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Außenwirtschaftstheorie und -politik. Förderung des Binnenkonsum in Überschussländern wie China zur Senkung der globalen Handelsgleichgewichte

Hausarbeit 2013 26 Seiten

VWL - Internationale Wirtschaftsbeziehungen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Zusammenfassung

Einleitung

1 Überschussländer, Defizitländer und Handelsungleichgewichte

2 These

3 Motive an Überschüssen
3.1 Keine Angst vor Rückführung von Überschüssen
3.2 Weitere mögliche Vorteile für das Exportland den Überschuss zurückzufahren
3.3 Mögliche Gefahren beim Übergang vom Überschussland zum Defizitland

4 Handelsungleichgewichte ausgleichen durch Binnenförderung
4.1 Handelsungleichgewichte ausgleichen durch Abwertung
4.2 Handelsungleichgewichte ausgleichen durch Aufwertung

5 Außenwirtschaftliche Ungleichgewichte als Ursache von Finanzkrisen

6 Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1.1 Leistungsbilanzen in Milliarden US-Dollar

Abb. 2.1 Metapher zur Fragenbildung/These

Abb. 3.1 Einkommensentwicklung Deutschland

Abb. 3.2 Reallohnentwicklung Deutschland im Vergleich zu anderen OECD-Ländern

Abb. 3.3 Staatsverschuldung USA in US-Dollar

Abb. 4.1 Europäische Leistungsbilanzsalden in Prozent des BIP

Abb. 4.2 US-Währung „Dollar“ und chinesische Währung „Yuan“

Zusammenfassung

Das Ziel der Arbeit ist die Behauptung der renommierten Ökonomen zu belegen oder eben zu wiederlegen. Wobei eine konkrete These aufgestellt wird, das sich Exportüberschüsse – entgegen der allgemeinen Lehrmeinung – nicht zwingend als Vorteil erweisen müssen, so das selbst ein Überschussland mittel- bis langfristig ein eigenes Interesse daran haben sollte außenwirtschaftliche Ungleichgewichte zu senken.

Dabei wird im Rahmen der Analyse festgestellt das Überschussländer nicht nur durch eigene entsprechende Maßnahmen zur Angleichung der Handelsgleichgewichte profitieren können, sondern gar darüber hinaus eine außergewöhnliche Qualität der Wohlstandsbildung ermöglicht wird.

Bevor auf konkrete Maßnahmemöglichkeiten eingegangen wird globale Handelsungleichgewichte zu senken, soll als eine Art Mahnmal die USA gelten, welche vom einstigen Überschussland zum größten Defizitland der Welt aufgestiegen sind. Dies soll vorab klar verdeutlichen wie wichtig es ist wohlüberlegt eine entsprechende Qualität bei den Mitteln zur Senkung der Handelsungleichgewichte an den Tag zu legen.

Die anschließenden möglichen Maßnahmen werden u.a. an konkreten Beispielen erläutert und teilweise auch kritisch betrachtet.

Am Ende wird erläutert warum globale Handelsungleichgewichte sogar als Auslöser von Finanzkrisen gelten können, womit eindringlich untermauert wird das dieses Thema unweigerlich von allen Staaten ernst genommen werden sollte.

Die Eingangsthese wird letztendlich eindeutig bestätigt: Globale Handelsungleichgewichte zu senken sollte im Interesse aller Länder liegen.

Einleitung

Globale Handelsungleichgewichte stehen immer wieder im Fokus der Öffentlichkeit und beinhalten nicht zuletzt ein nicht zu unterschätzendes Konfliktpotential zwischen den einzelnen Ländern.

Fragen welche sich zu der Behauptung von renommierten Ökonomen ergeben „dass Überschussländer wie China ihren Binnenkonsum fördern müssen , damit die globalen Handelsungleichgewichte sinken .“ sollen im Zuge der Hausarbeit geklärt werden.

Eine der wichtigsten Fragen die dabei beantwortet werden sollen lautet:

Hätten Überschussländer überhaupt ein eigenes Interesse daran ihren Binnenkonsum, zum Wohle der globalen Handelsungleichgewichte, zu steigern? Oder lege hier nicht ein eindeutiger Interessenkonflikt vor, da die Überschussländer so nationale Bedürfnisse wie Wohlstand und Arbeitsplatzsicherheit gefährden würden? So dass letztendlich angebliche Bemühungen in diese Richtung – von den Überschussländern - bestenfalls nicht mehr als Absichtserklärungen darstellen können?

