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Klettern im Hochseilgarten. Das Konzept eines Bewegungs- und Sportangebots für Menschen mit psychischen Krankheiten

Projektarbeit 2013 9 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Bewegung, Spiel und Sport in der Sozialen Arbeit: Konzeption eines Angebots

Konzept eines Bewegungs- und Sportprojekts in der Sozialen Arbeit

Thema/Titel des Bewegungs-/Sportangebots

Klettern im Hochseilgarten mit psychisch kranken Menschen zur Förderung der eigenen Stärken, Fähigkeiten und Ressourcen sowie zur Verdeutlichung von Gruppenprozessen.

Zielgruppe

Gemischtgeschlechtliche heterogene Gruppe psychisch kranker Menschen ab 18 Jahren mit unterschiedlichen Krankheitsbildern wie z.B.

- Angst- und Panikstörung
- Körperschemastörung ( z.B. Körperdysmorphen Störungen , im Rahmen einer Essstörung wie Bulimie oder Anorexie),
- Depressionen

Anmerkung: Durch die Heterogenität soll verhindert werden, dass sich die Klienten in den Lernprozessen möglicherweise gegenseitig behindern.

Begründung der Bedeutsamkeit des geplanten Angebots – Warum dies mit dieser Gruppe?

Warum ist das geplante Angebot für die ausgewählte Zielgruppe bedeutsam?

Zum einen kann das Angebot bei Patienten mit Angst- und Panikstörung als Expositionsübung dienen. Das heißt, dass sich Menschen gezielt mit den Situationen auseinandersetzen, die bei ihnen Belastungsreaktionen oder Symptome hervorrufen. Bei Personen mit einer Körperschemastörung kann das Angebot hilfreich sein um die Körperwahrnehmung zu verbessern. Weiterhin kann es bei Patienten die unter Depressionen leiden als Aktivierungsmaßnahme dienen.[1]

Weiterhin können die Betroffenen durch dieses Angebot lernen, sich mit Spaß neuen Herausforderungen zu stellen. Dies bewirkt, dass wichtige und weiterführende Erfahrungen für ihre Persönlichkeitsentwicklung gemacht werden können. Zudem ermöglicht das Angebot den Teilnehmern dass sie aus der oftmals vorhandenen oder drohenden sozialen Isolation heraus kommen und neue Aktivitätsmöglichkeiten erlernen. Dabei lernen sie auch viel Neues über sich selbst aber auch über andere und die eigene Umgebung.[2]

Darüber hinaus dient dieses Bewegungsangebot genauso wie auch Angebote die sich auf das Joggen mit psychisch Kranken beziehen auch zur Stärkung der internen Kontrolle und der persönlichen Unabhängigkeit. Mit dem Begriff der „internalen Kontrollüberzeugung“ bezeichnet man den Zustand, wenn ein Individuum ein positives oder negatives Ereignis als Konsequenz des eigenen Verhaltens wahrnimmt. Von persönlicher Unabhängigkeit spricht man in der Psychologie immer dann, wenn ein Zustand von Selbständigkeit, Entscheidungsfreiheit oder Selbstbestimmung erreicht worden ist.[3]

Bei depressiven Patienten die häufig unter Schlafstörungen leiden, kann das Angebot zudem eine effektive Möglichkeit darstellen, ohne chemische Hilfsmittel wie Medikamente oder Alkohol zu einem gesunden und natürlichen Schlaf zu kommen.[4] Weiterhin kommt es zu einem Abbau von Stressreaktionen sowie zu verbesserten Stressbewältigungsstrategien.[5]

Ein weiterer positiver Aspekt ist die Förderung des Selbstbewusstseins und der Selbstsicherheit durch das Angebot. Dies bewirkt auch, dass sich das Selbstbild der Teilnehmer der Realität nähert.[6]

Was ist das spezifisch „Sozialarbeiterische“ am geplanten Angebot?

Bei diesem Angebot im Bereich Sport ist das spezifisch „Sozialarbeiterische“ vor allem in den kooperative Gruppenübungen und körpererfahrungs- sowie kooperationsorientierte Aktionen zu sehen. So können im Rahmen der Gruppenübungen beispielsweise Wettbewerbe initiiert werden (z.B. wer klettert eine bestimmte Route am schnellsten oder ähnliches).

