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Theoretische Debatte um die Zentralbankunabhängigkeit

Hausarbeit 2012 20 Seiten

VWL - Finanzwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Debatte um die Unabhängigkeit der Zentralbank
2.1 Zentralbankunabhängigkeit und Preisniveaustabilität
2.1.1 Die Zentralbankunabhängigkeit und deren Determinanten
2.1.2 Begründung der Priorität der Preisniveaustabilität
2.2 Politisch-ökonomische Erklärungen für Inflation
2.2.1 Das Zeitinkonsistenzproblem der Geldpolitik
2.2.2 Das politische Interesse an der Inflation
2.3 Die Zentralbankunabhängigkeit als institutionelle Lösung
2.4 Argumente für und gegen die Zentralbankunabhängigkeit
2.4.1 Argumente für die Zentralbankunabhängigkeit
2.4.2 Argumente gegen die Zentralbankunabhängigkeit
2.5 Zusammenfassende Beurteilung der theoretischen Debatte um die Zentralbankunabhängigkeit

3. Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Eidesstattliche Erklärung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

„The only good central bank is one

that can say no to politicians“

(The Economist, 10. Februar 1990, S. 10)

Seit Mitte der 1980er-Jahre wurden viele Aufsätze und Monographien zum Thema der Zentralbankunabhängigkeit veröffentlicht. Auslöser für diese Diskussion waren u.a. der Zusammenbruch des Bretton Woods-Systems, die Frage, nach welchem Modell die Europäische Zentralbank zu gestalten ist, der Paradigmawechsel vom Keynesianismus zur Neuklassik sowie Entwicklungen der Spieltheorie.[1]

Erkenntnisse aus der Spieltheorie und aus der neuen politischen Ökonomie haben gezeigt, dass die Unabhängigkeit der Zentralbank von der Politik – welcher unterstellt wird, das sie ein Interesse an einer kurzfristigen inflationären Geldpolitik hat – eine Möglichkeit dafür darstellt, eine langfristige Geldwertstabilität zu erhalten.[2] Aus diesem Grund sind in den letzten beiden Jahrzehnten viele Länder dazu übergegangen, ihre Zentralbanken unabhängig von Einflüssen der jeweiligen Regierung zu gestalten.[3]

Im Folgenden gilt es daher, die theoretische Diskussion um die Unabhängigkeit der Zentralbank darzustellen (Abschnitt 2). Dazu werden in Kapitel 2.1 die Grundlagen der Zentralbankunabhängigkeit sowie die Priorität des Ziels der Preisniveaustabilität aufgezeigt. Darauf aufbauend werden in Abschnitt 2.2 die politisch-ökonomischen Erklärungen für das Auftreten der Inflation erläutert, die sich aus dem Zeitinkonsistenzproblem der Geldpolitik (Kapitel 2.2.1) sowie dem politischen Interesse an der Inflation (Kapitel 2.2.2) zusammensetzen. In Kapitel 2.3 wird dann die Zentralbankunabhängigkeit als institutionelle Lösung vorgestellt. Darauf bezogen werden die Argumente für (Kapitel 2.4.1) und gegen eine unabhängige Zentralbank (Kapitel 2.4.2) aufgeführt. In Kapitel 2.5 erfolgt dann eine zusammenfassende Beurteilung der theoretischen Debatte um die Zentralbankunabhängigkeit.

Die Ausführungen enden schließlich mit einer Zusammenfassung der gesamten Arbeit sowie einem Ausblick (Abschnitt 3).

2. Theoretische Debatte um die Unabhängigkeit der Zentralbank

In diesem Kapitel soll die theoretische Debatte um die Unabhängigkeit der Zentralbank dargestellt werden.

2.1 Zentralbankunabhängigkeit und Preisniveaustabilität

Für die Durchführung der Geldpolitik sind Aufgabe und Handlungsspielraum der Zentralbanken wesentlich. Ihr vorrangiges Ziel ist zumeist die Gewährleistung der Preisniveaustabilität. Bei der Erfüllung dieser Aufgabe sind viele Zentralbanken politisch unabhängig.[4] Im folgenden Abschnitt soll erläutert werden, was unter der Zentralbankunabhängigkeit zu verstehen ist sowie die Notwendigkeit eines Ziels der Preisstabilität begründet werden.

