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Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit in der Bundesrepublik Deutschland

Hausarbeit (Hauptseminar) 2014 13 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Allgemeine Begriffserklärung „Vergangenheitsbewältigung“

3. Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit in der BRD
3.1 Verdrängung in den 50ern
3.2 Aufarbeitung in den 60ern
3.3 Offene Auseinandersetzung in den 70ern
3.4 Wandel ab den 80ern

4. Die Bedeutung Graf Schenk von Stauffenbergs

5. Fazit

1. Einleitung

Diese Hausarbeit wird sich damit befassen, inwieweit sich die Deutschen im Laufe der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland mit der nationalsozialistischen Vergangenheit auseinandergesetzt haben.

Zu Beginn wird in einem kurzen Abschnitt auf allgemeine Fakten zur näheren Definition des Begriffs der Vergangenheitsbewältigung eingegangen, um danach mit dem Umgang aus heutiger Sicht fortzufahren.

Der Hauptteil der Hausarbeit wird in unterschiedliche Abschnitte eingeteilt, die sich mit den verschiedenen Epochen des Verarbeitungsprozesses beschäftigen. Zu Beginn wird erläutert, wie die Menschen in der jungen Bundesrepublik mit dem Erbe des Krieges und des Nationalsozialismus umgegangen sind, dass eine Mehrheit der Bevölkerung aus verschiedenen Gründen eine Verdrängung einer Aufarbeitung vorgezogen hat, dass eine Entnazifizierung nicht vollends vollzogen wurde.

Der zweite Abschnitt wird sich mit dem langsamen Verschwinden des Dogmas des Schweigens seitens der Deutschen in Bezug auf ihre Vergangenheit beschäftigen.

Im dritten Abschnitt wird die 68er Generation und die damit verbundene großflächige Aufarbeitung der deutschen Gesellschaft mit ihrer Vergangenheit thematisiert. Ein weiteres Augenmerk dieses Abschnittes wird der Film „Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss“ darstellen, welcher nach Erscheinen eine Welle der Entrüstung und des Entsetzens lostrat, da zum ersten Mal der deutschen Öffentlichkeit ein Bild zu den Geschichten und Erzählungen der Leiden der Juden in den Konzentrationslagern geliefert wurde.

Der vierte Abschnitt wird sich mit den 80er Jahren beschäftigen. Hier wird die Rede vor dem Bundestag von Richard von Weizsäcker zum 40. Jubiläum der deutschen Kapitulation im zweiten Weltkrieg vom 08.05.1985 behandelt, welche als Einschnitt in der Verarbeitung der Deutschen mit ihrer eigenen Geschichte gilt. Außerdem wird noch kurz auf den Historikerstreit eingegangen.

In einem kurzen Abschnitt nach dem Hauptteil möchte ich noch auf die Person Graf Schenck von Stauffenbergs eingehen, welchem in der Bundesrepublik ein zentraler Platz bei der Verarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit eingeräumt wurde. Hier sollen die Person und die politischen Überzeugungen, sowie Ziele, Stauffenbergs aufgezeigt werden, damit deutlich wird, wieso die Bundesrepublik Deutschland in Bezug auf die Verarbeitung und Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit den Adligen zu ihrer Galionsfigur erklärt hat.

Abschließend sollen in einem kurzen Fazit nochmals alle erarbeiteten Fakten zusammengefasst werden und eine differenzierte Auseinandersetzung mit ihrer Gültigkeit und Tragkraft stattfinden.

2. Allgemeine Begriffserklärung „Vergangenheitsbewältigung“

Der Begriff der Vergangenheitsbewältigung zeichnet sich durch eine enorme Vielschichtigkeit aus und ist unablässig um die Auseinandersetzung der Deutschen nach dem 2. Weltkrieg mit der nationalsozialistischen Vergangenheit zu verstehen. In den 50er Jahren das erste Mal aufgetaucht stellt die Vergangenheitsbewältigung justizielle, wissenschaftliche, zivilgesellschaftliche, legislative und administrative Maßnahmen der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus dar.

In erster Linie bedarf das Befassen mit der Bewältigung der deutschen Vergangenheit einiger allgemeiner Vorentscheidungen. Zum ersten muss die Frage beantwortet werden, ob sich das Geschehene überhaupt bewältigen lässt. Des Weiteren muss gefragt werden, ob die Geschichte bewältigt werden soll. Im speziellen Fall der nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands muss zuletzt noch überdacht werden, ob es für den demokratischen Neuanfang des Nachfolgerstaates nicht wesentlich sinnvoller wäre, das Geschehene einfach zu vergessen.[1]

In den letzten 50 Jahren unterlag der Begriff der Vergangenheitsbewältigung einer ständigen Entwicklung. Richard von Weizsäcker formulierte es beispielsweise in seiner Rede vor dem Bundestag zum 40. Jahrestag der deutschen Kapitulation so: „Es geht nicht darum, Vergangenheit zu bewältigen. Das kann man gar nicht. Sie lässt sich ja nicht nachträglich ändern oder ungeschehen machen. Wer aber vor der Vergangenheit die Augen schließt, wird blind für die Gegenwart.“[2] Weizsäcker schließt also die Möglichkeit einer Bewältigung aus und plädiert für das etablieren einer Erinnerungskultur.

