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Studie zur Mediennutzung Jugendlicher mit türkischen Wurzeln in Deutschland

Wissenschaftliche Studie 2014 50 Seiten

Medien / Kommunikation - Medienökonomie, -management

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Hintergrund

3 Wissenschaftliche Einordnung

4 Aktueller Forschungsstand

5 Empirie
5.1 Forschungsfragen und Erhebungsparameter
5.2 Fragebogen

6 Ergebnisse der quantitativen Umfrage
6.1 Allgemeiner Hintergrund
6.2 Fernsehnutzung
6.3 Radionutzung
6.4 Internetnutzung
6.5 Vergleich der Ergebnisse

7 Ergebnisse der qualitative Erhebung
7.1 Allgemeine Aussagen über die Rolle der Medien für die Befragten
7.2 Die Medien als Gefahr
7.3 Die Rolle des Fernsehens
7.4 Die Rolle des Radios
7.5 Die Rolle des Internets

8 Handlungsempfehlungen
8.1 Handlungsempfehlungen an Fernsehmacher
8.2 Handlungsempfehlungen für Radiomacher
8.3 Handlungsempfehlungen für Internetdienste

9 Fazit

10 Bibliographie

ABBILDUNG

ABBILDUNG 1 MIGRANTEN NACH HINTERGRUND (EIGENE DARSTELLUNG AUF BASIS STATISTISCHES BUNDESAMT, 2012).

ABBILDUNG 2 HERKUNFTSLÄNDER DER MIGRANTEN IN BADEN-WÜRTTEMBERG (EIGENE DARSTELLUNG, QUELLE: STATISTISCHES LANDESAMT BADEN-WÜRTTEMBERG, 2013)

ABBILDUNG 3 HERKUNFT STUTTGARTER MIGRANTEN (EIGENE DARSTELLUNG, QUELLE: IBID.)

ABBILDUNG 4 ALTER DER BEFRAGTEN

ABBILDUNG 5 SCHUL-/HOCHSCHULABSCHLUSS DER BEFRAGTEN

ABBILDUNG 6 DURCHSCHNITTLICH TÄGLICHE NUTZUNGSDAUER FERNSEHEN

ABBILDUNG 7 GERÄTENUTZUNG FERNSEHEN

ABBILDUNG 9 BEVORZUGTE FERNSEHSENDUNGEN NACH GENRE

ABBILDUNG 10 NUTZUNG DES ONLINE-ANGEBOTS DER FERNSEHSENDER

ABBILDUNG 11 DURCHSCHNITTLICHE TÄGLICHE NUTZUNGSDAUER RADIOSENDER

ABBILDUNG 13 DURCHSCHNITTLICH TÄGLICHE INTERNETNUTZUNGSDAUER

ABBILDUNG 14 GERÄTENUTZUNG INTERNET

ABBILDUNG 15 NUTZUNG VON INTERNETANGEBOTEN

ABBILDUNG 17 MEDIEN ZUR KOMMUNIKATION MIT FREUNDEN UND VERWANDTEN IN DER TÜRKEI

ABBILDUNG 18 VERGLEICH DER NUTZUNGSDAUER VON TV, RADIO UND INTERNET

ABBILDUNG 19 VERGLEICH NUTZUNGSZUGANG TV UND INTERNET

ABBILDUNG 20 VERGLEICH WÜNSCHE AN DAS FERNSEH- UND RADIOPROGRAMM

ABBILDUNG 21 MOTIVATIONSFAKTOREN BEI DER TEILNAHME AN ONLINE-AKTIVITÄTEN VON FERNSEH- UND RADIOSENDERN

ABBILDUNG 23 MINDMAP KATEGORIEN QUALITATIVE UMFRAGE

1 Einleitung

Welche Rolle spielen die Medien im Alltag der in Deutschland lebenden 14- bis 29- Jährigen mit türkischen Wurzeln? Wie lange sind sie täglich im Internet und welchen Einfluss haben dabei die Sozialen Netzwerke? Nehmen sie an Online-Angeboten der Fernseh- und Rundfunksender teil? Welche Wünsche und Bedürfnisse haben sie in Bezug auf das Fernseh- und Radioprogramm?

Die vorliegende Studie beschäftigt sich mit diesen und weiteren Fragen zur Mediennutzung der Zielgruppe und möchte so einen Beitrag zum Thema Medien und Integration leisten.

