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Überblick zum Themenfeld "Regional Governance"

Zusammenfassung 2011 22 Seiten

Politik - Politische Systeme - Allgemeines und Vergleiche

Leseprobe

Regional Governance

- Bezeichnung für Strukturen und Prozesse der Steuerung und Koordinierung in Regionen
- Prozesse der Regionalisierung sind mit Globalisierung eng verbunden
- Nicht mit bestimmten Modell oder Theorie verbunden wie Governance-Begriff
- In Welt ohne Grenzen bleibt der begrenzte Raum (Region) für wirtschaftliches, politisches und soziales Handeln wichtig und wird durch globale Problem- und Handlungszusammenhänge beeinflusst
- Wirtschaftliche Aktivitäten oder politische Entscheidungen in Gemeinden erzeugen häufig externe Effekte, die durch interkommunale Zusammenarbeit oder zentrale Regulierung bewältigt werden müssen
- Um Herausforderungen der Internationalisierung zu begegnen, müssen Gemeinden und Regionen sich zusammenschließen und ihre Kräfte bündeln
- Steuerung durch Regulierung ist bei Regionen nicht einfach, deswegen wurde in der Praxis eher auf Kooperation als auf Zwang gesetzt
- Beruht im Kern auf Verhandlungen und Vereinbarungen

Analysebegriff „Regional Governance“

- Spezifische institutionelle Konstellationen
- Netzwerkcharakter der Steuerungsstruktur
- Bedeutung von Akteuren in der Regionalpolitik
- Kombination unterschiedlicher Steuerungsformen und -instrumente
- Bedeutung des Regionalmanagement
- Staatlicher Rechtsrahmen
- Spezifische politische und administrative Kultur in einer Region
- Akteure, die regionalpolitisch aktiv sind
- Externe Anreize
- Situative Bedingungen (wirtschaftliche Situation, …)

Normativer Begriff

- Bezeichnung für besonders Erfolg versprechende Ausformungen von regionalen Steuerungsstrukturen
- Aussagen über Entwicklung von Institutionen, geeignete Kombination von Steuerungsinstrumenten, Prozessmanagement
- Frage nach Erfolg regionaler Steuerung und Koordinierung und Legitimation regionalpolitischer Entscheidungen

Merkmale von „Region“

- Charakter als begriffliches (soziales) Konstrukt
- Zusammenhang (Interpendenz) zwischen Orten und Aktivitäten und Besonderheit im Hinblick auf bestimmte Kriterien, die eine Region kennzeichnen sollen
- Grenzen die sich aus diesen Kriterien ergeben
- Regionen sind nicht nur theoretischer Begriff sondern existieren auch in der gesellschaftlich konstruierten Realität
- Für Struktur und Gesellschaft ist eine Region bedeutsam, wenn sie durch gesellschaftliche Konventionen oder geteilte Vorstellungen konstruiert wird
- Regionen können bestimmte landschaftliche oder ökologische Zusammenhänge erfassen
- Regionen können durch Merkmale der Bevölkerung oder ihrer Kultur geprägt sein

Regionen sind durch gesellschaftliche Konventionen oder politische Entscheidungen konstruierte Räume, deren Ausdehnung durch die erfüllten Funktionen bestimmt wird

- Region ist ein Raum, der durch viele Kerne und Randzonen zu beschreiben ist und dessen Grenzen sich aus der abnehmenden Dichte von Verflechtungszusammenhängen zwischen Ortspunkten oder örtlich gebundenen Akteuren bestimmen lassen
- Wichtig: Zusammenarbeit mit relevanten Akteuren erreichen und Interpendenzen zwischen Raumeinheiten nutzen und regeln
- Relative Offenheit von Grenzen ist hierbei ein Vorteil, sogar zwingend erforderlich

Region als intermediärer Raum

- Regionen zeichnen sich durch Zwischenstellung zwischen Orten und globalen Räumen aus
- Regionale Räume entstehen durch Verflechtung von Orten bzw. ortsgebundenen Aktivitäten und ist in seiner Struktur und Funktion abhängig von den nicht an Orten gebundenen Strömen

Region als organisierte Zusammenarbeit

- Region: Organisation, die für spezifische regionale Aufgaben zuständig ist
- Begriff Region als Funktions- und Handlungsraum oder unterschiedliche Formen der Organisation oder der regionalen Zusammenarbeit von Organisationen

