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Kognitive Entwicklung nach Jean Piaget (1896 - 1980)

Zusammenfassung

Prüfungsvorbereitung 2013 16 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Psychologie

Leseprobe

Kognitive Entwicklung nach Jean Piaget (1896 - 1980) - Zusammenfassung - Prüfungsvorbereitung

Kognition:

Alle geistigen oder mentalen Aktivitäten und alle Denkprozesse, die im Dienste des Gewinns von Erkenntnis und des Erwerbs von Wissen stehen.

Kurzbiografie - Hintergrundgeschichte

- Paris/Sorbonne Standardisierung des Tests des Engländers Cyril Burt zum

schlussfolgernden Denken Entdeckung, dass Kinder auf verschiedenen Altersstufen ganz typische Fehler machen und dass die Fehler Aufschluss über das Denken des Kindes geben als die bloße Auszählung richtiger und falscher Antworten

Pariser Einfluss veranlasst Piaget zu folgenden Schlussfolgerungen:

- sorgfältige Analyse falscher Antworten liefert wichtige Aufschlüsse über das Denken einer Person
- zur Erforschung des Denkens ist eine klinische Befragungsmethode notwendig, die sich an den Antworten der Befragten orientiert
- fertige Intelligenz des Erwachsenen kann nur aus ihrer Entwicklungsgeschichte verstanden werden
- 1921 Tätigkeit an dem von E. Claparède geleiteten Jean-Jacques-Rousseau-Institut in Genf
- Ergebnisse seiner dortigen Untersuchungen über das kindliche Denken fasste er in seinen ersten fünf Büchern zusammen.
- Beobachtung kindlichen Verhaltens an seinen eigenen Kindern vorgenommen (Frau Valentine Chateney)
- 1956 gründete Piaget das Centre Internationale d ’ Epist é moligie. Jedes Jahr trafen sich Gelehrte um über ein bestimmtes erkenntnistheoretisches Problem zu sprechen.

Piagets Hauptanliegen hingegen lautete:

- Was ist Erkenntnis und wie kommt sie zustande?
- zentrale Annahme: wechselseitige Passung zwischen dem Lebewesen und seiner Umwelt
- Lebewesen passen sich durch Selektion und Lernen an die Umwelt an, aber sie passen auch ihre Umwelt durch aktive Gestaltung und durch Selektion an ihre Bedürfnisse und Möglichkeiten an
- Hauptanliegen ist die Struktur und Leistungsfähigkeit des menschlichen Erkenntnisvermögens aus seiner Genese (Ursprung, Entstehung) heraus zu erhellen
- Interesse an allgemeinen Gesetzmäßigkeiten des Aufbaus von Erkenntnis und dessen regelhafte Abfolge über die Phylo- (Entwicklung/ Entstehung der Lebewesen als Gemeinschaftsbegriff) und Ontogenese (individuelle Entwicklung des einzelnen Lebewesens)
- Untersuchungsgegenstand: qualitative Veränderungen intellektueller Strukturen, die als dem beobachtbaren Verhalten zugrundeliegend angenommen werden
- diese organisierten Strukturen bilden die Einheiten der Analyse der Entwicklung
- Entwicklung wird in gesetzmäßiger Stufenfolge angeordnet und aus biologisch fundierten Anpassungsaktivitäten des Organismus an seine Umwelt abgeleitet
- eher sekundär ist sein Interesse an den Bereichen der Wahrnehmung, dem Gedächtnis, der Motivation und der Welthaltungen
- Piaget untersucht nicht die kognitive Entwicklung von Individuen, sondern die Entwicklung der Kognition.

Die drei Hauptaspekte unter denen er Verhalten betrachtet, sind:

- Inhalt, Struktur und die Funktion des Verhaltens.
- Funktion bezeichnet die Art und Weise, wie ein Organismus in seiner kognitiven Entwicklung zu Fortschritten gelangt; auf allen Entwicklungsstufen und bei allen Lebewesen gleich und bilden die invarianten Anteile der Entwicklung.

