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Psychologie und Film

Die geträumte Realität

Hausarbeit 2010 16 Seiten

Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

Leseprobe

Gliederung

Einleitung

Sigmund Freud - Vater der Psychoanalyse

Die Psychoanalyse

Traum und Theorie

Der flimmernde Schlaf

Die geträumte Realität

Licht ins Dunkel

Der Ton macht die Musik

Schlusswort

Quellen

Einleitung

„Du hast nichts zu erhoffen, wenn du blind bist gegenüber jenem Lichte, das nicht von den Dingen, sondern vom Sinn der Dinge herrührt.„

ANTOINE DE SAINT-EXUPÉRY(1900-1944)1

Ist es ein Zufall, dass Film und Psychoanalyse, deren Wege sich oft gekreuzt haben, zur selben Zeit, nämlich 1895, entstanden sind? Sind Filme letztendlich nur eine Projektion von Träumen auf der Leinwand? Wie wichtig ist die Rolle von Licht und Ton im Film und inwieweit lassen diese uns noch tiefer in das Geschehen der Bilder, die zugleich so vertraut und fremd, lebendig und unbelebt, real und trügerisch erscheinen, eintauchen?!

Die Antworten auf diese Fragen sollen in der hier folgenden Hausarbeit zum Thema „Psychologie und Film — Die geträumte Realität“ gefunden und erläutert werden.

Ich beginne diese Arbeit zunächst damit, einen kurzen Einblick in die Thematik der Psychoanalyse zu geben und deren Zusammenhang zum Film darzulegen. Anschließend werde ich die Bedeutung und den Einfluss von Träumen auf die Psychoanalyse, sowie auf den Film näher beleuchten. Des Weiteren zeige ich die Gestaltungsmittel Licht und Ton auf und versuche, ihren Einfluss auf die menschliche Psyche zu verdeutlichen, um zum Ende hin die gesamte Thematik nochmals kurz zusammen zu fassen.

Es sei hierbei gesagt, dass das Thema der Psychoanalyse und des Films ein sehr komplexes ist und somit leicht den Rahmen, der für diese Hausarbeit gesetzt wurde, sprengen könnte. Somit habe ich versucht, mich auf das wesentliche, die Thematik betreffend, zu beschränken - der Zusammenhang zwischen Film und Psychoanalyse.

Sigmund Freud — Vater der Psychoanalyse

„Ganz nebenbei, warum hat keiner von all den Frommen die Psychoanalyse geschaffen, warum musste man da auf einen ganz gottlosen Juden warten?”2

SIGMUND FREUD (1856-1936)

Am 6. Mai dieses Jahres würde der Begründer der Psychoanalyse, Sigmund Freud, 154 Jahre alt werden. In Freiberg(Mähren) geboren, siedelte seine Familie, jüdischer Abstammung, schon früh in die österreichische Hauptstadt Wien über, in der Freud bis zur Besetzung Österreichs durch Hitler im Jahre 1938 lebte und wirkte. Nach seiner erfolgreichen Matura(Abitur) studierte er Medizin an der Wiener Universität. Freud forschte insbesondere über das Zentralnervensystem des Menschen und galt in Wien schon bald als einer der führenden Neurologen(Nervenarzt). Nachdem sich Freud, bei einem Besuch 1885 in Paris, unter dem angesehenen Professor Charcot weiterbildete, lernte er die Hypnose kennen. Diese war eine umstrittene, jedoch in Paris schon erfolgreiche Methode bei der Heilung von Hysterie. Mit diesem neugewonnen Wissen kehrte Freud ein Jahr später zurück nach Wien und entwickelte die Psychoanalyse. Als der Wiener Gelehrte Ende des 19. Jahrhunderts erstmals von den unbewussten Kräften des Menschen sprach, revolutionierte er das bis dahin herrschende Menschenbild. Es gelang ihm, mit der von ihm begründeten Methode der Psychoanalyse, in das Innere der menschlichen Persönlichkeit vorzudringen und die Struktur seelischer Zusammenhänge zu erfassen.

