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Schulpräferenzen am Ende der vierten Jahrgangsstufe und der Übergang von der Primarstufe zur Sekundarstufe I

Essay 2013 7 Seiten

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Leseprobe

Essay: Schulpräferenzen am Ende der vierten Jahrgangsstufe und der Übergang von der Primarstufe zur

Sekundarstufe I

IGLU und TIMSS sind international vergleichende Schulleistungsstudien, die einerseits das Leseverständnis und andererseits die Fähigkeiten im mathematischen und naturwissenschaftlichen Bereich von Schülern am Ende der vierten Jahrgangsstufe testen, mit dem Ziel Trends bzw. Veränderungen der Leistungen im Zusammenhang mit wirtschaftlichen, gesellschaftlichen,

kulturellen und pädagogischen Rahmenbedingungen der Teilnehmerstaaten festzustellen und somit die Möglichkeit bieten Verbesserungseventualitäten für das betroffene Bildungssystem aufzuzeigen. Ein weiteres Ereignis, welches sich am Ende der vierten Jahrgangsstufe situiert, ist die Vergabe von Schulpräferenzen und der darauffolgende Übergang in die Sekundarstufe I. Dies wird auch nicht in IGLU außer Acht gelassen: In IGLU 2011 ist die Rede von einer Schieflage der Schullaufbahnempfehlungen, von der bereits vor zehn Jahren das erste Mal berichtet wurde. Das Verfahren der Schullaufbahnempfehlung, wie auch der Übergang von der Grundschule zur Sekundarstufe I, ist in den letzten Jahren nicht nur durch IGLU mehr in das Licht der allgemeine Öffentlichkeit gerückt, sondern zog auch das Interesse der Politik und der Medien auf sich. Es wurden Fragen deutlich, wie zum Beispiel, ob die Lehrkräfte in der Lage sind das Kind am Ende der vierten Jahrgangsstufe objektiv zu bewerten, nach welchem Verfahren und Methoden selektiert wird, ob dieses Verfahren Chancen- und Bildungsgleichheit gewährleistet, in wieweit der familiäre Hintergrund eine Rolle spielt, und was der Übergang auf die neue Schulform für den Schüler selbst bedeutet.

Im folgenden möchte ich Stellung zu der Schulpräferenz, zum Übergang von der Grundschule zur Sekundarstufe I und zur Chancen- und Bildungsgleichheit nehmen, ausführen und diskutieren.

Schulempfehlungen bzw. Schulpräferenzen sollen ein Ergebnis einer längerfristigen

Kommunikation zwischen der Schule und dem Elternhaus sein und verbinden die Professionalität der Lehrkräfte mit der Bildungsbeteiligung der Eltern, so IGLU 2006.

Der darauffolgende Übergang zur Sekundarstufe I und ihrer zugehörigen Schulform gestaltet sich offensichtlich und bekannterweise durch viele Veränderungen des schulischen Alltags eines Schülers. Da der Übergang als ein fixer und vorhersehbarer Zeitpunkt in der Schullaufbahn zutage tritt, bildet der Schüler schon vorzeitig Erwartungen, sei es Vorfreude oder Besorgnis, was eng an Gelingen oder Misslingen gekoppelt ist. Die Besorgnis liegt zu einem im sozialen Bereich, das heißt, dass die Schüler aus ihrem Freundeskreis und die ihnen bekannten Klasse gerissen werden und somit die Herausforderung im Raum steht neue Freunde zu finden und die Zugehörigkeit zu einer Gruppe von Gleichaltrigen zu gewinnen, was für die Entwicklung eines Kindes gravierend und erforderlich ist. Auch die organisatorischen bzw. schulischen Rahmenbedingungen verändern sich für den Schüler ausschlaggebend: Der meist offene Stundenplan in der Grundschule modifiziert sich zu einem engeren Zeitkalkül in der Sekundarstufe I. Es verändert sich auch die Zielorientierung in der weiterführenden Schulform. Die offene und kooperative Lernform und die aufgabenorientierte und individuelle Lernentwicklung wird umgeworfen und eine leistungsorientierte Zielsetzung rückt an die Tagesordnung. Der Leistungsdruck für die Schüler steigt infolgedessen, womit man sich nun bei den Veränderungen im Leistungsbereich befindet. Die genannten Veränderungen beschreiben jedoch nur ein Teil der Herausforderungen, die dem Schüler gestellt werden, bieten aber einen Einblick darüber, welche Anpassungsleistung ein Schüler erfüllen muss. Nicht ohne Grund wird daher der Übergang von der Grundschule zur weiterführenden Schule als ein „kritisches Lebensereignis“ für das Kind bezeichnet, welches die Möglichkeit offenlegt, an der Herausforderung zu wachsen und sich zu entwickeln, wenn auch auf der anderen Seite das Risiko von Misslingen steht.

