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Die Förderung des Nachwuchsleistungssports im System der DDR

Bachelorarbeit 2014 42 Seiten

Sozialwissenschaften allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Staatliche und gesellschaftliche Organisationen des Leistungssports
2.1 Bedeutung des Sports für die SED
2.1.1 Die führende Rolle der Partei
2.2 Das Staatsekretariat für Körperkultur und Sport
2.3 Die Zentrale Leistungssportkommission (LSK)
2.4 Vom Deutschen Sportausschuss zum Deutschen Turn- und Sportbund

3 Stellenwert des Sports im System der DDR
3.1 Gesellschaftliche Funktion
3.2 Politische Instrumentalisierung

4 Die Stufen der Nachwuchsförderung
4.1 Die Einheitliche Sichtung und Auswahl für die Trainingszentren des DTSB
4.2 Die Spartakiadebewegung
4.3 Die drei Förderstufen
4.3.1 Förderstufe 1: Die Trainingszentren
4.3.2 Förderstufe 2: Die Kinder- und Jugendsportschulen
4.3.3 Förderstufe 3: Die Sportclubs

5 Ideologie der Jugendförderung
5.1 Erziehungs- und Bildungsziele des Sportunterrichts
5.3 Die Verwirklichung ausgewählter Ziele im Sportunterricht
5.4 Das Sportabzeichen im Dienste der Politik

6 Fazit

7 Abkürzungsverzeichnis

8 Literaturverzeichnis

9 Anlage

Abb. 1: Darstellung des Leitungssystem im DDR-Leistungssport 1957

Abb. 2: Darstellung des Leitungssystem im DDR-Leistungssport 1983

Abb. 3: Struktureller Aufbau des DTSB

Abb. 4: Übersicht über Teilnehmer an den Kreis- und Bezirksspartakiaden im Zeitraum von 1965 bis 1989

Abb. 5: Schematische Darstellung der Kaderpyramide und der Trainingsetappen im Leistungssport der DDR

Abb. 6: Kaderpyramide und Förderstufensystem des DDR-Leistungssports mit exakten Zahlen der Kaderanalyse 1989

1 Einleitung

In Bezug auf die sportlichen Erfolge der DDR werden diese heute immer wieder mit der systematischen Verwendung von Doping in Verbindung gebracht. Bei Betrachtung der Einwohnerzahl der Republik im Vergleich zu anderen führenden Sportnationen wie der USA, ist der Erfolg jedoch nicht nur auf das Verwenden von leistungssteigernden Substanzen zurückzuführen. Ist es nicht wahrscheinlicher, dass die einzigartige Förderung des Leistungssportsystems der DDR, welches eine breite Talentsichtung, systematisches Training und wissenschaftliches Arbeiten auf höchstem Niveau implizierte, ein weitaus wichtigerer Faktor war? Da es für die führende Partei, die Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED), von großer Bedeutung war im Sport erfolgreich zu sein, um weltweites Ansehen zu erlangen, konzentrierten sich die Staatsausgaben für den Sport sehr früh auf medaillenträchtige Einzelsportarten. Diese Rationalisierungsmaßnahme erwies sich als äußerst effektiv.

Die vorliegende Arbeit bietet eine Übersicht über Förderungsmaßnahmen des DDRLeistungssports, besonders im Nachwuchsbereich. Da dieses vielschichtige System schwer zu fassen ist, war eine vollständige Erfassung im Rahmen dieser Arbeit nicht möglich. Daher beschränkt sich der Verfasser auf die generelle Struktur des Sports in der DDR. Die Wahl des Arbeitsthemas basiert auf regem Interesse, die komplexe Struktur des DDR-Sports zu analysieren. In diesem Zusammenhang wird auf die Betitelung „Ehemalige DDR“ verzichtet, da die DDR im behandelten Zeitraum noch bestand.

Zunächst untersucht die Arbeit die staatliche und gesellschaftliche Struktur des Leistungssports. Die führende Rolle der SED ist dabei von hoher Bedeutung. Angefangen bei deren Politbüro durchliefen die Anweisungen für den DDR-Sport ein strenges Leitungssystem.

Im dritten Kapitel soll der besondere Stellenwert des Sports im System der DDR herausgearbeitet werden. In erster Linie wird darauf Bezug genommen, welche gesellschaftliche Funktion und besonderen Merkmale die Körpererziehung hatte. Daran anknüpfend soll das Mittel der politischen Instrumentalisierung des Sports dargelegt werden.

