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"Die Seele im technischen Zeitalter" von Arnold Gehlen. Die These vom Mensch als Mängelwesen

Hausarbeit 2014 11 Seiten

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Mängel der Menschen

3. Die Entwicklung der Technik und ihre Auswirkung auf die Lebensweise der Menschen

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Sinnesarm, waffenlos, nackt, in seinem gesamten Habitus embryonisch, in seinen Instinkten verunsichert ist er das existentiell auf die Handlung angewiesene Wesen“ (Gehlen 1957, 8). Arnold Gehlen bezieht sich in diesem Zitat auf die Merkmale des Menschen und weist sowohl im oben aufgeführten Zitat als auch in seinem Werk - Die Seele im technischen Zeitalter. Sozialpsychologische Probleme in der Industriellen Gesellschaft - gewissermaßen drastisch die Mängel der Menschen auf. Erschienen ist das Werk im Jahr 1957 vom Autor Arnold Gehlen, der als einer der bedeutsamsten Anthropologen und Soziologen seiner Zeit gilt. Gehlen beschäftigt sich ab Mitte der 1930er Jahre mit der anthropologischen Philosophie und veröffentlicht im Jahr 1940 die Abhandlung „Der Mensch“, welche als sein Hauptwerk in diesem Gebiet gilt (Morat 2009). Gehlen beschreibt in seinem Hauptwerk den Menschen als Mängelwesen, der aufgrund seiner natürlichen Ausstattung auf gesellschaftliche und künstliche Einrichtungen, sogenannte Sozialregulationen, angewiesen sei (Morat 2009). In seinen Nachkriegswerken „Urmensch und Spätkultur“ (1956), hier beschäftigt sich Gehlen genauer mit der Institutionenlehre, und „Die Seele im technischen Zeitalter“ (1957), in der er sich explizit mit der Technik beschäftigt, knüpft Gehlen an sein Hauptwerk an und vervollständigt die Buchserie über seine philosophische Anthropologie (Morat 2009).

Die folgende Abfassung bezieht sich ausschließlich auf Arnold Gehlens Abhandlung „Die Seele im technischen Zeitalter“, worin er vor allem die Beziehung zwischen dem Menschen und der Technik behandelt und seine These vom Menschen als Mängelwesen entfaltet. Dabei soll Gehlens Theorie, dass der Mensch ein Mängelwesen sei, genauer in Betracht gezogen werden. Zudem soll der Technikgebrauch der Menschen analysiert werden. Interessante und sicherlich kontrovers zu diskutierende Aspekte liefern die leitenden Fragen dieser Abhandlung, die herausarbeiten soll, inwiefern Gehlen seine These vom Menschen als Mängelwesen begründet und welche Konsequenzen dieser Status für den Technikgebrauch der Menschen hat. Hierbei liegt das Augenmerk allerdings ausdrücklich auf Gehlens Ansicht der Dinge, andere im Werk aufgeführte Thesen werden in dieser Abhandlung nicht in Betracht gezogen.

2. Die Mängel der Menschen

Die Technik und ihre Auswirkung auf den Menschen bieten in vielerlei Hinsicht eine fruchtbare Ausgangslage für eine kontroverse Diskussion. Gemeinsam mit der Hauptthese Arnold Gehlens, die besagt, dass der Mensch ein Mängelwesen sei, soll im nachfolgenden Abschnitt die Frage beantwortet werden, was Gehlen unter einem Mängelwesen versteht und in welchem Zusammenhang die Technik und der Mensch zueinander stehen.

