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Auswirkungen der globalen Finanzkrise

Akademische Arbeit 2009 50 Seiten

VWL - Internationale Wirtschaftsbeziehungen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Finanzdienstleistungssektor
2.1 Abschreibungen
2.2 Internationale Finanzmarktturbulenzen
2.3 Finanzmärkte
2.4 Exkurs: Aktienkursentwicklung über Erwartungen
2.5 Derivatehandel

3. Interbankenmarkt

4. Kreditgeschäft der Banken
4.1 Europäische Union
4.2 Vereinigte Staaten von Amerika
4.3 Ausblick

5. Weltwirtschaftsklima
5.1 Vereinigte Staaten von Amerika
5.2 Europäische Union

6. Konsumdämpfung durch Vermögensverluste

7. Geldpolitik und Realwirtschaft

8. Exkurs: Quantitätstheorie des Geldes

9. Resümee

10. Literaturverzeichnis (inklusive weiterführender Literatur)

1. Einleitung

Unter einer Finanzkrise ist eine rapide und erhebliche Verschlechterung verschiedener Finanzindikatoren zu verstehen. Bei einer Finanzmarktkrise ist eine Verschlechterung durch Indikatoren auf den Kreditmärkten eingetreten, beispielsweise die hohen Zinsen führten zum Platzen der Immobilienblase. Dann gibt es noch die Währungskrise, die durch eine dramatische Verringerung der Währungsreserven eines Landes und massive Abwertungen gekennzeichnet ist. Eine Bankenkrise ist dann gegeben, wenn die Banken Liquiditätsengpässe aufweisen oder gar zahlungsunfähig wären. Dieser Fall würde durch massive Rückforderung der Einlagen (Bank Run) oder einen Vertrauensverlust am Interbankenmarkt ausgelöst. Der Begriff Finanzkrise oder Finanzmarktkrise wird im allgemeinen Sprachgebrauch gerne generell bei Krisengeschehen an den Finanzmärkten verwendet. Alle drei Krisen treten oft gemeinsam bzw. nacheinander auf, wobei die Situation verschärft und beschleunigt wird, wenn ein massiver Vertrauensverlust durch die Finanzmarktakteure eintritt. Die Folgen sind dann Bankenzusammenbrüche und Abwertungen in einem kurzen Zeitraum. Mittelfristig ist ein Übergang auf die Realwirtschaft zu beobachten. Dies kann zu einer Rezession und/oder einem Zusammenbruch von ganzen Wirtschaftszweigen führen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) spielt bei der Eindämmung und Bewältigung solcher Krisen eine bedeutende Rolle.[1]

Es wurden nun Begriffe wie beispielsweise Rezession, Interbankenmarkt, Bankenzusammenbrüche erwähnt, die in den nachfolgenden Kapiteln näher beschrieben werden.

2. Finanzdienstleistungssektor

2.1 Abschreibungen

Der IWF schätzt in seinem jüngsten Global Financial Stability Report den Abschreibungsbedarf bei Verbriefungen, Konsumenten- und Unternehmenskrediten auf 1.400 Milliarden US-Dollar, den die Finanzinstitute erleiden. Im April lag die Schätzung noch bei 945 Milliarden US-Dollar.[2] Bis September 2008 haben die Banken 518 Milliarden US-Dollar an Verluste ausgewiesen, die überwiegend von us-amerikanischen und europäischen Banken stammen. Gleichzeitig haben sie 364 Milliarden US-Dollar neues Kapital aufgenommen.[3] Die Bank of England schätzt den Abschreibungsbedarf in Großbritannien, in den USA und der Eurozone sogar auf 2.800 Milliarden US-Dollar.[4]