Als nächster Schritt erfolgt die Untersuchung der staatlich gesteuerten Förderungsmaßnahmen. Angefangen von der einheitlichen Sichtung und Auswahl (ESA) bis hin zu den drei Förderstufen - Trainingszentren (TZ), Kinder- und Jugendsportschulen (KJS) und Sportclubs (SC). Eine Betrachtung der Spartakiadebewegung ist in den Themenbereich integriert.

Im fünften Kapitel wird die Ideologie, die der Staat bei der Jugendförderung verfolgte, näher beleuchtet. Besonders herausgestellt werden, soll die Integration und Verwirklichung der Erziehungs- und Bildungsziele im Schulsportunterricht werden. Außerdem wird anschließend die Funktion des Sportabzeichens näher beleuchtet.

Abschließend erfolgt eine Wertung der Nachwuchsförderung und deren Effektivität für das Sportsystem der DDR.

2 Staatliche und gesellschaftliche Organisationen des Leistungs-sports

Die Struktur des Leistungssystems des Sports in der DDR war offiziell nach dem Prinzip des „demokratischen Zentralismus“ gegliedert. Das Politbüro der SED hatte dabei die Macht, als höchste Instanz im Sport die Leistungsvorgaben durchzusetzen.1 Um die Realisierung des Gesamtziels, die Errichtung eines leistungsstarken Sportsystems, umzusetzen, war eine vielschichtige Zusammenarbeit von staatlichen und gesellschaftlichen Organisationen erforderlich.2

Im folgenden Abschnitt sind besonders die Gremien von großem Interesse, die den Leistungssport entscheidend geprägt haben. Die Abteilung Sport des Zentralkomitees (ZK) der SED und auch das Nationale Olympische Komitee (NOK) hatten keine unmittelbare Verantwortung für den Leistungssport. Staats- und Ministerrat der DDR hatten zwar eine ausführende Funktion, jedoch wurden sie in die Entscheidungsprozesse nur bedingt eingebunden. Die wichtigsten staatlichen Organisationen waren das Staatsekretariat für Körperkultur und Sport und die Leistungssportkommission (LSK).3

Der Verfasser betrachtet es als äußerst wichtig, die Bedeutung des Sports für die SED zu thematisieren, bevor er auf die gewichtige Funktion des Staatssekretariats und des LSK eingeht. Abschließend wird der Deutsche Turn- und Sportbund (DTSB) als gesellschaftliche Organisation dargelegt.

2.1 Bedeutung des Sports für die SED

Die Parteiführung ließ der Körperkultur in der DDR eine immer größer werdende Bedeutung zukommen, was sich spätestens mit der neuen Verfassung der DDR von 1968 deutlich widerspiegelte, in der der Sport erstmals in einer deutschen Verfassung als fester Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens festgelegt wurde.4 Außerdem wurde bereits 1949 vom stellvertretenden Ministerpräsidenten Walter Ulbricht ein ausführliches Programm der Regierung zur Förderung des Sports - mit den Schwerpunkten der finanziellen Unterstützung und dem Sportunterricht an den Schulen - dargelegt.5 Zusätzlich wurde Kontakt zu sowjetischen Sportwissenschaftlern, Trainern und Athleten aufgenommen, was auch die Entwicklung des DDR-Leistungssports beachtlich prägte.

In den fünfziger und sechziger Jahren, als die DDR und die BRD noch mit einer gesamtdeutschen Mannschaft bei Olympia starteten, war das Ziel, die westdeutschen Sportler in internationalen Wettkämpfen zu übertreffen, um somit den weiteren Alleinvertretungsanspruch der Bundesrepublik zu verhindern. 1968 starteten die Sportler der DDR dann erstmals mit einer eigenen Mannschaft bei den Olympischen Winterspielen in Grenoble und den Sommerspielen in Mexiko-City. Die ersten staatlichen Vorgaben erreichte man dann bereits vier Jahre später mit dem zweiten (Winterspiele) und dem dritten (Sommerspiele) Rang in der Nationenwertung.6

„Die Zielsetzung für die Olympischen Spiele 1972 in München besteht darin, in der Nationenwertung […] den Platz von 1968 zu bestätigen und eine Platzierung vor Westdeutschland zu erreichen. (zitiert nach: Beschluß des Präsidiums des DTSB vom 22.04.1969 in Frost, Heise, Liebold u.a. (HG), 1991, S.170)“7