Denn andernfalls wird der Appell der Defizitländer an die Überschussländer wohl nie in die Tat umgesetzt, geschweige ernsthaft angegangen werden, da schlicht kein Interesse vorhanden ist.

Nachdem diese Frage beantwortet wurde, wird darauf eingegangen wie außenwirtschaftliche Handelsungleichgewichte abgebaut werden können. Wobei auch konkrete Beispiele dazu genannt werden.

Bevor eine genauere Analyse zum Thema mit den daraus verbundenen aufkommenden Fragen erfolgt werden allerdings zuerst einmal im Kapitel 1 dargelegt wer die größten Überschussländer sind und vorrangehend dazu was ein Überschussland überhaupt auszeichnet. Hierbei wird auch gleichzeitig festgelegt welche Länder im Zuge der Arbeit angegangen werden. Zudem wird auf den Begriff des Handelsungleichgewichts eingegangen. So das beim späteren lesen des Textes eventuelle Missverständnisse vorgebeugt und/oder die Zusammenhänge einfacher verständlich werden.

Das erste Kapitel dient somit als eine Art weiterführende Einleitung, die sich aus ersten Ergebnissen/Untersuchungen ableitet.

1 Überschussländer, Defizitländer und Handelsungleichgewichte

Überschussländer zeichnen sich dadurch aus, dass diese über einen längeren Zeitraum – in der Regel im Verlauf eines Jahres – mehr Warenwert exportieren als sie gleichzeitig durch Importe einführen. Der Großumsatz der inländischen Unternehmen dieser Länder findet also nicht auf dem eigenen Territorium statt, sondern auf internationalem Boden.

Das Gegenteil dessen wäre ein so genanntes Defizitland. In diesem Fall wird also in einer Nation mehr Warenwert importiert als exportiert.

Als das größte Defizitland der Welt gilt die USA. Als das größte Überschussland der Welt gilt hingegen China. (vgl. Prof. Dr. Jan Priewe, 2012a, S. 8-10 und DIW, 2010, S.3)

Dies wird im Übrigen auch der Hauptgrund sein warum in dieser Arbeit generell vor allem die USA und China in der Beobachtung stehen. Diese stellen als größtes Defizitland und größtes Überschussland ein geeignetes Untersuchungsbeispiel dar. Gleichzeitig wird aber auch u.a. Deutschland als Überschussland mit in der Analyse stehen, da es zu einem relativ gut analysierbar (aufgrund deutscher Literatur/Quellen) ist und gleichzeitig zu einen der 3 größten Überschussländer der Welt gehört.

In der folgenden Grafik erkennt man, dass die USA seit den 80er Jahren nahezu ausschließlich – Ausnahme im Jahre 1991 – im Defizit liegen. Zudem erkennt man die rasante Entwicklung von China zum Überschussland. Parallel dazu wird ersichtlich dass sich die USA und China tendenziell immer weiter – bis zum Jahre 2005 - auseinander bewegten, d.h. das außenwirtschaftliche Handelsungleichgewicht steigt. Wobei die letzten Jahre seit etwa 2006 eine Stagnation und Angleichung erkenntlich wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1.1: Leistungsbilanzen in Milliarden US-Dollar

Quelle: Focus, 2011

Ein globales Handelsungleichgewicht liegt allgemein genau dann vor wenn bestimmte Länder einen unverhältnismäßig hohen Export oder Import führen, im Vergleich zu den Bilanzen anderer Staaten. Hierdurch entstehen langfristig betrachtet letztendlich Verwerfungen.

Wobei Staaten mit einem Überschuss bezüglich der daraus entstehenden direkten Wohlstandsbildung generell profitieren und hingegen Staaten mit einem Defizit generell Nachteile daraus erleiden da sie sich verschulden müssen – Kredite beschaffen müssen – um ihren Forderungen nachkommen zu können. Ob dies allerdings tatsächlich auch langfristig ein Vorteil für ein Überschussland darstellt, wird u.a. später analysiert werden.