2.2 Internationale Finanzmarktturbulenzen

Eine dramatische Zuspitzung der Finanzkrise fand mit dem Konkurs der US-Investmentbank Lehman Brothers Mitte September 2008 statt.[5] Die Verbindlichkeiten von Lehman Brothers beliefen sich auf 600 Milliarden US-Dollar.[6] Lehman Brothers spielte als viertgrößte US-Investmentbank eine bedeutende Rolle im Kreditderivate- und Swap-Markt-Handel. Durch den Konkurs wurde vielfach das Gegenparteienrisiko schlagend. Diese Situation führte zu Anspannungen am Interbankenmarkt, da Unsicherheiten über den eigenen Liquiditätsbedarf und gestiegene Befürchtungen über die Kreditwürdigkeit von Gegenparteien bestanden. Infolgedessen wurde die Refinanzierung der Banken immer schwieriger und zum einen veranlasste dies die Kreditinstitute zu einer restriktiveren Kreditvergabepolitik.[7] Zum anderen gelangte die Krise, aufgrund der mangelnden Refinanzierungsmöglichkeiten auf dem Geldmarkt, auf die Passivseite (Finanzierungsseite) der Bankbilanz. Die Refinanzierung war auch über den Anleihenmarkt immer schwieriger, da dieser zunehmend „austrocknete“.[8] Einige prominente „Opfer“ dieser Gegebenheiten werden nun erwähnt.

Das größte US-Versicherungsunternehmen, die American International Group (AIG), konnte infolge des Konkurses von Lehman Brothers nur durch staatliche Interventionen vor dem Zusammenbruch bewahrt werden.[9] Am 16. September 2008 übernahm die US-Regierung die Kontrolle über AIG. Die US-amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) gewährte im Gegenzug für einen Anteil von 79,9 Prozent einen Kredit von bis zu 85 Milliarden US-Dollar an das Institut.[10] Weitere 40 Milliarden US-Dollar hatte das US-Treasury im November eingelegt und erhielt als Gegenleistung Vorzugsaktien. Im März 2009 wurde eine weitere Kapitalspritze in Höhe von 30 Milliarden US-Dollar an das Institut genehmigt.[11]

Die Bank of America übernahm nach Beratungen mit der Fed die US-Investmentbank Merrill Lynch für eine Summe von 50 Milliarden US-Dollar. Die Übernahme wurde mit Aktien von der Bank of America bezahlt.[12]

Am 22. September 2008 gaben die US-Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley in den USA das Recht auf, außerhalb der Geschäftsbanken operieren zu können und damit weitestgehend die Finanzmarktregulierungen umgehen zu können. Sie formierten sich in sogenannte „Bank Holding Companies“, um Zugang zu Zentralbankkrediten der Fed zu bekommen. Dies war ihnen als Investmentbanken nicht möglich gewesen, doch die schlechten Refinanzierungsmöglichkeiten auf dem Geld- und Anleihenmarkt zwang sie zu diesem Schritt. Ohne diesen Schritt hätte dies zu existenzgefährdende Solvenzprobleme gemündet, denen zuvor Lehman Brothers und Merrill Lynch erlagen.[13]

Die US-Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac wurden von der US-Regierung unter staatlicher Aufsicht gestellt und es wurden weitreichende Maßnahmen inklusive Garantieübernahmen für ihre Verbindlichkeiten ergriffen. Der Grund liegt in der hohen Relevanz der beiden US-Hypothekeninstitute für die internationale Finanzmarktstabilität und deren enorme Bedeutung für den US-Hypothekenmarkt.[14]

In Folgendem einige Beispiele aus Europa, bei denen Kreditinstitute in Not gerieten und Staatshilfe in Anspruch nahmen. Die Regierungen Belgiens, Frankreichs und Luxemburgs ergriffen Maßnahmen zur Unterstützung der belgisch-niederländische Fortis-Gruppe, wie auch im Fall des belgisch-französischen Bankkonzerns Dexia. In Deutschland geriet das Kreditinstitut Hypo Real Estate in ernsthafte Refinanzierungsschwierigkeiten. Diese wurde entschärft durch eine Kreditlinie von einer Bankengruppe mit der Unterstützung der deutschen Regierung.[15]

