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Das Plagiat. Hat der Skandal des Karl-Theodor zu Guttenberg Auswirkungen auf andere Politiker in der Bundesrepublik Deutschland?

Hausarbeit 2013 15 Seiten

Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Person

Der Skandal
Allgemein
Fall Karl-Theodor zu Guttenberg

Wechselwirkung
GuttenPlag-Wiki
Wechselwirkung Internet und Medien

Vergleich mit weiterem Fall

Fazit

Literaturverzeichnis
Literatur
Internet

„Hat der Skandal des Karl-Theodor zu Guttenberg und dessen Folgen Auswirkungen auf andere politische Akteure in der Bundesrepublik Deutschland?“

Einleitung

Im Februar des Jahres 2011 beschäftigten sich die Medien überwiegend mit der, im selben Monat bekannt gewordenen, Plagiatsaffäre des Karl-Theodor zu Guttenberg und überhäuften den adeligen Politiker mit Anschuldigungen, dass er bei seiner Doktorarbeit plagiiert habe.[1] Diese Berichterstattung erfolgte, vor allem in den Tageszeitungen in einer Intensität und Dynamik, die vorher in ähnlichen Fällen nicht bekannt war. Karl-Theodor zu Guttenberg war über einen Zeitraum von ca. 2 Wochen die wohl meist diskutierte Person in der deutschen Medienlandschaft. Jedoch beschränkte sich die Aktivität nicht nur auf die Redakteure der Zeitungen und Nachrichtensendungen, sondern auch Bürger, unter anderem Studenten und wissenschaftliche Mitarbeiter von Universitäten, ergriffen im Internet die Initiative und gründeten die Web-Plattform „GuttenPlag-Wiki“[2], die zur Entdeckung und Dokumentation von Plagiaten in zu Guttenbergs Doktorarbeit dienen sollte.

Die Fragestellung der Hausarbeit „Hat der Skandal des Karl-Theodor zu Guttenberg und dessen Folgen Auswirkungen auf andere politische Akteure in der Bundesrepublik Deutschland?“ soll untersuchen sich deutsche Politiker mit Doktortitel seitdem eher fürchten müssen eines Plagiates überführt zu werden und eine ähnliche Gegenkampagne zu erleiden, oder ob diese Dynamik der Berichterstattung speziell durch zu Guttenbergs starken Medienpräsenz und Selbstpräsentation bedingt war und sich diese nicht auf andere übertragen lässt. Außerdem ist zu eruieren, ob die Möglichkeit besteht, dass die Bevölkerung bzw. Tageszeitungen auf ein solches Fehlverhalten nun sensibilisiert sind und jegliche Gerüchte um einen möglichen Betrug ein ähnliches Interesse entfachen würde, dass zu weiteren Aufklärungsaktivitäten einer Internetcommunity führt.

Um diese Fragen zu beantworten wird die Hausarbeit zunächst auf die Person von Karl-Theodor zu Guttenberg und seinem Skandal eingehen, um seine Herkunft und Situation genau darzulegen. Darauffolgend wird die Berichterstattung auf ihren Verlauf untersucht um herauszufinden, ob möglicherweise eine Wechselwirkung zwischen den Entdeckungen durch den GuttenPlag-Wiki und aufgeheizten Stimmung in den Medien bestand. In diesem Falle würde das Internet einen bedeutenden Faktor spielen. Anschließend wird ein weiterer Plagiatsfall analysiert, um eine Vergleichbarkeit herzustellen und ein abschließendes Fazit zu ziehen. Mit dieser Hausarbeit soll eine Situationsanalyse erarbeitet werden, um die herauszufinden was die treibenden Kräfte der Medienkampagne waren und ob sich dadurch möglicherweise eine negative Grundeinstellung bzw. Skepsis gegenüber Politikern mit Doktorwürden eingestellt hat.

Der Forschungsstand zu diesem Thema ist nicht sehr ausgeprägt, da diese es äußerst aktuell und bisher nicht umfassend aufgearbeitet ist. Es existiert folglich wenig Literatur auf die sich diese Hausarbeit stützen kann, so dass hauptsächlich wissenschaftliche Texte, die im Rahmen des Seminars zur Netzpolitik zur Verfügung gestellt wurden, und Karl-Theodor zu Guttenberg betreffende Artikel aus Tageszeitungen verwendet werden.

