Lade Inhalt...

Produktiver Umgang mit Literatur in einer 7. Realschulklasse

Unterrichtentwurf zur Lektüre "Das Austauschkind"

Unterrichtsentwurf 2014 17 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Bedingungsanalyse
1.1 Situation der Klasse
1.2 Einbettung der Stunde

2. Didaktische Reflexion
2.1 Kompetenzen und Inhalte des Bildungsplans
2.1.1 Sprechen
2.1.2 Scheiben
2.1.3 Lesen / Umgang mit Texten
2.2 Sachanalyse – Fachwissenschaftliche Aspekte
2.2.1 Inhalt „Das Austauschkind“
2.2.2 Themen und Wirklichkeitsbezug
2.2.3 Ausgewählte Szene für die Unterrichtsstunde
2.2.4 Brief aus der Sicht einer Figur schreiben
2.3 Kompetenzen
2.4 Stundenziel

3. Methodische Reflexion
3.1 Methodische Planung mit Alternativen und Begründung
3.1.1 Einstieg
3.1.2 Hinführung
3.1.3 Erarbeitungsphase I mit integrierter Ergebnissicherung als Differenzierung
3.1.4 Ergebnissicherung I
3.1.5 Erarbeitungsphase II mit anschließender Sicherung
3.2 Verlaufsplan

4. Anhang
4.1 Zitate zur Differenzierung in der Phase „Erarbeitung I“
4.2 Arbeitsblatt

5. Quellen
5.1 Bücher und Zeitschriften
5.2 Internetlinks

1. Bedingungsanalyse

1.1 Situation der Klasse

Die Klasse 7a setzt sich aus 25 Schülern[1], davon 10 Mädchen und 15 Jungen, zusammen. Dieses leichte Ungleichgewicht wirkt sich jedoch nicht auf die Klassengemeinschaft aus. Die Schüler verstehen sich untereinander gut und sind daher auch bereit dazu, in unterschiedlich zusammengesetzten Arbeitsgruppen zu arbeiten In der Klasse gibt es ungefähr 7 Schüler, welche den Unterrichtsverlauf aktiv und kontinuierlich mitgestalten. Hier fällt besonders L. auf, welche sowohl schriftlich, als auch mündlich sehr leistungsstark ist. Sie durchdringt Arbeitsaufträge und Sachverhalte sehr schnell und hilft ihren Mitschülern gerne bei Fragen und Problemen. Auch J., O. und P. beteiligen sich häufig mit sehr guten mündlichen Beiträgen am Unterrichtsgespräch. Bei den Jungen sind es die Brüder K. und N., sowie O., welche sich rege am Unterricht beteiligen.

Die Klasse ist freundlich und ich unterrichte sehr gerne in ihr, da ich schon nach kurzer Zeit das Gefühl hatte, als Lehrperson akzeptiert worden zu sein. Auch die Arbeitsatmosphäre ist grundsätzlich sehr angenehm. In den letzten Unterrichtsstunden hat sich gezeigt, dass es den Schülern gut tut, nach sehr aktiven, gesprächsintensiven Phasen, die Möglichkeit zu haben, sich in Einzelarbeit mit einem Sachverhalt auseinanderzusetzen. Hier wurde deutlich sichtbar, dass die sonst doch recht lebhafte Klasse, auch sehr gut konzentriert und selbstständig arbeiten kann.

Obwohl es während des Unterrichts selten zu massiven Störungen kommt, sind des Öfteren kurze verbale, sowie auch nonverbale Signale der Lehrperson nötig, um der allgemeinen Unruhe, die meist durch Unterhaltungen mit dem Nachbarn entsteht, entgegenzuwirken. Dies gilt vor allem für W., S. und F., welchen es häufig schwer fällt, sich für längere Zeit auf das Unterrichtsgeschehen zu konzentrieren.

Für die meisten Schüler der Klasse ist Deutsch die Muttersprache, wodurch es nicht zu schwerwiegenden Verständnisproblemen aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse kommt. A., welche einen Migrationshintergrund hat, fällt es jedoch vor allem bei schriftlichen Aufgabestellungen schwer, sich adäquat auszudrücken. Auch M. hat bei dieser Art von Aufgaben Schwierigkeiten, die primär im rechtschriftlichen Bereich anzusiedeln sind.