Am 8. Jänner 2009 erhielt das deutsche Kreditinstitut Commerzbank ein Rettungspaket, um Verluste die aufgrund der Fusion mit der Dresdner Bank entstanden sind zu decken. Als Gegenleistung sichert sich der Staat eine Beteiligung von 25 Prozent an dem fusionierten Unternehmen. Die irischen Behörden übernehmen am 16. Jänner 2009 die Kontrolle der Anglo Irish Bank. Aufgrund der Verluste von rund 28 Milliarden Pfund im Jahr 2008 wurde die staatliche Beteiligung der Royal Bank of Scotland auf bis zu 70 Prozent erhöht. Am 26. Jänner 2009 gewährten die Niederlande der International Netherland Group (ING) eine staatliche Auffangkreditlinie, die als Bürgschaft für einen Teil des ING-Portfolios an Hypothekenverbriefungen. in Höhe von 35 Milliarden US-Dollar dient.[16]

Die enormen Abschreibungen und Wertberichtigungen in den Bilanzen konnten die Finanzinstitute ohne staatliche Interventionen nicht bewältigen. Dies hätte zu einem Kollaps im Bankensystem geführt.[17] Die negativen Folgen der Finanzkrise wurden zunehmend mit den veröffentlichten Geschäftsergebnissen sichtbar. Im dritten Quartal 2008 sanken die Gewinne großer EU-Banken (40 Banken wurden ausgewählt) um über 80 Prozent, nachdem bereits in der ersten Jahreshälfte 2008 Gewinneinbußen von fast 50 Prozent realisiert wurden.[18]

2.3 Finanzmärkte

Das Vertrauen der Investoren in die Finanzmärkte ist zutiefst erschüttert. Die meisten Indizes haben derartige Jahresverluste, wie es sie 2008 gab, noch nie bzw. seit Jahrzehnten nicht erlebt. Die folgende Tabelle zeigt eine Auswahl der wichtigsten Indizes mit dem Punktestand bei Jahreseröffnung, dem Punktestand am Jahresende und deren Wertentwicklung im Jahr 2008. Der Austria Traded Index (ATX) ist international kein bedeutender Index, aber aufgrund der regionalen Bedeutung in dieser Tabelle enthalten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Performance verschiedener Indizes im Jahr 2008

Quelle: EconStats [Stock Markets 2009], o.S. (eigene Darstellung)

Die Finanzdienstleister wurden besonders arg gebeutelt. Deren Aktienkurse brachen dramatisch ein. In Tab. sind die größten Finanzunternehmen, die im Standard & Poor´s 500 (S&P 500) enthalten sind, mit ihrer Aktienkursentwicklung im angeführten Zeitraum aufgelistet. Es ist klar ersichtlich, dass die Verluste viel größer sind als dies bei den Indizes der Fall ist. Im Finanzsektor blieb kein Stein auf dem anderen. Das Jahr 2008 hat mit fünf großen US-Investmentbanken begonnen und Ende des Jahres gab es keine einzige mehr. Bear Stearns wurde im März 2008 mit Unterstützung der Fed an JPMorgan Chase verkauft. Lehman Brothers schlitterte in Konkurs. Goldman Sachs, Morgan Stanley und American Express wurden zu Bank Holding Companies. Viele der angeführten Finanzinstitute mussten Staatshilfe in Anspruch nehmen, damit sie ihre gewöhnliche Geschäftstätigkeit weiterführen konnten. Eine weitere Möglichkeit nicht in die Insolvenz zu rutschen, ist jene der Fusion mit einem starken Partner. Diese Gelegenheit haben beispielsweise Countrywide Financial und Merrill Lynch genutzt, die mit der Bank of America fusioniert haben oder Sovereign Bancorp die das gleiche mit der Banco Santander tat. 33 von den 47 in Tab. angeführten Finanzinstitute sicherten sich ihr unternehmerisches Überleben, indem sie diese Möglichkeiten ausschöpften.[19]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2: Kursstürze bei Finanzdienstleistern

Quelle: In Anlehnung an Bullard [Funeral 2009], S. 6 und 8

2.4 Exkurs: Aktienkursentwicklung über Erwartungen

Der Kurs einer Aktie bildet sich auf den Aktienbörsen durch Angebot und Nachfrage. Eine Erklärung wie es zu einer Nachfrage kommt, unabhängig von einer Analyse der Aktie durch technische oder fundamentale Kennzahlen, ist jene von Keynes. Die nachfolgend erläutert wird.

