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Christliche Märtyrer im 2. Weltkrieg. Franz Jägerstätter

Martyrium eines Christen

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 23 Seiten

Theologie - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Kurzbiographie

II. Hintergründe und Beweggründe der Militärdienstverweigerung

III.Die Kriegssonderstrafrechtsverordung des 3. Reiches

IV.Christlicher Glaube als Quelle und Anker

V. Österreichischer Katholizismus und Moraltheologie zwischen 1914 – 45

VI. Der Blick auf Franz Jägerstätter Gestern und Heute

VII. Franz Jägerstätter und die amerikanische Friedensbewegung

Literaturverzeichnis:

Vorwort:

In dieser Seminararbeit möchte ich dem Leser die Person Franz Jägerstätter näher bringen und sein Lebenszeugnis im Lichte seiner christlichen Haltung und dem daraus erwachsenem politischen Gewissen genauer betrachten. Als Quelle und Basisliteratur habe ich mich für das Buch „Franz Jägerstätter – Christlicher Glaube und politisches Gewissen“ entschieden, in welchem eine Reihe von Autoren Stellung dazu beziehen.

I. Kurzbiographie

Am 20. Mai 1907 wurde Franz Jägerstätter in St. Radegund in der Steiermark geboren. Seine Mutter Elisabeth Huber war eine einfache Bauernmagd und der Vater ein Knecht namens Franz Bachmeier. Weil das Geld nicht reichte konnten die Eltern nicht heiraten und so ehelichte seine Mutter den Bauern Heinrich Jägerstätter, von dem Franz Jägerstätter adoptiert wurde. Der Vater des Stiefvaters war ein belesener Mann und konnte den kleinen Franz schon bald für die geistige Literatur gewinnen. Als zwanzigjähriger ging er drei Jahre nach Eisenerz um dort zu arbeiten und im Jahre 1936 heiratete er Franziska Schwanninger, welche ihm drei Kinder schenkte. Die Frau Jägerstätters hatte eine tief religiöse Einstellung und passte sehr gut zur Gesinnung Franz Jägerstätters. Das Paar kann man wohl zweifelsohne als christliches Ehepaar bezeichnen, welches mit großem Interesse die politischen Ereignisse ihrer Zeit beobachteten, und mit großer Sorge das immer mächtiger werdende Hitler-Deutschland vor Augen hatten.

Als es 1938 zur Abstimmung über den Anschuss Österreichs an Hitlerdeutschland kam, trat die Gesinnung Franz Jägerstätter´s gegenüber dem nationalsozialistischem Hitlerdeutschland zum ersten mal öffentlich zu Tage. Als einziger Bürger von St. Radegund in Oberösterreich, stimmte er „gegen“ den Anschuss an Hitlerdeutschland. Trotz seiner Gesinnung weigerte sich Franz J. zunächst nicht gegen den Militärdienst und wurde somit im Sommer 1940 zum Militärdienst eingezogen, konnte aber auf Betreiben des Bürgermeisters bald wieder auf seinen Bauernhof zurückkehren. Er musste aber dann doch im Oktober 1940 seinen Grundausbildung in der deutschen Wehrmacht antreten, die wiederum auf Betreiben des Bürgermeisters, nur bis April 1941 dauerte und es Franz J. erlaubte auf seinen Hof zurückzukehren. Nach seiner Rückkehr auf den Hof stand für ihn bereits fest, dass er aufgrund seiner religiösen Überzeugung, keiner weiteren Einberufung nachgeben wollte. Jägerstätter´s Entschluss blieb seinem Umfeld nicht verborgen und sowohl Verwandte als auch Geistliche versuchten ihn davon abzubringen. Franz Jägerstätter jedoch blieb bei seinem Entschluss!

