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Ägypten und der "Arabische Frühling"

Ist Ägyptens Weg zu einer stabilen Demokratie damit geschafft?

Seminararbeit 2012 20 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Naher Osten, Vorderer Orient

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Der „arabische Frühling“
Auslöser
Die Selbstverbrennung Mohammed Bouazizis
Veränderungen der Bevölkerung
Vorbilder für den „arabischen Frühling“
Erfolge und Folgen des „arabischen Frühlings“

Die „Ägyptische Revolution“
Verlauf
Auslöser
Chronologie
Die Präsidentschaftswahl
Die Parlamentswahl
Die Auflösung des Parlamentes durch den Militärrat

Schlussbetrachtung: Ist Ägyptens Weg zu einer Demokratie geschafft?

Literaturverzeichnis

Einleitung

Am 29. März 2011 nahm Hamza al Khatib[1] an einer Demonstration in Saida, Syrien teil. Noch am selben Tag wurde er von syrischen Sicherheitskräften verhaftet, gefoltert und getötet. Erst zwei Monate später, am 24. Mai, erhielten die Angehörigen seine geschändete und verstümmelte Leiche zurück. Hamza war zu diesem Zeitpunkt gerade einmal 13 Jahre alt.

Erfahren habe ich von dieser Geschichte eigentlich eher zufällig, als ich in Facebook auf die Seite „We are all Hamza Alkhateeb[2] “ stieß.

Auf dieser Seite bekennen nicht nur Syrer, sondern Menschen aus aller Welt ihr Mitgefühl mit der Familie und bekunden ihre Trauer über diesen schrecklichen Vorfall. Täglich werden Bilder von weiteren Kindern und jungen Erwachsenen, die als Märtyrer ihr Leben verloren, veröffentlicht und dazu aufgerufen, nicht aufzugeben, sondern weiter für die eigene Freiheit zu kämpfen. Ich fand es interessant, dass über etwas für mich so Alltägliches wie Facebook, in anderen Ländern tatsächlich der nationale Widerstand der Opposition organisiert wird. Ich begann, mich mehr mit dem Thema auseinanderzusetzen und beschloss, den „arabischen Frühling“ zum Thema meiner Seminararbeit zu machen.

In Syrien wurde und wird mit Sicherheit am brutalsten gegen die Revolutionäre vorgegangen, ich möchte in meiner Arbeit aber auch auf die Zeit nach der Revolution eingehen. Deswegen werde ich mich in dieser Arbeit auf die Geschehnisse in Ägypten konzentrieren, da die Revolution hier zwar viele Parallelen zu denen in anderen Ländern aufweist, allerdings schon weiter fortgeschritten ist. An diesem Beispiel kann man gut sehen, ob die anfängliche Euphorie und Dynamik des „arabischen Frühlings“ sich auch im post-revolutionären Alltag bewahren kann und, ob eine Regierung wirklich die hochgesteckten Erwartungen der Bevölkerung erfüllen kann, trotz der schwierigen wirtschaftlichen Situation und der unterschiedlichsten Forderungen der verschiedenen Gruppierungen, die sich an den Demonstrationen beteiligten. Ich werde mich mit der Frage beschäftigen, ob mit dem „arabischen Frühling“ der Weg zu Demokratie und Gerechtigkeit wirklich als geschafft betrachtet werden kann, oder, ob das Land trotz guter Ansätze, wieder in eine autoritäre Willkürherrschaft zurückfallen kann, wie es in der Geschichte schon einige Male geschehen ist.

Bevor ich mich auf Ägypten und die Leitfrage konzentriere, möchte ich dem Leser aber zunächst einen Überblick über den „arabischen Frühling“ geben und ihm so genügend Hintergrundwissen mit auf den Weg geben. Ich möchte dabei besonders auf die Enttäuschungen durch die jeweilige Lebenssituation und die Hoffnungen der Menschen eingehen, die sie letztendlich zur Beteiligung an den Protesten des „arabischen Frühlings“ motivierten.

Der „arabische Frühling“

Auslöser

Die Selbstverbrennung Mohammed Bouazizis

Am 17. Dezember 2010 übergießt sich Mohammed Bouazizi, ein junger Gemüsehändler aus Tunesien, mit Benzin und zündet sich in aller Öffentlichkeit selbst an.

