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Entstehung, Funktion und Entwicklung der japanischen Generalhandelshäuser

Bachelorarbeit 2014 48 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Fragestellung und Arbeitsweise
1.2 Definition sôgô shôsha

2. Hauptteil
2.1 Geschichte der sôgô shôsha
2.1.1 Entstehung der sôgô shôsha mit dem Aufbruch Japans in die Moderne
2.1.2 Zwischen den beiden Weltkriegen
2.1.3 Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg bis heute
2.2 Tätigkeiten und Funktionen der sôgô shôsha bis
2.3 Veränderung der sôgô shôsha ab 1990 und die sôgô shôsha heute
2.4 Einbettung der sôgô shôsha in die zaibatsu und keiretsu

3 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Fragestellung und Arbeitsweise

In dieser Bachelorarbeit wird sich mit der Entstehung, der Funktion und der Entwicklung der japanischen Generalhandelshäuser, im Folgenden sôgô shôsha [1] genannt, auseinandergesetzt und sich mit der Frage beschäftigt, inwiefern sich dieser Unternehmenstypus von seiner Entstehung bis heute gewandelt hat.

Im einleitenden Teil der Arbeit wird erläutert, worum es sich bei den oben genannten sôgô shôsha handelt und eine Abgrenzung zu anderen, ähnlichen Unternehmenstypen, vorgenommen.

Der Hauptteil besteht aus einer geschichtlichen Zusammenfassung der Entstehung und der Entwicklung der sôgô shôsha bis heute, ebenso aus einer Übersicht ihrer Funktionen/Tätigkeiten sowie deren Veränderungen ab 1990 und der Einbettung der sôgô shôsha in ihre Unternehmensnetzwerke, den ehemaligen zaibatsu [2] und den heutigen keiretsu[3].

Die im Hauptteil gewonnenen Erkenntnisse werden im Anschluss zusammengetragen und daraus ein Fazit entwickelt.

Es wurden folgende Unternehmen untersucht[4]:

- Itochu Corporation
- Kanematsu Corporation
- Marubeni Corporation
- Mitsubishi Corporation
- Mitsui & Co., Ltd.
- Sojitz Corporation
- Sumitomo Corporation
- Toyota Tsusho Corporation

Da das Unternehmen Sojitz erst 2003 aus Nichimen und Nissho Iwai entstanden ist, wurden der Einfachheit wegen die Kennzahl Nettogewinne für Abbildung 1 von Nichimen und Nissho Iwai addiert, um einen vergleichbaren Wert zu erhalten. In Kapitel 2.3 wird hauptsächlich aus den unternehmenseigenen Jahresberichten zitiert. Wenn nicht ausdrücklich anders angegeben, sind die Jahresberichte, auf die sich bezogen wird, von dem zu untersuchenden Unternehmen. Deswegen wird im Quellverweis kein Unternehmensname angegeben, sondern nur Jahresbericht, Erscheinungsjahr und Seitenzahl.

Die in der Arbeit enthaltenen Grafiken sind zu einem Großteil selbst erstellt worden. Soweit nicht anders angegeben, finden sich für alle Grafiken und Tabellen die Rohdaten und deren Quellen (Nach Abbildungs- und Tabellenname sortiert) im Anhang.

Für die Veränderung der sôgô shôsha wurde unter anderem auch auf die Jahresberichte der untersuchten Unternehmen zurückgegriffen. Es lagen folgende Jahresberichte vor:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Vorliegende Jahresberichte für die Unternehmen

1.2 Definition sôgô shôsha

Es gibt keine einheitliche Definition des Begriffs sôgô shôsha. In dieser Arbeit wird sich an die Definition von Takayuki Tanaka gehalten, der die Beschreibung „Großhändler, hauptsächlich im Bereich Im- und Export“ („wholesalers which mainly engage in export and import trade“) (Tanaka, 2012 S. 2) verwendet. Die unter 1.1 aufgelisteten Unternehmen werden von Max Eli als sôgô shôsha beschrieben und werden daher auch innerhalb der Arbeit als solche bezeichnet. Nach der Definition Elis wurde Kanematsu zwar wegen Anhäufung hoher Verluste im Jahr 2000 zum „ senmon shosha “ (Spezialhandelsgesellschaft) zurückgestuft, während Toyota Tsusho als das Handelshaus der Toyota-Gruppe zu einer expansiven Handelsgesellschaft mit der Funktionsvielfalt eines sôgô shôsha wurde (Eli, 2003 S. 99). Kanematsu hat aber noch ähnlich hohe Nettogewinne wie Sojitz (Vgl. Abbildung 1) und bezeichnet sich selber noch als sôgô shôsha, weswegen dieses Unternehmen Bestandteil dieser Arbeit ist.