Die Arbeit umfasst neben einer Literaturanalyse quantitative und qualitative empirische Erhebungen die im Zeitraum Februar bis Mai 2014 in Stuttgart und Online durchgeführt wurden.

Zunächst wird in der Primär- und Sekundärliteratur das Thema der Mediennutzung und Migration in Deutschland aufgearbeitet. Ziel hierbei ist es, den aktuellen Stand der Forschung aufzuzeigen, eine Abgrenzung zur bisherigen Forschungsarbeit vorzunehmen und die Arbeit wissenschaftlich einzugliedern.

Danach erfolgt die Beschreibung der Empirie an die sich die Ergebnisse der Studie anschließen. Sodann werden hieraus Handlungsempfehlungen abgeleitet und schließlich ein Fazit gezogen.

Mein Dank gilt den Studierenden der Hochschule der Medien, die selbst türkische Wurzeln haben und sich bereit erklärt haben, als Expertenteam gerade im Entste- hungsprozess der Studie tatkräftig mit zu arbeiten. Danke also an Gülsah, Alican, Hakan, Volkan, Önder. Für die Zustimmung, Interviews vor Ort durchzuführen danke ich KUBI und allen Mitarbeiterinnen dort, meiner türkischen Freundin Kezz und der Familie Genc für wichtige kultur-spezifische Hinweise, sowie meinem Mann Wolfgang Sigler und meinem Sohn William Sigler für die Geduld, Unterstützung und Liebe.

Prof. Dr. Constanze Sigler

Stuttgart im August

2 Hintergrund

Das Statistische Bundesamt definiert die Bevölkerungsgruppe mit Migrationshinter- grund als alle, „die entweder selbst oder deren Eltern beziehungsweise Großeltern nach Deutschland zugewandert sind. Zu ihnen gehören u. a. Ausländerinnen und Ausländer, Spätaussiedler, und die Eingebürgerten“ (Statistisches Bundesamt, 2013).1

Bei einer Gesamtbevölkerung von 80,5 Mio. betrug 2012 der Bevölkerungsanteil mit Migrationshintergrund 19,5% (Statistisches Bundesamt, 2012).2 Die Anteile in den unterschiedlichen ethnischen Gruppen sehen wie folgt aus:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Migranten nach Hintergrund (eigene Darstellung auf Basis Statistisches Bundesamt, 2012).

Mit Abstand den größten Anteil machten Migranten mit türkischem Hintergrund aus, gefolgt von Einwanderern aus den Kulturkreisen der ehemaligen Sowjetunion und des ehemaligen Jugoslawien.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang der Hinweis, dass seit 2005 „mehr Menschen aus Deutschland in die Türkei“ auswandern, als umgekehrt (Stuttgarter Zeitung, 10.10.2013). Dies betrifft besonders Akademiker mit Migrationshintergrund, deren Arbeitslosenquote in Deutschland bei 12,5% liegt (vgl. Akademiker ohne Migrations- hintergrund 4,4%, OECD, 2013).

Baden-Württemberg ist nach den Stadtstaaten Bremen und Hamburg das Bundes- land mit dem höchsten Migrantenanteil: Von den insgesamt 10,8 Mio. Einwohnern Baden-Württembergs hatten 2012 rund 2,9 Mio. einen Migrationshintergrund (Statis- tisches Landesamt Baden-Württemberg, 2012).3 Dies entspricht einem Anteil von 27% und liegt im Vergleich deutlich höher als der Bundesdurchschnitt von 20% (vgl. Bremen 28,7% und Hamburg 27,5%). Betrachtet man diese Zahlen genauer, so zeigt sich, dass Pforzheim (46,4%), Heilbronn (46,1%) und Stuttgart (38,6%) die höchsten Anteile von Migranten in der Bevölkerung haben (vgl. Statistisches Landesamt Ba- den-Württemberg, 2013).4

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 Herkunftsländer der Migranten in Baden-Württemberg (eigene Darstellung, Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, 2013)

In Baden-Württemberg ist die Türkei mit 17,7% mit Abstand führend unter den Herkunftsländern der Migranten, gefolgt von 9,1% Italien, 8,7% Kasachstan und 7,9% Russische Föderation (ibid.).