Aber nicht nur für den Schüler, sondern auch für die Lehrer der Primarstufe, wie auch für die Lehrer der Sekundarstufe, stellt der Übergang eine Herausforderung dar: Der Unterricht findet nicht mehr nur durch einen Klassenlehrer statt, der alle Fächer, wie Mathematik und Deutsch, gleichzeitig unterrichtet, sondern die einzelnen Fächer werden in der Sekundarstufe durch Fachlehrer unterrichtet. Dadurch kann eine gute Lehrer-Schüler-Beziehung, wie in der Grundschule, nicht mehr gewährleistet werden. Die Herausforderung der Lehrer der Sekundarstufe I liegt darin, die soziale Beziehung zwischen Schüler und Lehrer in Verbindung mit den organisatorischen Rahmenbedingungen (Fachunterricht) zusammenzufügen und kompatibel zu gestalten. Eine direkte Herausforderung für den Grundschullehrer bei dem Übergang ist nicht zu erkennen,sondern liegt in der Vergabe der Schulpräferenzen. Es besteht für ihn aber dennoch die Möglichkeit, die Schüler auf die Sekundarstufe I vorzubereiten, indem er die Unterrichtsmethodik der weiterführenden Schule ein Stück weit einführt. Somit würde er die Schüler auf den Übergang vorbereiten.

Den Schülern eine individuelle Übergangsbewältigung zu bieten, liegt aber auch im Aufgabenbereich der Eltern. Ihre Herausforderung liegt darin, das Kind zu einer realistischen Selbsteinschätzung und zu einem positiven Selbstwert zu erziehen. Soziale Fähigkeiten, wie Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein, sind Möglichkeiten die Unsicherheit und Besorgnis bei einem Übergang für einen Schüler zu verringern. Dies ist jedoch keine direkte Vorbereitung, die am Ende der vierten Jahrgangsstufe stattfindet, sondern spiegelt sich in dem langjährigen Erziehungsstil der Eltern wieder.

Den Problemen und Herausforderungen des Übergangs geht jedoch eines voraus: Die Schulpräferenzen.Schulpräferenzen sind Empfehlungen, die meist durch den Klassenlehrer vergeben werden und einen Rat an die Eltern stellen, welches die günstigste Schulform der Sekundarstufe I ist, die das Kind nach der Primarstufe besuchen sollte. Die Schulpräferenz wird gegen Ende der vierten Jahrgangsstufe ausgehändigt; ist aber nicht in jedem Bundesland der Bundesrepublik Deutschland unverbindlich. Das heißt, in einigen Bundesländer entscheidet die Grundschule definitiv über einen Besuch an einem Gymnasium. In den Bundesländern Berlin, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und Schleswig- Holstein sind die Eltern frei sich nach der Empfehlung des Lehrers zu richten oder dies nicht zu tun, wobei ein Schüler mit einer Hauptschulempfehlung in Schleswig-Holstein kein Gymnasium besuchen kann. In Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland liegt die Kompetenz das Kind auf einen Gymnasium zu schicken ganz bei den Eltern. Dem entgegen stehen die Bundesländer Bayern, Brandenburg, Bremen, Sachsen und Thüringen. Hier sprechen die Grundschulen verbindliche Empfehlungen für einen Besuch eines Gymnasiums aus. Möglich ist dies, wenn der Schüler einen bestimmten Notendurchschnitt in den Fächern Mathematik, Deutsch und/oder erster Fremdsprache und Sachkunde erreicht hat. Der Notendurchschnitt liegt zwischen 2,0 und 2,4. In den Bundesländern Bayern und Thüringen ist bei Nicht-Erreichen des erforderlichen Notendurchschnitts eine Aufnahmeprüfung an den jeweiligen Gymnasien möglich.

