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M-Learning im Kontext klassischer Lerntheorien?

Kompetenzentwicklungs- und Bildungspotentiale mobiler Lernangebote

Seminararbeit 2012 15 Seiten

Pädagogik - Berufserziehung, Berufsbildung, Weiterbildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. E-Learning als Ausgangspunkt

3. Zum Begriff des M-Learnings
3.1. Versuch einer Definition für M-Learning
3.2. Zum Mobilitätsbegriff
3.3. Zum Lernbegriff

4. Technologische Dimensionen des M-Learning

5. Klassifizierung und Zielgruppenzuordnung

6. Lernpotential von M-Learning

7. Fazit

Literturverzeichnis

1. Einleitung

„Bildung kommt von Bildschirm und nicht von Buch, sonst hieße es ja Buchung.“[1] Dieser Ausspruch des deutschen Kabarettisten Dieter Hildebrandt wirft, obwohl sachlich freilich zweifelhaft, eine interessante Frage in Bezug auf den Prozess der Bildung und damit auch der Wissensaneignung in einer hochtechnisierten Gesellschaft auf. Schließlich ist die alltägliche Gegenwart von allerlei Bildschirmen geprägt, sei es das Fernsehgerät, der Computerbildschirm oder nicht zuletzt die Displays unserer mobilen Kommunikations- und Unterhaltungsgerätewie beispielsweise Smartphones oder Laptops. Viele Lehr- und Sachbücher sind bereits heute elektronisch verfügbar und die Menge digitaler Inhalte steigert sich von Tag zu Tag.

Welchen Einfluss dies auf die Lehr- und Lernlandschaft unserer Gesellschaft hat, zeigen aktuelle Erhebungen wie der MMB-Trendmonitor des Instituts für Medien- und Kompetenzforschung (2012). Diese Organisation befragte dieses Jahr bereits zum siebten Mal Experten aus dem Bereich des E-Learning zum aktuellen Stand und zur prognostizierten Entwicklung dieser Disziplin. Neben der Erkenntnis, dass sich E-Learning besonders im betrieblichen Bildungskontext weiter etabliert, wird als absolutes Top-Thema der diesjährigen Erhebung der Bereich des Mobile-Learning aufgeführt. 84% der befragten Expertinnen und Experten betrachten Mobile-Learning als den wichtigsten E-Learning-Bereich der nächsten 3 Jahre.[2] Hieraus wird deutlich, welchen Stellenwert der Aspekt des Lernens mit mobilen Endgeräten im Gesamtbereich des E-Learning bereits hat und in Zukunft wahrscheinlich noch haben wird.

Innerhalb dieser Arbeit soll daher der Frage nachgegangen werden, inwieweit das mobile Lernen auf die klassischen Lerntheorien anwendbar ist, wobei diese originär nicht unter Einbeziehung mobiler Lernkontexte entwickelt wurden. Dazu soll zunächst das E-Learning als Entwicklungsgrundlage überblicksartig dargestellt werden, um in der Folge eine Begriffsdefinition sowie eine eingehendere Auseinandersetzung mit dem Mobilitätsbegriff durchzuführen. Im Anschluss daran werden die drei hauptsächlichen Lerntheorien moderner Bildungswissenschaften dargestellt und deren Bezug zum Mobile-Learning aufgezeigt. Dies erfordert zusätzlich eine kurze Einführung in die technische Dimension des Mobile-Learning sowie eine Klassifizierung der denkbaren Zielgruppen mobiler Lernangebote. Letztendlich folgt eine abschließende Überlegung zu der Frage nach dem tatsächlichen Lernpotential, welches Mobile-Learning im Vergleich zu klassischen Lehr- Lernsituationen entfalten kann.

2. E-Learning als Ausgangspunkt

Um im weiteren Verlauf zu einer treffenden Definition von M-Learning zu gelangen, ist es zunächst einmal notwendig, den Begriff des E-Learning genauer zu betrachten. Wie sich später noch herausstellen wird, stehen beide Begrifflichkeiten in enger Verbindung, bzw. nahmen und nehmen in ihrer Entwicklung gegenseitigen Einfluss. Daher soll im folgenden Abschnitt eine kurze Einführung in den Bereich des E-Learning erfolgen.

Das Wort E-Learning ist eine Kurzform für electronic learning, was im deutschen wohl am ehesten als „Lehren und Lernen mittels verschiedener elektronischer Medien“[3] verstanden werden kann.