2.1.1 Die Zentralbankunabhängigkeit und deren Determinanten

Im Rahmen einer unabhängigen Zentralbank einigen sich alle politisch-ökonomischen Akteure ex ante auf eine langfristig anhaltende Stabilitätspolitik.[5] Am Beispiel der Europäischen Zentralbank (EZB) ist dies in Art 105 Abs.1. des EG-Vertrags festgelegt. Demnach ist das vorrangige Ziel der EZB, die Preisstabilität[6] zu gewährleisten.[7] Gleichzeitig gilt für die Zentralbank die in Artikel 108 des EG-Vertrages verankerte Unabhängigkeit. Hier heißt es, dass weder die Europäische Zentralbank noch eine nationale Zentralbank oder ein Mitglied ihrer Beschlussorgane bei der Wahrnehmung der ihnen durch diesen Vertrag und die Satzung des ESZB übertragenen Zuständigkeiten, Pflichten und Aufgaben, Weisungen entgegennehmen oder einholen darf, sei es von Organen oder Einrichtungen der Gemeinschaft, von der Regierung der Mitgliedstaaten oder sonstigen Stellen.[8] Die Unabhängigkeit der EZB sowie nationaler Notenbanken von jeglichen Weisungen ist also deren entscheidendes Merkmal.[9] Die Ausgestaltung der Zentralbankunabhängigkeit lässt sich dabei in der Regel auf drei Teilaspekte zurückführen: die personelle, die finanzielle sowie die politische Unabhängigkeit. Die finanzielle Unabhängigkeit bezieht sich dabei auf den Ausschluss der Zentralbank, das Staatsdefizit zu finanzieren[10] sowie darauf, dass sie über eigene Einnahmen und einem eigenen Haushalt verfügt.[11]

Die politische Unabhängigkeit wiederum wird in Zielabhängigkeit und Instrumentenunabhängigkeit unterteilt.[12] Die Zielabhängigkeit besteht dabei darin, dass die Preisniveaustabilität als vorrangiges Ziel vom Gesetz vorgegeben ist. Die Instrumentenunabhängigkeit hingegen besagt, dass die Zentralbank bei der Realisierung dieses Ziels ihr geldpolitisches Instrumentarium weisungsunabhängig einsetzen kann.[13] Das Kriterium der personellen Unabhängigkeit schließlich bedeutet, dass die Mitglieder des Entscheidungsorgans der Zentralbanken von politischen Instanzen und jeglichen Interessengruppen unabhängig sind. Dies soll durch die Auswahl der Entscheidungsträger sowie über die festgelegte Amtszeit sichergestellt werden.[14]

Aus den obigen Ausführungen ist ersichtlich, dass viele Staaten mit der Etablierung der Zentralbankunabhängigkeit ihre geldpolitischen Befugnisse in die Hand einer unabhängigen Institution geben und zugleich die Geldpolitik auf das Ziel der Preisniveaustabilität fixieren.[15] Der wesentliche Grund für die gesetzlich verankerte Unabhängigkeit der Zentralbank liegt darin, dass die Unabhängigkeit einer Zentralbank mit einer geringen Inflationsrate verbunden ist.[16] In der ökonomischen Literatur wird ein hoher Grad an Unabhängigkeit als ein Mittel betrachtet, die Preisniveaustabilität herzustellen, ohne zugleich andere wirtschaftspolitische Zielsetzungen zu gefährden.[17] Nun stellt sich die Frage, wieso das Ziel der Preisniveaustabilität primären Charakter hat. Dieser Frage soll im nächsten Unterkapitel nachgegangen werden.

2.1.2 Begründung der Priorität der Preisniveaustabilität

In den letzten Jahren haben viele Zentralbanken ihre Geldpolitik am Ziel der Preisniveaustabilität ausgerichtet und dieses ausdrücklich in ihren Zentralbankgesetzen verankert.[18]

Unter dem Ausdruck Preisstabilität ist ökonomisch zu verstehen, dass die Preise der konsumierten und produzierten Güter in einer Volkswirtschaft im Durchschnitt konstant bleiben. Ein Anstieg des Preisniveaus signalisiert, dass der reale Wert (die Kaufkraft) des Geldes zurückgeht und man somit für eine Geldeinheit im Durchschnitt weniger Güter erhält.[19] Dieser Anstieg des Preisniveaus wird im Allgemeinen auch als Inflation bezeichnet.[20]

Die Inflation hat wohlfahrtsmindernde Folgen für eine Volkswirtschaft.[21] Diese schlagen sich sowohl in negativen Wachstums- und Beschäftigungseffekten als auch in negativen Allokations- und Umverteilungseffekten nieder.