Zwei Jahre verharrte er in seiner Haltung und arbeitete weiter auf seinem Hof, bis im Februar 1943 die neuerliche Einberufung zum Wehrdienst kam. Nach einem kurzen inneren Zögern, stellte er sich mit ein paar Tagen Verspätung bei der zuständigen Kaserne in Enns, und sprach dort seine Verweigerung aus. Dies hatte zur Folge, dass Franz Jägerstätter ins Wehrmachtsgefängnis Berlin-Tegel überstellt wurde. Die Nachricht an Franz J. seitens des Gefängnisseelsorgers Pfarrer Kreutzberg, über die Beweggründe von Pater Franz Reinisch, der aus ähnlichen Gründen ein Jahr zuvor hingerichtet wurde, war für Franz Jägerstätter sowohl Trost als auch Bestätigung für seine Haltung. Am 6. Juli 1943 wurde Franz J. vom Reichskriegsgericht für seine Verweigerung zum Tode verurteilt. Die Hinrichtung wurde am 9. August um 16:00 in Brandenburg vollzogen.[1]

II. Hintergründe und Beweggründe der Militärdienstverweigerung

Lange bevor es zur Verweigerung Franz Jägerstätter´s gegenüber dem Militärdienst kam, konnte dieser schon die drastischen Veränderungen in seinem Dorf beobachten, zu denen es nach der Machtergreifung 1933 durch A. Hitler kam. So wurde z.B ein von der Gemeinde geplantes Marienspiel zum Misserfolg, weil im nunmehr nationalsozialistischen Deutschland dafür nicht geworben werden durfte.

Mit der Volksabstimmung über den Anschluss zu Hitlerdeutschland, kam es am 10. April 1938 zum ersten offenen Konflikt zwischen Franz Jägerstätter und den Bürgern seiner Heimatgemeinde St. Radegund, welche sich dem Hitlerregime beugen wollten. Als einziger Bürger seiner Gemeinde stimmte Franz J. gegen den Anschluss. Die Gemeinde jedoch wagte Franz Jägerstätter´s „Nein“ nicht weiterzuleiten und meldete ein 100%iges „Ja“ zum Anschluss. Franz J. trat sogar aus der freiwilligen Feuerwehr seines Ortes aus, als diese sich verpflichtete freiwillige Spenden für die „Partei“ zu sammeln! Ebenso verzichtete er auf jegliche Unterstützung seitens der neuen „Herren“ wie z.B der staatlichen Kinderbeihilfe oder Schadenersatz durch Hagelschlag.

Einzig und allein für die Einsammlung der neu eingeführten Kirchensteuer durch das Hitlerregime, stellte er sich zur Verfügung. Nachdem Franz J. im Oktober 1940 zum Militärdienst einberufen wurde und dies als schweren Schicksalsschlag empfand, wurde er auf Wirken der Gemeinde aufgrund der Bewirtschaftung seines Hofes als „unabkömmlich eingestuft“, und aus dem Militärdienst vorübergehend entlassen. Gleich nach seiner Rückkehr teilte er seiner Familie mit, dass er einer weiteren Einberufung nicht folge leisten wolle!

Sowohl seine Frau als auch seine Mutter mitsamt der gesamten Verwandtschaft, versuchten Franz J. von seinem Vorhaben abzubringen. Während der Zeit im Militär, wurde Franz J. die antikirchliche Haltung des Hitlerregimes immer bewusster und seine Vermutungen über das menschenfeindliche Vorgehen der Nationalsozialisten bestätigen sich immer mehr. Er durchschaute auf Anhieb die geschickte Nazipropaganda, welche den kriegsmüden Soldaten den Krieg gegen Russland als Befreiungskampf gegen den Bolschewismus verkaufen wollte. Selbst der Pfarrvikar von St. Radegund, Ferdinand Fürthauer, wollte Franz Jägerstätter, der als Mesner für ihn und die Pfarrgemeinde tätig war, von seiner Militärdienstverweigerung abbringen. Fürthauer sah in Franz Jägerstätter einen Selbstmörder und machte ihm seine Handlungsweise zum Vorwurf. Franz J. jedoch, ließ sich auch von ihm nicht abbringen, obwohl dieser seine Argumente ins Feld führte, um das Leben Franz Jägerstätters zu schützen.

Die Klarheit mit welcher er die Lage einschätzte ist bemerkenswert und obwohl sich viele Würdenträger und Geistliche nicht klar gegen das NS-Regime gestellt haben, verurteilt Franz J. deren Verhalten nicht, sondern bat vielmehr um das Fürbittgebet für jene, welche nicht den Mut dazu hatten, sich dem Regime zu widersetzen und deren Seelenheil sich dadurch in Gefahr befand. Die Frage Nationalsozialist oder Katholik konnte für ihn nur ein entweder/oder sein, ein Ja, oder ein Nein, denn es war für ihn ganz klar, dass jegliche Zusammenarbeit mit dem Nazis in einem starken Widerspruch mit der christlichen Lehre stand. Hätte er sich in irgendeiner Form diesem System unterworfen, hätte er seinem Gewissen zuwider gehandelt.

