits die Anstrengung des Aufbaus einer konstruktiven Zusammenarbeit (a.a.O.;

Abb. 2 (Sickendiek / Engel / Nestmann, S. 129 – 131):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]

Details

Seiten
29
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638297370
ISBN (Buch)
9783656646167
Dateigröße
525 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v27782
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Institut für Erziehungswissenschaften
Note
gut (2,0)
Schlagworte
Gemeinsamkeiten Unterschiede Beratung Psychotherapie Ausgewählte Texte Beratungslehre

Autor

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Titel: Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Beratung und Psychotherapie