Die negativen Allokationseffekte kommen dadurch zustande, dass die Inflation zur Störung der Allokationsfunktion (Signalfunktion) der Preise führt und somit auch das Wachstum und die Beschäftigung beeinträchtigt.[22] Die negativen Umverteilungseffekte kommen wiederum dadurch zustande, dass durch eine zunehmende (erwartete) Inflation die Neigung zur Bargeldhaltung seitens der Wirtschaftssubjekte sinkt, da diese eine Kaufkraftvernichtung zur Folge hat. In diesem Fall werden sich die Wirtschaftssubjekte alternative Anlageformen suchen.[23]

Zu weiteren Kosten der Inflation zählen menu costs. Sie entstehen durch die Notwendigkeit, Preisangaben zu aktualisieren, die durch Inflation ausgelöst werden. Schließlich sinkt durch Inflation die nationale Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft aufgrund der steigenden Preise auf dem inländischen Gütermarkt.[24]

Dies sind nur ausgewählte Beispiele für die negativen Folgen der Inflation. Die obigen Ausführungen lassen den Schluss zu, dass Inflation weitgehend negative Folgen für eine Volkswirtschaft hat. Aus diesem Grund stellt sich die interessante Frage, warum Inflation trotzdem auftreten kann.

Im nächsten Abschnitt sollen daher Erklärungen für das Auftreten der Inflation erläutert werden.

2.2 Politisch-ökonomische Erklärungen für Inflation

In der politisch-ökonomischen Literatur haben sich insbesondere zwei Erklärungen für das Auftreten von Inflation herausgebildet. Zum einen wird das Auftreten der Inflation durch das Zeitinkonsistenzproblem der Geldpolitik erklärt (vgl. Kapitel 2.2.1) und zum anderen dadurch, dass die Inflation Einnahmen für den Staat schafft (vgl. Kapitel 2.2.2).[25] Im Folgenden werden beide Ansätze näher erläutert.

2.2.1 Das Zeitinkonsistenzproblem der Geldpolitik

Das Zeitinkonsistenzproblem beschreibt im Allgemeinen eine Situation, in der sich durch das vorausschauende Verhalten privater Wirtschaftssubjekte und gegebene Handlungsanreize der Zentralbank eine unnötig hohe Inflationsrate einstellt.[26]

In diesem Zusammengang wurde ein sehr einflussreiches Modell,[27] das bis heute einen Grundbaustein für zahlreiche wissenschaftliche Analysen darstellt[28], von Barro und Gordon (1983) entwickelt.[29] Darin werden die Zusammenhänge der Geldpolitik einer Regierung und der Lohn- und Preissetzung im privaten Sektor beschrieben.[30] Barro und Gordon gehen davon aus, dass zunächst die privaten Wirtschaftssubjekte die nominalen Löhne der Volkswirtschaft in Verträgen fixieren, bevor anschließend die Zentralbank die Inflation über die Wahl der Geldmenge festlegt.

Daraus folgt, dass der Reallohn und das Beschäftigungsniveau zum einen durch die Inflationserwartung der Öffentlichkeit – die in die Lohnsetzung mit eingeht – und zum anderen durch die Reaktion der Zentralbank festgesetzt wird.[31]

Zugleich ist in diesem Modell die Zentralbank an einer niedrigeren Inflationsrate und geringen Arbeitslosenrate interessiert. Die Zentralbank hat aufgrund der Tatsache, dass die Beschäftigung durch den Reallohn determiniert ist, die Möglichkeit, die Arbeitslosigkeit bei einem nominal gegebenen Lohnanstieg zu reduzieren. Dies gelingt ihr dadurch, dass sie mehr Inflation erzeugt, als die privaten Wirtschaftssubjekte erwarten.[32] Wenn die privaten Wirtschaftssubjekte jedoch den geldpolitischen Prozess durchschauen – Erzeugung einer Überraschungsinflation, um die Arbeitslosigkeit zu senken und die staatlichen Einnahmen zu erhöhen – richten sie ihre Erwartungen danach aus, und es ist nicht mehr möglich, die Arbeitslosigkeit zu senken, da die Geldpolitik darauf ausgelegt ist, die Inflationserwartungen der privaten Wirtschaftssubjekte nah an der tatsächlich realisierten Inflationsrate zu halten.[33] Dies hat einen Zwiespalt zur Folge, da die Politik eine aktive Rolle spielt, die jedoch nicht in einem wünschenswerten Effekt endet. Tatsächlich stellt sich in der Volkswirtschaft statt einer höheren Beschäftigung eine unveränderte Beschäftigung bei einer zugleich höheren Inflation ein.[34] Daher müsste die Zentralbank ein starkes Interesse daran haben, eine niedrige Inflationsrate beizubehalten, um den Effekt einer hohen Inflation bei unveränderter Beschäftigung zu umgehen. Da allerdings die Zentralbank in diesem Modell die Inflation nach der Bestimmung der nominalen Löhne festsetzt, ist dies nicht ohne weiteres möglich, da eine solche Ankündigung keine Glaubwürdigkeit hätte. Dieser Effekt wird auch als „Zeitinkonsistenz optimaler Pläne in der Geldpolitik“ bezeichnet.[35]