Pfarrer Karobath, mit dem sich Franz J. trotz eines gegen ihn verhängten Kreisverbotes immer wieder traf, bringt die Klarheit Franz Jägerstätters wohl am besten zum Ausdruck.

Er behauptet, Franz Jägerstätter hätte seinen Argumenten gegen seine Wehrdienstverweigerung mit der Waffe, immer wieder mit den Worten aus der Heiligen Schrift den Wind aus den Segeln genommen. Franz J. konnte und wollte das antireligiöse Naziregime in keinster Weise unterstützen und durch seinen Militäreinsatz dazu beitragen, dass noch mehr Menschen diesem Regime zum Opfer fielen.

In einer Begegnung mit dem Bischof seiner Diözese, wird Franz J. bewusst, dass auch die höchsten Würdenträger ihn dabei nicht einmal moralisch unterstützen wollten, und selbst aus Angst vor den Nazis lieber schwiegen! Was jedoch in Bezug auf Bischof Fließer leider gesagt werden muss, ist die Tatsache, dass er sich auch nach Kriegsende nicht positiv über die Gewissensentscheidung von Franz Jägerstätter äußerte, und auch sonst kein all zu großes Interesse mit der Auseinandersetzung und Aufarbeitung der Kriegswirren erkennen ließ.

Was für ein Widerspruch tat sich da für Franz J. in dem Handeln seiner Mitmenschen und Glaubensbrüder auf. Für ihn war es gänzlich undenkbar als Parteimitglied zur heiligen Kommunion zu gehen und er sah im wohlwollenden Verhalten der Priester gegenüber den Nazis, eine Generation von Priestern, welche durch ihr Schweigen die Gewissensentscheidungen der Gläubigen sehr stark mit beeinflusst haben und ihnen den nötigen moralischen Rückhalt nicht geben konnten, um dem Naziregime die Stirn zu bieten.

Dieses Verhalten bezeichnete Franz J. für schlimmer, als in aller Deutlichkeit zu zeigen, dass man gegen die Kirche ist und gleich schon damit anfängt, die katholischen Priester zu inhaftieren.[2]

III.Die Kriegssonderstrafrechtsverordung des 3. Reiches

Franz J. wurde gemäß § 5 Abs. 1 Ziffer 3, Kriegssonderstrafrechtsverordnung (KSSVO), Wegen Zersetzung der Wehrkraft, zum Tode verurteilt.

In einem Brief des Oberkommandanten der deutschen Wehrmacht, Keitel, an die Leitung der Heeresjustiz werden die Aufgaben der Heeresjustiz, wie folgt eingefordert.

Keitel bezeichnet die militärische Strafrechtspflege als Organ der militärischen Führung, deren Hauptaufgabe in der Aufrechterhaltung der Disziplin der Wehrmacht liegt. Im gleichen Zuge, setzt der Oberkommandeur absolute Verwurzelung in der nationalsozialistischen Weltanschauung voraus, nach welcher jeder Richter sein Urteil zu fällen habe.

Allein im Zeitraum von 1939 bis 1945 vollstreckte die deutsche Militärjustiz 30 000 Todesurteile an Soldaten aus den eigenen Reihen. Um diese gnadenlose Disziplinierung zügiger zu gestalten, wurden Verfahren dieser Art, nur in einer Instanz geführt und konnten so nicht mehr aufgehalten werden.