Regionalpolitik

- Aufgabenfeld der regionalen Steuerung und Koordination
- Tätigkeitsbereiche, die in Regionen erfüllt werden
- Umfasst auch Aufgaben des Bundes, Länder, Gemeinden und der EU, die auf regionale Entwicklung ausgerichtet sind (regionale Strukturpolitik der EU, Raumordnungs- und Regionalpolitik des Bundes und der Ländern, kommunale Bauleitplanung und kommunale Wirtschaftsförderung)
- Politik, die innerhalb des „Handlungsraums“ Region stattfindet
- Umfasst in funktionaler Hinsicht alle Aufgaben, unabhängig in welcher Organisation oder auf welcher Ebene sie erfüllt werden, die unmittelbar der Steuerung regionaler Entwicklungsprozesse dienen
- Regionalpolitik ist vertikal und horizontal verflochten

Aufgabenfeld Regionalpolitik

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Aufgabenfeld Regionalpolitik (Quelle: Benz, Arthur, 2010: Regional Governance. MA Governance, Modul 1.1, S. 11, Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften, Fernuni Hagen.)

Regionalisierung

- Zur Globalisierung gegenläufiger Trend
- Hat sozialen und kulturellen Aspekt (Bezugsräume für Identitätssuche von Menschen)
- Regionalisierungsprozesse überschreiten oft Staatsgrenzen und sind hier oft besonders intensiv, weil Aufgaben in diesen Räumen nicht durch bestehenden Verwaltungen, sondern nur durch Verdichtung von Kooperationen zwischen Akteuren aus Politik und Verwaltung benachbarter Kommunen, Regionen oder Staaten erfüllt werden können

Merkmale

- Strategie der Entwicklungspolitik für ökonomische, soziale, ökologische und kulturelle Entwicklung von Räumen
- Kernbestandteil ist soziale und politische Konstituierung von Funktionsräumen (entscheidend ist Bündelung von Aktivitäten und Ressourcen)
- Veränderung der Aufgabenerfüllung und der Handlungsformen (statt hierarchische Steuerung des Staates tritt Kooperation zwischen staatlichen, kommunalen und gesellschaftlichen Akteuren)
- Richtet sich auf Integration von Akteuren und Aktivitäten innerhalb des regionalen Raums
- Legitimation und Kontrolle durch Verfahren der Verhandlungsdemokratie
- Regionalisierung „von oben“ durch Regionalisierung staatlicher Politiken
- Regionalisierung „von unten“ durch Entwicklung regionaler Selbstkoordination von Kommunen und gesellschaftlichen Akteuren in der Region
- Regionalisierungsprozesse von oben und von unten können sich wechselseitig verstärken, können sich aber auch stören (wenn zentrale Initiativen von endogen entstandenen regionalen Partnerschaften als Eingriffe in Autonomie wahrgenommen werden oder wenn sich Ziele der beiden Regionalisierungsprozesse widersprechen)

Dezentralisierung und Regionalisierung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Begriffe „Dezentralisierung“ und „Regionalisierung“ (Quelle: Benz, Arthur, 2010: Regional Governance. MA Governance, Modul 1.1, S. 14, Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften, Fernuni Hagen.)

Regional Governance

- Regionen als intermediäre Handlungsräume konstituieren sich politisch im Wesentlichen aus Interaktionen

