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Kirchenkritik im Schelmenroman "Lazarillo de Tormes" im Vergleich zur Lehre von Erasmus von Rotterdam

Hausarbeit 2013 11 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Erasmus von Rotterdam
a) Person
b) Sein Einfluss auf den Autor des „Lazarillo de Tormes“

3. Das 16. Jahrhundert in Spanien

4. Lazarillo de Tormes
a) Inhalt.5
2b) Kritik am Klerus6
5. Vergleich der Texte
a) Ähnlichkeiten
b) Unterschiede

6. Schlusswort

7. Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Die vorliegende Arbeit ist Gegenstand der Untersuchung von Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen dem Schelmenroman „Lazarillo de Tormes“ und den Lehren von Erasmus von Rotterdam.

Anhand von drei ausgesuchten Figuren, denen Lazarillo auf seinem Lebensweg begegnet, gilt es zu klären, inwiefern sich der Autor des „Lazarillo de Tormes“ von Erasmus von Rotterdam in seiner Kritik am Klerus unterscheidet.

Zunächst soll die Person Erasmus von Rotterdam den Grundstein für diese Arbeit legen, sowie darauffolgend der historische Hintergrund zur Zeit der Entstehung des Schelmenromans. Dieser wird sich aus der Zeit von 1492 bis Carlos I. und der Inquisition in Spanien zusammensetzen. Fortführend eine kurze Zusammenfassung zum Werk „Lazarillo de Tormes“ und die darin enthaltene Kritik am Klerus.

Im Fokus steht der Vergleich der Primärtexte „Lazarillo de Tormes“ und „Enchiridion militis christiani“, sowie „Moriae Encomium“ in dem als erster Schritt die Ähnlichkeiten und als zweiter Schritt die Unterschiede der Kritik an der Kirche gezeigt werden.

2.Erasmus von Rotterdam

a) Person

Erasmus Desiderius von Rotterdam wurde am 27. Oktober 1466 oder 1469 in Rotterdam als uneheliches Kind geboren. Er war Autor vieler Bücher, Theologe, Philologe und Philosoph. Der niederländische Gelehrte des europäischen Humanismus starb am 12. Juli 1536 in Basel, Schweiz.

Ab 1478 besuchte er eine Lateinschule, 14 Jahre später wurde er zum Priester geweiht. Erasmus reiste viel zwischen den Niederlanden, England und Frankreich und lernte so unter anderem Thomas Morus und den zukünftigen Heinrich VIII. kennen.

1509 ging er nach Italien, wo er in Venedig einen Verleger kennenlernte, welcher einige seiner Werke druckte. Seit dem Jahre 1516 stand Erasmus von Rotterdam dem spanischen König Carlos I. bzw. Kaiser Karl V. als Ratgeber zur Seite. Ab 1519 pflegte er Briefkontakt zu Martin Luther, zu dem er in den ersten Reformationsjahren als Verbündeter galt. Doch wollte Erasmus die Kirche von innen reformieren und so eine weitere Abspaltung unterbinden. In diesem Zusammenhang entstand sein Werk „De libero arbitrio“, welches 1524 erschien. Erasmus spricht darin über den freien Willen des Menschen, da Martin Luther der Anschauung war, dass der Mensch allein auf göttliche Gnade angewiesen sei und nicht frei entscheiden könne.

Auch propagierte Erasmus von Rotterdam die inneren Werte des Glaubens und stand somit auf dem Index. Es sollte nicht mehr auf den äußeren Glauben so sehr geschaut werden, sondern auf den Inneren, dass der Christ sich bewusst sein soll, inwieweit er gottgefällig lebt und sich selbst verantwortlich fühlt auf religiösem Wege. Zusammenfassend soll die Selbstverantwortung der Christen gegenüber der kirchlichen Verantwortung gestärkt werden. Erasmus von Rotterdam ist innerhalb der katholischen Kirche geblieben.

Im Jahre 1535 kehrte Erasmus nach Basel zurück, um fort wenig später seine letzte Ruhe zu finden.

b) Sein Einfluss auf den Autor des „Lazarillo de Tormes“

Bis heute weiß man noch immer nicht, wer der Autor des „Lazarillo de Tormes“ ist. Breite Annahme besteht darin, dass er wohl ein converso[1] war, auch wird vermutet, dass er ein Erasmist war[2]. Es hegt sich der Verdacht, dass der Sekretär von Carlos I., Alfonso de Valdés (1490-1532), der Verfasser des „Lazarillo de Tormes“ sein könnte, da er in Briefkontakt zu Erasmus von Rotterdam stand und auch das Oberhaupt der Erasmisten in Spanien war[3]. Doch wird auch Juan Luis Vives (1492-1540), ein wichtiger spanischer Humanist, als potenzieller Lazarilloautor angesehen. Er war ein Freund von Thomas Morus und Erasmus und verließ schon 1509 Spanien, um so von der Inquisition verschont zu bleiben[4].