„Mit dem Begriff ‚E-Learning’ wird ein vielgestaltiges gegenständliches und organisatorisches Arrangement von elektronischen bzw. digitalen Medien zum Lernen (…) bezeichnet. Dieses Arrangement von elektronischen Mitteln, Räumen und Verknüpfungen kann individuell oder gemeinsam zum Lernen bzw. zur Kompetenzentwicklung und Bildung von Lernenden genutzt werden.“[4]

Aus dieser Definition nach Arnold et al. (2011) gehen die charakteristischen Wesensmerkmale des E-Learning sehr deutlich hervor. Neben der Vielzahl an Gestaltungsmöglichkeiten, sprich Inhalte und Methoden, wird auch die Zielgruppe benannt. Demnach erfasst E-Learning sowohl einzelne Individuen, als auch Lerngruppen unspezifischer Größe. Der Aspekt der Kompetenzentwicklung und der Bildung[5] fügt dem E-Learning dabei einen Zielhorizont hinzu, der mit dem klassischer Lernumgebungen durchaus vergleichbar ist.[6]

Die Tatsache, dass es sich um ein Arrangement von Angeboten handelt, lässt bereits die Vielschichtigkeit und Komplexität des Bereiches erahnen. Tatsächlich wird beispielsweise bei Rey (2009) darauf hingewiesen, dass besonders der Umstand, dass Multimedialität trotz ihrer Allgegenwärtigkeit im alltäglichen Sprachgebrauch, als wissenschaftlicher Begriff schwer erfassbar ist. Deutlich wird dies auch darin, dass sich in der wissenschaftlichen Diskussion noch keine breit anerkannte Definition hat finden lassen, was sicherlich auch auf die besondere Dynamik der Entwicklungen im technischen Bereich und dem Aufkommen immer neuer Medien zurückzuführen ist. Im Kontext dieser Ausarbeitung halte ich die Auffassung von Rey (2009) als Arbeitsdefinition für zielführend, welche unter dem Konstrukt der Multimedialität alle „Objekte oder technische Geräte (…), mit denen sich Informationen speichern und/oder kommunizieren lassen[7] “ zusammenfasst. Dazu zählen neben Büchern, Hörbüchern und E-Books, also elektronischen Bücherkopien, auch Audio- und Videoplayer und jegliche Form von Computern.[8]

Für den weiteren Verlauf soll an dieser Stelle festgehalten werden, dass E-Learning ein Oberbegriff für jedwede Form von multimedialem unterstütztem Lehren und Lernen ist. Sowohl die Inhalte als auch die Lernräume sind dabei zumindest überwiegend elektronisch arrangiert und dementsprechend methodisch und inhaltlich organisiert.

3. Zum Begriff des M-Learnings

3.1. Versuch einer Definition für M-Learning

Der Ausdruck M-Learning stellt ebenfalls wie E-Learning die Kurzform einer englischsprachigen Wortgruppe dar, in diesem Fall mobile learning. Übersetzt bedeutet dies mobiles Lernen, was an dieser Stelle noch nicht besonders neuartig erscheint. Das Argument, dass das Lesen eines Lehrbuches während einer Zugreise ebenfalls eine Form des mobilen Lernens darstellt, wäre sicherlich schwer zu widerlegen. Bei der näheren Betrachtung der wissenschaftlichen Literatur zeigt sich zudem eine Vielzahl weiterer Begrifflichkeiten, wie etwa Wireless Learning, Ubiquitous Learning, Seamless Learning, Nomadic Learning oder Pervasive Learning bzw. Education.[9]

Das Konzept des M-Learnings ist notwendigerweise eng mit dem Aufkommen mobiler Endgeräte verbunden. Im wissenschaftlichen Diskurs zeigt sich dies in dem Umstand, dass einige Autoren die Bezeichnungen mobile und mobile phone (zu Deutsch: Mobiltelefon) synonym verwenden. Teilweise wird M-Learning auch als Weiterentwicklung des E-Learning verstanden.[10]

Frohberg (2008) betrachtet M-Learning als „pädagogisch motivierte, nachhaltige Handlung (Lernen, Lehren, Lernunterstützung und Lernlogistik) angesehen, wenn dabei in massgeblichem Umfang mobile Computertechnologie in mobilen Kontexten zum Einsatz kommt und diese einen deutlichen Mehrwert beinhaltet oder zumindest eine signifikante Verhaltensänderung bewirkt“.[11] Aus dieser Definition geht eindeutig der geforderte pädagogische Mehrwehrt hervor. Das bedeutet, dass es sich nicht nur um eine bloße Verfügbarmachung von Informationen für den mobilen Einsatz handelt, sondern dass es sich um eine bildungswissenschaftlich fundierte Bildungsmaßnahme mit qualitativem Anspruch handelt. Dies erfordert allerdings eine Auseinandersetzung mit den besonderen Gegebenheiten einer räumlich und zeitlich nicht spezifizierbaren Lernsituation. Für eine solche Betrachtung ist es daher vonnöten, die beiden Grundelemente mobilen Lernens näher zu erörtern.