IGLU 2011 stellt den Trend fest, dass Grundschullehrer seltener Hauptschulempfehlungen ausschreiben, dafür mehr Präferenzen für Gymnasien erteilen. Da für Eltern Schulen mit mehreren Bildungsgängen interessanter werden, spiegelt sich der Trend bei der Vergabe der Lehrerempfehlungen bei den Elternempfehlungen nicht so deutlich wieder. Trotzdem zeigt sich eine signifikante Übereinstimmung von Lehrer- und Elternpräferenzen: Wenn eine Lehrerempfehlung für eine Hauptschule ausgesprochen wurde, folgten 74,7% der Eltern dieser Empfehlung. Lehrerempfehlungen für die Realschule werden von 66,0% der Eltern befolgt und Lehrerempfehlungen für das Gymnasium werden von den Eltern mit einer hohen Übereinstimmung von 90,7% befolgt. Die Abweichungen von ca. 18% zeigten sich meist nur dann, wenn Eltern entgegen der Lehrerpräferenz das Kind auf eine höhere Schulform schickten. Darüber hinaus wird in IGLU 2001, 2006 und 2011 ein geringer Zusammenhang zwischen den erreichten Kompetenzstufen, Schulnoten und Schulempfehlungen deutlich und kritisiert. Eine Erklärung für diese Auffälligkeit ist, dass Lehrer nicht vollkommen objektiv bewerten: Nicht nur Lehrer, sondern der Mensch allgemein zeigt eine Störung bei der Wahrnehmung und Beurteilung von Personen, bei der er unbewusst dazu neigt Personen in „eine Schublade zu stecken“. Dieser psychologische Urteilsfehler ist ein wissenschaftlich bewiesener Prozess, der es selbst Lehrern nicht ermöglicht ein vollkommen objektives Bild eines jeden Schülers zu erstellen. Ein weiterer Punkt der den geringen Zusammenhang zwischen den Kompetenzstufen und Schulempfehlungen erklärt, ist, dass der Lehrer nicht nur nach erreichten Noten beurteilt, sondern weitere Merkmale,wie kognitive Fähigkeiten, Anstrengungsbereitschaft und Prüfungsangst begutachtet und dies in die Schulempfehlungen mit einfließen lässt. Aber auch familiäre Hintergrundmerkmale, wie Migrationshintergrund und soziale Herkunft laufen in die Schulempfehlung der Lehrer, aber auch in die letztliche Entscheidung der Eltern über die Schulform der Sekundarstufe I, mit ein. Dies zeigt die IGLU Studie von 2006 deutlich: Lehrer empfehlen Kinder aus der oberen Dienstklasse einen gymnasial Besuch, wenn sie mit 537 Punkten im Bereich Lesen abgeschnitten haben, bei Kindern von un- und angelernten Arbeitern und Landarbeitern hingegen muss eine Punktzahl von 614 Punkten erreicht werden. Auf der Seite der Eltern sehen diese ihre Kinder aus der oberen Dienstklasse bereits schon mit 498 Punkten auf einem Gymnasium, Arbeiter jedoch erst bei einer erreichten Punktzahl von 606 Punkten. Dieses Ergebnis der IGLU Studie 2006 mit dem Blick auf die Gymnasialempfehlung zeigt deutlich soziale Ungerechtigkeit auf. Die Bedeutung sozialer Merkmale wird in sogenannten EGP-Klassen (Erikson-Goldthorpe-Portocarero-Klassen) noch einmal hervorgehoben: Diese Klassen werden in obere Dienstklasse, untere Dienstklasse, Angestellte, Selbstständige, Arbeiter, qualifizierte und unqualifizierte Arbeiter eingeteilt. Die relativen Chancen auf eine Gymnasialpräferenz für Kinder aus der oberen und unteren Dienstklasse (EGP-Klasse I-II) ist 4,06 mal höher, als für Kinder aus EGP-Klassen V,VI,VII. Hier wird kritisiert, dass besonders Kinder von Arbeitern benachteiligt seien, weil sie seltener die Lehrerempfehlung für das Gymnasium bekommen.