Unter den 585.890 Einwohnern Stuttgarts haben 42.480 einen türkischem Migrati- onshintergrund (7,3%), gefolgt von 19.750 mit italienischem (3,4%), 17.850 mit griechischem (3,0%) und 15.350 mit kroatischem Migrationshintergrund (ibid.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 Herkunft Stuttgarter Migranten (eigene Darstellung, Quelle: ibid.)

Die höchsten Migrationsdichten sind dabei in den Stadtteilen Zuffenhausen (51,5%), Wangen (49,1%) und Bad Cannstatt (49,1%) zu finden (Landeshauptstadt Stuttgart, 2012).5

Betrachtet man nun die Zielgruppe der Studie, so zeigt sich bei der Analyse der Migranten nach Altersgruppen, dass Stuttgart auch den zweithöchsten Anteil an unter 18-Jährigen (21,9%) und - mit Ausnahme der Universitätsstädte Heidelberg, Freiburg und Karlsruhe - an Jugendlichen der Altersgruppe zwischen 18 und 29 Jahren (19,8%) aufweist (Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, 2011).6

3 Wissenschaftliche Einordnung

Der folgende Teil gibt eine wissenschaftliche Einordnung des Forschungsgebiets „Migranten, Integration und Mediennutzung“ und führt die wichtigsten Begriffe ein.

Die Forschung über Migranten in den Medien ist wissenschaftlich den Bereichen Medienforschung (insbesondere Medienrezeptionsforschung) und Migrationsforschung in der Soziologie (insbesondere im Sinne der anglo-amerikanischen Verankerung in den Cultural Studies) zuzuordnen.

Die Kombination von Migrations- und Medienforschung spiegelt die wachsende Bedeutung der Rolle von Massenmedien im Integrationsprozess wieder und wird auch von der Bundesregierung als Dialogforum im „Nationalen Aktionsplan Integration“ verfolgt, der aus dem Nationalen Integrationsplan von 2007 entwickelt wurde (Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, 2011).

Das Konzept der medialen Integration wurde bereits 2001 von Geißler und Pöttker vorgestellt und beschäftigt sich mit drei Leitfragen:

1. Welchen Beitrag leisten Massenmedien zur Integration von Migranten?
2. Wie werden Migranten in das Mediensystem integriert?
3. Welche Rolle spielen Migranten in der medialen Öffentlichkeit?

Einerseits bietet das Konzept einen analytischen Rahmen für die Wissenschaft, an- dererseits wirft es aus politisch-normativer Sicht Fragen nach der Art und Weise, wie Integration von Migranten stattfinden soll und welche Rolle darin die Massenmedien haben sollen, auf.

Beim Begriff der Integration muss zwischen Assimilation und Integration unterschieden werden. Die vorliegende Studie verfolgt den Begriff der „interkulturellen Integration“, der sich am Multikulturalismusbegriff Kanadas orientiert und drei Kernideen vertritt (vgl. Geißler, 2003):

1. Unity within diversity: gegenseitiger Respekt der individuellen Kulturkreise, gemeinsame Rechte und Regeln kennzeichnen das Zusammenleben von Mehrheit und Minderheit.
2. Different but equal: Chancengleichheit bei der Verteilung von Rollen in der Gesellschaft und deren Institutionen, auch im Hinblick auf Medien und die Öffentlichkeit.
3. Active acceptance: gesetzliche Grundlagen der Einwanderung, interkulturelle Integration der Einwanderer, die aktiv von der Politik und der Gesellschaft ge- tragen werden (diversity mainstreaming).

Mediale Integration erfolgt auf drei Ebenen des Mediensystems durch:

- Medienhinhalte (u.a. durch Wiederspiegelung ethnischer Diversität, Darstel- lung der Herausforderungen und durch Themen, die Migranten ansprechen).
- Medienmacher (Migranten als Medienmacher, wie z.B. Journalisten, Musiker, Comedians)
- Mediennutzung (die Nutzung deutscher Medien und Ethnomedien und der daraus entstehende Medienmix sowie die inhaltliche Bindung an die Medien).

Im Folgenden sind die wichtigsten Forschungsstudien und -zusammenfassungen dargestellt.