Im Idealfall - also wenn es weder einen Überschuss, noch Defizit gibt (was auf den Euro genau, in der Praxis natürlich nie passieren wird) - spricht man von einem außenwirtschaftlichen Gleichgewicht. (vgl. Fabian Simon, o.J.)

2 These

Wenn man das vorige Kapitel liest wird daraus auf den ersten Blick eigentlich verständlich warum ein Defizitland ein hohes Interesse daran hat seine Situation hin zu einem außenwirtschaftlichen Gleichgewicht zu verändern oder aber zumindest daran, sich auf ein gewisses Niveau diesbezüglich einzupendeln. Doch für ein Überschussland hingegen gilt dieses Interesse auf den ersten Blick nicht.

Doch ist es vielleicht denkbar dass zumindest längerfristig betrachtet auch für ein Defizitland ein natürliches und logisches eigenes Interesse daran bestehen könnte, dass die Handelsungleichgewichte angepasst werden?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.1: Metapher zur Fragenbildung/These

Quelle: Brainyard Consulting, o.J.

Entgegen der häufigen klassischen Lehre ist es für ein Überschussland eventuell nur bedingt – längerfristig betrachtet – vom Vorteil, wenn es sukzessive diesen Status des Überschusslandes aufrechterhält. Oder anders ausgedrückt, auch das Land mit der positiven Bilanz sollte früher oder später ein eigenes Interesse daran haben das sich die außenwirtschaftlichen Gleichgewichte annähern. Die These dazu lautet also: Exportüberschüsse als alleiniges langfristiges Mittel für die Wohlstandsbildung eines Landes zu sehen, kann sich mit nachteiligen Spätfolgen (auch) für das Überschussland erweisen. Dementsprechend sollte es auch im eigenen Interesse des Überschusslandes liegen ein außenwirtschaftliches Handelsgleichgewicht herzustellen.

Diese These gilt es in dieser Arbeit im Schwerpunkt zu belegen oder eben zu widerlegen.

3 Motive an Überschüssen

Bevor auf mögliche Motive beim Abbau des außenwirtschaftlichen Gleichgewichts eingegangen wird, soll zuerst an dieser Stelle etwas detaillierter dargelegt werden was Nationen überhaupt antreibt Überschüsse zu generieren.

Allgemein führen Überschüsse dazu das einfach formuliert mehr Geld ins Land fließt als gleichzeitig abfließt. Dieses mehr Geld wird im Idealfall gut im eigenen Land produktiv angelegt, bspw. in Forschung und Entwicklung, in neue Maschinen, in die Infrastruktur usw.. So können u.a. neue Innovationen und Unternehmen entstehen, wodurch wiederum neue Arbeitsplätze entstehen und Wachstum geschaffen wird. Was somit letztendlich im Großen und Ganzen dazu führt das Wohlstand gebildet/gefördert wird.

Das diese Rechnung allerdings in der Praxis nicht zwingend richtig sein muss, sieht man am Beispiel von Deutschland welches trotz steigender Wirtschaftsleistung seit dem Jahre 2000 mit sinkenden Reallöhnen kämpft. So hat der durchschnittliche Arbeitnehmer im Vergleich zum letzten Jahrzehnt real etwa 93 Euro weniger in der Tasche. (vgl. David Böcking, 2011)

Und hierbei ist man mit „nur“ 93 Euro noch sehr optimistisch, denn die offizielle Inflationsberechnung dürfte wohl nur für die wenigsten Bürger in Frage kommen. Sie ist etwas, um es mal dezent zu formulieren, sehr schön gerechnet, was u.a. nicht zuletzt an der hedonischen Preis-Berechnungsmethode und der teils sehr fantasievollen zusammengestellten Warenkörbe liegt. (vgl. Statistisches Bundesamt, o.J.)

Hinweis: „Inflation“ steht eigentlich für die wachsende Geldmenge und ist somit letztendlich nur die Ursache für Preiserhöhungen. Da sich der Begriff Inflation allerdings – selbst in der Betriebswissenschaft - als Preiserhöhung manifestiert hat, gilt Inflation hier gleich synonym der Preiserhöhung von Waren und Dienstleistungen.

