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„Cash Flow at Risk“-Verfahren für das Risikomanagement. Begrifflichkeiten und Grundlagen

Akademische Arbeit 2006 19 Seiten

BWL - Controlling

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung... 3

2. Risiko und Risikomanagement... 3

3 Marktpreisrisiken und Unternehmensrisiken... 6

4 Hedging-Maßnahmen zur Risikoabsicherung... 9

5 Rechtliche Rahmenbedingungen... 11

6 Cash Flow als Zielgröße... 12

7 Literaturverzeichnis (inkl. weiterführender Literatur)... 14

8. Anhang... 19

1. Einleitung

In dieser Arbeit wird neben einer ausführlichen Analyse des Terminus Risiko auch auf die Ablaufschritte eines Risikomanagementsystems eingegangen. Die Einordnung Marktpreisrisiken in das Gesamtgerüst der Unternehmensrisiken und die verschiedenen Möglichkeiten zur Absicherung gegen Marktpreisrisiken bilden die theoretischen Grundlagen. Die Arbeit schließt mit der Darstellung der rechtlichen Rahmenbedingungen, wobei insbesondere auf die Ausführungen des KonTraG eingegangen wird, sowie einer Analyse der im Rahmen dieser Arbeit betrachteten Zielgröße Cash Flow.

2. Risiko und Risikomanagement

Der Terminus Risiko ist erst seit dem 16. Jahrhundert in Deutschland bekannt und wurde aus dem italienischen Sprachraum überliefert. [1] Er leitet sich von dem italienischen Verb „risicare“ ab, was übersetzt so viel bedeutet wie „wagen“. Aus dieser Übersetzung wird deutlich, dass Risiko nicht mit Passivität verknüpft ist, sondern aktives Handeln in einer Entscheidungssituation voraussetzt.[2] In Bezug auf die zu treffende Entscheidung soll untersucht werden, ob diese unter Sicherheit oder Unsicherheit erfolgt. Bei einer Entscheidung unter Sicherheit ist das Ergebnis im Voraus bereits bekannt. Eine solche Situation, in der sämtliche Konsequenzen aus einer Handlung vorhergesagt werden können, ist allerdings realitätsfern. Im Allgemeinen kann davon ausgegangen werden, dass Entscheidungen unter Unsicherheit getroffen werden, d. h., dass zum Entscheidungszeitpunkt nicht bekannt ist, welches zukünftige Ergebnis eintreten wird. [3]

In einem nächsten Schritt gilt es, die oben beschriebene Unsicherheitssituation genauer zu betrachten. Der Amerikaner Knight lieferte bereits 1921 einen der bekanntesten Vorschläge für die Unterteilung von Unsicherheitszuständen in Risiko- und Ungewissheitssituationen. [4] Die Termini Risiko und Ungewissheit lassen sich prinzipiell anhand des Kriteriums der Existenz objektiver Wahrscheinlichkeiten voneinander abgrenzen. Laut Knight liegt eine Entscheidung unter Risiko dann vor, wenn die objektive Wahrscheinlichkeit bezüglich der möglichen, zukünftigen Umweltzustände bekannt ist. [5] Von einer Entscheidung unter Ungewissheit hingegen wird ausgegangen, wenn lediglich subjektive Wahrscheinlichkeiten vorliegen, deren Höhe vom Ausmaß der individuellen Ansicht abhängt. Eine Abgrenzung zwischen objektiven und subjektiven Wahrscheinlichkeiten bezüglich des Eintretens von möglichen Zuständen ist allerdings schwierig. Bei genauerer Betrachtung stellt sich heraus, dass letztlich jede angenommene Wahrscheinlichkeit subjektiv ist. Daher bietet es sich an, eine Unterscheidung zwischen einer Risiko- und einer Ungewissheitssituation anhand der subjektiv vorhandenen Informationen über zukünftige Umweltzustände zu treffen. [6]

Aufgrund der Formulierung dieses neuen Kriteriums zur Unterscheidung von Risiko- und Ungewissheitssituationen, ist zu untersuchen, unter welchen Umständen die jeweilige Situation eintritt. Der Zustand der Ungewissheit ist weiterhin über eine subjektive Wahrscheinlichkeit definiert, während die möglichen Umweltzustände wegen eines Mangels an Informationen jedoch nicht exakt erfassbar sind. Von Entscheidungen unter Risiko wird gesprochen, wenn die subjektiven Wahrscheinlichkeiten auf der Basis von bekannten Umweltzuständen getroffen werden. Folglich muss die Wahrscheinlichkeitsverteilung der realisierbaren Ergebnisse bekannt sein.[7] Knight stellte schon zu seiner Zeit fest, dass Risiken im Gegensatz zu Ungewissheiten messbar sind, was die zuvor getroffene Differenzierung untermauert. [8]