Die Klasse ist sehr interessiert an Literatur. Einige der Schüler gaben an, auch in ihrer Freizeit häufig und gerne zu lesen. Zusätzliche Lesemotivation ergab sich für die Schüler durch Buchvorstellungen, welche einmal wöchentlich im Unterrichtdurchgeführt wurden. Hier stellte jeder Schüler eines seiner Lieblingsbücher vor, wobei sich interessante Präsentationen ergaben, die oft auch dazu führten, dass Mitschüler darum baten, das Buch ausleihen zu dürfen.

Einige der Schüler haben in der fünften sowie in der sechsten Klasse im Zuge einer Lektüre schon mit Lesetagebüchern gearbeitet, in deren Mittelpunkt der produktive Umgang mit einem Jugendbuch stand. Aus diesem Grund wissen die Schüler bereits, wie man einen Brief oder einen Tagebucheintrag verfasst.

Im Mittelpunkt der jetzigen Lektüre soll erneut der handlungs- und produktionsorientierte Umgang mit Literatur stehen.

1.2 Einbettung der Stunde

Zu Beginn der Arbeit mit der Ganzschrift „Das Austauschkind“ von Christine Nöstlinger, setzten sich die Schüler mit dem Cover der Lektüre auseinander. Hier wurden äußere Merkmale des Jungen auf dem Cover beschrieben und die Schüler sollten Vermutungen anstellen, auf welche Charaktereigenschaften des Jungen sie eventuell aufgrund dieser Äußerlichkeiten schließen würden. In dieser Stunde wurde das Buch gemeinsam bis Seite 9 angelesen. Zu dieser Textstelle schrieben die Schüler ein Selbstgespräch in der „Ich-Form“ aus der Sicht des Protagonisten, welcher gerade von der Mutter eröffnet bekommen hatte, zu einem Schulaustausch nach England zu müssen.

In der darauf folgenden Doppelstunde setzten sich die Schüler sowohl in Einzelarbeit als auch in Gruppenarbeit genauer mit den Seiten 9 bis 15 auseinander. In diesen Stunden ging es um das Herausarbeiten bestimmter Charaktereigenschaften Ewalds, der Mutter und des Vaters. Wichtig bei dieser Arbeit der Schüler war, diese Eigenschaften auch mit Hilfe eines Zeilometers anhand von Textstellen belegen zu können. Das Erarbeitete wurde in einer Gruppenarbeitsphase verglichen, besprochen und zum Zwecke einer späteren Präsentation auf Plakaten festgehalten.

Die heutige Stunde stellt die vierte Stunde in der Unterrichtseinheit „Das Lesen einer Ganzschrift: Das Austauschkind“ dar.

2. Didaktische Reflexion

2.1 Kompetenzen und Inhalte des Bildungsplans

2.1.1 Sprechen

Laut dem Bildungsplan 2004 ist eine wichtige Kompetenz, die im Literaturunterricht vertieft werden sollte, die Inhalte literarischer Texte adressaten- und situationsbezogen zusammenzufassen, wiederzugeben und zu bewerten.[2] Diese Kompetenz soll in der hier vorgestellten Unterrichtsstunde insofern geübt werden, als dass die Schüler sich während des Einstieges mit unterschiedlichen Partnern über den Inhalt der vor den Ferien gelesenen Textstelle unterhalten und ihre Meinung zu dieser artikulieren. Angebahnt werden hier ebenfalls die Kompetenzen, im Gespräch aufeinander einzugehen und gezielte Fragen zu dem Gehörten zu stellen.[3] Gerade diese beiden Kompetenzen sind in der Klasse von großer Wichtigkeit, da es den Schülern häufig noch schwerfällt, im Gespräch auf die Aussagen des Gesprächspartners einzugehen und selbigen Relevanz für den weiteren Gesprächsverlauf einzuräumen.