Piagets Inhaltsbegriff

- Inhalt ist das von außen beobachtbare Verhalten, das was getan oder gesagt wird, worauf sich das Denken richtet; können sowohl zwischen als auch innerhalb von Entwicklungsstufen und von Individuum zu Individuum verschieden sein
- Verhaltensinhalt = rohe uninterpretierte Verhaltensdaten selbst, also die spezifischen beobachtbaren Reaktionen: Bewegung, Handlung, sprachliche Äußerungen usw.
- so schüttelt ein fünf Monate altes Baby eine Rassel, ein vierjähriges Kind malt den Schornstein im 90 ° Winkel zum Dach und ein Jugendlicher äußert seine Idee über die Gestaltung einer gerechten Welt
- Verhaltensinhalte verändern sich: Bewegungen werden geschickter und gezielter, der Wortschatz erweitert sich, das Kind findet neue Problemlösungen.
- Verhaltensinhalte liefern jedoch nur den Ausgangspunkt der

Entwicklungsbetrachtungen.

- erst genaue Analyse der den Verhaltensinhalten zugrundeliegenden kognitiven Strukturen erlaubt ein Verständnis und eine Erklärung dafür dass
- a) bestimmte Inhalte auftreten und
- b) sich die Inhalte im Laufe der Entwicklung in einer bestimmten Art ändern
- Denken, Problemlösen oder Schlussfolgern werden nicht in ihren Inhalten, sondern in ihrem sich qualitativ wandelnden strukturellen Aufbau betrachtet

Der Strukturbegriff Piagets

- Struktur ist die erschlossene organisierte Ganzheit, die erklärt, warum gerade dieses und nicht ein anderes Verhalten geäußert wurde;
- Strukturen verändern sich nach strengen Entwicklungsgesetzen, d.h. sie unterscheiden sich systematisch auf den einzelnen Entwicklungsstufen (und zwischen den Arten), sollten aber innerhalb einer Entwicklungsstufe eher invariant sein.
- dem beobachtbaren Verhalten (Inhalt) liegt also eine Struktur zugrunde
- Struktur eines Verhaltens ist die interne und organisierte allgemeinste Form einer spezifischen Erkenntnistätigkeit, der generalisierbare Aspekt einer Klasse von gleichartigen Handlungssequenzen, die auf analoge Situationen angewandt werden können.
- Beispiel: Ein Kleinkind greift nach verschiedenen Gegenständen, z. B. Rassel, Ball, Flasche usw. Jede Greifhandlung enthält spezifische Elemente, z.B. die Rassel mit einer Hand und die Flasche mit beiden Händen zu ergreifen, sowie generelle Merkmale, wie das Austrecken des Armes, Ausstrecken der Finger, Berühren, Umklammern des Gegenstandes, die immer in einer Abfolge auftreten. Letzteren, also die generellen Elemente, bezeichnet Piaget als Verhaltensstrukturen. Sie sind von den spezifischen Handlungsschemata abstrahierbar.

Funktion des Verhaltens: Organisation und Adaption

- die dem Verhalten zugrundeliegenden intellektuelle Strukturen sind beweglich, also wie die Verhaltensinhalte veränderlich.
- sie werden aufgebaut und verändert durch die aktive Auseinandersetzung des Organismus mit der Umwelt
- dabei wandeln sich die Strukturen selbst und die Beziehungen der Strukturen untereinander;
- die Art der Aktivität des Organismus (der allgemeine Charakter intelligenter Handlungen) bleibt hingegen über alle Entwicklungsstufen gleich.
- gleichbleibende Merkmale des Verhaltens sind gemeint, wenn Piaget von der Funktion des Verhaltens spricht.
- fundamentaler für die Entwicklungskonzeption nach Piaget sind jedoch die Begriffe Adaptation bzw. Anpassung.
- Anpassung eines Organismus an seine Umwelt hat immer zwei komplementäre Aspekte: das eigenen Verhalten verändert sich und passt sich an die Anforderungen der Umwelt an (Akkomodation); die Umwelt wird so gestaltet und verändert, dass sie mit den eigenen Bedürfnissen und Möglichkeiten übereinstimmt (Assimilation). Je nach Anpassungsaktivität steht das eine oder das andere im Vordergrund. Z. B. die Akkomodation bei der Nachahmung, die Assimilation im Illusionsspiel.
- durch das Zusammenspiel von Akkomodation und Assimilation kommen im Laufe der Entwicklung immer neue und höher organisierte Strukturen zustande