Er scharte einige interessierte Ärzte um sich und begründete die psychoanalytische Bewegung. Lange musste er um die Wissenschaftlichkeit der Psychoanalyse und seiner Theorien kämpfen, welche jedoch bis heute umstritten ist.

Nach der Besetzung Österreichs durch Hitler emigrierte Freud nach London, wo er 1938 starb.

Die Psychoanalyse

„Psychoanalyse ist mehr eine Leidenschaft als eine Wissenschaft.“3 KARL KRAUS (1874-1935)

Freud war 39 Jahre alt, als er seine Praxis bereits seit neun Jahren führte. Diese war schon nicht mehr die eines zeitgenössischen Nervenarztes — es gab keine elektrischen Reizungen, keine kalten Bäder und auch keine Hypnose mehr. Aber auch noch nicht die des Psychoanalytikers, der Freud einmal werden sollte. Es waren die Jahre der Erfindung und Begründung der Psychoanalyse.

Diese in ihren Grundzügen darzustellen, ist jedoch insofern schwierig, da Freud seine Theorien im Laufe der Jahrzehnte immer wieder revidierte, weiterentwickelte oder gar verwarf. Auch die Psychoanalytiker nachfolgender Generationen haben Freuds Theorien weiterentwickelt oder ebenfalls gänzlich neue Theorien eingeführt. Zudem ist die Wissenschaftlichkeit der Psychoanalyse, wie bereits erwähnt, noch immer sehr umstritten.

Generell kann gesagt werden, dass die Psychoanalyse eine Theorie über unbewusste psychische Vorgänge im Menschen ist. Sie nimmt an, dass es ,das Unbewusste‘ gibt. Dieses Unbewusste ist ein Bereich, den das Individuum nicht orten kann, welches aber maßgeblich die Handlungen desselben beeinflusst oder bestimmt. Neben der Beschäftigung mit der Psyche hat sich Freud besonders auch für die Träume der Menschen interessiert, für deren Erforschung er weithin bekannt ist. Er wollte den Traum als einen, nach strengen Regeln aufgebauten, Prozess begreifen. Dieser Prozess ist, seiner Ansicht nach, alsdann begreiflich, sobald man die Regeln kennt. So wie ein Film unsere Psyche, unser Gefühl und unsere Gedanken beeinflussen kann, so schafft das auch ein Traum. Die Übergänge zwischen Film und Traum sind somit nicht nur für Filmwissenschaftler, sondern auch für Psychoanalytiker nahezu fließend.

Traum und Theorie

„Das Beste, was einem passieren kann: wenn die Wirklichkeit sich in einen Traum verwandelt.”4 PHILIPPE BARON DE ROTHSCHILD (1902-1988)

Nach Freud ist der Traum zu Beginn eine psychologische Abhandlung. Das heisst, wenn man im Traum eine gefüllte Blase hat und diese zur Entleerung drängt, träumt man, dass man sich gerade auf der Toilette befindet. Aus der psychologischen Sicht Freuds ist es die Erfüllung eines Wunsches. Dies jedoch ist von vielen anderen Psychoanalytikern angezweifelt wurden. Freud stellte die These auf, dass die Traumdeutung eine Umkehrung eines Prozesses sei, der die Umwandlung des latenten(Trauminhalt, der durch die Einwirkung der Ich-Zensur entstellt wird) in den manifesten Traum(Traum, der im Es vorhanden ist und sich im Schlaf äußert) schafft. Die Traumarbeit macht aus dem latenten Traum den manifesten, und die Traumdeutung geht diesen Weg wieder zurück und entdeckt im manifesten den ursprünglichen latenten Traum.5 Überwiegend sind jedoch die Parallelen zwischen den latenten und den manifesten Traumelementen im Lebenslauf des Träumers verankert.