Merkmale

- Bedeutung: Selbststeuerung in der Region (Regionalpolitik wird nicht mehr allein durch Regulierung und Förderung des Staates gestaltet, sondern durch Zusammenwirken von Akteuren im regionalen Handlungsraum
- Interpendenzenmanagement als Steuerungsziel (Regional Governance zielt auf integrierte Politik durch strategische Koordination von interpendenten Prozessen)
- Koordination richtet sich auf Entwicklungskonzepte und gemeinsame Projekte
- Interorganisatorische Politik: Regionale Aufgaben werden nicht durch staatliche Institution erfüllt, sondern im Zusammenwirken von Organisationen aller Ebenen und von Organisationen aus dem öffentlichen und privaten Sektor (Region ist Handlungsraum, der Grenzen zwischen staatlichen Ebenen und zwischen Staat und Privatem überschreitet)
- Kombination von Steuerungsmodi (hybride Steuerungsformen):Regionalpolitische Entscheidungen beruhen im Kern auf Kooperationen, die im „Schatten der Hierarchie“ (im Konfliktfall drohen Mehrheitsentscheidungen durch Behörde) verhandeln
- Schatten der Hierarchie ist wesentliche Voraussetzung für effektive Regionalpolitik
- Regionale Steuerungsformen zeichnen sich aus durch Kombination aus Regulierung, Anreizen, Wettbewerb und Verhandlungen aus
- Informelle und formelle Strukturen: Dauerhafte Verhandlungen verdichten sich oft zu Netzwerken
- Dauerhaftigkeit der Beziehungen kann auch durch institutionelle Strukturen gesichert werden
- Art und Maß der Stabilisierung ist weiteres Merkmal unterschiedlicher Formen von Regional Governance

Strukturen

- Werden gebildet durch Beziehungen zwischen Organisationen in Form von
- Hierarchie (Über- und Unterordnung)
- Polyzentrische Struktur (Organisationen sind autonom, aber durch Formen gemeinsamer Aufgabenerfüllung verbunden)
- Netzwerke (autonome Organisationen sind durch dauerhafte Vertrauensbeziehungen ihrer Vertreter miteinander verbunden)

Entscheidungsverfahren

- Unilaterale Entscheidungen (wenn eine Instanz alleine beschließt)
- Mehrheitsentscheidungen (Gremien oder als Abschluss von Verhandlungen innerhalb von Regionen)
- Einigung (erfordert Zustimmung aller Beteiligten, jeder hat Vetorecht)

Steuerung und Koordination

- Steuerung: Gezielte Beeinflussung von Adressaten
- Koordination: Verwirklichung einer Entscheidung im Interorganisationsgefüge beteiligter Organisationen
- Regulierung (durch Festlegung verbindlicher Regeln)
- Wettbewerb (aus einer größeren Anzahl von Angeboten wird ausgewählt)
- Finanztransfer/Finanzausgleich (nach festgelegten Regeln werden wirtschaftliche Verluste automatisch kompensiert, Konflikte über Kosten- und Nutzenverteilung geregelt)
- Verhandlung (durch Tauschgeschäfte, Kompromisse oder wechselseitige Überzeugung zu einer Einigung gelangen)

Regionale Kooperationen

- Schlüsselbegriff in Diskussion um regional Governance
- Erkenntnis: Weder durch Wettbewerb noch durch Regulierung können regionale Aufgaben erfüllt werden
- Regionale Entwicklungsförderung verlangt Beiträge von öffentlichen Verwaltungen und privaten Organisationen, die nicht erzwungen werden können
- Regionen müssen aber auch Standortentscheidungen und entwicklungsfördernde Projekte lenken, um ausgewogene und nachhaltige Regionalentwicklung zu erreichen ohne deren Verwirklichung zu blockieren
- Beide Anforderungen sind nur mit Kooperationen der relevanten Akteure möglich

- Begriff impliziert, dass Verhandlungen und Vereinbarungen je nach institutionellen Rahmenbedingungen im Schatten der Hierarchie, in polyzentrischen Strukturen oder in Netzwerken erreicht werden, aber auch durch Regulierung oder Wettbewerb ergänzt werden können

Institutionelle Strukturen und Governance-Formen

- Institutionen bestimmen maßgeblich die Handlungskapazitäten in der Region
- Elemente der Handlungskoordination von Regionen: Organisatorische Kernstruktur, strategische Netzwerke, Festlegung von Führungsfunktionen

Merkmale von institutionellen Strukturen

- Art der Regionsabgrenzung (nach bestehenden Grenzen kommunaler Gebietskörperschaften oder regionalpolitischen Funktionen)
- Rechtsform (Verband, Gebietskörperschaft, private Form)
- Instanz, die legitimiert ist, grundlegende Beschlüsse zu treffen (Regionalparlament, Gemeinde/Kreisräte)
- Kompetenzen (Planungskompetenzen, Durchführungskompetenzen)

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Details

Seiten
22
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656720461
ISBN (Buch)
9783656727187
Dateigröße
648 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v279184
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
Schlagworte
regional governance

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