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Welche Rolle spielten die nazifreundlichen Tendenzen in der arabischen Welt im Denken der Nazis?

Hausarbeit 2013 11 Seiten

Orientalistik / Sinologie - Arabistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung:

2. Die Araber in Hitlers Rassensystem:

3. Die Haltung des NS-Regimes zur arabischen Welt bis 1939:

4. Die Rolle des Nahen Ostens in den Kriegsplänen der Nazis:

5. Fazit:

6. Bibliographie:

Einleitung

Über die Sympathie und auch Kollaboration vieler Araber mit den Achsenmächten ist bereits viel geschrieben worden. Darüber haben sich auch sehr heftig geführte Debatten entwickelt. Autoren wie Matthias Küntzel[1] sowie Klaus-Michael Mallmann und Martin Cüppers[2] betonen in ihren Werken die Rolle des Antisemitismus dabei, der in dieser Zeit seinen Anfang genommen habe und auch heute noch eine wesentliche Rolle v.a. im Islamismus spiele. Andere Autoren wie René Wildangel weisen derartige Theorien scharf u.a. als unwissenschaftlich zurück, wobei insbesondere der Mangel an originalsprachigen Quellen bemängelt wird[3]. Welche Pläne die Nazis im Nahen Osten hatten und ob die zahlreichen, mit dem NS sympathisierenden arabischen Nationalisten im Zweifels Falle wirklich gut daran getan hätten, zur Erreichung ihrer Ziele ausgerechnet auf die Nazis mit ihrer extrem rassistischen Ideologie zu setzen, ist hingegen eine Frage, die in der Forschungsliteratur anscheinend kaum behandelt wurde. Dieser Frage soll sich diese Arbeit widmen. Dabei soll zunächst ein Überblick über die Rolle der Araber in der NS-Ideologie gegeben werden, wobei hier besonders mit einer frühen Rede Hitlers sowie seinem bekanntesten Werk Mein Kampf als Quellen gearbeitet werden soll. Anschließend soll die NS-Außenpolitik bezüglich der arabischen Welt und die Rolle der Araber im Denken der Nazis erläutert werden. Dasselbe soll anschließend bezüglich des Zweiten Weltkrieges getan werden, um dann anschließend zum Fazit zu gelangen.

Die Araber in Hitlers Rassensystem

Zunächst muss zur Beantwortung der Ausgangsfrage geklärt werden, wie der NS die Araber in ihrer rassistischen Ideologie einordnete. Hitler selbst äußerte sich nur wenig über sie. Den Begriff „Araber“ scheint er in seinen Reden und Schriften vor der Machtergreifung nicht benutzt zu haben. Auf jeden Fall kann festgehalten werden, dass Hitler allein die arische Rasse als „Kulturgründer“ einschätzte, was bedeutet, dass nur sie in der Lage wäre, Staaten zu gründen und Kultur zu produzieren. Daneben gäbe es noch „Kulturträger“, Rassen wie die Japaner, die immerhin dazu in der Lage wären, einmal errichtete Staaten zu erhalten. Zu guter Letzt gäbe es da aber noch „Kulturzerstörer“, wobei dazu natürlich in erster Linie die Juden zu nennen sind, bei denen es sich um eine ausschließlich parasitär wirkende Rasse handeln würde.[4]