4 Aktueller Forschungsstand

Einen umfassenden Überblick über den aktuellen Forschungsstand der Mediennutzung von Migranten in Deutschland geben aus der Reihe „Integrationsreport“ die Working Papers der Forschungsgruppe des Bundesamtes (vgl. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge).7

Darüber hinaus analysierte Ruhrmann die wichtigsten nationalen und internationalen Studien mit dem Fokus „Mediendarstellung, Nutzung und Rezeption von Migranten und ethnischen Minderheiten“ der Jahre 2003 bis 2009 (Ruhrmann, 2009).8 Seine Analyse zeigt, dass die Studien sich mit der Teilnahme und den Partizipationsmög- lichkeiten der Migranten sowie der Leistung der Medien als Integrationsmittel be- schäftigen. Auf Grund der höheren Nutzungszahlen dominieren bei Studien über Mediennutzung sowie bei Studien zur medialen Darstellung von Migranten jedoch Mainstream-Medien wie das Fernsehen. Radio- und insbesondere Onlineangebote spielen „in der empirischen Forschung noch immer eine untergeordnete Rolle“ (ibid.). Ruhrmann empfiehlt daher ausdrücklich die Erweiterung um Forschungsschwerpunk- te mit Fokus auf Integration und Internet (ibid.).

In seinem Beitrag „Mediale Integration von ethnischen Minderheiten - der Beitrag der Massenmedien zur interkulturellen Integration“, bestätigt Geißler diese Aussage und fasst die bisherigen Studien ähnlich zusammen (Geißler, 2010).9 Kritisch betrachtet er auch den Begriff des „ethnischen Medienghettos“. Geißler stellt fest, dass es zunehmend zu einer hybriden Mediennutzung kommt, bei der deutsche Medien und Ethnomedien parallel genutzt werden.

Die ARD- und ZDF-Studien „Migranten und Medien 2011“ hatte zum Ziel, die „Nut- zung, Erwartungen und Einstellungen von Menschen mit Migrationshintergrund zu den Medien“ zu analysieren (WDR, 2011).10 Befragt wurden sechs ethnische Grup- pen ab 14 Jahren. Neben einer Messung der Integrationsindikatoren wurde über alle ethischen Gruppen hinweg die Mediennutzung verglichen. Fernsehen, Radio und Internet wurden gesondert analysiert. Zusammenfassend zeigt die Studie folgende

Ergebnisse:

- Fernsehen: demographische Unterschiede in der Nutzung von öffentlich- rechtlichen und privaten Programmen (Ältere bevorzugen erstere, Jüngere letztere)
- Radio: eine geringere Nutzung, insbesondere bei Migranten mit türkischem Hintergrund. bigFM ist der dritt-beliebteste Radiosender von Migranten nach 1LIVE und Radio NRW/Lokalfunk.
- Internet: insgesamt um 4% geringere Nutzung als in der Gesamtbevölkerung. In der Altersgruppe 14-29 Jahre hat das Internet eine Reichweite von 64% (verglichen mit der gleichen Altersgruppe in der Gesamtbevölkerung: 80%).

Betrachtet man Studien mit Fokus auf türkischstämmigen Migranten, so findet man Analysen zu rein muttersprachlichen Medienangeboten (Ethnomedien), die oft eine komparatistische Perspektive einnehmen und die Motive der Mediennutzung von muttersprachlichen (TV-)Angeboten im Vergleich zur Nutzung von rein deutschsprachigen (TV-)Angeboten untersuchen (vgl. u.a. Aumüller, 2006).

Die WDR-Studie 2006 konzentrierte sich auf die Untersuchung der Nutzung des deutschen und türkischen Fernsehens. Besonders betont werden muss, dass durch Trebbe und Weiß aus den Ergebnissen der WDR-Studie 2006 „Integrationstypen“ abgeleitet wurden. Der Ansatz der Typologien von Mediennutzung war bereits 2001 von Trebbe und Weiß entwickelt worden (Weiß/Trebbe, 2001).11 Dieser wurde nun bei der WDR-Studie 2006 angewandt und es entstanden Integrationsmuster, „man könnte auch von Integrationsstadien sprechen“ (Trebbe/Weiß, 2007).12 Zusammen- fassend zeigt auch die Studie von Trebbe und Weiß, dass „insbesondere das Fern- sehen“ als wichtigstes Medium genutzt wird. Deutlich weisen die Autoren darauf hin dass die Mediennutzung „motivgesteuert“ ist und dass genau diese „Motive und Be- dürfnisse bei der Analyse der Mediennutzung von Migranten stärker in den Blick ge- nommen werden“ sollten (ibid.).