2.2.2 Das politische Interesse an der Inflation

Wenn gewählte Politiker einen Einfluss auf die Geldpolitik haben, stehen sie ständig in der Gefahr, die Wirtschaft aus Eigeninteresse kurzfristig anzukurbeln, auch wenn dadurch die Inflationsraten steigen. Ein Beispiel hierfür ist, dass die Zentralbank der Regierung – häufig rechtzeitig zu Wahlen – durch monetäre Effekte dabei hilft, die Wirtschaft anzukurbeln, sodass es zu einem politischen Konjunkturzyklus kommt. Die gestiegene Inflation wird dann nach den Wahlen zu einem wesentlichen Problem und die Zentralbank bremst mit einem strikten Kurs das Wachstum ab.[36]

Somit besteht das Interesse der Regierung an der Inflation darin, durch inflationäre Schocks kurzfristige positive Effekte zu erreichen und dabei die kurzfristige Konjunkturpolitik und die fiskalischen Interessen der Preisstabilität vorzuziehen.[37] Gründe hierfür sind u.a. das Beschäftigungsmotiv, das Seignioragemotiv und das Zahlungsbilanzmotiv, die im Folgenden kurz erläutert werden.

Beschäftigungsmotiv

Bei fixem Nominallohn kann eine Politik überraschend hoher Inflation durch Ausnutzung des kurzfristigen Phillipskurven-Trade-Offs[38] die Beschäftigung und Produktion steigern.[39]

Seignorage-Motiv

Die Einnahmen, die dem Staat durch Schaffung von Zentralbankgeld zufließen, werden in der Literatur als Seigniorage bezeichnet.[40] Hierbei werden die Staatsausgaben über die Erhöhung der Geldmenge finanziert, wodurch das Preisniveau bzw. die Inflation steigen. Dies hat die Besteuerung für alle Geldhalter zur Folge. Diese haben zwar nominal immer noch denselben Geldbetrag bzw. dieselbe Geldforderung zur Verfügung, doch real sinkt infolgedessen die Kaufkraft dieser Geldforderung durch das höhere Preisniveau bzw. die höhere Inflation.[41] Die Regierung kann also somit durch die Inflationsproduktion den Realwert ihrer Regierungsschulden reduzieren und ihr Budgetdefizit finanzieren.[42]

Das Zahlungsbilanzmotiv

Eine Abwertung der inländischen Währung fördert die Exportnachfrage einer Volkswirtschaft und verbessert somit die inländische Zahlungsbilanz.[43]

Aus den obigen Ausführungen ist ersichtlich, dass es viele Gründe für die Politik gibt, die Inflation für eigene Zwecke auszunutzen. Die Ursache dafür, dass die Regierung für ihr kurzfristiges Interesse die langfristigen Kosten der Inflation in Kauf nimmt, liegt nach den Ansätzen der neuen politischen Ökonomie darin, dass Politiker wie andere Wirtschaftssubjekte auch egoistische Nutzenmaximierer sind. Insbesondere, wenn die Wiederwahlchance der Regierung gering ist, dürfte die Motivation, kurzfristig positive Wirkungen aus der Inflation zu erzielen, relativ hoch sein.[44]

2.3 Die Zentralbankunabhängigkeit als institutionelle Lösung

Die Unabhängigkeit der Zentralbank wird in der volkswirtschaftlichen Theorie als ein zentrales institutionelles Element für die Organisation der Geldpolitik gesehen, um das Problem der Zeitinkonsistenz zu lösen,[45] da sie im Gegensatz zu einer unglaubwürdigen Zentralbank die Inflationsrate leichter senken und einfacher auf einem niedrigen Niveau halten kann.[46] Nur eine unabhängige Zentralbank ist in der Lage, sich gegen die Forderungen der Politik durchzusetzen und damit eine langfristig glaubwürdige Quelle für eine stabile Währung.[47]