IGLU 2006 erklärt zudem einen Zusammenhang zwischen den Schulnoten und der Präferenz: Noten in Deutsch und Mathematik erklären bundesweit 80% der Variabilität der Gymnasialpräferenz, für Eltern nur 68%. Noten im Sinne von Erklärungswerten sind für Lehrer also höher als für Eltern. Dies unterscheidet sich aber von Bundesland zu Bundesland erheblich. Vergleicht man beispielsweise Thüringen und Bremen liegt die Variabilität der Schulempfehlung für ein Gymnasium bei den Eltern in Thüringen bei 81%, bei den Lehrern in Thüringen bei 79%. In Bremen liegt die Variabilität bei den Eltern bei 51%, bei den Lehrer hingegen jedoch bei 81%.

Meiner Meinung nach zeigt das Verfahren der Schulpräferenzen viel zu viele Probleme, dass es als ein gängiges und gültiges System in der Bundesrepublik Deutschland bestehen bleiben kann. Es müssen Lösungen gefunden werden, um die Schulpräferenzen objektiver zu gestalten und um Chancen- und Bildungsgleichheit gewährleisten zu können. Dies könnte beispielsweise durch einen Leistungstest am Ende der vierten Klasse geschehen. Zwar spielen auch andere Merkmale, wie die kognitiven Fähigkeiten bei der Ausstellung einer Schulpräferenz eine Rolle, diese könnte man aber durchaus in den Leistungstest einbauen und somit testen. Demnach hätte der Lehrer einen objektiven Leitfaden an dem er seine Schulpräferenz orientieren und gestalten kann. Die kontroverse Idee der Schuluniform wäre zudem ein Gedanke um soziale Merkmale zu reduzieren. Wie beschrieben, ist es niemanden aus psychologischen Gründen möglich objektiv zu bewerten. Schuluniformen geben der Klasse und der ganzen Schule eine Uniformität, bei der nicht einmal der Lehrer dann noch nach dem Äußern urteilen kann und von da aus auf die soziale Herkunft und den familiäreren Hintergrund des Schülers schließen kann.

Eine weitere Möglichkeit die Schulpräferenz besser zu gestalten, ist die Einführung eines Gesprächs zwischen dem Grundschullehrer und den Eltern des Schülers. Die Eltern- und Lehrerempfehlungen haben zwar eine große Übereinstimmung, aber dies wahrscheinlich nur, weil die Lehrer eine substantielle Wirkung zeigen und die Eltern sich nicht in der Position sehen die schulischen Leistungen ihres Kindes zu bewerten. In der neuen Form des Gesprächs soll aber die übermäßige Wirkung des Lehrers aufgehoben werden und Lehrer und Eltern sollen gegenseitig Ergänzungen zu dem Bild des Kindes anstellen. Eltern befinden sich nämlich in der Position das Verhalten des Kindes außerhalb der Schule zu bewerten, Lehrer innerhalb der Schule. Somit kann ein sich- ergänzendes Schülerbild entwickelt werden, nach dem man letztlich die Schulempfehlung ausschreiben kann.