Unabhängig der tatsächlichen Inflationszahlen bleibt festzustellen das selbst nach offiziellen Inflationszahlen sich die Reallöhne nach unten entwickelt haben und die Frage sollte demnach mehr als gerechtfertigt und passend darauf sein: Wie ist es also dennoch möglich, dass Wirtschaftswachstum und Produktivität stetig zulegen, die Reallöhne aber dennoch kontinuierlich gesunken sind? Man sieht also schon daran, dass die Behauptung: „Überschüsse gleich Wohlstandsbildung“ so, wenn überhaupt, nur bedingt stimmen kann. Und das es demnach auch nicht besonders umsichtig sein kann generell nur auf dieses Mittel zu setzen. Jedenfalls nicht wenn der normale Bürger – und das sollte er eigentlich – im Hauptfokus des Interesses des Staates steht. Denn andere Gruppen, wie bspw. die Unternehmen oder Aktionäre haben zweifelsfrei die letzten Jahre im gleichen Atemzug generell nicht mit Einkommenseinbußen (sofern man Gewinne und/oder Dividenden als Einkommen bezeichnet) zu kämpfen gehabt, ganz im Gegenteil. (vgl. Factset,Commerzbank, 2011)

Die folgende Grafik untermauert den Sachverhalt. Während insbesondere die Niedrigverdiener (niedrige Einkommen) in Deutschland in den letzten Jahren sich kontinuierlich nach unten – auf das Einkommen bezogen - entwickelt haben, sind im selben Zeitraum die Höchsteinkommen (höchste Einkommen) exorbitant angestiegen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3.1: Einkommensentwicklung Deutschland

Quelle: Philip Faigle, 2011

Ergänzend zu der oberen Darstellung veranschaulicht die folgende Grafik wie das Realeinkommen in Deutschland von 2000 bis 2009 im Vergleich zu den anderen OECD-Ländern (ohne Portugal und Griechenland) gesunken ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3.2: Reallohnentwicklung Deutschland im Vergleich zu anderen OECD-Ländern

Quelle: Occupyfrankfurt, 2012

Fazit: Das Motiv an Überschüssen wurde klar aufgezeigt. Es ist jedoch einfach am Beispiel Deutschlands belegbar, das Überschüsse eben nicht zwangsläufig zur Wohlstandsbildung des eigenen einfachen Volkes (wobei Arbeitnehmer gemeint sind) beitragen müssen. Schon allein daran wird ersichtlich, dass es eventuell nicht im Interesse des Volkes sein kann nur generellen Wert auf Überschüsse zu legen. Dementsprechend offen sollte nach dieser Feststellung schlussfolgernd ein Überschussland sein, sich mit weiteren – eventuell gar sinnvolleren - Alternativen der Wohlstandsbildung, wie bspw. einer Stärkung des Binnenkonsums auseinanderzusetzen oder zumindest hierfür offen sein.

3.1 Keine Angst vor Rückführung von Überschüssen

Bevor sich Staaten allerdings generell überhaupt mit der Stärkung der eigenen Binnenwirtschaft beschäftigen, welches zwangsläufig zur Annäherung des außenwirtschaftlichen Handelsgleichgewichts führt, gibt es viele Bedenken von staatlicher Seite aus. Eine der größten Vorurteile von Überschussländern Ungleichgewichte abzubauen ist dabei sicherlich die Angst wirtschaftlich ins Hintertreffen zu geraten. Dabei sind diese Befürchtungen weitgehend unbegründet, sofern man es richtig anpackt. Wie im folgenden Zitat eindrucksvoll belegt werden soll.

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Details

Seiten
26
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656720232
ISBN (Buch)
9783656722052
Dateigröße
877 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v278814
Institution / Hochschule
Europäische Fernhochschule Hamburg
Note
1,8
Schlagworte
außenwirtschaftstheorie- förderung binnenkonsum überschussländern china senkung handelsgleichgewichte

Autor

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Titel: Außenwirtschaftstheorie und -politik. Förderung des Binnenkonsum in Überschussländern wie China zur Senkung der globalen Handelsgleichgewichte