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Die delphischen Orakelsprüche des Jahres 481 v. Chr. Ihre Interpretation durch Themistokles in der Darstellung bei Herodot

Hausarbeit 2014 10 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Altertum

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Quellenauswahl und -Kritik

3. Die Orakelsprüche

4. Themistokles

5. Die Darstellung der Interpretation des Themistokles
5.1. Bei Herodot
5.2. Bei Plutarch

6. Zusammenfassung und Fazit

7. Quellen- und Literaturverzeichnis
7.1 Quellenverzeichnis
7.2 Literaturverzeichnis

8. Anhang

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den beiden delphischen Orakelsprüchen aus dem Jahr 481 v. Chr. im Kontext der Perserkriege und mit deren Interpretation durch Themistokles. Ziel soll aber auch ein Vergleich zwischen der Darstellung bei Herodot und Plutarch sein.

Als erstes wird die Quellenwahl kurz erläutert. Dies ist im Kontext der Frage nach der Glaubwürdigkeit der Darstellung und Befangenheit der antiken Historiker im Allgemeinen, bei Herodot aber im Besonderen notwendig. Um den Rahmen dieser Arbeit dabei nicht zu sprengen, wird das Thema aber nur kurz angeschnitten. Dann werden die beiden Orakelsprüche analysiert und die aktuelle Forschung dazu wiedergegeben. Im Anschluss wird Themistokles als Person und Akteur in den Perserkriegen betrachtet. Auch dieser Abschnitt wird eher kurz gehalten, da nur sein punktuelles Handeln nach den Orakelsprüchen für die Betrachtung relevant ist. Im Hauptteil wird die Darstellung der Interpretation der Orakelsprüche durch Themistokles nach Herodot auf der einen Seite und die durch Plutarch auf der anderen Seite betrachtet. Zum Schluss erfolgen Fazit und Zusammenfassung des Vergleichs.

2. Quellenauswahl und -Kritik

Als zentrale Quellen dienen auf der einen Seite die relevanten Stellen der Historien Herodots, auf der anderen Seite die Biographie über Themistokles von Plutarch. Die Quellenauswahl ist bewusst polarisierend gewählt worden, um im Hauptteil einen deutlichen Vergleich darstellen zu können.

Als die Hauptquellen bei Herodot dienen uns die Verse 140 bis 144 des siebten Buches[1]. In diesen werden die Orakelsprüche in voller Länge wiedergegeben die Handlungskonsequenz der Athener und Themistokles‘ dargestellt.

Die Debatte um die Zuverlässigkeit, Glaubwürdigkeit und Echtheit von Herodots Schilderung und Quellen hält immer noch an. Für eine aktuelle Zusammenfassung der Forschungslage gibt Antonios Rengakos in Berhard Zimmermanns Handbuch der Altertumswissenschaft einen guten Überblick.[2]

Dennoch bleibt Herodot im betrachteten Zeitraum der ausführlichste und umfangreichste Autor, sodass sein Werk auch schon bei einer flüchtigen Betrachtung der Perserkriege oder einzelner Aspekte derer unumgänglich ist.

Bei Plutarch wird auf die Biographie Themistokles‘ in Griechische Heldenleben[3] zurückgegriffen, hier besonders die Verse 9 bis 11.

Plutarch bezeugt immer wieder einen gewissenhaften Umgang mit den Informationen an die er gelangte. Sagenhaftes wird soweit wie möglich ausgeschnitten. Dennoch gibt er zu, wenn es ihm nicht anders möglich war, auf alte Erzählungen zurückzugreifen.[4] Den Problemen widersprüchlicher Quellenlagen war er sich bewusst und wusste damit umzugehen.[5]

Die Darstellung Plutarchs wird wegen der größeren zeitlichen Distanz zum Geschehen und einer eventuell vorhanden Empathie gegenüber Themistokles gewählt.

3. Die Orakelsprüche

Damit der Fokus nicht zu sehr vom Hauptthema weg zum (zweifelsfrei interessanten) Thema des delphischen Orakels an sich und dem Prozess der Befragung rückt, werden diese hier so weit wie möglich ausgespart. Hintergrundinformationen lassen sich z.B. bei Veit Rosenberg nachlesen.[6]

Das Orakel von Delphi lässt sich wohl als das bekannteste aller Orakel der antiken Welt bezeichnen, auch wenn der Inhalt der Orakelsprüche schon früh zu den größten Diskussionen führt und immer noch Gegenstand solcher ist.[7] Klaus Goldscheider belegt sogar sehr ausführlich, dass der zweite Orakelspruch an die Athener von Themistokles bestellt wurde.[8] Was nicht zur Diskussion steht, ist die Tatsache, dass das Orakel existierte, es von den Griechen befragt wurde und es den Bittstellern eine Auskunft gab.[9] Die zweifelhafte Qualität der delphischen Orakelsprüche darf deswegen nicht mit ihrer zweifelsfreien Existenz verwechselt werden!