2.1.2 Scheiben

Bezüglich des Umgangs mit literarischen Texten ist das Ausgestalten eines solchen eine wichtige schriftsprachliche Kompetenz[4], die bei den Schülern vertieft werden sollte. Der Brief an die Mutter aus Ewalds Sicht bietet den Schülern die Möglichkeit, sich in die Charaktere der Lektüre hineinzuversetzen und somit deren Perspektive zu übernehmen, was wiederum zu einem tieferen Figurenverständnis und womöglich zur Selbstreflexion durch Alteritätserfahrungen führen kann.[5] Die Form des Briefs, in welchem auch Gedanken und Gefühle angesprochen werden sollen, unterscheidet sich jedoch insofern von einem Selbstgespräch in der Ich-Form, als dass ein besonderer Adressatenbezug gegeben ist. Es geht hier nicht nur darum, Gefühle zu beschreiben, sondern auch darum, geschickt zu argumentieren, um die Mutter zu überzeugen. Durch eine solche Aufgabenstellung kann demnach zusätzlich das adressatenbezogene Schreiben angebahnt werden.

Da die Schüler lernen sollen, ihren Schreibprozess zunehmend eigenverantwortlich zu steuern, wird es keine Vorgaben über den Umfang des Briefs geben. Zusätzlich werden, um der Forderung des Bildungsplans nach selbstständiger Überprüfung des Schreibprodukts gerecht zu werden, Wörterbücher bereitgelegt, mit welchen die Schüler ihre Texte eigenständig korrigieren können.[6]

2.1.3 Lesen / Umgang mit Texten

Wie bereits in der Bedingungsanalyse erwähnt, lesen einige der Schüler auch außerhalb der Schule gerne. Trotzdem ist ein allgemeines Leseinteresse nicht bei allen von ihnen gegeben. Auftrag des Literaturunterrichts ist es, Verfahren und Herangehensweisen an Literatur zu wählen, welche die Heranwachsenden für Literatur öffnen. Dies ist besonders gut durch den Einsatz handlungs- und produktionsorientierter Verfahren möglich. Auch im Bildungsplan wurde der produktive Umgang mit Texten als Kompetenz definiert. Durch ein solches Arbeiten mit Literatur kann auch ein ganz eigenes Leseinteresse durch die Schüler entwickelt werden, was als weitere Kompetenz im Bildungsplan verankert wurde.[7]

2.2 Sachanalyse – Fachwissenschaftliche Aspekte

2.2.1 Inhalt „Das Austauschkind“

Der Roman „Das Austauschkind“ von Christine Nöstlinger aus dem Jahre 1982 beschreibt das Leben der etwas spießigen Familie Mittermeier, welches durch einen englischen Austauschschüler namens Jasper auf den Kopf gestellt wird.

Der dreizehnjährige Ewald Mittermeier lebt mit seinen Eltern und seiner fünfzehnjährigen Schwester Sybille ein ganz gewöhnliches Leben. Obwohl Ewald ein guter Schüler ist, möchte seine Mutter einen Sprachaufenthalt in England für ihn organisieren, wovon sie jedoch zumindest teilweise wieder abgebracht werden kann. Stattdessen soll nun in den Sommerferien der guterzogene, englische Austauschschüler Tom in der Familie aufgenommen werden.

Es kommt jedoch alles ganz anders und Toms unfreundlicher, aggressiver und desinteressierter Halbbruder Jasper kommt als Austauschschüler zu den Mittermeiers. Durch dessen Fehlverhalten kommt es häufig zu Konflikten und Missverständnissen in der Familie.

Erst viel später findet die Familie heraus, dass Jasper in seiner Vergangenheit schon viel durchmachen musste und sein Verhalten nur Protest gegen eine Umwelt ist, in der er immer wieder auf Ablehnung stößt.

Dieses Wissen hilft den Mittermeiers nun, Jasper zu verstehen und so versuchen sie, ihm eine schöne Zeit bei ihnen zu ermöglichen.[8]

2.2.2 Themen und Wirklichkeitsbezug

Der Roman bieten den Schülern viele Anknüpfungsmöglichkeiten an die eigene Lebenswirklichkeit. Durch vertraute Themen wie „Konflikte innerhalb der Familie“, „Zusammenhalt und Freundschaft“, „sich unverstanden und ungeliebt fühlen“, „Geschwisterbeziehungen“ und „der Beginn der Pubertät“, fällt es den Schülern leicht, sich besonders mit Ewald, aus dessen Ich-Perspektive das Buch geschrieben ist, zu identifizieren. Auch die realistische Schilderung einer ganz normalen, bürgerlichen Familie mit ihren schönen, aber auch schwierigen Seiten, dürfte den Schülern zumindest teilweise bekannt vorkommen. Hieraus ergibt sich der leseförderliche Charakter des Werkes.