3.2. Zum Mobilitätsbegriff

Den Aspekt der Mobilität kann man in drei Kategorien unterteilen, nämlich in die physische, die soziale und die informationelle Mobilität.[12] Die physische Mobilität umschreibt hierbei das allgemein gebräuchliche Verständnis der Ortsveränderung im Raum, und schließt sowohl Personen als auch Objekte mit ein.[13]

Die soziale Mobilität setzt sich in Anlehnung an den sozialen Schichtbegriff[14] aus vertikaler und horizontaler sozialer Mobilität zusammen, wobei die horizontale Mobilität das Vermögen zum sozialen Austausch innerhalb einer sozialen Schicht beschreibt. Die vertikale Mobilität bezieht sich auf die soziale Interaktion zwischen den Schichten. Die Mobilität beschreibt folglich vor allem auf den Aspekt der Kommunikation unter den Menschen. Im Kontext des M-Learning findet sich hier besonders die Fähigkeit wieder, immer und überall unmittelbar mit anderen Menschen in Kontakt treten zu können, so beispielweise durch mobile Sprachkommunikation, Kurznachrichten und mobiles Instant-Messaging.[15]

Unter informationeller Mobilität werden zwei Bereiche gefasst. Einerseits umschreibt diese die geistige Beweglichkeit, welche mit den individuellen Eigenschaften der Kreativität, Agilität und Flexibilität des Denkens gleichzusetzen ist.[16] Andererseits zählt dazu auch die mediengebundene Mobilität, welche in Bezug auf M-Learning besondere Relevanz entfaltet. Hierbei handelt es sich um die Kategorisierung der Inhalte nach physischer, bzw. digitaler Existenz. Demnach ist digitales Lernmaterial potentiell mobiler als ein physisches Objekt, beispielsweise ein Buch. Unter mediengebundener Mobilität wird also die Transportfähigkeit der Materialien zusammengefasst. Werden Lehrmaterialien zum Beispiel über ein Mobilfunknetz übertragen, so kann dies für den Lernenden einen Gewinn an Mobilität darstellen.[17]

[...]


[1] Online verfügbar unter http://www.zitate-online.de/sprueche/kino-tv/181/bildung-kommt-von-bildschirm-und-nicht-von.html (abgerufen am 23.10.2012)

[2] Institut für Medien- und Kompetenzforschung (2012). S. 6.

[3] Rey (2009). S. 15.

[4] Arnold et al. (2011). S. 18.

[5] Die differenzierte Erläuterung und Abgrenzung der Begrifflichkeiten Bildung und Kompetenzentwicklung sollen an dieser Stelle nicht weiter ausgeführt werden, da dies dem Umfang der Arbeit einerseits nicht gerecht würde und eine genauere Betrachtung mit Hinblick auf das Thema nicht notwendig ist. Siehe hierzu vertiefend: von Hentig (1996), Erpenbeck/ von Rosenstiehl (2003), Dehnbostel (2007) und Kauffeld et al. (2009).

[6] vgl. Arnold et al. (2011). S. 17ff.

[7] Rey (2009). S. 16.

[8] vgl. Rey (2009). S.16ff.

[9] vgl. Bartelsen (2011). S. 1.

[10] ebd. S. 3.

[11] Frohberg (2008). S. 6.

[12] vgl. Maske (2012). S. 125f.

[13] vgl. Institut für Mobilitätsforschung (2000). S. 21.

[14] siehe dazu vertiefend: Geißler (2006)

[15] vgl. Maske (2012). S. 125.

[16] ebd. S. 125f.

[17] vgl. Ernst (2008). S. 14f.

Details

Seiten
15
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656727668
ISBN (Buch)
9783656727699
Dateigröße
568 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v279788
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,6
Schlagworte
m-learning kontext lerntheorien kompetenzentwicklungs- bildungspotentiale lernangebote

Autor

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Titel: M-Learning im Kontext klassischer Lerntheorien?