Zunächst einmal verweist Arnold Gehlen auf kulturkritische Werke, wie die von Nietzsche oder Spengler, die oftmals gegen die Technik gerichtet sind (Gehlen 1957, 7). Als Begründung liefert Gehlen die noch nicht beendete innere Auseinandersetzung der Gesellschaft mit den tiefgreifenden Veränderungen in ihr selbst, wie sie beispielsweise während der Industrialisierung vonstatten gingen (Gehlen 1957, 7). Ferner herrschen angstvolle Vorstellungen von einem zukünftigen Ameisenstaat, von einer Vermassung oder vom Verfall der Kultur. Nicht selten wird dabei die Technik in die Rolle des Angeklagten verwiesen (Gehlen 1957, 7). Dem Technikpessimismus entgegen stellt sich Arnold Gehlen, indem er von einer gegenseitigen Beziehung zwischen dem Menschen und der Technik spricht. Diese Beziehung besteht seither durch eine Art gegenseitige Abhängigkeit zueinander. „Die Technik ist so alt wie der Mensch (...)“ (Gehlen 1957, 7). Erst durch den Menschen entstehen technische Errungenschaften, die wiederum für den Erhalt des menschlichen Lebewesens sorgen. Letzteres impliziert, dass das Überleben der menschlichen Rasse ohne die Verwendung von Technik nicht möglich sei, was wiederum faktisch inkludiert, dass der Mensch Mängel aufweist. Dieser Aspekt lässt auf Gehlens Hauptthese schließen, die besagt, dass es sich beim Menschen um ein Mängelwesen handelt. Anschließend soll die These Gehlens genauer in Betracht gezogen und analysiert werden. Dabei ist es interessant in Erfahrung zu bringen, wie Gehlen den Begriff des Mängelwesens definiert, welche Rolle die Technik dabei spielt und inwiefern es sich beim Menschen tatsächlich um ein Mängelwesen handelt.

In Anlehnung an Max Scheler legte die moderne Anthropologie fest, dass der Mensch nicht hinreichend auf die natürliche Umwelt angepasst sei. Durch den Mangel an spezialisierten Organen und Instinkten ist der Mensch darauf angewiesen, beliebige vorgefundene Naturumstände intelligent zu verändern (Gehlen 1957, 8). Somit besteht eine absolute Notwendigkeit der Technik für den Menschen, die sich in erster Linie aus den Organmängeln herleitet (Gehlen 1957, 8). Die Argumentation Gehlens stützt sich auf die Gewährleistung des Menschen gegenüber seiner Umwelt. Der Einsatz von Waffen oder die Feuerverwendung gehören zu den ältesten Erzeugnissen der Menschen und dienten zum Schutz ihrer Selbst (Gehlen 1957, 8). Eingesetzt wurden sie aufgrund der Tatsache, dass dem Menschen bestimmte Organe fehlen. Gehlen benennt dieses Faktum als Prinzip des Organersatzes, wodurch der Mensch durch den Einsatz von Ergänzungstechniken, wie beispielsweise Werkzeug oder andere Gegenstände, organisch versagte Leistungen ersetzt (Gehlen 1957, 8). Neben den Ergänzungstechniken nennt Gehlen weiterhin die Verstärkertechniken und die Entlastungstechniken. Bei den Verstärkertechniken handelt es sich um eine Organverstärkung, bei der bestimmte Dinge menschliche natürliche Fähigkeiten potenzieren. Der Mensch macht sich bestimmte Dinge zum Nutzen, Gehlen verwendet hierbei den Hammer, das Mikroskop und das Telefon als beispielhafte Symbole, um die menschliche Organleistung zu überbieten (Gehlen 1957, 8). Schließlich gibt es das Prinzip der Entlastungstechniken, die auf Organentlastung, Organausschaltung und letzten Endes auf Arbeitsersparnis ausgelegt sind. So macht der Wagen mit Rädern das physische Schleppen von Lasten überflüssig (Gehlen 1957, 8).

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Details

Seiten
11
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656733386
ISBN (Buch)
9783656733331
Dateigröße
428 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v280036
Institution / Hochschule
Universität Paderborn
Note
2,0
Schlagworte
Mensch Mängelwesen Arnold Philosophie Technik Philosophie der Technik Gehlen Arnold Gehlen

Autor

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