Gleichzeitig bietet das Buch jedoch auch Herausforderungen, welche das literarische Lernen befördern. So erschwert zum einen die personale Erzählperspektive die Identifikation mit Jasper, Bille, Vater, Mutter und allen weiteren Nebenfiguren, da ein Einblick in deren Gedanken- und Gefühlswelt nicht möglich ist. Zum anderen sind auch bestimmte thematische Bereiche nicht komplett an die Lebenswelt der Schüler anschließbar. So hatten die meisten Schüler wahrscheinlich noch keinen Austauschschüler und kennen demnach das Gefühl nicht, jemand Fremden bei sich aufzunehmen. Auch die Veränderung in den Denkweisen und Handlungsstrategien der Protagonisten wird für die Schüler eventuell zuerst schwer nachvollziehbar sein.[9]

2.2.3 Ausgewählte Szene für die Unterrichtsstunde

In der für die Schreibaufgabe ausgewählten Szene, wurde Ewald von seiner Mutter gerade eröffnet, dass sie für ihn einen Schüleraustausch nach England plant, um seine Aussprache zu verbessern. Es wird deutlich, dass der Junge sehr wütend darüber ist, seine Gefühle und Ansichten gegenüber seiner Mutter jedoch nicht vertreten kann. Grund für seine fehlenden Widerworte seien nach Angaben seiner Schwester Gutmütigkeit und Trägheit.[10]

2.2.4 Brief aus der Sicht einer Figur schreiben

Mit dieser einfachen und oft ergiebigen Aufgabestellung wird laut Spinner mit dem Brief eine Textsorte aufgegriffen, welche den meisten Schülern aus dem Alltag bekannt sei. Zugleich handle es sich aber auch um ein literarisches Spiel, da man sich den Verfasser, sowie auch den Adressaten, als eine literarische Figur vorstellen müsse. So bilde die Aufgabe eine Brücke zwischen Alltags- und literarischem Schreiben, da mit den Briefen Gedanken- und Gefühlslagen der Figuren zum Ausdruck gebracht werden könnten.[11]

2.3 Kompetenzen

Fachkompetenz „Schreiben“:

Die Schüler:

- setzen sich ein Schreibziel
- üben das adressatenbezogene Schreiben, indem sie aus der Sicht Ewalds einen Brief an dessen Mutter schreiben
- gestalten einen literarischen Text aus

Fachkompetenz „Umgang mit Texten“

Die Schüler:

- fassen Inhalte des Gelesenen zusammen und geben es wieder
- gehen produktiv mit einem Text um, indem sie ihn ausgestalten

Personale Kompetenz:

Die Schüler versetzen sich in den Protagonisten Ewald hinein.

Methodische Kompetenz:

Die Schüler:

- nutzen die herausgearbeiteten Charaktereigenschaften Ewalds, um einen Brief aus dessen Perspektive zu verfassen
- arbeiten zielgerichtet, indem sie sich mit der Aufgabenstellung auseinandersetzen

Soziale Kompetenz:

Die Schüler:

- gehen im Gespräch aufeinander ein
- stellen gezielte Fragen zu Gehörtem
- geben einigen Mitschülern konstruktives Feedback

[...]


[1] mit „Schüler“ oder „Schülern", beziehe ich mich in folgendem Unterrichtsentwurf immer sowohl auf Mädchen, als auch auf Jungen.

[2] vgl. Bildungsplan 2004, S. 52.

[3] vgl. ebd., S. 52.

[4] vgl. Bildungsplan 2004, S. 52.

[5] vgl. Spinner, 2006, S. 9.

[6] vgl. Bildungsplan 2004, S. 52.

[7] vgl. ebd., S. 53.

[8] vgl. Kroll, 2011, S. 1.

[9] vgl. ebd, S. 2.

[10] vgl. Nöstlinger, 2006, S. 11.

[11] vgl. ebd, 1999, S. 38.

Details

Seiten
17
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656744740
ISBN (Buch)
9783656744733
Dateigröße
626 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v280354
Note
1,0
Schlagworte
produktiver umgang literatur realschulklasse unterrichtentwurf lektüre austauschkind

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Produktiver Umgang mit Literatur in einer 7. Realschulklasse