In Brandenburg besteht die Möglichkeit für Schüler mit einer Schulpräferenz für ein Gymnasium an einem Probeunterricht teilzunehmen. Diesen Probeunterricht könnte man aber durchaus auf jeder Schulform der Sekundarstufe I einrichten um festzustellen, wie gut Kinder mit den Anforderungen der Schule zurechtkommen. Danach besteht die Möglichkeit, dass der Lehrer, der den Probeunterricht gestaltet hat, eine Empfehlung ausspricht. Zu beachten ist bei diesem Lösungsansatz, dass ein Probeunterricht nicht nur aus einer Unterrichtsstunde bestehen sollte, sondern aus mehreren Unterrichtseinheiten.

Ein weiteres Mittel kann die vollkommen Abschaffung der Schulempfehlung und die bundesweite Einführung von Aufnahmeprüfung an den jeweiligen Schulformen der Sekundarstufe I seien. Da die Lehrer der weiterführenden Schulform den Schüler nicht kennen, würde dieses Verfahren Objektivität und somit Chancen- und Bildungsgleichheit garantieren. Ein weiterer Vorteil wäre die Mobilität zwischen den Bundesländern. Da die Lehrerempfehlungen in einigen Bundesländern eine andere Reglung besitzen als in anderen und die Empfehlung in manchen Bundesländern definitiv über ein Gymnasiumbesuch entscheiden, könnten so Eltern in andere Bundesländer ziehen, ohne das sie die Bildungschancen ihrer Kinder gefährden. Durch dieses Verfahren kann ein Kind, welches beispielsweise in Rheinland-Pfalz eine Aufnahmeprüfung an einem Gymnasium gemeistert hat, auch ein Gymnasium in Bremen besuchen.

Außer Acht darf man, meiner Meinung nach, aber auch nicht lassen, dass eine subjektive Bewertung durch den Lehrer keinesfalls immer negativ seien muss. Nicht nur, dass der Lehrer auf beispielsweise Prüfungsangst oder Nervosität mit seinen pädagogischen Fähigkeiten eingehen kann, er kann Kindern aus sozial schwachen Familien mit bestimmter Förderung entgegnen und helfen, sei es durch Schulbücherbasare, kostenloser Förderunterricht, oder Finanzierungshilfen von Ausflügen und Klassenfahrten durch den Förderverein einer Schule.

Aber nicht nur das Verfahren der Schulpräferenzen ist reformbedürftig, sondern auch der Übergang von der Primarstufe zur Sekundarstufe I zeigt erhebliche Probleme, die gelöst werden sollten. Der Übergang, so wie er momentan gestaltet ist, zeigt sich als einen großen Bruch in der Schullaufbahn eines jeden Schülers.

Um eine positive Bewältigung des Lebensereignis zu gewährleisten, wäre zu einem die Möglichkeit eine ausgeprägtere Kooperation zwischen den Grundschullehrern und den Lehrern der weiterführenden Schulen zu organisieren. Durch eine Zusammenarbeit könnte man einen fließenden Übergang sicherstellen.

Eine weitere Idee um die Besorgnis des Kindes etwas einzuschränken und zu reduzieren, sind sogenannte Einführungswochen. In diesen Wochen soll es dem Kind möglich sein sich ohne Leistungsdruck zunächst einmal die neuen Lehrer kennenzulernen, sich zu organisieren und mit den neuen schulischen Rahmenbedingungen vertraut zu werden. Wichtig ist hierbei, dass die Einführungswoche fließend in den Schulalltag übergeht und nicht wieder einen Bruch darstellt. Das Zurechtfinden, aber auch um die Beziehung zu einem Älteren, jedoch nicht Erwachsenen, besser zu gestalten, könnte die Idee der Schulpaten seien. Die Schulpaten sind selbst Schüler der jeweiligen Schule, befinden sich aber in einer höheren Stufe als die Neulinge. Sie sollen die Kinder nicht nur von Beginn an begleiten, sondern als Ansprechpartner im weiteren Schulverlauf fungieren. Somit können auch Probleme angesprochen werden, die ein Kind vielleicht lieber nicht mit einem Lehrer besprechen möchte.