Die sôgô shôsha wurden europäischen Handelshäusern nachempfunden, die Anfang des 17ten Jahrhunderts gegründet wurden, um die Kolonien der europäischen Heimatländer wirtschaftlich erschließen zu können (Cho, 1984 S. 242)[5]. Diese europäischen Handelshäuser kontrollierten auch lange Zeit den Handel mit Japan und waren 1876 für 95,3 Prozent der Importe nach Japan zuständig (Cho, 1987 S. 3). Obwohl europäische Handelshäuser als Organisationsvorlage dienten, waren die Handelshäuser, aus denen später die sôgô shôsha wurden, von der japanischen Politik gewollt und gefördert. Der Grund hierfür war, die japanische Wirtschaft aufzubauen, mit wichtigen Rohstoffen zu versorgen und die Fertigerzeugnisse der japanischen Hersteller zu exportieren. Die europäischen Handelshäuser entstanden dagegen aus Kooperationen zwischen Produzenten, die neue Absatzmärkte für ihre Produkte suchten (Cho, 1987 S. 4).

Neben den sôgô shôsha, den Generalhandelshäusern, gibt es senmon shosha. Hierbei handelt es sich um Spezialhandelsgesellschaften (Kronschachner, 1996 S. 149), zu dem, laut Eli, Kanematsu geworden ist.

Adaptionen der japanischen Generalhandelshäuser

Die koreanische Regierung suchte aus politischen Gründen, die von Dong Sung Choe in „The Anatomy of the Korean general Trading Company“ beschrieben werden, nach einer Möglichkeit, den eigenen Export zu stützen und den Handel dennoch kontrollieren zu können. Deswegen konnten sich Unternehmen als GTC (General Trading Company) bezeichnen, wenn sie von der Regierung aufgestellte Erfordernisse erfüllen. Ab dem 19ten Mai 1975 durfte sich Samsung (Samsung Trading Company) als erstes Unternehmen GTC nennen. Bis 1987 wurden sechs weitere Unternehmen in den Rang eines Generalhandelshauses gehoben. Der einzige Zweck der Unternehmen war der Export von koreanischen Gütern in die gesamte Welt. Hier werden schon zwei Unterschiede zu den japanischen Generalhandelshäusern ersichtlich: Erstens sollten die japanischen Handelshäuser zwar auch japanische Fertigerzeugnisse exportieren, aber auch Wissen und Rohstoffe nach Japan importieren und zweitens wurden die japanischen Unternehmen neu gegründet, während die koreanischen Unternehmen schon existierten und sich auf den Titel des Generalhandelshauses bewerben mussten. Auch müssen die koreanischen Häuser keine Funktionen ausüben, die die sôgô shôsha heute einnehmen, um sich als Generalhandelshaus bezeichnen zu können, wie etwa Versicherung und Finanzierung (Cho, 1984 S. 246-250). Die Voraussetzungen, um den Titel eines Generalhandelshauses führen zu dürfen, waren 1975 unter anderem mehr als zehn Überseeniederlassungen, mehr als 50 Millionen Dollar an Exportvolumen und mindestens sieben Exportprodukte, die je über eine halbe Millionen Dollar an Exportwert haben (Cho, 1987 S. 51). Des Weiteren waren und sind die koreanischen Handelshäuser in keine Netzwerke wie den keiretsu eingebunden und haben dementsprechend auch nicht die Funktionen, die ein sôgô shôsha innerhalb seines Netzwerkes ausübt. Wichtig im Vergleich mit den GTC ist noch, dass die sôgô shôsha zwar auch einen regulatorischen Ursprung haben, jedoch die GTCs beim Abklingen der koreanischen Wirtschaft eingeführt wurden und nicht wie die sôgô shôsha am Anfang, um einen wirtschaftlichen Aufstieg zu ermöglichen.