Kurz zuvor wurde er von einer Polizistin geohrfeigt, weil er nicht im Besitz einer Verkaufslizenz war, beziehungsweise nicht die Kontakte zu einflussreichen Beamten hatte, um sich solch eine Lizenz zu erkaufen. Eine Demütigung für den jungen Mann, der dadurch öffentlich bloßgestellt wird. Das brachte das Fass zum überlaufen, der junge Mann, der schon seit langem keine Perspektive mehr für sich und seine Familie sieht, beschließt sich das Leben zu nehmen.[3] Ein Akt der Verzweiflung, der endlich auch das westliche Interesse auf die schon lange schwelende Wut der unterdrückten Jugend in den autokratisch regierten arabischen Staaten lenkt und gemeinhin als Beginn des „arabischen Frühlings“[4] gilt.

Ob diese Tat überhaupt aus politischen Motivationen heraus geschah, bleibt zu bezweifeln, aber sie tritt eine Welle von Protesten frei, die innerhalb kürzester Zeit die gesamte politische Landschaft im Nahen Osten verändert.

Vor einigen Jahren noch hätte eine solche Tat niemals solche Massen bewegen können, doch mit dem Zeitalter der modernen Kommunikationsmittel kann die Tat einer Einzelperson über modernen Medien, wie zum Beispiel soziale Netzwerke, unglaublich schnell unzählige Menschen erreichen und bewegen. Innerhalb kürzester Zeit bekennen tausende ihre Solidarität zu dem jungen Mann und bekunden ihren Unmut über die Zustände in ihrer Heimat. Mohammed Bouazizi wird zu einer Art Märtyrer erklärt.

Bereits einige Stunden nach dem Vorfall verbreiten sich über Facebook Aufrufe zu spontanen Protestbekundungen. Und als dann der Nachrichtensender Al Jazeera, sogar ein mit einem Handy aufgenommenes Video der Selbstverbrennung ausstrahlt, wird auch über Tunis hinaus auf die Demonstrationen und Proteste der Bevölkerung aufmerksam gemacht, die endgültig genug von dem Regime Ben Alis und den Lebensbedingungen in Tunesien hat.[5]

Veränderungen der Bevölkerung

Die Rolle der Jugend im „arabischen Frühling“

„Seine Tat war der Funke, der den Flächenbrand entzündet und letztlich die ganze arabische Welt verändert hat.“[6] Seine Tat mag der Funke gewesen sein, der letztendlich den „arabischen Frühling“ ins Rollen brachte, doch geschwelt hat es im Nahen Osten schon lange.

Mit dem demographischen Wandel zeichnete sich schon vor Jahren eine bedeutende Veränderung in der Bevölkerung ab. Innerhalb von weniger als 40 Jahren hat sich die Bevölkerung Marokkos, Ägyptens und Tunesiens mehr als verdoppelt. In Libyen hat sie sich in diesem Zeitraum sogar verdreifacht.[7] Im Nahen Osten und Nordafrika beträgt 2007 der prozentuale Anteil der Bevölkerung unter 24 Jahren beträchtliche 53.7 %.[8] Solch eine Veränderung in der Bevölkerung innerhalb so kurzer Zeit stellt natürlich eine Herausforderung für die Regierungen dar. Die sozialen Infrastrukturen müssen ausgebaut, neue Bildungs- und Arbeitsplätze geschaffen und das Gesundheitssystem saniert werden. Trotz allem ist die moderne arabische Jugend größtenteils gebildet. Die Alphabetisierungsrate liegt im arabischen Raum bei über 90 %. 4 Viele Jugendliche, die an den Demonstrationen teilnehmen, haben gute Schulabschlüsse und ein abgeschlossenes Studium an einer Universität. Doch die Gesellschaft kann gerade diesen jungen, gebildeten Menschen keine Zukunft bieten. 2008 betrug die Arbeitslosenquote unter Jugendlichen im Mittleren Osten 21,7 %, in Nordafrika sogar 23,5 %.[9] Genau hier liegt das zentrale Problem, in der Arbeitslosigkeit. Ohne eine Arbeitsstelle wird den Jugendlichen die Möglichkeit genommen, finanziell wie auch mental unabhängig zu werden und ihren eigenen Platz in der Gesellschaft zu finden. Eine sichere Einkommensquelle gilt in der arabischen Welt außerdem als Grundlage für die Familiengründung und die daraus resultierende Eigenständigkeit. Ohne eine Arbeitsstelle ist es schwierig sozial anerkannt zu werden und sich ein eigenes Leben aufzubauen. Genau diese Gründe treiben vor allem junge Menschen zu den Demonstrationen. Die arabische Jugend ist frustriert und hat genug von der Perspektivlosigkeit, der Korruption und der zunehmenden Armut in ihrem Land. Sie wollen nicht mehr vom Staat bevormundet werden und fordern mehr Möglichkeiten der politischen Beteiligung und endlich ein Ende der Gewalt und Polizeiwillkür gegen die eigene Bevölkerung.