Aus heutiger Sicht definiert sich Vergangenheitsbewältigung durch eine vorbehaltlose Aneignung von Wissen über das in der Vergangenheit Geschehene. Zudem muss eine neutrale, produktive und folgenreiche Auseinandersetzung mit der Vergangenheit angestrebt und zuletzt ein Einlassen auf das Geschehene in seiner ganzen historischen Fragwürdigkeit gewährleistet werden. Das Ziel einer Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit ist die Aufarbeitung und das Begreifen des Geschehenen sowie das Verhindern der Möglichkeit einer Wiederholung. Ein Abschließen dieses Vorgangs stellt sich jedoch als unmöglich heraus, da die Vergangenheit stattdessen im kollektiven Bewusstsein verankert bleiben soll, sodass ein vergessen ausgeschlossen werden kann. Das Etablieren einer Erinnerungskultur scheint also zum Prozess der Vergangenheitsbewältigung dazuzugehören.

3. Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit in der BRD

3.1. Verdrängung in den 50ern

Nach Ende des zweiten Weltkriegs und den damit verbundenen Gräueltaten war die Bereitschaft der deutschen Bevölkerung zur Auseinandersetzung mit dem Geschehenen äußerst gering. Die Mehrheit der Menschen wollte nicht an das, was mit eigenem Zutun oder passiver Duldung geschehen war, erinnert werden. Zu der Schande, wieder einen Krieg verloren zu haben, stieß die Scham über das eigene moralische Versagen, denn der Anteil an individueller Schuld war groß.[3] Im Allgemeinen wollte man einen Schussstrich unter die Vergangenheit ziehen um einen unbelasteten Neustart wagen zu können. Es kam zwar zur öffentlichen Verurteilung des Nationalsozialismus, doch behielten auch nach Kriegsende viele Funktionsträger, wie beispielsweise Richter und Beamte jeglichen Ressorts, ihre Position in der jungen Demokratie und wurden zudem überhaupt nicht oder nur unzulänglich für ihre Tätigkeiten während der nationalsozialistischen Diktatur belangt. Dies ging soweit, dass Urteile der Nürnberger Prozesse später erheblich reduziert und verurteilte Nationalsozialisten amnestiert und rehabilitiert wurden.[4] Zudem stellten die Alliierten die von ihnen betriebene Entnazifizierung vergleichsweise schnell ein, da Westdeutschland aufgrund seiner geopolitischen Lage als Grenzregion zum kommunistischen Ostblock nicht zu sehr geschwächt werden durfte, da sich bereits ein Ost-West-Konflikt abzeichnete.[5]

Diese frühe Phase war geprägt durch eine „Entpolitisierung der historisch-politischen Bildung“[6] und nicht durch eine „kritische Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus“[7]. Inwieweit die Durchführung der Entnazifizierung mit den für sie verantwortlichen Personen zusammenhängt, bleibt fraglich. So warf man beispielsweise dem amerikanischen General George S. Patton vor, dass er die Entnazifizierung in der Region, die ihm unterstand, schleifen gelassen hätte. Grade im Fall Pattons, der während des Krieges durch Äußerungen auffiel, die nahelegten, dass er eine gewisse Bewunderung für die Nationalsozialisten und ihre antikommunistische Ideologie hegte, wäre es durchaus denkbar, dass eine konsequente Verfolgung ehemaliger Funktionäre oder Parteimitglieder nicht oberste Priorität genoss. Der frühe und abrupte Tod des Generals lässt allerdings nur Spekulationen um seine Person zu diesem Thema zu.

[...]


[1] Mayerhofer: „Bewältigung“ der NS-Vergangenheit.

[2] Weizsäcker: Ansprache in der Gedenkstunde im Plenarsaal des Deutschen Bundestages am 8. Mai 1985.

[3] Mayerhofer: „Bewältigung“ der NS-Vergangenheit.

[4] Rathenow; Weber (HRSG.): Nationalsozialismus und Holocaust in Gesellschaft, Staat und Erziehung, S. 17.

[5] Ibidem.

[6] Ibidem.

[7] Ibidem.

Details

Seiten
13
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656727385
ISBN (Buch)
9783656727408
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v279861
Institution / Hochschule
Universität Trier
Note
2,3
Schlagworte
Nationalsozialismus Holocaust Aufarbeitung der Vergangenheit

Autor

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Titel: Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit in der Bundesrepublik Deutschland