Nach dem Erfolg der koreanischen GTCs wurden 1978 in Taiwan eigene, leicht abgewandelte Formen gegründet: Die Großen Handelsunternehmen („Large trading company“, LTC). Diese sollten nicht nur den Export stützen, sondern auch den Importmarkt vor fremden Händlern, besonders den japanischen, schützen. Sieben Jahre später, im Jahre 1984, gab es fünf dieser LTCs, jedoch machten sie zusammen nur 1,2 Prozent des taiwanesischen Exports aus. Weitere Bemühungen, das System der Generalhandelshäuser einzuführen, gab es 1978 in Thailand, 1979 in den Philippinen und 1980 in der Türkei (Cho, 1987 S. 7-8).

Nachahmungen der sôgô shôsha fanden sich auch in Brasilien. 1971 wurde Cobec und 1976 Interbras gegründet, die von der Banco de Brasil und anderen brasilianischen und ausländischen Banken finanziert wurden. Das Hauptaugenmerk lag hier, genau wie bei den koreanischen GTCs, auf dem Export der eigenen Fertigerzeugnisse (Cho, 1987 S. 7)[6]. In den Vereinigten Staaten von Amerika lag der Fokus ebenfalls auf dem Export. Deswegen wurde 1982 das „Export Trading Company“-Gesetz von Ronald Reagan unterzeichnet, um die defizitäre Handelsbilanz zu verbessern. 1984 gab es 349 Handelsexportunternehmen („Export Trading Companies“), die als Generalhandelshäuser einzustufen waren (Cho, 1987 S. 7-8).

2. Hauptteil

2.1 Geschichte der sôgô shôsha

2.1.1 Entstehung der sôgô shôsha mit dem Aufbruch Japans in die Moderne

Die Edo-Zeit in Japan bis 1868 war wirtschaftlich und gesellschaftlich geprägt von der selbstgewählten Isolation Japans gegenüber dem Rest der Welt. Erst mit der Meiji-Restauration 1868, die durch die Kaiserkrönung von Mutsuhito, später Meiji, eingeleitet wurde, öffnete sich Japan dem Westen. Mit dieser Öffnung wurden eine Reihe von Modernisierungsmaßnahmen in Wirtschaft, Gesellschaft und Militär umgesetzt. Generell stand die Meiji-Ära unter dem Leitspruch „wakon yosai“, was übersetzt „Japanischer Geist, westliche Technik“ heißt (Henshall, 1999 S. 66;71-97 ).

Nach dieser Öffnung wurden mehrere Dutzend Handelsunternehmen gegründet, die meistens nur ein bis ein paar wenige Produkte handelten und das auch nur in ein oder höchstens zwei Regionen innerhalb von Japan. Das erste dieser gegründeten Unternehmen war Maruzen im Jahr 1869. Dieses Handelshaus spezialisierte sich auf den Import von Büchern und Delikatessen aus den Vereinigten Staaten und Europa (Jones, 1996 S. 151).

1872 wurde das Handelshaus Senshusha eröffnet, um auf Bestellung der Regierung Waffen, Baumwolltextilien und Chemikalien nach Japan importieren zu können. Da Mitsui einer der Hauptkapitalgeber war, wurde dem Unternehmen der Kauf von Senshusha angeboten. Das Handelshaus wurde in die Unternehmensgruppe eingegliedert und am 1ten Juli 1867 (Mitsui & Co., Ltd)[7] zu Mitsui Bussan Kaisha (McMillan, 1985 S. 236), dem Vorläufer des heutigen Unternehmens Mitsui Co. Die erste Zweigstelle von Mitsui Bussan wurde 1877 in Shanghai gegründet, um Kohle von Japan nach China zu exportieren. Bis zum Anfang des Ersten Weltkrieges besaß Mitsui Bussan mehr als 30 Zweigstellen in den Vereinigten Staaten, Europa und Asien. Es handelte mehr als 120 verschiedene Güter und war für 20 Prozent der japanischen Im- und Exporte verantwortlich (Jones, 1996 S. 151). Mit Mitsui Bussan war das erste Generalhandelshaus, das man später als sôgô shôsha bezeichnete, gegründet. Jedoch besaßen die japanischen Händler keine Erfahrungen mit internationalem Handel, sodass am Anfang noch ausländische Händler mit dem Export von Gütern beauftragt werden mussten. Zum Beispiel exportierte Mitsui Bussan Reis, musste aber den britischen Händler E.B. Watson dabei um Hilfe bitten (Kawabe, 1987 S. 73). Der Wissenserwerb war jedoch eines der Ziele der japanischen Regierung und wurde gefördert, um Japan zu der westlichen Welt aufschließen lassen zu können.