Bei den Studien, die sich insbesondere mit der Radionutzung von Migranten befas- sen, sei Windgassen erwähnt (Windgassen, 2007).13 Auf Basis der WDR-Studie

„Mediennutzung von Migranten“ aus dem Jahr 2004 untersuchte Windgassen 2007

die Radionutzung von Migranten mit Wurzeln in der Türkei, Italien, Griechenland und dem ehemaligen Jugoslawien. Seine Ergebnisse in Bezug auf die Radionutzung zei- gen, dass

- 41% der Migranten täglich ein deutschsprachiges Radioprogramm hören
- 9,7% der Migranten täglich ein muttersprachliches Radioprogramm hören
- Türken am häufigsten ihre muttersprachlichen Sender hören
- die wichtigsten Radioprogrammelemente das Musikangebot sowie regionale und aktuelle Informationen sind.

Die Studie gibt allerdings keinen Einblick in die Unterschiede zwischen den jeweiligen Altersgruppen und deren Wünschen, Anforderungen und Bedürfnissen an das Radio als Massenmedium.

Betrachtet man Studien, die sich ausschließlich mit der Internetnutzung von Menschen mit türkischem Migrationshintergrund beschäftigen, so zeigt die 2013 veröffentlichte Studie von Data4U, dass über 60% dieser Zielgruppe das Internet nutzen und dies schon länger tun (65% länger als 6 Jahre). 74% interessieren sich für Nachrichten aus der Türkei und 54% nutzen das Internet für das Online-Shopping (Data4U, 2013). Diese Zahlen beziehen sich auf die gesamte Zielgruppe und fokussieren nicht auf die Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen.

Zusammenfassend zeigen sich folgende Lücken in der bisherigen Forschung zum Thema Mediennutzung von jugendlichen Migranten mit türkischem Hintergrund:

1. Es liegen noch keine detaillierten Studien zur Fernseh-, Radio-, und Internet- nutzung von jugendlichen Migranten mit türkischem Hintergrund vor.
2. Es gibt noch keine Studien zur Nutzung der Online-Angebote von Fernseh- und Radiosendern für diese Zielgruppe und deren Motivationsfaktoren zur Teilnahme hieran.
3. Fragen nach der Motivation, dem Nutzungsverhalten und den individuellen Wünschen, Anforderungen und Bedürfnissen wurden bisher noch nie analy- siert.

Die vorliegende Arbeit soll diese Forschungslücke schließen und will damit einen Beitrag zur Medien- und Migrationsforschung leisten.

5 Empirie

Im folgenden Teil werden die Parameter der Studie im Detail beschrieben. Diese um- fassen:

- Forschungsfragen
- Fragebogendesign und Erhebungen

5.1 Forschungsfragen und Erhebungsparameter

Ziel der empirischen Untersuchung ist es aufzuzeigen, wie Jugendliche mit türki- schem Migrationshintergrund im Alter von 14 bis 29 Jahren in Deutschland Medien nutzen.

Zunächst wurden die Zielgruppe und deren geographischer Lebensraum in Stuttgart definiert. Dann wurden auf Basis der oben dargestellten Forschungslücken, die For- schungsfragen und ein grober Fragenkatalog entwickelt. Diese Dokumente entstan- den gemeinsam mit Studierenden an der Hochschule der Medien, die selbst türki- sche Wurzeln haben und sich freiwillig bereit erklärten, als Expertenteam die Studie zu Beginn zu begleiten.

Die wichtigsten Forschungsfragen, die dabei entstanden, waren:

- Wie lange nutzen die Befragten durchschnittlich am Tag Fernsehen, Radio und Internet?
- Welche Geräte werden zur Nutzung eingesetzt?
- Welche Sender werden bevorzugt?
- Welche Sendungen werden genutzt?
- Welche spezifischen Sendungen werden von Jugendlichen noch mehr ge- wünscht?
- Welche Online-Angebote der Fernseh- und Radiosender werden genutzt?
- Welche Motivationsfaktoren gibt es, um Jugendliche noch stärker an den On- line-Angeboten zu beteiligen?
- Wie wird das Internet genutzt?
- Welche Sozialen Netzwerke werden genutzt?
- Welche Aktivitäten finden in den Sozialen Netzwerken statt?
- Welche Rolle spielen die Medien in der Kommunikation mit Freunden und Verwandten in der Türkei?