Mit der erreichten Platzierung wurde also der Zielsetzung entsprochen, was auch ein wichtiges Kriterium für die weitere staatliche Förderung der olympischen Sportarten war. Dadurch konnte der sportliche Erfolg der DDR bei internationalen Wettkämpfen gewahrt und sogar noch verbessert werden. Reichelt beschreibt die, nach dem Erfolg in München, wichtigsten drei Aspekte für die weitere Bedeutung des DDR-Leistungssports:

„Der Leistungssport der DDR sollte neben der Repräsentation des Landes nun verstärkt die Überlegenheit des sozialistischen Entwicklungsweges unter Beweis stellen.

Die DDR betrachtete den Leistungssport als einen bedeutenden Faktor in der weltweiten Auseinandersetzung zwischen Kapitalismus und Sozialismus.

Die Bundesrepublik Deutschland war nur noch ein formaler Hauptgegner unter anderen im Leistungssport der DDR.“8

Die Leistungssportbeschlüsse, die in der endgültigen Form immer vom Politbüro der SED beschlossen wurden, sollten als Grundlage dienen, um planvolles und organisiertes Handeln im Bereich Leistungssport zu garantieren. Wichtige Inhalte dieser Leistungssportbeschlüsse waren „wissenschaftlich begründete Perspektiven, Realisierungskonzepte, Zuweisungen an die ausführenden Organe und Finanzierungsmöglichkeiten“ Leistungssportbeschluss wurde 1961 für gültig erklärt.

Die direkten und indirekten Leitungstechniken, die innerhalb der Partei Bestand hatten, fanden auch im Sport ihre Anwendung. Dabei war der Hauptkonsens, dass die Beschlüsse der Parteiorgane Weisungscharakter hatten. Außerdem waren die Parteimitglieder verpflichtet, in allen staatlichen und gesellschaftlichen Institutionen die Beschlüsse durchzusetzen. Zudem durften wichtige Ämter nur auf Anweisung übergeordneter Instanzen besetzt werden.10

Die Aufgabe dieser Leistungssportbeschlüsse war es, die Ergebnisse der DDR-Auswahl bei Olympischen Spielen zu analysieren und die Ausarbeitung von Perspektivplänen durchzuführen, damit man mit dem bestehenden Leistungssystem die Athleten noch besser auf die folgenden Spiele vorbereiten konnte. Deshalb erfolgte die Verabschiedung solcher Beschlüsse im Olympiazyklus von vier Jahren. Die Ausarbeitung erfolgte von zirka 20 bis 30 Mitarbeitern des DTSB unter Zuhilfenahme von ausgewählten Sportwissenschaftlern der Deutschen Hochschule für Körperkultur Leipzig (DHfK) und eines Mitarbeiters der Abteilung Sport des ZK der SED. Der Entwurf war bereits sechs bis acht Wochen nach den Olympischen Spielen fertig. Die endgültige Fassung entwickelten dann Mitarbeiter der ausführenden Organe wie dem Staatssekretariat oder dem Ministerium für Volksbildung.11

Um die Ergebnisse der Leistungssportbeschlüsse publik zu machen, wurden Leistungssport- Konferenzen abgehalten, an denen 2500 Trainer und zirka 500 Leiter von verantwortlichen Organisationen teilnahmen.12 Danach wurden der Leistungssportbeschluss in der Abteilung Sport des ZK der SED mit Mitarbeitern der entsprechenden Abteilungen der Bezirksleitung der SED diskutiert und mit Zustimmung der Kreisleitungen Maßnahmen zur Unterstützung des DTSB festgelegt.13