Die beiden heutigen Unternehmen Marubeni und Itochu haben ihren Ursprung im Unternehmen Itoh Chobei Shoten, das 1872 gegründet wurde (Marubeni Corporation)[8].

Um die japanische Wollindustrie aufzubauen und um Wolle von Australien nach Japan zu importieren, wurde 1889 der Vorläufer der heutigen Kanematsu Co., Fusajiro Kanematsu Shoten, gegründet. Nichimen Co. wurde 1894 gegründet und importierte Baumwolle aus Indien, den Vereinigten Staaten und Ägypten (Kawabe, 1987 S. 74). Auch das sôgô shôsha Iwai Shoten, das 1896 gegründet wurde, handelte, neben Metall und Chemikalien, auch Wollkleidung und Wollfäden als hauptsächliches Importgut (Yamazaki, 1987 S. 53-54).

Im Jahr 1905 hatte Mistui Bussan genauso viele Zweigstellen im Ausland wie in Japan selbst. Nach diesem Jahr gewann das Überseegeschäft immer mehr an Bedeutung und es kamen immer mehr Zweigstellen hinzu (Kawabe, 1987 S. 76).

Das Unternehmen Itho Chobei Shoten benannte sich im Zuge einer Reorganisation 1914 zu C.Itho & Co. um (Marubeni Corporation)[9].

Während des Ersten Weltkriegs stand Japan auf der Seite der Entente-Mächte Frankreich und England. Die sôgô shôsha konnten wirtschaftlich davon profitieren, denn die Schlachtfelder lagen in Europa, sodass die japanische Infrastruktur und Produktionsstätten in Japan nicht zerstört wurden. Im Gegensatz dazu steht der Zusammenbruch der europäischen Infrastruktur, sodass die Nachfrage nach japanischen Produkten und speziell nach japanischen Textilerzeugnissen, die eine der größten Branchen zu dieser Zeit war, stieg. (Jones, 1996 S. 182)

2.1.2 Zwischen den beiden Weltkriegen

1918 gründet Mitsubishi sein eigenes sôgô shôsha, Mitsubishi Shoji, das für Einkauf und Marketing von Mitsubishi verantwortlich war. Das Unternehmen verkaufte die Produkte der Mitsubishi-eigenen Unternehmen und sorgte für den Einkauf der benötigten Rohstoffe. Aber auch große ausländische Unternehmen, wie z.B. Goodyear Reifen, hatten Alleinvertretungsverträge mit Mitsubishi. So konnte dieses sôgô shôsha, aber auch die ganze Unternehmensgruppe Mitsubishi, von einem Wissenszufluss von Technologie und Produktionswissen aus westlichen Unternehmen profitieren (Kawabe, 1987 S. 79-80). 1918 wurde Fusajiro Kanematsu Shoten in das Unternehmen Kanematsu Shoten Company umorganisiert (Kanematsu Corporation)[10].

Am 15ten April 1920 (Toyota Tsusho)[11] wurde durch die Ausgliederung der Baumwollabteilung von Mitsui & Co. Ltd (Eli, 2003 S. 122) das Unternehmen Toyo Menka Kaisha, Ltd. gegründet, das später mit Toyota Tsusho fusionierte (Toyota Tsusho)[12].

Die Nachkriegsrezession und das große Tokioer Erdbeben von 1923 stellten, zusammen mit stagnierender Nachfrage nach japanischen Gütern, eine große Herausforderung für die sôgô shôsha dar, denen einige Handelshäuser nicht gewachsen waren und aus dem Markt ausschieden (Jones, 1996 S. 182). So auch das 1902 gegründete sôgô shôsha Suzuki, das 1927 wegen finanzieller Probleme Konkurs anmeldete (Kawabe, 1987 S. 56 ) und 1928 von Nissho weitergeführt wurde (Kawabe, 1987 S. 84).