Ein weiterer Punkt der sich speziell an sozialarbeiterischem Handeln orientiert ist, dass das Angebot auch einen Zugang zur Bewegung und zum Sport für Menschen in speziellen und oftmals prekären Lebenssituationen bietet, die im normalen Alltag vielleicht keinen oder nur einen geringen Zugang zu Sportangeboten haben würden. Darüber hinaus ist das Angebot auch ein mögliches und sehr wirksames Medium zur Kontaktaufnahme für den Bereich der Sozialen Arbeit. So wird über dieses Angebot beispielsweise der Zugang zum „Klientel“ erleichtert, da es den Teilnehmer in einer etwas anderen und vom üblichen Klinikalltag abweichenden, „lockeren“ Atmosphäre des Angebots mitunter leichter sich zu öffnen.[7]

Weiterhin bereichert das Medium Hochseilgarten innerhalb der Sozialen Arbeit die Handlungsmöglichkeiten von Sozialarbeitern und Sozialpädagogen ungemein. Die Soziale Arbeit entdeckt durch die Bewegung im Hochseilgarten ein neues Repertoire, welches neben der Aufarbeitung der motorischen Defizite und deren Folgeerscheinungen erlaubt, Beratungs- und Unterstützungssituationen durch diesen Handlungs- und Bewegungsorientierten Ansatz zu begleiten. Der Hochseilgarten gibt die Möglichkeit, Situationen zu konstruieren und zu irritieren, um eingefahrene Interaktionsmuster aufzubrechen, Ressourcen zu verstärken und Möglichkeiten zu neuem Handeln zu geben. Die Teilnehmer erleben sich in motivierten und ungewohnten Handlungsfeldern, die positive Entwicklungschancen mit sich bringen können.[8]

Wie begründen Sie theoretisch das geplante Angebot

Prof. Dr. Ulrich Bartmann beschreibt in seinem Buch „Laufen und Joggen für die Psyche“ jegliche positive Auswirkungen des Laufens auf unser körperliches, geistiges und seelisches Wohlbefinden. Die positiven Effekte, die durch Laufen und Joggen erzielt werden, lassen sich laut Bartmann nicht ausschließlich auf das Laufen und Joggen beschränken sondern können durchaus auch durch andere Sportarten erzielt werden. Demnach gehen wir davon aus, dass sich die positiven Effekte welche durch die o.g. Sportarten erzielt werden können, auch durch das Klettern im Hochseilgarten erreichbar sind.

Darüber hinaus gibt es in zahlreichen psychiatrischen Kliniken bereits praktische Erfahrungen mit dem erlebnispädagogischen Angebot des „therapeutischen Kletterns mit psychisch Kranken Menschen“.

Weiterhin möchten wir uns in Bezug auf den Nutzen dieses Angebots und in Bezug auf die theoretische Begründung auf eine Studie der Klinik Wollmarshöhe beziehen. Die Klinik Wollmarshöhe ist ein privates Fachkrankenhaus für psychosomatische Medizin und begann vor mehr als 10 Jahren als erste Klinik erfahrungsorientierte Methoden, unter anderem mittels Hochseilgarten in ein integratives Behandlungskonzept zu integrieren. In einer kontrollierten Beobachtungsstudie an der 247 Patienten teilnahmen, konnten die Einflüsse, Wirkimpulse und Effektstärken durch Erfahrungsorientierte Darlegungen auf dem Hochseilgarten untersucht werden. Die Hochseilgartenbegehung fand zusätzlich zu den klassischen Verfahren der Psychotherapie statt. Die Verhaltensveränderungen der Patienten vom Zeitpunkt der Aufnahme bis zur Entlassung zeigte für Hochseilgartenteilnehmer gegenüber den Nichtteilnehmern durchschnittlich mindestens doppelt so hohe Verbesserungswerte. Diese Verbesserungswerte bezogen sich hauptsächlich auf die Gesamtbeeinträchtigung, auf Depressivität und Angst, auf Kontrollüberzeugung und die Selbstwirksamkeit. Auch persönlichkeitsrelevante Faktoren, wie z. B. die Angst als Persönlichkeitseigenschaft, dispositionelle Ängste, sowie eine ängstliche Persönlichkeit wurden durch das Hochseilgartentraining positiv beeinflusst.[9]

[...]


[1] vgl. Lukowski 2010

[2] vgl. Konzept therapeutisches Klettern mit Kindern und Jugendlichen der LVR Klinik-Bedburg-Hau

[3] vgl. Bartmann 2005, S. 31ff.

[4] vgl. Bartmann 2005, S. 35

[5] vgl. Bartmann 2005,S. 38

[6] vgl. Bartmann (2005), S. 45

[7] vgl. Michels, Harald (2007), Seite 13 – 16

[8] vgl. Hochseilgarten Dülmen, www.hochseilgarten-duelmen.de

[9] Vgl. http://www.klinik-wollmarshoehe.de/images/Dokumente/Klinik_Wollmarshoehe/klinik_studie_ppe_zusammenfassung_de.pdf

Details

Seiten
9
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656733157
ISBN (Buch)
9783656733133
Dateigröße
544 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v279473
Institution / Hochschule
Hochschule Koblenz (ehem. FH Koblenz)
Note
1,3
Schlagworte
klettern hochseilgarten konzept bewegungs- sportangebots menschen krankheiten
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Titel: Klettern im Hochseilgarten. Das Konzept eines Bewegungs- und Sportangebots für Menschen mit psychischen Krankheiten