Eine Erklärung von Keynes, wie Aktienkurse entstehen ist jene, dass das Verhalten am Aktienmarkt weniger mit fundamentalen Werten, als mit Zuversicht und Orientierung an anderen Anlegern zu tun hat. Als Beispiel führte Keynes einen Schönheitswettbewerb einer Zeitung an, bei dem ein Teilnehmer aus 100 Fotos die sechs schönsten Gesichter auswählen soll. Der Teilnehmer erhält eine Belohnung, wenn er richtig getippt hat. In diesem Fall wäre dann die beste Strategie, weder auf die objektiv schönste Kandidatin zu setzen noch dem eigenen Empfinden zu folgen, sondern jene Kandidatin zu wählen, von der man denkt, dass auch die meisten anderen Teilnehmer sie wählen. Auf den Aktienmarkt umgesetzt würde das bedeuten, dass es Investoren darum geht, beim Verkauf einen möglichst guten Preis zu erzielen und weniger darum, die „günstigsten“ auf Fundamentaldaten beruhenden Werte eines Wertpapiers zu kaufen. Der Schönheitswettbewerb deutet auf die Sensibilität der Erwartung hin, die der Aktivität auf Aktienmärkten zugrunde liegen.[20]

2.5 Derivatehandel

Der Umsatz bei börsengehandelten Derivaten ist im Jahr 2008 stark rückläufig. Im vierten Quartal 2008 erreichte der Derivatehandel an den internationalen Derivativbörsen das niedrigste Niveau seit mehr als zwei Jahren. Der Gesamtumsatz sank, basierend auf Nominalwerte, im Vorquartal von 543 Billionen US-Dollar auf 408 Billionen US-Dollar. Die Ursachen des kräftigen Umsatzrückganges lagen in der erheblich gesunkenen Risikobereitschaft. Außerdem noch in der Erwartung, dass die Zinssätze an den wichtigsten Märkten auf niedrigem Niveau verharren und aufgrund der verminderten Geschäftstätigkeit von Hedge-Fonds.[21]

3. Interbankenmarkt

Die größte Bedrohung der Finanzmärkte und Weltwirtschaft stellt die Gefahr einer Liquiditätskrise im Bankensektor dar. Das Misstrauen der Banken untereinander ist so groß, dass sie sich nur unwillig gegenseitig Kredite vergeben.[22] Dieses Misstrauen liegt darin, dass die Banken untereinander nicht wissen, welche Risiken (z.B. hochriskante Verbriefungen oder Zweckgesellschaften die außerbilanziell ausgelagert wurden) der Vertragspartner hat und welche Folgen diese hätten, wenn die Risiken schlagend würden. Die Auswirkungen auf dem sogenannten Interbankenmarkt begannen zuerst bei der Reduktion der Laufzeiten, dann mit Einschränkungen der ausgeliehenen Beträge. Das führte letztlich zu einer so starken Reduzierung des Gesamtvolumens der Interbankengeschäfte, dass von einer Austrocknung des Geldmarktes gesprochen wurde. Die Entwicklung auf dem europäischen Geldmarkt wird in Abb. 1 dargestellt. Üblicherweise ist der Spread zwischen Leitzins und dem Interbankenzins (hier der 3-Monats-EURIBOR) sehr moderat. Der angewachsene Spread ab Mitte 2007 bis Ende 2008 verdeutlicht die Anspannung auf dem Interbankenmarkt. Spätestens ab Mitte 2007 handelte es sich um eine systemische Krise innerhalb des Bankensektors und keineswegs mehr um das Problem individueller Geschäftsbanken. Eine unmittelbare Folge war der extrem starke Kurssturz von Bankaktien im Allgemeinen.[23]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Fendel/Frenkel [Subprime-Krise 2009], S. 81

Abb. 1: Der europäische Geldmarkt vor und während der Krise

4. Kreditgeschäft der Banken

Im Folgenden wird das Kreditgeschäft der Banken in der EU und in den USA beschrieben.