Freud unterscheidet fünf spezielle Formen der Verwandlung von latenten Traumelementen in manifeste Traumbilder:

1. Verdichtung (mehrere Ereignisse eines latenten Traumes werden in einem einzigen Ereignis des manifesten Traumes vertreten)
2. Verschiebung (Verlagerung des Gewichtes in Bezug auf die Prägnanz eines Elementes)
3. Verkehrung ins Gegenteil (der geträumte Sachverhalt spiegelt sich in der Gegenwart ins Gegenteil)
4. der Wortlaut einer Tatsache wird einer bestimmten Eigenschaft beigemessen
5. bestimmten Objekten werden feststehende Symbole zugeordnet

Prinzipiell ist die Traumarbeit ein sehr umfangreiches und komplexes Thema. So muss der Traumdeuter bei jedem einzelnen Element des manifesten Traumes entscheiden, ob es

- direkt oder gegenteilig zu deuten ist
- einer aktuellen Problematik oder einem zurückliegenden Problem entspricht
- ein feststehendes Symbol ist oder beliebig durch freie Assoziationen gedeutet werden kann
- oder als Sache oder vom Wortlaut her gedeutet werden muss6

Der flimmernde Schlaf

„Ich wundere mich, dass man für Träume noch nicht zahlen muss. Träume sind ja eine Art Fernsehen im Schlaf.”7

ALBERTO SORDI (1920-2003)

Offensichtlich gibt es eine Verbindung zwischen Traum und Film. Filmtheoretiker und

Psychoanalytiker sind sich in dieser Hinsicht einig und weisen darauf hin, dass ein erheblicher Zusammenhang zwischen dem Zustand des Film-Schauens und dem Traumzustand existiert. Dieser verdeutlicht sich durch die Flüchtigkeit der Bilder und dem Dämmerzustand des Schlafes, wie auch dem im Kinosaal. Weiterhin geschieht es durch das assoziative Verknüpfen der Szenen, sowie durch die Rolle des Träumenden/Schauenden, der nicht ins Geschehen eingreifen kann. Wenn man nun also die Methoden der Psychoanalyse auf den Film übertragen möchte, so wird der Film zum Patienten. Es ist somit notwendig die unterschiedlichen Ebenen der Bilder, die vom Film gezeigt werden, zu durchbrechen. Wichtig dabei ist es, dass das zu analysierende Objekt nicht der Drehbuchschreiber oder der Regisseur ist, da man in den meisten Fällen nicht davon ausgehen kann, dass die Filmbilder den Traumbildern gleichen. Eher sollte das Hauptaugenmerk auf den Film gelegt und dessen Wirkungsweise auf den Zuschauer analysiert werden. Untersuchen sollte man daraufhin Licht, Ton und Bewegung, aber auch Großaufnahmen, die einen Film ausmachen, und was sie beim Publikum auslösen.

Dabei spielen Vorgänge wie Identifikation und das unbewusste Verarbeiten ödipaler(Phase nach Freud, in der Mutter begehrt und Vater rivalisiert wird) oder narzisstischer(überzogene Selbstliebe) Strukturen eine große Rolle. Psychoanalytiker gehen davon aus, dass besonders die nebensächlichen Details eines Filmes eine erhöhte Wirkung auf die Psyche des Zuschauers haben. Ebensolche Details sind es auch, die uns manch einen Traum nicht vergessen lassen und von denen unsere Psyche stark beansprucht wird.

[...]


1 http://www.zitate-aphorismen.de/zitate/thema/Hoffnung/594

2 http://www.zitate.de/db/ergebnisse.php?kategorie=Psychoanalyse

3 http://www.gutzitiert.de/zitat_thema_seele.html?page=2

4 http://www.zitate.de/db/ergebnisse.php?autor=Rothschild,%20Philippe%20de

5 http://www.bruehlmeier.info/freud.htm

6 http://www.bruehlmeier.info/freud.htm

7 http://www.zitate.de/db/ergebnisse.php?sz=2&stichwort=&kategorie=Traum&autor=

Details

Seiten
16
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656737193
ISBN (Buch)
9783656737186
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v280124
Institution / Hochschule
Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig – Medientechnik
Note
2,3
Schlagworte
Psychologie Film Traum Licht Ton Realität Psychoanalyse Träume Sigmund Freud Kino Psyche Projektion Gefühl Filmmusik Emotion

Autor

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Titel: Psychologie und Film