Joseph Fontenrose stellt in The delphic Oracle ausführlich dar, warum die delphischen Orakelsprüche in ihrer Form wie bei Herodot wiedergegeben, nicht stattgefunden haben können: Die Form von je zwölf Hexametern sei unüblich lang gewesen und der Inhalt ungewöhnlich präzise. Und: Da das Orakel nur einmal im Monat befragt werden konnte, sei es zweifelhaft, ob die athenischen Gesandten in ihrer verzweifelten Lage wirklich noch einen Monat gewartet haben.

Roland Crahay zieht in Betracht, dass es sich nicht um zwei Orakelsprüche handelt, sondern dies von Herodot falsch aufgefasst sei. In Wirklichkeit solle es sich um einen zweiteiligen Spruch handeln.[10]

Die beiden delphischen Orakelsprüche stellen für uns also eine Art Blackbox dar: Wir kennen nicht ihren genauen Wortlaut, können den Inhalt aber anhand ihrer verursachten Handlungen der griechischen Akteure erahnen und so wieder Rückschlüsse auf die selbigen Handlungen ziehen; in diesem Fall die des Themistokles.

Als einzige Quelle im Wortlaut der abgegebenen Sprüche zur Frage der Evakuierung Attikas im Jahr 480 können wir Herodot heranziehen.[11] [12] Anderes sehen wir bei Plutarchs Biographie über Themistokles: Wiedergabe und Darstellung sind bei ihm nicht eindeutig. Bei genauer Betrachtung lässt sich aber erkennen, dass auch er von zwei Orakelsprüchen redet, aber nur einen davon, den Zweiten beschreibt er genauer. Das er sich dabei direkt auf Herodot bezieht, lässt sich an der Zitation einzelner Begriffe und Worte erkennen, die identisch mit der Ausführung Herodots sind.[13] Zugleich macht er auch keinen Hehl daraus, dass Themistokles sich des Orakels ähnlich einer Deus ex machina bediene.[14]

Nochmal zu Bekräftigung: Die Qualität und Umstände der delphischen Orakelsprüche ist für diese Betrachtung nicht relevant; betrachtet werden die Handlungen Themistokles‘ nachdem die Sprüche den Athener bekannt waren.

[...]


[1] Herodot: Historien. Deutsche Gesamtausgabe. Übersetzt von August Horneffer. Stuttgart 41971.

[2] Rengakos, Antonios: Herodot. Forschungsgeschichte. In: Bernhard Zimmermann/ u.a. (Hrsg.): Handbuch der Altertumswissenschaft (VII,1). München 2011, S.345-349.

[3] Plutarch: Griechische Heldenleben. Übersetzt und herausgegeben von Wilhelm Ax. Stuttgart6 1953.

[4] Plut. Them. 3.

[5] Plut. Perik. 13.

[6] Rosenberg, Veit: Griechische Orakel. Eine Kulturgeschichte. Darmstadt 2001, S.48-64.

[7] Curnow, Trevor: The Oracles oft the Ancient World. London 2004, S.55.

[8] Goldscheider, Klaus: Die Darstellung des Themistokles bei Herodot. Freiburg im Breisgau 1965, S.120.

[9] Ebd. S.16

[10] Crahay, Roland: La littérature oraculaire chez Hérodote. (Bibliothèque de la Faculté de Philosophie et Lettres de l'Université de Liège, 138). Paris 1956, S.295-304.

[11] Hdt. 7, 140.

[12] Hdt 7, 141.

[13] hölzerne Mauer, göttliche, elend, unglücklich

[14] Plut. Them. 10.

Details

Seiten
10
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656716723
ISBN (Buch)
9783656716662
Dateigröße
410 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v278871
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Historisches Seminar
Note
2,7
Schlagworte
Delphisches Orakel Delphi Orakelsprüche 481 v. Chr. Themistokles Herodot Perserkiege Athen Salamis Schlacht bei Salamis

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