5.2 Fragebogen

Aus dem groben Fragenkatalog wurde ein Fragebogen entwickelt. Dieser wurde dann durch Pre-Tests empirisch getestet (vgl. Schnell: 1991; Schnell, Hill, Esser: 2011). Die Pre-Tests wurden in zwei Phasen durchgeführt. Bei den Entwicklungs- Pre-Tests wurde der Fragebogen überprüft, geändert und modifiziert. So wurde der Fragebogen auf die sprachlichen und umgangssprachlichen Besonderheiten der Zielgruppe hin angepasst. Es wurden u.a. auch Sender gestrichen und spezifisch türkische Sender, wie Show TV und Kanal D zusätzlich aufgenommen, weil diese eine Rolle in der Nutzung spielen. Gleiches gilt für die Radiosender KRAL und Powertürk. Darüber hinaus wurde die Dauer der Radio- und Internetnutzung modifi- ziert bzw. erweitert. Es wurde bei allen Fragen, die Option „ich nutze kein...“ einge- fügt.

Nach einer letzten Sitzung mit der Expertengruppe bei der ein Abschluss-Pre-test durchgeführt wurde, bestand der Fragebogen aus fünf Teilen:

1. Allgemein Fragen zu Person (insgesamt sechs Fragen)
2. Fragen zur TV-Nutzung (insgesamt zehn Fragen)
3. Fragen zur Radio-Nutzung (insgesamt sechs Fragen)
4. Fragen zur Internet-Nutzung (insgesamt sechs Fragen)
5. Abschließende offene Frage zur Bedeutung der Medien

Der erste Teil beinhaltet insgesamt sechs Fragen, die einen Einblick in den persönli- chen Hintergrund des Teilnehmers geben sollen. Hierzu zählen Fragen nach dem Geschlecht, dem Alter, dem Bildungsstand sowie den sprachlichen Präferenzen (Verwendung der türkischen oder deutschen Sprache) in der Familie und bei der Kommunikation mit Freunden.

[...]


1 https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Bevoelkerung/MigrationIntegration/MigrationIntegration.html

2 https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Bevoelkerung/Bevoelkerung.html;jsessionid=99513F1AE08E37A8 4169EB9F86F93486.cae4

3 http://www.statistikportal.de/BevoelkGebiet/Indikatoren/BV-BS_migranten.asp

4 http://www.statistik.baden-wuerttemberg.de/Veroeffentl/Statistik_AKTUELL/803413006.pdf

5 http://service.stuttgart.de/lhs-services/komunis/documents/6432_1.PDF

6 http://www.statistik.baden-wuerttemberg.de/Veroeffentl/Statistik_AKTUELL/803413006.pdf

7 http://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Publikationen/WorkingPapers/wp34-mediennutzung-von- migranten.pdf;jsessionid=932C984A84FAF7DA930E4345FEA5698C.1_cid294?__blob=publicationFile

8 http://www.civismedia.eu/fileadmin/studien/Dokumentation_Migranten_und_Medien.pdf

9 Im Tagungsband, http://library.fes.de/pdf-files/wiso/07394-20100820.pdf, als Einzeldokument http://www.uni- siegen.de/phil/sozialwissenschaften/soziologie/mitarbeiter/geissler/wiso-diskurs.pdf

10 http://www.ard.de/intern/presseservice/-/id=2162042/property=download/nid=8058/1let37x/index.pdf

11 http://www.bteu.de/download/2001_studie_gefak_Mediennutzung_und_Integration.pdf

12 http://www.media-perspektiven.de/uploads/tx_mppublications/03-2007_Trebbe.pdf

13 http://www.media-perspektiven.de/uploads/tx_mppublications/03-2007_Windgasse.pdf

Details

Seiten
50
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656720836
ISBN (Buch)
9783656722977
Dateigröße
979 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v279291
Institution / Hochschule
Hochschule der Medien Stuttgart
Note
Schlagworte
Integration Mediennutzung türkische Jugendliche TV Radio Internet Social Media Türkei Studien Medien

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Titel: Studie zur Mediennutzung Jugendlicher mit türkischen Wurzeln in Deutschland