Die deutsche Wehrmacht behielt es sich auch vor, Vermögenswerte der nach KSSVO Verurteilten einzuziehen. Das Reichskriegsgericht (RKG) hatte es in besonderer Weise auf religiös motivierte Verweigerer abgesehen, was aus Recherchen aus Beständen der Akten des RKG hervorgeht.[3]

In einem Brief des Oberreichskriegsanwaltes Redan an den Präsidenten des RKG wird dies besonders deutlich. Die Gefährlichkeit religiös motivierter Militärdienstverweigerer schildert dieser wie folgt: ‚die Behandlung der Kriegsdienstverweigerer, insbesondere solcher, die zu der gefährlichen, international, d.h. von unseren Gegnern aufgezogenen Sekte der Bibelforscher gehören…., sind mit den schärfsten Mitteln zu bekämpfen und zu vernichten.’[4]

Die große Gefahr religiös motivierter Militärdienstverweigerer, sahen die Nationalsozialisten in der ihnen innewohnenden Werbekraft, welche besonders zersetzend auf andere zu wirken vermochte.[5]

Zudem wollten sie auch vermeiden, dass verhängte Urteile in die Öffentlichkeit getragen wurden, und somit landeten alle Wehrdienstverweigerungs-Verfahren automatisch beim RKG, welches auch innerhalb des Heeresjustizapparates die führende Stellung im Reich inne hatte.

Die Nazi´s wachten sehr genau über die strenge Geheimhaltung der vom RKG gefällten Urteile, was auch der in Innsbruck wirkende Provikar Karl Lampert zu spüren bekam.

Nachdem man seinen Priesterkollegen Otto Neururer aus Götzens 1939 in das KZ nach Dachau deportiert hatte und dieser letztendlich am 30. Mai 1940 im KZ Buchenwald ermordet wurde, überstellte man dessen Asche nach Götzens um diese dort unter Geheimhaltung zu bestatten. Der für ihn zuständige Provikar Karl Lampert, ließ in einer Todesanzeige auch den Todesort anführen, und wurde deshalb wegen Verstoßes gegen die NS-Geheimhaltungsvorschriften verhaftet.[6]

Dass die gnadenlose Justiz der NS auch nicht spurlos an den Vollstreckern selbst vorbeiging, wird anhand des Verhaltens des Richters Werner Lueben deutlich. Werner Lueben war verantwortlich für das Urteil von Franz Jägerstätter und war auch mit dem Fall von Provikar Karl Lampert betraut worden. Nachdem Provikar Karl Lampert mehrmals verhaftet und auch gefangen genommen wurde, kam dieser wieder frei, wurde aber bespitzelt und letztendlich aufgrund dieser Aussagen gegen ihn, zum Tode verurteilt. Der Generalstabsrichter Werner Lueben wollte ihn jedoch nicht zum Tode verurteilen, sah sich aber aufgrund des Druckes Himmler´s keinen Ausweg mehr, als sich selbst zu erschießen, um sich weiteren Unrechtsurteilen zu entziehen. Die Brutalität des Regimes wird dadurch noch deutlicher und greifbarer. Wie hart muss es aber jene getroffen haben, die auf der Gegnerseite dieses Schreckenregimes gestanden haben. Eben auch jenen Menschen, die sich aus tiefer Gewissensentscheidung, gegen dieses System auflehnten, wie Halme in einem reißenden Fluss. Woher nahmen sie und speziell Franz Jägerstätter die Kraft zu solch einer heroischen Tat?

[...]


[1] Vgl. Josef Schwabeneder, Alfons Riedl, Franz Jägerstätter, Christlicher Glaube und politisches Gewissen, Thaur, Druck- und Verlagshaus Thaur GmbH, 18-20.

[2] Vgl., ebd., Erna Putz, 25-34

[3] Haase, Reichskriegsgericht, verwertet die Prager Bestände und gibt umfassenden Einblick. Detlef Garbe, `Du sollst nicht töten’ Kriegsdienstverweigerer 1939.1945, in Norbert Haase/Gerhard Paul (Hg.), Die anderen Sodaten. Wehrkraftzersetzung, Gehorsamsverweigerung und Fahnenflucht im Zweiten Weltkrieg, Frankfurt: Fischer, 1995 (Fischer-TB 12769) legt anhand der Prager Akten den Schwerpunkt auf Verweigerer aus religiösen Gründen.

[4] Ebd, 37.

[5] Vgl., ebd. 37

[6] Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Lampert

Details

Seiten
23
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656717416
ISBN (Buch)
9783656717379
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v278920
Institution / Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck – Systematische Theologie
Note
Sehr gut
Schlagworte
christliche märtyrer weltkrieg franz jägerstätter martyrium christen

Autor

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Titel: Christliche Märtyrer im 2. Weltkrieg. Franz Jägerstätter