Generell wird aber aus der Lektüre von „Mein Kampf“ deutlich, dass jegliche Art von Zivilisation nur mithilfe der arischen Rasse möglich wäre. Wo diese fehle bzw. sich mit den von ihr unterworfenen Rassen vermische, wäre keinerlei zivilisatorischer Fortschritt mehr möglich.[5] Nun stellt sich die Frage, in welche Kategorie Hitler die Araber einordnete: als „Kulturgründer“, als „Kulturträger“ oder aufgrund der Verwandtschaft des Arabischen mit dem Hebräischen doch eher als „Kulturzerstörer“. Hitler selbst scheint sich dazu nie direkt geäußert zu haben. Einer Stelle von „Mein Kampf“ kann man jedoch entnehmen, dass er ihren „rassischen“ Wert nicht allzu hoch einschätzte. In dieser Stelle äußert er sich über den Wert Großbritanniens (das in „Mein Kampf“ immer nur „England“ genannt wird) als potentiellen Bündnispartner Deutschlands und damit verbunden über den Wert der britischen Rasse. Großbritannien sei demnach entschlossen, seine Kolonien, wobei hier als Beispiele Indien und Ägypten genannt werden, mit allen Mitteln zu halten und nur Vermischung mit den unterworfenen Rassen oder ein starker äußerer Feind könne die Briten daran hindern, wobei Hitler beide Möglichkeiten als sehr unwahrscheinlich ansieht. Über die Möglichkeit eines Aufstandes in Ägypten heißt es: „Genauso kümmerlich sind die Hoffnungen auf den sagenhaften Aufstand in Ägypten. Der ‚Heilige Krieg‘ kann unseren deutschen Schafkopfspielern das angenehme Gruseln beibringen, dass jetzt andere für uns zu verbluten bereit sind (…) in der Wirklichkeit würde er unter dem Strichfeuer englischer Maschinengewehrkompanien und dem Hagenl (sic) von Brisanzbomben ein höllisches Ende nehmen. Es ist eben eine Unmöglichkeit, einen machtvollen Staat, der entschlossen ist, für seine Existenz, wenn nötig, den letzten Blutstropfen einzusetzen, durch eine Koalition von Krüppeln zu berennen. Als völkischer Mann, der den Wert des Menschentums nach rassischen Grundlagen abschätzt, darf ich schon aus der Erkenntnis der rassischen Minderwertigkeit dieser sogenannten ‚unterdrückten Nationen‘ nicht das Schicksal des eigenen Volkes mit dem ihren verketten[6].“ Die Ägypter, und damit, jedenfalls wenn Hitler ein gewisses geographisches Grundwissen hatte, wovon auszugehen ist, auch die restlichen Araber, wären somit bestenfalls ein Volk in der Kategorie der „Kulturträger“ und definitiv nicht in der Lage, es mit arischen Rassen wie den Briten aufzunehmen. In einer Rede vom 13. August 1920 unter der Überschrift „Warum wir Antisemiten sind“ benutzt Hitler auch den Begriff der „Faulen Südländer“, um die Rassen zu beschreiben, die nicht, wie die arische, von der Kälte des Nordens geformt worden seien und damit nicht in der Lage wären, eigenständig eine Zivilisation zu errichten. Damit meinte er in erster Linie dunkelhäutige Menschen, die sich demnach jedoch teilweise auch mit den eindringenden Ariern vermischt haben, ohne damit jedoch die Fähigkeit zur Staaten- und Kulturbildung zu gewinnen.[7] Damit wären sie als minderwertige Rasse dazu ausersehen, den Ariern bei der Errichtung ihrer Kultur als Sklaven zu dienen. In Mein Kampf ist zu lesen, dass der Arier noch vor der Domestizierung von Hilfstieren wie z.B. Pferden Sklaven aus den unterworfenen minderwertigen Rassen beschäftigt haben, deren einziger Wert demnach darin bestanden hätte, den Ariern bei der Errichtung ihrer Kultur als unverzichtbare Hilfe zu dienen, wobei minderwertige Rassen angesichts des technischen Fortschrittes offensichtlich nicht mehr notwendig zu sein scheinen (dies sei jedenfalls bei domestizierten Pferden der Fall).[8] Dies würde jedenfalls die während des Zweiten Weltkrieges entwickelten Pläne der Nazis erklären, einen Großteil der slawischen und damit rassisch minderwertigen Bevölkerung hinter den Ural zu deportieren und teilweise sogar zu vernichten[9]. Ähnlich dachte Hitler wohl auch über die Araber, wie ein Zitat seiner vom August 1939 belegt: „Wir werden weiterhin die Unruhe in Fernost und in Arabien schüren. Denken wir als Herren und sehen in diesen Völkern bestenfalls lackierte Halbaffen, die die Knute spüren wollen[10].“ Was Hitler unter dem Schüren von Unruhen verstand, werden wir weiter unten sehen.

Die Haltung des NS-Regimes bis 1939

Die Außenpolitik des NS-Regimes bezüglich dieser Region bestand zusammengefasst darin, möglichst keinen Konflikt mit irgendeinem der für diese Region relevanten Mächte zu suchen. Dies galt natürlich besonders für Großbritannien und Italien, die Hitler für ein zukünftiges Bündnis gewinnen besonders gegen Frankreich gewinnen wollte[11], wobei man auch Frankreich selbst vorläufig nicht provozieren wollte. Aber auch mit den bereits unabhängigen Ländern wie Ägypten oder dem Irak war man auf gute Beziehungen bedacht, allein, weil diese Länder als Handelspartner für das aufgrund seiner Judenverfolgung international vielfach boykottierte Deutschland unverzichtbar waren. Diesbezüglich ergaben sich aber Probleme, als der rassistische Charakter des NS-Regimes gerade nach der Verabschiedung der Nürnberger Rassegesetze immer offensichtlicher wurde. Nachdem ein Junge Namens Johannes Ruppert wegen dieser Gesetze aufgrund der türkischen Herkunft seines Vaters von der Hitlerjugend ausgeschlossen worden war, führte dies, (der Vater war ein türkischer Offizier) nicht nur zu diplomatischen Verstimmungen mit der Türkei, u.a. auch in Ägypten spekulierten Medien darüber, ob auch Araber von den Nazis als niedere Rasse gesehen werden. Ägyptische, iranische und irakische Diplomaten trafen sich in dieser Angelegenheit mit deutschen Amtskollegen. Aufgrund der bereits erwähnten wichtigen wirtschaftlichen Bedeutung dieser Länder für das NS-Regime konnte man es sich nicht leisten, diese Länder zu verprellen.

[...]


[1] S. Küntzel Djihad und Judenhass.

[2] Mallmann/Cüppers.

[3] Wildangel 34-46.

[4] Hitler Mein Kampf 318-19.

[5] Ebd. u.a. 318-20.

[6] Ebd. 747.

[7] Hitler Warum wir Antisemiten sind 402 u. Mein Kampf 320.

[8] Hitler Mein Kampf 322-23.

[9] Giordano 168-178.

[10] Wildangel 94.

[11] Hitler Mein Kampf 755.

Details

Seiten
11
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656715658
ISBN (Buch)
9783656715696
Dateigröße
450 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v278659
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – Orientalisches Institut
Note
1,0
Schlagworte
NS-Regime Propaganda arabische Welt Antisemitismus NS-Ideologie

Autor

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