Person

Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg wurde am 5. Dezember 1971 als Sohn des Dirigenten Enoch zu Guttenberg und der Gräfin Christiane von Eltz in München geboren. Durch seine adelige Herkunft, welche väterlicherseits auf das alte Adelsgeschlecht der zu Guttenbergs und mütterlicherseits auf Familie von Eltz zurückzuführen ist, erlernte er schon während seiner Jugend, die er aufgrund der Scheidung der Eltern bei seinem Vater verbrachte, eine gehobene Formen der Rhetorik und Selbstpräsentation. Nach dem Abitur und dem Wehrdienst bei den Gebirgsjägern in Mittenwald begann er im Jahre 1992 ein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Bayreuth und 1993 Politikwissenschaften in München.[3]

Im Jahre 2002 wurde er erstmals als Vertreter der CSU in den Bundestag gewählt und vertrat von da an die Interessen der Union, ab 2008 als Generalsekretär. 2007 promovierte in unter seinem Doktorvater Peter Häberle an der Universität Bayreuth zu dem Thema „Verfassung und Verfassungsvertrag. Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU“. Die Dissertation umfasste 393 Seiten.[4]

Anfang 2009 ernannte ihn die Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, den Jüngsten den es je in Deutschland gab. Dieses Amt bekleidete er jedoch lediglich bis zum 27.10.2009, da er zum 28.10.2009 von Horst Seehofer als Bundesminister der Verteidigung berufen wurde. Am 3. März schied er durch seinen Rücktritt aus dieser Position aus und beendete somit seine aktive Politkarriere.[5] Grund waren Plagiatsvorwürfe gegen seine Doktorarbeit.

Karl-Theodor zu Guttenberg gilt als politisches Talent und stieg schnell innerhalb der, für ihre hierarchische Struktur bekannte, CSU auf und erregte so in der deutschen Politik Aufmerksamkeit. Im Gegensatz zu vielen anderen Politikern im Bundestag, stach er durch sein charismatisches und intellektuelles Auftreten heraus. „Der autobiographische Schlüssel liegt bis heute in seiner Erziehung: Sein alleinerziehender Vater [...] lehrte ihn schon früh wertorientiert Verantwortung zu übernehmen und dabei Haltung und Contenance zu wahren.“[6] Diese Fähigkeiten konnte er schon während seinen ersten Reden im Bundestag ausspielen, in denen er souverän und routiniert auftrat. Ihm gelang es sein elitäres Auftreten und perfekte Umgangsformen mit populistische Selbstinszenierung und Bodenständigkeit zu kombinieren, was ihn zu einem seltenen Typus von Politiker machte. Aufgrund der Fähigkeit wichtige Entscheidungen öffentlich wirksam darzustellen (siehe Opel-Rettung) , bestand seitens der Medien und der Bevölkerung großes Interesse an seiner Person. Dies erklärt die teils sehr hohen Wahlergebnissen, wie zum Beispiel 68,1 Prozent in seinem heimischen Wahlkreis Kulmbach, so wie die überdurchschnittlich hohe mediale Präsenz.

Der Skandal

Allgemein

Unter einem Skandal versteht man eine „kollektive Entrüstung über die Verletzung einer als verbindlich akzeptierten und für eine bestimmte Population relevanten Norm durch ein Individuum oder eine Gruppe von Individuen“.[7] Skandale können bezüglich der Branchen, in denen sie vorkommen, unterschieden werden. So spricht man von einem Lebensmittelskandal, einem Finanzskandal oder auch von einem Politikskandal.

Vorausgesetzt sind immer drei Faktoren, die für einen Skandal notwendig sind. Der erste Faktor ist zunächst der Skandalisierte, der (vermutlich) einen Regel- bzw. Normverstoß begangen hat und folglich von dem zweiten Faktor, dem Skandalisierer, öffentlich angeklagt wird. Dieser hat die Aufgabe den Regel- bzw. Normverstoß der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, damit diese sich ein Urteil über die Situation bilden und zu einer Meinung kommen kann. Oft sind Journalisten dafür verantwortlich, es ist jedoch nicht zwingend an diese gebunden und kann auch von jedem anderen übernommen werden. Es ist außerdem nicht gesetzt, dass der Skandalisierer selbst den Skandal aufdeckt. In vielen Fällen werden Skandale durch vorher Unbeteiligte erkannt und die Information dann an den Skandalisierer weitergeleitet. Die Öffentlichkeit ist der dritte notwendige Faktor, sie stellt die Gesellschaft dar, in der die Normen und Werte allgemeine Gültigkeit besitzen.

Je nachdem, ob die Öffentlichkeit über die Verletzung der Regel oder Norm empört ist, hat der Skandal eine Existenzgrundlage und bietet dem Skandalisierer die Möglichkeit, umfassender über die Vorgänge zu berichten. Wenn die Öffentlichkeit die Situation als Lappalie ansieht, wird dem Verstoß des Skandalisierten keine Wichtigkeit beigemessen und es kommt zu keinem Skandal.[8]

Fall Karl-Theodor zu Guttenberg

Zunächst ist zu klären, ob die Plagiatsaffäre um Karl-Theodor zu Guttenberg die allgemeinen Voraussetzungen erfüllt, um als Skandal gewertet werden zu können. Am 16. Februar 2011 kamen erstmals Gerüchte auf, dass Karl-Theodor zu Guttenberg in seiner Dissertation zum Thema „Verfassung und Verfassungsvertrag. Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU“ plagiierte haben könnte.