Die Schriften von Erasmus von Rotterdam waren in Spanien, wie in keinem anderen Land, sehr beliebt. Vor allem die conversos setzten ihre Hoffnung auf die Reformen des inneren Glaubens, um so in der Gesellschaft aufgenommen zu werden[5].

Sicher kann man sagen, dass der Autor Erasmus Lehren kannte und sicherlich vertrat, da Parallelen im „Lazarillo de Tormes“ aufzuweisen sind.

3.Das 16. Jahrhundert in Spanien

Nachdem 1492 die Stadt Granada erobert wurde und so die Reconquista ihren Abschluss fand, lebten 3 Glaubensgemeinschaften (convivencia) neben – und untereinander. Die Konfessionen hatten ihre beruflichen Bereiche, die man in Händler und Finanzverwalter (Juden), Herrscher (Christen) und Handwerker (Mauren) untergliedert.

Durch die Bestrebung einen homogenen Staat zu errichten, kam es zur Vertreibung der Juden. Die conversos erkannten ihre Chance wieder in ihre alten Berufe zurückzukehren und schafften sich damit einen wirtschaftlichen Vorteil, doch wurden auch die überzeugten Konvertiten nicht als spanische Staatsbürger anerkannt.

Vierzig Jahre lang war Carlos I. König von Spanien, doch hielt er sich nur sieben Jahre im besagten Land auf, da in Deutschland die Reformation bekämpft werden musste und Krieg gegen die Osman zu führen war, die schon vor den Toren Wiens standen.

Zu dieser Zeit wurde die Ideenlehre von Erasmus in Spanien gut angenommen und seine Schriften wurden in die spanische Sprache übersetzt. Die Offenheit des Humanismus lässt den Verdacht aufkommen, dass einige Autoren conversos waren. Die Kirche und der spanische Staat gingen gegen spanische Erasmisten vor, da sie eine Verbindungen zwischen diesen und den sogenannten Neuchristen vermuteten, laut Hans Gerd Rötzer lagen sie damit auch richtig [6] .

Die Aufgabe der Inquisition war es das religiöse Leben zu überwachen und die Zensur auszuführen. Im Jahre 1558 durften durch eine Verordnung König Philipps II. nur noch Bücher gedruckt werden, welche eine Genehmigung durch die staatliche Zensur erhalten hatten. Der hierfür genannte Grund war, dass viele Bücher dem Katholizismus schadeten. Bei „Lazarillo de Tormes“ funktionierte diese Verordnung nicht in dem Maße, wie sie sollte. Der Roman erfuhr eine „verbesserte Auflage“, zum Beispiel wurden das vierte und fünfte Kapitel gestrichen. Diese Version blieb bis in das 19. Jahrhundert die offizielle Version, der sogenannte „Lazarillo de Tormes castigado“ [7] .

[...]


[1] Die fremdsprachigen Bezeichnungen sollen der besseren Veranschaulichung dienen. Sie werden im Folgenden in Form von Kursivschrift hervorgehoben.

[2] Rötzer, H., Der europäische Schelmenroman, Stuttgart 2009, S. 15

[3] Navarro Duran, R., Alfonso de Valdés, Autor del Lazarillo de Tormes, Madrid 2003

[4] De Calero, F., Juan Luis Vives, autor del „Lazarillo de Tormes “, Valencia 2006

[5] Rötzer, Der europäische Schelmenroman, S. 34-35

[6] Rötzer, Der europäische Schelmenroman, S.35

[7] Rötzer, Der europäische Schelmenroman, S.23-24

Details

Seiten
11
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656737759
ISBN (Buch)
9783656737742
Dateigröße
738 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v279925
Institution / Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen – Romanisches Seminar
Note
3,0
Schlagworte
Moriae Encomium Klerus Rotterdam Priester Heinrich VIII Karl V Martin Luther Reconquista Convivencia Islam Christen Juden Kirche Mittelalter

Autor

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