4.1 Europäische Union

Die Europäische Zentralbank (EZB) führt gemeinsam mit den Zentralbanken des Euroraums seit Anfang 2003 viermal jährlich eine Umfrage über das Kreditgeschäft im Euroraum durch. Dadurch erhalten sie Informationen über die Finanzierungsbedingungen der Unternehmen und Haushalte. An dieser Umfrage sind 110 führende Banken aus allen Ländern des Euroraums beteiligt.[24]

Im vierten Quartal 2008 meldeten fast ebenso viele Banken eine Verschärfung der Kreditrichtlinien für Unternehmenskredite, wie im Vorquartal. Die Verschärfung der Kreditrichtlinien trifft sowohl große Unternehmen als auch Klein- und Mittelunternehmen (KMU) gleichermaßen. Keine Ausnahme bildeten dabei die Konsumentenkredite und Wohnungsbaukredite von Privathaushalten. Für das erste Quartal 2009 erwarten die Banken eine wesentlich geringere Verschärfung hinsichtlich der Kreditrichtlinien bei Unternehmen sowie bei Privatpersonen, verglichen mit dem vierten Quartal 2008. Die Banken haben einen Rückgang der Kreditnachfrage sowohl bei Privatpersonen als auch bei den Unternehmen festgestellt. Die Nachfrage von Privatpersonen, die einen Wohnungsbaukredit aufnehmen möchten, war im vierten Quartal 2008 stark rückläufig.[25]

Die Veränderungen der Kreditbedingungen bei Unternehmen werden in Abb. dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: EZB [Monatsbericht Februar 2009], S. 23

Abb. 2: Veränderung der Kreditrichtlinien

Die Spalte a zeigt, dass der prozentuelle Saldo der Banken, die eine Verschärfung der Kreditrichtlinien für Unternehmenskredite meldeten, im vierten Quartal 64 Prozent betrug gegenüber 65 Prozent im Vorquartal. Die wichtigsten Faktoren, die ausschlaggebend für die Verschärfung waren sind die trüben Konjunkturaussichten und die branchen- oder firmenspezifischen Prognosen, die noch weiter an Bedeutung gewannen.[26]

Die Nachfrage nach Wohnbaukrediten war im vierten Quartal 2008 stark rückläufig und erreichte ein Minus per Saldo von 63 Prozent. Das ist auf den verschlechterten Perspektiven am Wohnungsmarkt und aufgrund des schwindenden Konsumentenvertrauens zurückzuführen. Der Ausblick auf das erste Quartal 2009 ist ähnlich dem Vorquartal. Eine Verschärfung der Kreditrichtlinien spüren auch die Konsumenten. Die Konsumentenkredite und sonstige Kredite an private Haushalte erreichten einen Tiefststand per Saldo von minus 42 Prozent und lagen zuletzt auf einem ähnlich hohen Niveau wie bei Wohnungsbaukrediten. Der Hauptgrund für diesen starken Rückgang ist die Risikoeinschätzung der Banken, hinsichtlich der allgemeinen Konjunkturaussichten und die Kreditwürdigkeit der Haushalte.[27]

Die folgende Abbildung veranschaulicht die Nachfrage an Wohnungsbaukredite und Konsumentenkredite.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: EZB [Monatsbericht Februar 2009], S. 26