Ein in der Literatur sehr berühmter theoretischer Vorschlag, um das Problem der Zeitinkonsistenz zu lösen, kam von Rogoff (1989). Dieser liegt darin, einen konservativen Zentralbanker für die Geldpolitik zu ernennen, der nicht die soziale Nutzenfunktion teilt, sondern ein größeres Gewicht auf die Preisstabilität legt als auf das Beschäftigungsziel, um so die Preisstabilität zu gewährleisten.[48] Wenn die privaten Akteure die Präferenz des konservativen Zentralbankers kennen, erwarten sie eine geringe geringere Inflation, die dann auch schließlich realisiert wird. Voraussetzung dafür ist, dass die Zentralbank und oder der konservative Zentralbanker unabhängig von der Regierung ist.[49]

Ein anderer berühmter Vorschlag kommt von Walsh, der die Beziehung zwischen der Regierung und der Zentralbank als ein Principal-Agent-Problem analysiert. Er schlägt vor, vertragliche Anreize zu schaffen (z.B. Zentralbanker erhalten beim Erreichen des Inflationszieles einen Bonus zum Gehalt), um die Inflation zu vermeiden.[50]

In der Praxis sind immer mehr Staaten dazu übergegangen, ihre Zentralbank jeglichen politischen Einflüssen zu entziehen und die Zentralbankunabhängigkeit zu etablieren,[51] um die Preisniveaustabilität zu gewährleisten. Die Verteidigung der Zentralbankunabhängigkeit basiert auf theoretischen und empirischen Grundlagen. Eine hohe Anzahl von Studien[52] hat ergeben, dass eine Unabhängigkeit der Zentralbank zu einer niedrigeren Inflationsrate führt.[53] Im nächsten Abschnitt sollen aus diesem Grund Argumente vorgestellt werden, die für und gegen die Zentralbankunabhängigkeit sprechen.

2.4 Argumente für und gegen die Zentralbankunabhängigkeit

In diesem Abschnitt sollen die Argumente vorgestellt werden, die für und gegen die Unabhängigkeit einer Zentralbank sprechen.

2.4.1 Argumente für die Zentralbankunabhängigkeit

Das ökonomische Argument

Aus Sicht der politischen Ökonomie liegt die Begründung der Zentralbankunabhängigkeit darin, dass die Finanzierung des Budgets über die Zentralbank ein bequemer und politisch preiswerter Weg ist. Denn im Gegensatz zur Finanzierung des Budgets über Kredite oder Steuern werden hierbei politische Widerstände umgangen sowie die Ausgaben gering gehalten.[54]

Das staatspolitische Argument

Nach dieser Auffassung die Zentralbank eine Instanz, die im Gegensatz zur Regierung und dem Parlament in der Lage ist, unpopuläre Entscheidungen zu treffen sowie die notwendige Voraussetzung für eine kontinuierliche Stabilitätspolitik zu schaffen.[55] Somit ist also einer unabhängigen Zentralbank die kontinuierliche Durchsetzung der Preisniveaustabilität eher zuzutrauen als politischen Instanzen.[56] Die Unabhängigkeit der Zentralbank wird in Anlehnung der Gewaltenteilung begründet. Analog wie die Unabhängigkeit der Justiz den Rechtsstaat sichert, soll die Unabhängigkeit der Zentralbank die Geldwertstabilität sichern.[57]

Das technische Argument

Nach dem technischen Argument, das für eine Unabhängigkeit der Zentralbank spricht, wird die Willensbildung im Gegensatz zu politischen Entscheidungsprozessen vereinfacht. Dies hat zur Folge, dass die zeitliche Verzögerung der Geldpolitik (decision lag) verkürzt wird.[58] Dadurch kann die Zentralbank schneller geldpolitische Entscheidungen treffen als die Regierung oder das Parlament.[59]

[...]


[1] Vgl. Berger 1997, S. 89.

[2] Vgl. Botzenhardt 2001, S. 1.

[3] Vgl. Jerger/Röhe 2012, S. 1.

[4] Vgl. Jarchow 2003, S. 326.

[5] Vgl. Wrobel 2010, S. 7.

