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c-Moocs. Modeerscheinung oder Überwindung alter Muster?

Essay 2014 6 Seiten

Pädagogik - Medienpädagogik

Leseprobe

Spätestens, seit die New York Times das Jahr 2012 zum »Year of the MOOC« ausrief, sind diese Massive Open Online Courses auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt und erfreuen sich steigender Beliebtheit1 - wenngleich diese Lernform gerade im deutschsprachigen Raum noch weitaus weniger zum Einsatz kommt als in englischsprachigen Kulturräumen.2 Dabei stehen vor allem die sogenannten x-Moocs im Fokus: dies sind Lernangebote, welche originär auf nachträglich online gestellten Präsenzveranstaltungen von Universitäten basieren. Als x- Mooc bezeichnete Angebote bieten in erster Linie den Vorteil, Wissensvermittlung einer sehr großen Anzahl von Menschen (eben mehr, als beispielsweise in einen Hörsaal passen) anzubieten. Im Gegensatz dazu bieten viele c-Moocs zwar ebenso vielen Personen Zugang zu den dort angebotenen Lernquellen, allerdings liegt der Fokus dabei auf der Vernetzung der Lernenden untereinander. Damit unterscheiden sich c-Moocs konzeptionell radikal von ihren namensähnlichen Angeboten. Der Nährboden von c-Moocs ist die rege Beteiligung der Teilnehmer_innen, die Lernumgebung ebendieser das Internet selbst. Angedacht ist, dass die Teilnehmer_innen das angebotene Material vor allem als Anregung verstehen und sich gegenseitig Anregungen und Hinweise geben.

Mit einem solchen Konzept, das auf den theoretischen Überlegungen von George Siemens3 beruht, werden tatsächlich neue Lernwege beschritten. Wege, auf denen die Lernenden in und durch Netzwerkstrukturen lernen. Traditionelle Konzepte mit ihren klaren Trennungen zwischen Lehrenden und Lernenden werden damit überwunden - oder, anders formuliert, überboten. Doch werden sie dies tatsächlich? In diesem Essay soll der Frage nachgegangen werden, ob c-Moocs mit ihrer an den Konnektivismus angelehnten Prämisse tatsächlich einen Mehrwert für das Lernen bringen können - oder vielmehr eine nutzlose Modeerscheinung darstellen, welche einfach dem immer wieder ausgerufenem Trend nach mehr Vernetzung folgen. Dabei soll beispielhaft Bezug auf das Mooc »cope14« genommen werden.

Moderne Lernende generieren heute selbst Wissen, verweisen auf andere, in aller Regel online verfügbare Lerninhalte und vernetzen sich so miteinander, wie sie dies bereits durch einschlägige soziale Onlinenetzwerke kennen. Der französische Soziologie Dominique Boullier warnt dabei vor einem Qualitätsverlust der Lehre, vor allem auch im Zuge einer Standardisierung von Lerninhalten.4 Die Einrichtung eines Mooc-Kurses entbindet die Kursentwickler_innen nicht davon, die angebotenen Inhalte auf ihre Wissenschaftlichkeit zu überprüfen. Ebenso sollte der Einsatz von Moocs eher eine Bereicherung bestehender Lernangebote sein und diese nicht ersetzen. Beim Blick auf das Mooc »cope14« wird diese Problematik schnell klar: statt Links zu wissenschaftlichen Publikationen wird an vielen Stellen auf Youtube-Videos und kommerziellen Websites verwiesen; Material also, welches niemals durch wissenschaftliche Lektor_innen auf dessen Publikationswürdigkeit geprüft wurde. Die User_innen der Plattform sollen sich vor allem selbst informieren und dabei auf die reichhaltig verfügbaren Internetquellen zurückgreifen. Dabei bleiben Hinweise auf die Qualitätsunterschiede der unterschiedlichen Quellen vollkommen aus, d.h., die Teilnehmer_innen werden eben nicht dafür sensibilisiert, dass es immer auch um die Bewertung von Wissensquellen geht und nicht nur um eine bloße Rezeption ebensolcher. Insofern kann und sollte ein solcher Mooc vielmehr als Anregung und Austauschmöglichkeit begriffen werden als als wirkliche Lernquelle.

Wie bereits oben erwähnt, ermöglicht die Lernform c-Mooc es den Lernenden, selbst aktiver Teil der Lehre zu sein und den Kurs bzw. dessen Inhalten eigenständig prägen zu können. Damit einher geht die Freiheit der Lernenden, die Art und Weise ihres Lernens individuell und selbst gestalten zu können, was an die Teilnehmer_innen allerdings vergleichsweise hohe Anforderungen stellt: die Lernenden benötigen eine hohe intrinsische Motivation und müssen außerdem nicht nur mit einer hohen Selbstlernkompetenz ausgestattet sein, sondern ebenso ausreichende Medienkompetenz besitzen.5 Gerade im Rahmen des »cope14« besteht nicht die Möglichkeit, sich mit einem festen Account einzuloggen, welcher den persönlichen Lernfortschritt zeigt und insofern zum Lernen motiviert. Ebenso fehlt eine feste Struktur auf der Lernplattform - was Teil des offenen Lernkonzepts dieses Mooc ist. So schreibt die pädagogische Leiterin des »cope14«, Jutta Pauschwein, in einem Antwortpost: »We try to give as much support as possible - but in the end you have to find your own way how to deal with the platform, the people, the different ways to communicate. I’m looking to find my way as well.«.6 Der angesprochene Support geschieht im Rahmen der erwähnten Plattform über hilfreiche Kommentare der Moderator_innen, die Hinweise oder Links beinhalten. Werden Moocs wie »cope14« damit zur didaktikfreien Zone; oder sollten sie dies gar sein, um eine größtmögliche Autonomie der Lernenden zu gewährleisten und diese damit von den üblichen pädagogischen Zwängen zu befreien? Ein Blick in die »how to learn«-Erklärung des »cope14«7 offenbart vor allem eine starke Anlehnung an konnektivistische Prinzipien, nachdem Lernen divers, interaktiv und autonom passieren sollte. Haug und Wedekind widersprechen solchen möglichen Überlegungen: demnach sei es in erster Linie Aufgabe der Anbieter_innen, die »verwendeten Werkzeuge so auszuwählen und zu gestalten, dass die Teilnehmenden überhaupt die Chance haben, sich in diesem Rahmen selbst zu organisieren«.8