2.1.1 Die führende Rolle der Partei

Anfangs war die Ausgangssituation für den Leistungssport der noch jungen DDR denkbar schlecht. Die SED löste die traditionellen Organisationsformen des deutschen Sports auf, indem sie die Nichtwiederzulassung des freien Vereinssports veranlasste. Dennoch war die Führung der SED bestrebt, den Leistungssport zu fördern. Daraufhin wurde auf der 5. Tagung des ZK der SED 1951 unter anderem beschlossen, dass die Gewinnung werktätiger Menschen für den Sport und das Aufstellen neuer deutscher Rekorde der Athleten oberste Prämisse waren.14 Dennoch gab es trotz dieser Beschlüsse zunächst Schwierigkeiten bei der Umsetzung. Ein Großteil der ökonomisch denkenden Betriebe strich seinen Arbeitern einfach den Lohn, falls sie während der Arbeitszeit am Trainingsbetrieb teilnahmen. Da weder die Betriebssportgemeinschaften (BSG) noch die Kreisleitung der SED dagegen vorgingen, machte das Politbüro den Betrieben deutlich, dass zu deren Aufgaben auch die Finanzierung des Leistungssports gehörte.15 Nach den schlechten Ergebnissen bei den Weltfestspielen 1951 sah sich das Sekretariat des ZK der SED gezwungen, direkt in die Aufgaben des Deutschen Sportausschusses einzugreifen und den Betrieben vorzugeben, dass landesweit 1500 Förderplätze für Spitzensportler zur Verfügung gestellt werden sollten.16

Das System der Kontrolle und Anleitung war sehr engmaschig. Nahezu alle Organisationsentscheidungen im Sport wurden vom Politbüro der SED getroffen. Jedoch wurden die meisten Beschlüsse vom Sport selbst vorbereitet.17 Auch über die Vorbereitung und den Verlauf von olympischen Spielen ließ sich das Politbüro ständig informieren.

Personalentscheidungen waren auch dem Politbüro unterstellt. Der Staatssekretär des Staatssekretariats für Körperkultur und Sport (StKS), die Präsidenten des DTSB und des NOK wurden durch das Politbüro bestätigt, genauso der Rektor der DHfK und der Präsident zur Förderung der Gesellschaft des Olympischen Gedankens. Trotz dieser personellen Absicherung, die eine parteiliche Behandlung aller Sportfragen gewährleistet, wurden im Politbüro und im Sekretariat des ZK auch in der Folge zahlreiche Fragen des Leistungssports behandelt. Die letzte Zusammenstellung des Politbüros belegt, dass sämtliche Führungspositionen im Sport direkt der Parteiführung unterstanden.18 Der DTSB setzte außerdem alles daran, so viele aktive Sportler wie möglich als Parteimitglieder zu gewinnen. Bei den Olympischen Spielen in Seoul 1988 waren 72% der Athleten der DDR SED- Mitglieder.19

2.2 Das Staatsekretariat für Körperkultur und Sport

Im Zuge des III. Parteitags der SED 1950 wurde die Grundlage zu einer eigenen Struktur des DDR-Sports gelegt, indem die Investition von 400 Millionen Mark für den Bau von Sportstätten und ähnlichen Einrichtungen beschlossen wurde.20 Um den „planmäßigen Aufbau des Sozialismus in der DDR im sportlichen Bereich“21 umzusetzen, wurde am 24.07.1952 zunächst das Staatliche Komitee für Körperkultur und Sport mit seinem Vorsitzenden Manfred Ewald gegründet.22 Eine der ersten Amtshandlungen Ewalds war es, die Sportarten jeweiligen BSG zuzuordnen, um so eine intensivere Personalpolitik - und damit auch bessere Förderung des Leistungssports - betreiben zu können.

„[…] b) In allen größeren volkseigenen Betrieben sollen von der jeweiligen Industriegewerkschaft hauptamtliche Sportinstrukteure angestellt werden, die die Aufgaben haben, den Sport in den jeweiligen Betrieb zu organisieren. Die Zahl der in den Betrieben angestellten Sportinstrukteure ist von der Größe des Betriebs sowie der Zahl der Belegschaftsmitglieder abhängig. […] (zitiert aus dem Dokument: Das Staatliche Komitee für Körperkultur und Sport übernimmt die wesentlichen Funktionen des Sportausschusses)“23

Die Zusammensetzung der Leitung des Staatlichen Komitees für Körperkultur und Sport bestand aus Vertretern des Freien Deutschen Gewerkschaftsbunds (FDGB), der Freien Deutschen Jugend (FDJ), dem Ministerium für Volksbildung und des Ministerium des Innern (MdI) sowie der Gesellschaft für Sport und Technik (GST).24 Die Vertreter dieser Instanzen waren dem Komitee in Form eines Rates angegliedert. Die weitläufige Zuständigkeit klärt nicht nur die gesellschaftspolitische Geltung, sondern auch die angestrebte Kontrolle des Leistungssportsystems mit steuerbaren Organen.