Während der 30er-Jahre gab es einen großen Boom. Es entstanden neue Absatzmärkte in Lateinamerika, dem Mittleren Osten und der ehemaligen Sowjetunion. Auch im eigenen Kolonialreich waren die sôgô shôsha aktiv, wie etwa in Korea, Taiwan und der Mandschurei (Jones, 1996 S. 183 )[13]. Die japanische Wirtschaft überschwemmte die Welt mit ihren Erzeugnissen. Das wurde von der Regierung unterstützt und gefördert, um ausländische Währungen zu erhalten, mit der weitere Rüstungsgüter gekauft werden konnten (Kawabe, 1987 S. 85).

Fusajiro Kanematsu Shoten benannte sich 1943 zu Kanematsu and Company um (Kanematsu Corporation)[14].

Mit dem „Mandschurischen Zwischenfall“ 1931 sorgte Japan für internationale Verstimmungen und begann gleichzeitig seine Wirtschaft zu einer Kriegswirtschaft umzubauen. Das Abkühlen der Beziehungen zu den westlichen Ländern bekamen besonders die sôgô shôsha durch stagnierende oder fallende Exportzahlen zu spüren. Die Vereinigten Staaten von Amerika verboten 1938 den Waffenexport nach Japan und 1940 kündigten die Vereinigten Staaten von Amerika den Handelsvertrag mit Japan. Schließlich froren die Vereinigten Staaten von Amerika, Großbritannien und andere Länder 1941, mit dem Ausbruch des Pazifikkrieges, die Guthaben japanischer Unternehmer ein. So konnten japanische Unternehmen nur noch mit der direkten Erlaubnis dieser Staaten ihre Geschäfte weiterführen, was zu einem Zusammenbruch der Zweigstellen in Amerika, Afrika, Europa und dem Nahen Osten führte. Aus diesem Grund wurden verstärkt Büros in China, Süd- und Südostasien eröffnet. Jedoch bedeutete die Kapitulation des japanischen Kaisers am 15ten August 1945 den Sieg der Alliierten und das Ende jeglicher Überseeaktivitäten sowie den Verlust aller ausländischen Guthaben (Kawabe, 1987 S. 91-94).

2.1.3 Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg bis heute

Nach dem Krieg wurden im Zuge der Demokratisierung die zaibatsu Mitsui, Mitsubishi, Sumitomo, Yasuda und Fuji Industries sowie 78 weitere Holdinggesellschaften aufgelöst. Der Prozess dauerte bis September 1947 an. Obwohl der sogenannte „Yasuda-Plan“ nur die Auflösung von Holdinggesellschaften vorsah, sollten auch die Generalhandelshäuser Mitsubishi Shoji und Mitsui Bussan aufgelöst werden, da diese, neben den Holdinggesellschaften und Finanzinstituten, großen Einfluss auf die zaibatsu besessen hatten. Deswegen wurde am 3ten Juli 1947 die Auflösung dieser beiden sôgô shôsha angeordnet (Eisele, 2004 S. 37-44). Weiterhin verloren die sôgô shôsha alle Zweigstellen im Ausland und es war ihnen bis 1949 verboten, in Übersee aktiv zu sein (Jones, 1996 S. 183-184). Mitsubishi Shoji wurde in die vier Einzelunternehmen Kowa Jitsugyo, Fuji Shoji, Tozai Koeki und Tokyo Boeki aufgespalten. Diese gruppierten sich jedoch erneut im Juli 1954 zu einer neuen Handelsgesellschaft, der Mitsubishi Trading Company. Die Einzelunternehmen, die aus der Zerschlagung von Mitsui Bussan entstanden, fügten sich wegen Interessenskonflikten erst wieder 1959 zusammen (Young, 1979 S. S.37).

1945 wurde das Unternehmen Sumitomo Shoji Kaisha Ltd. wiedereröffnet. Das Unternehmen wurde 1919 eigentlich als Gebäudebau- und Verwaltungsfirma gegründet. Nach dem Krieg diente es aber als Handelshaus für die Unternehmen der Sumitomo-Gruppe und entwickelte sich so zu einem sôgô shôsha (Young, 1979 S. 32).

Während des Krieges wurden verschiedene Unternehmen zu Taiken Industries („Daiken Sangyo“) zusammengeschlossen. Aus diesem, nach dem Krieg zerschlagenen, Netzwerk gingen 1949 unter anderem die C. Itoh Co. Ltd und die Marubeni Co. Ltd. hervor (Young, 1979 S. 31).