Die Süddeutsche Zeitung berief sich auf Andreas Fischer-Lescano, einen Professor der Bremer Universität, welcher bei einer routinemäßigen Überprüfung der Dissertation einige Verstöße gegen wissenschaftliches Arbeiten entdeckt hat. Ihm kommt im Rahmen der Skandaltheorie die Rolle des unbeteiligten Entdeckers zu. Karl-Theodor zu Guttenberg hat die Funktion des Skandalierten inne. Noch am selben Tag sprach sich zu Guttenberg öffentlich gegen die Vorwürfe aus und sagt, dass er die Doktorarbeit nach bestem Wissen und Gewissen angefertigt habe und sich keines Plagiates bewusst sei. Bereits einen Tag darauf, dem 17. Februar 2011, initiierten Studenten die Gründung der Web-Plattform „GuttenPlag-Wiki“, die eine Aufdeckung sowie Dokumentation weiterer Plagiatsstellen unterstützen sollte. Die Initiative ging von Seiten der Bevölkerung, deshalb ist anzunehmen, dass innerhalb der Öffentlichkeit in gewisser Grad der Empörung über die Verletzung von wissenschaftlichen Standards bestand und somit eine verstärkte Skandalisierung gerechtfertigt ist. Da die Medien innerhalb der nächsten zwei Wochen, bis zu Guttenbergs freiwilligen Rücktritt, auch weiterhin täglich über die Plagiatsaffäre berichteten, ist die These, dass eine Empörung bestand, als bestätigt anzusehen. Sie übernehmen die Rolle des Skandalierers.[9]

Jedoch ist nicht klar ersichtlich, wie der Skandal an sich einzuordnen ist, da er sich auf verschiedene Bereiche übergreifend ausgewirkt hat. Im engeren Sinne ist die Plagiatsaffäre lediglich als wissenschaftlicher Skandal zu werten, da zu Guttenberg im Rahmen seiner Dissertation, einer rein akademische Arbeit, Verstöße begangen hat. So wurde sein Doktorvater und die Universität getäuscht und in folge dessen ein spezieller Titel auf unrechtmäßigem Wege erworben. Im weiteren Sinne jedoch ist Karl-Theodor zu Guttenberg als Politiker im Bundestag ein Vertreter des Volkes, der die Interessen seiner Wähler wahren soll. Das bedeutet, dass die Wähler ihm ein Vertrauen in seine Person entgegen bringen, da sie überzeugt sind, dass er in ihrem Sinne handelt. Gesetz dem Falle, dass er bei seiner Doktorarbeit absichtlich plagiiert hat, kann dies zur einer Störung des Vertrauensverhältnisses führen, da er vorsätzlich allgemein geltende (wissenschaftliche) Werte verletzt hat. Da seine Dissertation sich mit außenpolitischen Themen befasst, tangiert dies auch den Aufgabenbereich seiner Position als Verteidigungsminister[10] Man könnte ihm vorwerfen, dass er auf die Vorwürfe um seine Dissertation zunächst bewusst die Unwahrheit gesagt hat um sein persönliches Fehlverhalten zu verschleiern und weiterhin in der Gunst seiner Wähler zu stehen. Von daher lässt sich auf Grund von zu Guttenbergs Verharmlosung und Verschleierung durchaus die Behauptung aufstellen, dass sein Verhalten die Situation auch zu einem politischen Skandal macht.

[...]


[1] http://www.sueddeutsche.de/politik/plagiatsvorwurf-gegen-verteidigungsminister-guttenberg-soll-bei-doktorarbeit-abgeschrieben-haben-1.1060774 , 13. März 13:51.

[2] http://de.guttenplag.wikia.com

[3] Vgl. http://www.wiwo.de/koepfe-der-wirtschaft/karl-theodor-zu-guttenberg/5286168.html , 4. Februar 20:14.

[4] Vgl. http://de.guttenplag.wikia.com/wiki/GuttenPlag_Wiki , 4. Februar 20:14.

[5] Vgl. http://www.bundestag.de/bundestag/abgeordnete17/biografien/G/guttenberg_karl_theodor.html , 4. Februar 20:14.

[6] Hartleb, F: Politischer Aufsteiger mit Charisma. Freiherr Karl- Theodor zu Guttenberg. In: Mut. Forum für Kultur, Politik und Geschichte, 44 (509), 2010, S. 20.

[7] Vgl. Maier, J.: Der CDU-Parteispendenskandal. Medienberichterstattung und Bevölkerungsreaktion. Publizistik 48, 2003, S. 136.

[8] Vgl. Burkhardt, S.: Medienskandale. Zur moralischen Sprengkraft öffentlicher Diskurse, Köln 2006, S. 139ff.

[9] Vgl. Jansen, Maier: Die Causa zu Guttenberg im Spiegel der Printmedien, in: Zeitschrift für Politikberatung, 2012 (1), S. 6ff.

[10] Vgl. Mertens, Klaus: Differenzmanagement des Freiherrn zu Guttenberg und die Mediengesellschaft, S. 4ff.

Details

Seiten
15
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656717270
ISBN (Buch)
9783656717348
Dateigröße
555 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v278910
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen – Sozialwissenschaftliche Fakultät
Note
1,7
Schlagworte
plagiat skandal karl-theodor guttenberg auswirkungen politiker bundesrepublik deutschland

Autor

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