Bis zur Gründung des Deutschen Turn- und Sportbundes 1957 hatte das Komitee eine Monopolstellung in nahezu allen sportlichen Belangen. Nach der Gründung des DTSB wurden vom Ministerrat am 06.06.1957 die Verordnungen über die „Staatlichen Komitees für Körperkultur und Sport“ aufgehoben.25 Die Kompetenzen bei regionalen Fragen lagen nun bei den neu gegründeten Bezirks- und Kreisvorständen des DTSB. Bei zu fällenden Entscheidungen musste sich der Vorsitzende des Komitees lediglich vor dem Ministerrat verantworten. Dem Sekretariat des Komitees sollten neben Ewald noch vier stellvertretende Vorsitzende angehören. Durch diese Entscheidungsgewalt, die faktisch nur beim Vorsitzenden lag, war das Komitee durch personelle Erneuerungen leicht und schnell manipulierbar.26 Bis zur Umbildung des Staatlichen Komitees in das Staatsekretariat 1970 gab es keine erheblichen Veränderungen in der Führungsstruktur.

Am 17.06.1970 wurde die Nachfolgeorganisation des Staatlichen Komitees, das Staatssekretariat für Körperkultur und Sport (StKS), gegründet. Damit wurde das Machtverhältnis zu Gunsten des DTSB gerückt, da dem StKS eher die Koordinationsaufgabe im sportlichen Sektor zuteilwurde. Die Verantwortlichkeit des StKS wurde von Beginn an auf „staatliche Belange“ ausgerichtet27:

„Das Staatssekretariat für Körperkultur und Sport […] ist ein Organ des Ministerrates. Es ist für die Planung und Leitung staatlicher Aufgaben auf dem Gebiet von Körperkultur und des Sports und für die Wahrnehmung der staatlichen Belange im System von Körperkultur und Sport verantwortlich. (zitiert nach: „Verordnung über das Statut des Staatssekretariats für Körperkultur und Sport“, § 1. In: Gesetzblatt der Deutschen Demokratischen Republik, Teil II, Nr. 57 vom 08.07.1970.)28

Einen wesentlichen Aufgabenbereich, den das Staatssekretariat für Körperkultur und Sport weiter behielt, war die Planung, Anleitung und Kontrolle der Sportwissenschaften. Im dafür gegründeten Wissenschaftlichen Rat des Staatssekretariats wurden weitere separate Abteilungen gebildet, um die sportwissenschaftliche Arbeit noch effektiver und praxisnäher zu gestalten. Es entstanden Fachgebiete wie Sportmedizin, Forschung oder Aus- und Weiterbildung. Ausgestattet mit neuesten sportwissenschaftlichen Erkenntnissen konnte das StKS somit den DTSB optimal bei der Planung und Koordination aller wissenschaftlichen Fragen unterstützen.29

Mit der Bildung der LSK wurde der Einfluss des Wissenschaftlichen Rates erheblich verringert. Da die Abteilung Sport des ZK der SED den Leistungssport und die damit verbundene wissenschaftliche Arbeit in diesem Bereich auf ein höheres Niveau bringen wollte, übernahm die LSK die Aufgaben der Sektion Leistungssport des Wissenschaftlichen Rates.30 Dem StKS blieb jedoch der Bereich des Breiten- und Erholungssports. Im Fünfjahresplan von 1980 bis 1985 erarbeitete der Wissenschaftliche Rat eine Grundorientierung, der die Forschungspläne der sportwissenschaftlichen Institute aufeinander abstimmen sollte.31

2.3 Die Zentrale Leistungssportkommission (LSK)

Mit der Umstrukturierung im Leistungssport 1967 veränderte sich damit verbunden auch das Machtgefüge der vorhandenen Leitungsstruktur im DDR-Sportsystem. Sie wurde von Manfred Ewald beantragt und genauso genehmigt, wie sie eingereicht worden war.32 Zuvor bestand bereits eine Leistungssportkommission aus dem Jahr 1962. Diese hatte die Aufgabe, „die Zusammenarbeit zwischen Trainern, Sportwissenschaftlern und Sportärzten zu koordinieren und die Wissenschaft in den Trainingsbetrieb einzugliedern“33. Die LSK sollte als Einrichtung der SED und Zentrum der sportpolitischen Entscheidung als „Politbüro des Sports“ dienen. Damit wurde die Macht von Manfred Ewald, der zeitgleich auch Präsident des DTSB und Mitglied des Zentralkomitees der SED war, weiter gestärkt.