[6] Die EZB definiert die Preisniveaustabilität als „Anstieg des Harmonisierten Verbraucherpreisindex von unter aber nahe bei 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr für das Euro-Währungsgebiet. (Vgl. Sieg 2010, S. 231.).

[7] Vgl. Wagner 2008, S. 242.

[8] Vgl. Sieg 2010, S. 231.

[9] Vgl. Clement et al. 2001, S. 27.

[10] Vgl. de Sousa 2001, S. 2.

[11] Vgl. Boßeler/Heinrich/Utecht 2010, S. 556.

[12] Vgl. de Sousa 2001, S. 2.

[13] Vgl Jarchow 2003, S. 326.

[14] Vgl. Proske 1995, S. 538.

[15] Vgl. Sieg 2010, S. S. 232.

[16] Vgl. Gischer/Herz/Menkhoff 2012, S. 57.

[17] Vgl. Peterson/Ullrich 2004, S. 2.

[18] Vgl. Bofinger/Reischle/Schächter 1996, S. 11.

[19] Vgl. Bofinger/Reischle/Schächter 1996, S. 11.

[20] Vgl. Lachmann 2004, S. 259.

[21] Vgl. Pätzold/Baade 2012, S. 8.

[22] Vgl. Mussel/Pätzold 2008, S. 94.

[23] Vgl. Pätzold/Baade 2012, S. 8.

[24] Vgl. Mussel/Pätzold 2008, S. 99.

[25] Vgl. Grüner 2008, S. 142.

[26] Vgl. Hayo 2010, S. 37.

[27] Vgl. Zimmermann 2002, S.13.

[28] Vgl. Grüner 2008, S. 142.

[29] Vgl. Zimmermann 2002, S. 13

[30] Vgl. Zimmermann 2002, S. 13.

[31] Vgl. Grüner 2008, S. 142.

[32] Vgl. Grüner 2008, S. 143.

[33] Vgl. Barro/Gordon 1983, S. 589ff.

[34] Vgl. Barro/Gordon 1983, S. 591.

[35] Vgl. Grüner 2008, S. 143.

[36] Vgl. Junius et al 2001, S. 37.

[37] Vgl. Botzenhardt 2011, S. 4.

[38] Die These der Philips-Kurve behauptet, dass ein Zielkonflikt zwischen der Preisniveaustabilität und der Beschäftigung besteht. Diese These gilt jedoch nur kurzfristig. (Mussel/Pätzold 2008, S. 95.)

[39] Vgl. Illing 1997, S. 156.

[40] Vgl. Görgerns/Ruckriegel/Seitz 2001, S. 73.

[41] Vgl. Stocker 2009, S. 320.

[42] Vgl. Wagner, 1998, S. 78.

[43] Vgl. Spahn 2009, S. 267f.

[44] Vgl. Botzenhard 2001, S. 6.

[45] Vgl. Hayo 2010, S. 37.

[46] Vgl. Lack/Lenz 2000, S.1.

[47] Vgl. Lack/Lenz 2000, S. 2.

[48] Vgl. Rogoff 1985, S. 1169f.

[49] Zu dem Vorschlag von Rogoff gibt es allerdings einige Kritikpunkte (näheres dazu, siehe Grüner 2008, S. 148f., Rogoff 1985, S. 1169-1189); vgl. Zimmermann 2002, S. 13.

[50] Vgl. Walsh 1985, S. 150ff.

[51] Vgl. Bofinger/Reischle/Schächter 1996, S. 11.

[52] Vgl. Alesina/Lawrence/Summers 1993.

[53] Vgl. de Sousa 2001, S. 1.

[54] Vgl. Hasse 1989, S. 121.

[55] Vgl. Mikoleizik 1998, S. 51.

[56] Vgl. Jarchow 2003, S. 328.

[57] Vgl. Mikoleizik 1998, S. 51.

[58] Vgl. Hasse 1989, S. 123.

[59] Vgl. Jarchow 2003, S. 328.

Details

Seiten
20
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656744245
ISBN (Buch)
9783656744238
Dateigröße
532 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v280160
Institution / Hochschule
Universität Kassel
Note
Schlagworte
Zeitinkonsistenzproblem der Geldpolitik Zentralbankunabhängigkeit und Preisniveaustabilität Theoretische Debatte um die Unabhängigkeit der Zentralbank

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Titel: Theoretische Debatte um die Zentralbankunabhängigkeit