Nach dem Zweiten Weltkrieg förderte die japanische Regierung eine Wirtschaftspolitik der Produktionszentralisierung („keisha seisan hoshiki“). Durch diese Politik konzentrierten sich die herstellenden Unternehmen vor allem auf die Produktion. Spezialisierte Firmen, zu denen auch die sôgô shôsha gehörten, übernahmen den Verkauf und Vertrieb auf den nationalen und internationalen Märkten (Kronschachner, 1996 S. 149).

Die Handelssparte von Toyoda Sangyo Kaisha, ein Unternehmen des Automobilherstellers Toyota, gründete den Vorläufer der heutigen Toyota Tsusho Corporation, das Nisshin Tsusho Kaisha Ltd. (Toyota Tsusho)[15].

1955 kam es zum Zusammenschluss von Marubeni Co. Ltd und Iida & Co. Ltd zu Marubeni-Iida Co., Ltd.[16].

Mit dem Verlust des Exportmarktes für Textilien in Lateinamerika durch direkte Investments japanischer Unternehmen in den 50er-Jahren begannen die sôgô shôsha sich an Überseeinvestments zu beteiligen, um ihre Exportmärkte zu behalten und zu schützen. Es kam zu einem starken Anstieg von Beteiligungen der sôgô shôsha im Ausland in den 1960er-Jahren, aber auch zu einem rapiden Abfall in den 1970ern (Jones, 1996 S. 184-185 )[17].

[...]


[1] Es gibt keine einheitliche Definition der sôgô shôsha, es wird die Definition von Takayuki Tanaka verwendet die übersetzt „Großhändler, hauptsächlich im Bereich Im- und Export“ lautet (Tanaka, 2012 S. 2).

[2] „Bei den Zaibatsu handelte es sich um familieneigene Holding-Gesellschaften, die jeweils eine Reihe von Industrie- und Großhandelsunternehmungen unterschiedlicher Wirtschaftsbranchen sowie Finanzinstitute beherrschten.“ (Eli, 1977, S. 7).

[3] Unternehmensnetzwerke, die aus den zaibatsu hervorgingen oder sich aus Unternehmen um japanische Banken gebildet haben. Diese Netzwerke bestehen aus einer beträchtlichen Zahl von Unternehmen in vielen Branchen, die durch ein Netz von Überkreuzverflechtungen miteinander verbunden sind (Jones, 1996, S. 184).

[4] Im weiteren Verlauf der Arbeit wird der Übersichtlichkeit wegen auf den Zusatz „Corporation“ und „& Co., Ltd.“ verzichtet.

[5] Yoshi Tsurumi „Sogoshosha, Engines of export-based growth“ S.15-22 zitiert nach Dong Sung Cho

[6] Tsurumi, Yoshi „Sogoshosha, Engines of export-based growth“ S.60-67 zitiert nach Dong-Sung Cho

[7] http://www.mitsui.com/history/1200872_5289.html.

[8] http://www.marubeni.com/company/history/chronicle/index.html

[9] http://www.marubeni.com/company/history/chronicle/index.html

[10] http://www.kanematsu.co.jp/tabid/243/Default.aspx

[11] http://www.toyota-tsusho.com/english/corporate/history_tomen.html

[12] http://www.toyota-tsusho.com/english/corporate/history_tomen.html

[13] Kawabe „Development of overseas operations by general trading companies 1868-1945“ S.182- 3 und Kawabe „Overseas activities and their organisation“S.175-8 zitiert nach Geoffrey Jones

[14] http://www.kanematsu.co.jp/tabid/243/Default.aspx

[15] http://www.toyota-tsusho.com/english/corporate/history.html

[16] http://www.marubeni.com/company/history/chronicle/index.html

[17] Ken´ichi Yasumuro „The contribution of sôgô shôsha the multinationalization of Japanese industrial enterprises in historical perspective“ (S. 79-79) zitiert nach Jones

Details

Seiten
48
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656739814
ISBN (Buch)
9783656739807
Dateigröße
1.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v280053
Note
Schlagworte
entstehung funktion entwicklung generalhandelshäuser

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Titel: Entstehung, Funktion und Entwicklung der japanischen Generalhandelshäuser