Allerdings beschreiten Moocs - wie der »cope14« einen Weg, welcher sich mit herkömmlichen Betrachtungsperspektiven - die sich vor allem an klassischen Lernszenarien orientieren - vielleicht gar nicht fassen lassen. Denn gerade viele c-Moocs entfernen sich mit ihren Konzepten zunehmend von einer Lernform, die einem Kurs ähnelt, sondern bieten den Teilnehmer_innen vor allem Zugang zu einer Lerngemeinschaft. Martin Lindner, Initiator eines mathematischen Moocs, schlägt dabei den Begriff der Reise vor. Die User_innen begeben sich auf einen Lernausflug, auf dem unterschiedliche Stationen absolviert werden - der genaue Reiseweg bleibt den Lernenden selbst überlassen.9 Dabei geht es vor allem darum, auf dieser Lernreise neue Erfahrungen und Eindrücke zu sammeln, Andersdenkende ebenso kennenzulernen wie neuartige Konzepte und fremde Ideen. Ein c-Mooc könnte insofern vielmehr mit einer Konferenz verglichen werden, bei der unterschiedliche Inhalte angeboten werden, die allerdings nicht vollständig rezipiert werden müssen. Stattdessen bieten Konferenzen vor allem Austausch zu Personen, die oftmals zwar unterschiedliche Paradigmen und Perspektiven einnehmen, allerdings an dem gleichen Thema interessiert sind.

Gerade c-Moocs stellen an Teilnehmer_innen wie auch Anbieter_innen hohe Anforderungen. Insofern sollten didaktische Grundfragen, beispielsweise nach der Zielgruppe, den zu behandelnden Themen sowie der Kursstruktur durchaus gestellt werden und vorhandene didaktische Konzepte genutzt werden. Gerade die sorgfältige Organisation eines c-Moocs umfasst nicht nur die Erarbeitung eines didaktischen Konzepts, sondern auch die technische Bereitstellung einer Plattform; nicht zuletzt müssen entsprechende Lernressourcen organisiert und bereitgestellt werden.

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1 Haug, Simone/Wedekind, Joachim (2013): cMOOC - ein alternatives Lehr-/Lernszenarium? In: Schulmeister, Rolf (Hg): MOOCs - Massive Open Online Courses. Offene Bildung oder Geschäftsmodell? Münster. 161f.

2 Friedrich, Torben (2014): MOOCs - Chance oder Risiko für die Weiterbildung? Online unter: http://moocia.de/2014/03/31/moocs-chance-oder-risiko-fuer-die-weiterbildung/ [Stand: 23.07.2014]

3 Vgl. u.a. Siemens, George (2004): Connectivism—A Learning Theory for the Digital Age. Elearnspace. Everything Elearning. Online unter: http://www.elearnspace.org/Articles/connectivism.htm [Stand: 23.07.2014]

4 Boullier, Dominique (2013): Mooc - la standardisation ou l'innovation ? Internet Actu. Enjeux, recherches, usages, d é bats. Online unter: http://www.internetactu.net/2013/02/20/mooc-la- standardisation-ou-linnovation/ [Stand: 23.07.2014]

5 Haug, Simone/Wedekind, Joachim (2013): cMOOC - ein alternatives Lehr-/Lernszenarium? In: Schulmeister, Rolf (Hg): MOOCs - Massive Open Online Courses. Offene Bildung oder Geschäftsmodell? Münster. 166f.

6 Online unter: http://www.cope14.at/?page_id=307 [Stand: 12.06.2014]

7 Nachzulesen unter: http://www.cope14.at/?page_id=42 [Stand: 23.07.2014]

8 Haug, Simone/Wedekind, Joachim (2013): cMOOC - ein alternatives Lehr-/Lernszenarium? In: Schulmeister, Rolf (Hg): MOOCs - Massive Open Online Courses. Offene Bildung oder Geschäftsmodell? Münster. 167.

9 Lindner, Martin (2013): Einen MOOC designen. Die 11 Phasen der »User-Reise«. Online unter: http://mathemooc.de/2013/06/14/einen-mooc-designen-die-11-phasen-der-user-reise/ [Stand: 25.07.2014]

Details

Seiten
6
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656736882
ISBN (Buch)
9783656736851
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v280327
Institution / Hochschule
Fachhochschule Oberösterreich Standort Hagenberg – Kommunikation, Wissen, Medien
Note
1,0
Schlagworte
modeerscheinung überwindung muster

Autor

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