Mit der Gründung der Zentralen Leistungssportkommission 1967 wurde das Aufgabenfeld noch erweitert:

„1. […] Um die straffe und komplexe Leitung des Leistungssports in der DDR in den Fragen der Prognostik, der Perspektivplanung der wissenschaftlichen Forschung und Anwendung der wissenschaftlichen Erkenntnisse in der Praxis der Ausbildung der Leistungssportler und des Nachwuchses […] zu gewährleisten, besteht die ‚Leistungssportkommission der DDR‘. (Aus dem Dokument: Arbeitsrichtlinien für die Leistungssportkommission)34

Um diese Richtlinien zu realisieren, arbeitete die LSK eng „mit Leitinstituten der Leistungssportforschung wie der Forschungsstelle und dem Institut für Sportmedizin der DHfK sowie mit den Sportverbänden zusammen“35. Um zu verdeutlichen, welchen Einfluss die LSK nicht nur auf den Bereich Leistungssport, sondern auch in weiteren Zweigen der staatlichen Organisation hatte, muss der personelle Rahmen der Kommission dargelegt werden:

[...]

1 Vgl. Abb. 1 und 2

2 Vgl. Reichelt, F (2006). Das System des Leistungssports in der DDR. Potsdam. Tectum-Verlag. S. 16

3 Vgl. (Reichelt, 2006) S. 17

4 Vgl. Holzweißig, G. (1988). Sport und Politik in der DDR. Berlin: Verlag Gebrüder Holzapfel. S. 45 f.

5 Vgl. (Reichelt, 2006) S. 20

6 Vgl. (Reichelt, 2006) S. 21

7 (Reichelt, 2006) S. 21

8 (Reichelt, 2006) S. 22

9 Vgl. (Reichelt, 2006) S. 23 Der erste

10 Vgl. Ihmels, K. (1965). Sport und Spaltung in der Politik der SED. Köln. Verlag Wissenschaft und Politik. S.21 f.

11 Vgl. (Reichelt, 2006) S. 24f.

12 Vgl. (Reichelt, 2006) S. 26

13 Vgl. (Reichelt, 2006) S. 27

14 Vgl. Teichelt, H.-J., Reinartz, K. (1999). Das Leistungssportsystem der DDR in den 80er Jahren und im Prozeß der Wende. Schorndorf. Verlag Karl Hofmann. S. 20 f.

15 Vgl. (Teichler & Reinartz, 1999) S. 21

16 Vgl. (Teichler & Reinartz, 1999) S. 21

17 Vgl. (Teichler & Reinartz, 1999) S. 25

18 Vgl. (Teichler & Reinartz, 1999) S. 26 ff.

19 Vgl. (Teichler & Reinartz, 1999) S. 35

20 Vgl. (Reichelt, 2006) S. 27

21 (Reichelt, 2006)S. 27

22 Vgl. (Reichelt, 2006) S. 27 f.

23 Spitzer, G. Et. al. (1998). Schlüsseldokumente zum DDR-Sport. Aachen. Meyer & Meyer Verlag. S. 38 f.

24 Vgl. Herbst, A., Ranke, W., & Winkler, J. (1994). So funktionierte die DDR - Band 2. Reinbek: Rowohlt Taschenbuch Verlag. S. 1005

25 Vgl. (Herbst, Ranke, & Winkler, 1994) S. 1005

26 Vgl. (Reichelt, 2006) S. 31

27 Vgl. Teichelt, H.-J., Reinartz, K. (1999). Das Leistungssportsystem der DDR in den 80er Jahren und im Prozeß der Wende. Schorndorf. Verlag Karl Hofmann. S. 315

28 (Teichler & Reinartz, 1999) S. 316

29 Vgl. (Reichelt, 2006) S. 35

30 Vgl. (Reichelt, 2006) S. 36

31 Vgl. (Reichelt, 2006) S. 36

32 Vgl. (Spitzer, Teichler, & Reinartz, 1998) S. 134

33 (Reichelt, 2006) S. 38

34 (Spitzer, Teichler, & Reinartz, 1998) S. 140

35 (Reichelt, 2006) S. 39

Details

Seiten
42
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656763987
ISBN (Buch)
9783656763970
Dateigröße
2.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v278569
Institution / Hochschule
Universität Erfurt
Note
1,7
Schlagworte
förderung nachwuchsleistungssport system

Autor

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Titel: Die Förderung des Nachwuchsleistungssports im System der DDR