Assimilation und Akkomodation

- bei der Assimiliation wird die Information aus der Umwelt modifiziert, um sie an vorhandenes Wissen anzupassen; Rückgriff auf vorhandene Schemata, um eintretende sensorische Information zu strukturieren
- ein Objekt assimilieren heißt, mit den jeweils gegebenen Strukturen und den aus ihnen ableitbaren Verhaltens- und Denkmustern handelnd oder denkend auf dieses Objekt einwirken, es in Übereinstimmung mit den bisherigen Erfahrungen transformieren und ihm eine Bedeutung verleihen.
- Assimiliation ist mehr als eine angepasste Reaktion auf einen äußeren Reiz, sie ist immer auch die Reaktion einer zugrundeliegenden Struktur.
- ein Stimulus erhält durch Assimilationsschemata seine Bedeutung
- Assimilatorische Akte treten in drei Formen auf:

Reproduktiv: Assimilationsschemata wiederholen sich.

Motivation dafür ist im Schema bereits eingebaut (inhärente Motivation) und bedarf daher keiner Belohnung oder Triebreduktion. Wiederholte Anwendung eines Schemas führt zu dessen Konsolidierung. Zusätzlich ist die Wiederholung eine notwendige Voraussetzung für eine Veränderung nämlich im Falle der mangelnden Assimilierbarkeit eines Umweltereignisses an das vorhandene Schema.

Generalisierend: Assimilationsschemata können auf Objekte oder Ereignisse einwirken, an denen sie nicht ursprünglich erworben worden sind.

Generalisierung eines Schemas bringt dann eine Ausweitung eines Anwendungsbereiches.

Gleichzeitig findet eine zunehmende Diskrimination von Gegenständen statt, so dass nur ganz bestimmte Objekte und Ereignisse als assimilierbar an ein bestimmtes Schema erkannt werden.

Rekognitiv (Wiedererkennung): wiederkehrende Unterscheidung von Gegenständen führt zur allmählichen Differenzierung des Ausgangsschemas Beispiel

- Unterscheidung kann auf die sensumotorische Phase angewandt werden
- wenn ein Säugling immer wieder nach einer Rassel greift und dabei ein Geräusch entsteht handelt es sich um die reproduktive Ass.
- der zufällig erzeugte Effekt des Hervorrufens eines Geräusches durch Greifen und Hinundherbewegen wird dann gezielt hervorgerufen und dann die gewonnenen Handlungsfolge auf andere Gegenstände übertragen, wie auf den Ball oder einen Ring
- dabei handelt es sich um die generalisierende Ass. Diese unterschiedlichen Erfahrungen beim Umgang mit den Gegenständen führen dann allmählich zur Differenzierung des Ausgangsschemas und zur Einschränkung der charakteristischen Handlungsfolge „Greifen-Hinundherbewegung“ auf die Rassel = rekognitive Ass. reziproke Assimiliation
- Über diese drei grundlegenden Merkmale hinaus können sich vorhandene aber bisher getrennte Schemata gegenseitig assimilieren, d. h. zu übergeordneten komplexeren Strukturen integrieren und koordinieren.
- So vereinigen sich Schemata wie „einem Gegenstand mit den Augen folgen“ und „nach einem Gegenstand greifen“ zu einem übergeordneten integrierten Schema Hand-Augen-Koordination. Piaget spricht hierbei von reziproker Ass.
- Akkomodation vorhandene Schemata werden umstrukturiert oder modifiziert, so dass neue Informationen umfassender aufgenommen werden können
- Zur Akk. kommt es immer dann, wenn entweder Assimilationsversuche misslingen, d. h. Objekte sich nicht vollständig an die bestehenden Strukturen assimilieren lassen oder wenn verschiedene Assimiliationsschemata miteinander in Konflikt geraten.
- Misslungene Ass.: wenn aufgrund unzureichender Ass.schemata die Eigenheiten eines Gegenstandes, einer Situation oder einer Problemstellung nicht genügend berücksichtigt werden. Z. B. wenn nach etwas Weitentfernten gegriffen wird, was aber nicht ergriffen werden kann. Hier wird die räumliche Lage des Gegenstandes vernachlässigt. Erforderlich ist hier die Modifikation des alten Schemas und einem neuen angepassteren Schema.
- Konflikt zwischen verschiedenen Ass.schemata: wenn ihre Anwendung widersprüchliche Ergebnisse bringt.
- die Aufmerksamkeit bei der Formänderung einer Substanz wird nur auf eine Dimension beschränkt: Form, Dicke, Breite… Somit erscheint die eine Form dicker als die andere, obwohl sie es nicht ist.
- ein solcher Konflikt kann nur geklärt werden bei gleichzeitiger Berücksichtigung beider Dimensionen in ihrer wechselseitigen Abhängigkeit.