Die Rolle der Frau im „arabischen Frühling“

Doch nicht nur die arabische Jugend hat sich emanzipiert und mit großem Mut an der Revolution beteiligt, auch die Rolle der Frau hat sich im Laufe des „arabischen Frühlings“ stark verändert. Sie trugen wesentlich zum Erfolg der Revolution bei, besonders in Ägypten und Tunesien.

In konservativen arabischen Familien ist die Frau eigentlich für die Arbeiten innerhalb der eigenen vier Wände verantwortlich, so zum Beispiel der Haushalt und die Erziehung der Kinder. Der Mann dagegen, ist für die Repräsentation der Familie nach außen verantwortlich. Doch gerade diese konservativ - islamische Trennung der Verantwortungsbereiche, bei der der Mann für den öffentlichen, die Frau dagegen nur für den privaten Raum verantwortlich ist, wurde während des arabischen Frühlings hinterfragt.

So war es für die Weltöffentlichkeit zunächst überraschend, dass die Frauen sich nicht nur im Hintergrund beteiligten, sondern Seite an Seite mit den Männern an vorderster Front standen und lauthals mehr Demokratie und Freiheit forderten.[10]

Über das Internet hatten die Frauen schon lange die Möglichkeit, sich auch von zu Hause aus an den Protesten zu beteiligen, es bot ihnen die Möglichkeit sich anonym und frei zu äußern. So waren die Frauen über Facebook und Twitter schon früh an der Organisation der Proteste beteiligt. Doch es blieb nicht nur bei den Aufrufen zu Protesten, am 25. Januar erschienen zahlreiche Frauen selbst auf dem Tahrir - Platz, um gegen das verhasste System zu demonstrieren.

[...]


[1] http://www.facebook.com/#!/hamza.alshaheeed, 05. 07. 2012

[2] Da eine eindeutige Übersetzung aus dem Arabischen schwierig ist, sind zum Teil auch die Schreibweisen „Hamza Alkhateeb“ und „Hamza al Khateeb‘“ zu finden

[3] Vgl. Frank Nordhausen, Thomas Schmid: Die arabische Revolution. Berlin 2011, 10

[4] Der Begriff „arabischer Frühling“ wurde hauptsächlich von westlichen Journalisten geprägt, die diesen in Anlehnung an europäische Demokratiebewegungen wie z. B. den „Prager Frühling“ einführten. In der internationalen Presse sind zum Teil auch noch andere Bezeichnungen wie z. B. „arabische Revolution“ oder „Arabellion“. zu finden. In den betroffenen Ländern selbst spricht man dagegen schlicht von der „Ägyptischen“ oder der „Tunesischen Revolution“.

[5] Vgl. Stephan Rosiny, Ein Jahr „Arabischer Frühling“. GIGA Hamburg, 2011, 2

[6] Ibrahim al-Koni im Tagesspiegel, am 1. März 2011

[7] Vgl. Jéronimo Louis Samuel Barbin, „ Gebildet und perspektivlos - die revolutionäre Kraft der Jugend“. http://www.sueddeutsche.de/politik/arabischer-fruehling-gebildet-und-perspektivlos-die-revolutionaere-kraft-der-jugend-1.1120473, 26. 06. 2012

[8] Vgl. United Nations: World Youth Report 2007: Young People`s Transition to Adulthood: Progress and Challenges

[9] International Labour Organization (ILO): Global Employment Trends 01/2010

[10] Vgl. Martina Sabra, „ War die arabische Revolution weiblich?“. Aus http://www.dw.de/dw/article/0,,15697909,00.htm, 27. 06. 2012. Im Folgenden zitiert als Martina Sabra, „War die arabische Revolution weiblich?“

Details

Seiten
20
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656708735
ISBN (Buch)
9783656711636
Dateigröße
542 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v278012
Note
14 Punkte
Schlagworte
Arabischer Frühling Ägypten Demokratie Revolution Militär Protest

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