Abb. 3: Nachfrage Hypothekenkredite und Konsumentenkredite

4.2 Vereinigte Staaten von Amerika

Angesichts sinkender Eigenkapitalquoten haben die amerikanischen Banken die Kreditvergabestandards im Verlauf des Jahres 2008 merklich verschärft. Der Nettoprozentsatz der Kreditinstitute, die angeben, ihre Standards für Unternehmenskredite verschärft zu haben beläuft sich auf 80 Prozent. Seit Bestehen der Umfrage gab es noch nie einen so hohen Wert. Derzeit spiegelt sich die Verschärfung der Kreditrichtlinien nicht auf das Kreditvolumen aus, wie in Abb. ersichtlich ist. Es wird mit einer bis zu 18 Monate langen Verzögerung gerechnet, bis die neuen Rahmenbedingungen zu einer Verringerung des Kreditvolumens führen und dadurch eine schwächere Dynamik der Investitionstätigkeit einhergeht.[28]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Carstensen et al. [ifo Konjunkturprognose 2009], S. 32

Abb. 4: Kreditvergabestandards in den USA

4.3 Ausblick

Aufgrund der Rezession wird mit einer noch deutlicheren zurückhaltenden Kreditvergabepraxis der Banken in den USA und im Euroraum gerechnet. Die Kreditzinsen werden zwar wegen der Zinssenkungen durch die Zentralbanken langsam nachgeben, aber die Neukreditvergabe wird erheblich zurückgehen. Außerdem wird mit weiterhin hohen Risikoprämien bei Unternehmensanleihen gerechnet.[29]

[...]


[1] Vgl. Meyers [Finanzkrise 2008], o.S.

[2] Vgl. IMF [Global Financial Stability Report 2008], S.14.

[3] Vgl. IMF [World economic outlook 2008], S. 6.

[4] Vgl. Bank of England [Financial Stability Report 2008], S. 12.

[5] Vgl. Boysen-Hogrefe et al. [Weltkonjunktur 2008], S. 6.

[6] Vgl. o.V. [Bankenchronik 2008], S. 949.

[7] Vgl. Rogacs/Vondra [Sozialproduktrückgang 2009], S. 13f.

[8] Vgl. Fendel/Frenkel [Subprime-Krise 2009], S. 82.

[9] Vgl. Albacete et al. [Rezessionsgefahr 2008], S. 8.

[10] Vgl. o.V. [Bankenchronik 2008], S. 949.

[11] Vgl. o.V. [Bankenchronik 2009], S. 258.

[12] Vgl. o.V. [Bankenchronik 2008], S. 949.

[13] Vgl. Fendel/Frenkel [Subprime-Krise 2009], S. 82.

[14] Vgl. Albacete et al. [Finanzmarktturbulenzen 2008], S. 50.

[15] Vgl. Albacete et al. [Finanzmarktturbulenzen 2008], S. 50.

[16] Vgl. Fender et al. [Global downturn 2009], S. 5.

[17] Vgl. Carstensen et al. [ifo Konjunkturprognose 2009], S. 31.

[18] Vgl. Fluch [Überblick 2009], S. 4.

[19] Vgl. Bullard [Funeral 2009], S. 4f.

[20] Vgl. Scheufele/Haas [Aktien 2008], S. 60.

[21] Vgl. Gadanecz et al. [International banking 2009], S. 27.

[22] Vgl. Hausner [Finanzkrise 2009], S. 41.

[23] Vgl. Fendel/Frenkel [Subprime-Krise 2009], S. 81f.

[24] Vgl. Thonabauer [Kreditpolitik 2009], o.S.

[25] Vgl. EZB [Monatsbericht Februar 2009], S. 22.

[26] Vgl. EZB [Monatsbericht Februar 2009], S. 23.

[27] Vgl. EZB [Monatsbericht Februar 2009], S. 27f.

[28] Vgl. Carstensen et al. [ifo Konjunkturprognose 2009], S. 33.

[29] Vgl. Carstensen et al. [ifo Konjunkturprognose 2009], S. 33f.

Details

Seiten
50
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656708780
ISBN (Buch)
9783656716259
Dateigröße
1.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v278527
Institution / Hochschule
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt
Note
1
Schlagworte
auswirkungen finanzkrise

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Titel: Auswirkungen der globalen Finanzkrise