Beispiel

- z.B. können neue Akkomodatione provoziert werden, wenn durch Empirie ein Kind feststellt, dass auch kleinere Teile im Wasser untergehen und große Teile im Wasser schwimmen, obwohl es zuvor die Erfahrung gemacht hatte, dass immer große Teile nur untergehen und kleinere schwimmen. Aber nicht immer ist eine Akk.versuch möglich. Das gilt dann, wenn man die Problemstellung nicht versteht. Wenn keine Diskrepanz zwischen dem unzulänglichen Lösungsversuch und dem subjektiven Verständnis der Frage existiert, dann ist für das Kind keine akkomodationsbedürftige Situation gegeben: didaktisch muss man die unzureichenden Assimiliationsschemata des Kindes kennen, um ihm aufzeigen zu können, was es falsch gemacht hat. Es genügt nicht nur zu sagen, dass etwas falsch ist. Man muss auch darauf hinweisen, inwiefern das Lösungsverhalten des Kindes falsch ist. Aufzeigen von Fehlern benötigt daher immer eine Erklärung.
- in allen Fällen misslungener Assimiliation oder des Konflikts mit Ass.schemata kommt es zu einem Ungleichgewicht: kognitiver Widersprüchlichkeit
- Ungleichgewicht und Konflikte rufen Anpassungsaktivitäten des Organismus hervor in Richtung einer Akk. der eigenen Struktur bis zur Wiederherstellung des Gleichgewichts zwischen Organismus und Welt
- Beibehaltung bzw. Wiederherstellung von Gleichgewicht und die Widerspruchsfreiheit sind grundlegende Lebensgesetzlichkeiten bei Piaget
- Ungleichgewicht bzw. die Tendenz zur Wiederherstellung des Gleichgewichts werden zum wesentlichen Auslöser von Entwicklungsprozessen
- Auch wenn Akkomodation zunächst vom Anstoß der Umwelteinflüsse gekennzeichnet ist, ist es nichts von außen Herbeigeführtes, sondern wie die Ass. eine Aktivität des Subjektes. Wesentlich für die Aktivierung ist das interne Ungleichgewicht.

Die Determinanten der Entwicklung

- Entwicklung kommt wesentlich zustande durch die selbstregulierende und selbstmotivierte ständige Auseinandersetzung zwischen dem Individuum und der dinglichen und sozialen Umwelt
- Entwicklung findet statt in dem das Individuum auf die Umwelt einwirkt (handelnd und erkennend) und dabei sich und die Umwelt verändert
- Individuum konstruiert ständig seine eigene Realität, da es Objektmerkmale und Handlungseffekte wahrnimmt und in den bisherigen Erfahrungsschatz integriert
- Treibende Kraft hinter der kognitiven Aktivität des Individuums ist die Ä quilibration, die Tendenz zur Gleichgewichtsherstellung und zur Ausbildung immer höherer und ausbalancierterer Gleichgewichtszustände. (Eine dem Organismus innewohnende selbstregulierende Tendenz zur Aufrechterhaltung oder Wiederherstellung eines

[...]

Details

Seiten
16
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656711018
ISBN (Buch)
9783656713470
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v277898
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Schlagworte
kognitive entwicklung jean piaget zusammenfassung

Autor

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Titel: Kognitive Entwicklung nach Jean Piaget (1896 - 1980)