Da sich aber auch die Unterrichtsmethodik stark ändert, muss auch hier ein Lösungsansatz gefunden werden. Mein Gedanke, um dieses Problem zu lösen, ist die Gestaltung einer neuen Orientierungsstufe. In der neuen Orientierungsstufe soll die Unterrichtsmethodik der Grundschule in den Unterricht eingebaut werden und nach und nach durch das leistungsorientierte Arbeiten ersetzt werden. Dadurch entsteht nicht von Anfang an Leistungsdruck und die Kinder würden sich wohler fühlen und könnten mit der ihr bekannten Methodik arbeiten.

Um eine bessere Lehrer-Schüler-Beziehung herzustellen, könnten meiner Meinung nach Schulpädagogen fungieren. Schulpädagogen hätten zwar nicht die Aufgaben eines Lehrers, sprich unterrichten, aber man könnten ihnen eine Klasse zuweisen, mit denen sie regelmäßig eine Unterrichtsstunde gestalten. Diese Unterrichtsstunde ist frei und dient nicht nur dazu, eine bessere Beziehung zu einer Person aus dem Schulwesen aufzubauen, sondern würde auch die Klasse festigen und zu einem besserem Klassenklima führen.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Vergabe von Schulpräferenzen und der Übergang von der Primarstufe zur Sekundarstufe I erhebliche Probleme aufzeigen. Zunächst einmal ist die Schulpräferenz zu stark an soziale Merkmale und an den familiären Hintergrund eines Schülers gebunden, was IGLU 2006 stark kritisierte. Schulpräferenzen bieten keine Chancen- und Bildungsgleichheit und sollen mehr eine Kommunikation zwischen dem Lehrer und den Eltern sein, um eine, dem Schüler entsprechende, Empfehlung ausschreiben zu können. Eltern müssen nicht der Lehrerpräferenz blind folgen, sondern können sich mit gutem Gewissen in der Position sehen die Fähigkeiten ihres Kindes objektiv und ohne Vergleich zu den anderen Klassenkameraden zu bewerten.

Der Übergang an sich wird von Eltern und Lehrern unterschätzt. Dieses Lebensereignis kann für das Kind durchaus als ein kritisches beschrieben werden, in dem der Schüler auf der einen Seiten Hilfe der Eltern benötigt, die dieser Aufgabe mit Zuversicht und Engagement begegnen sollen, und auf der anderen Seite die Hilfe der Lehrer, die dem Kind einen gewissen Ausgleich zwischen zukünftiger Überforderung und einer Entwicklungsmöglichkeit bieten sollen. Ein kritisches Lebensereignis bietet auch die Möglichkeit daran zu wachsen, was mit der Hilfe und Unterstützung durch Lehrer und dem Elternhaus zu meistern ist, aber trotz allem Erneuerungen bedarf. Ob nun einer meiner Lösungsansätze umsetzbar ist, sei offen gelassen. Es soll aber eine Möglichkeit bieten, einen direkten Einblick in die Bereiche zu erlauben, in denen meiner Meinung nach etwas verändert werden sollte. Chancen- und Bildungsgleichheit, sowie ein geregelter Übergang von der Grundschule zu einer weiterführenden Schule muss für jeden Schüler gewährleistet und garantiert werden.

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Details

Seiten
7
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656708247
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v278009
Institution / Hochschule
Universität Erfurt
Note
2,0
Schlagworte
IGLU TIMSS Grundschulstudien

Autor

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Titel: Schulpräferenzen am Ende der vierten Jahrgangsstufe und der Übergang von der Primarstufe zur Sekundarstufe I