Da der Risikobegriff bislang lediglich vom Begriff der Ungewissheit abgegrenzt wurde, bedarf es noch einer genaueren Definition des Terminus. In der gängigen Literatur wird Risiko als die durch zukünftige Unsicherheit hervorgerufene Gefahr einer negativen Abweichung des realisierten Ergebniswertes von einem Referenz- bzw. Erwartungswert definiert.[9] Im Gegensatz zum Risiko als negative Abweichung von einem erwarteten Ergebnis stellt das Erreichen bzw. das Überschreiten des Erwartungswertes eine Chance für das Unternehmen dar, die es zu nutzen gilt.[10] Es wurde bereits erwähnt, dass der Risikobegriff von dem italienischen Verb „risicare“ abgeleitet ist und mit „wagen“ übersetzt werden kann. Daraus folgt, dass eine Chance für ein Unternehmen nur genutzt werden kann, wenn vorher ein Risiko eingegangen wurde, frei nach dem Motto „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“.[11] Im Fokus der folgenden Untersuchungen steht allerdings die Quantifizierung von Risiken, wodurch eine Berücksichtigung der Chancen entfällt.

Ausgehend von den bisherigen Ausführungen zum Risikobegriff kann bereits auf den Sinn eines Risikomanagements geschlossen werden. Um dauerhaft existieren zu können, muss ein Unternehmen Risiken eingehen. Zur Einschätzung, welche Risiken eingegangen werden können und welche Risiken verheerende Konsequenzen nach sich ziehen, ist die Implementierung eines gut durchdachten Risikomanagements in ein Unternehmen daher unvermeidbar. [12] Generell setzt sich ein Risikomanagementsystem aus drei Schritten zusammen. Zunächst gilt es, sämtliche Risiken zu identifizieren, denen ein Unternehmen ausgesetzt ist. Die erkannten Risiken werden den entsprechenden Risikoarten zugeordnet.[13] Im zweiten Schritt werden die Risiken quantifiziert. Üblicherweise vollzieht sich die Messung der einzelnen Risiken anhand der beiden Größen Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenshöhe.[14] Die moderne Messung von Marktpreisrisiken erfolgt anhand statistischer Methoden wie dem VaR und dem CFaR, die dazu in der Lage sind, extreme Verluste darzustellen.[15] Sobald die unternehmensrelevanten Risiken identifiziert und quantifiziert worden sind, erfolgt die Bewältigung des Risikos. Dabei kann ein Unternehmen zwischen den Optionen der Risikovermeidung, der Risikoverminderung durch Reduzierung der Schadenshöhe, der Risikoüberwälzung bspw. auf ein Versicherungsunternehmen, der Risikobegrenzung durch Verminderung der Eintrittswahrscheinlichkeiten und der Risikokompensation z. B. durch den Einsatz von Derivaten wählen. [16] In einschlägiger Literatur wird der Risikomanagementprozess häufig auch in vier Schritten beschrieben. Der vierte Schritt erfolgt nach der Risikosteuerung und wird als Risikoüberwachung oder Risikocontrolling bezeichnet.[17]

3 Marktpreisrisiken und Unternehmensrisiken

Wenn von Marktpreisrisiken[18] die Rede ist, handelt es sich dabei um Wechselkurs-, Zins- und Rohstoffpreisrisiken. [19] Generell wird auch das Aktienkursrisiko zu den Marktpreisrisiken gezählt.[20] Bezüglich der Entwicklung von Marktpreisen lässt sich feststellen, dass diese sich infolge von neuen Marktinformationen ändern. Der Zeitpunkt, zu dem neue Informationen vorliegen, ist jedoch zufällig, woraus geschlossen werden kann, dass die Entwicklung von Marktpreisen ebenfalls vom Faktor Zufall abhängt (siehe dazu Abbildung 1).[21] Jorion (2001) führt eine Reihe von historischen Ereignissen an, die die Bedeutung der Marktpreisrisiken für Institutionen des Finanz-, als auch die des Nichtfinanzsektors entscheidend gefördert haben.[22] Einige dieser Ereignisse werden im Folgenden erläutert.

Abbildung 1: Entwicklung des Wechselkurses EUR/PLN [Abbildungen werden in dieser Leseprobe nicht angezeigt]

Der Zusammenbruch des Systems fixer Wechselkurse (Bretton-Woods-System) 1971 und der zwei Jahre später vollzogene Übergang zu flexiblen Wechselkursen führte in den darauf folgenden Jahren zu erheblichen Schwankungen bei der Entwicklung der Kurse. Eine deutlich spürbare Aufwertung der D-Mark gegenüber dem US-Dollar zu Beginn der 1980er Jahre fügte deutschen Exporteuren, die ihre Waren in den amerikanischen Raum ausführten, erhebliche finanzielle Probleme zu. [24] Im umgekehrten Fall hätte für ein Exportunternehmen eine Aufwertung der relevanten Fremdwährung steigende zukünftige Cash Flows zur Folge, da bei gleich bleibenden Preisen höhere Umsätze in der Eigenwährung generiert werden.[25]

[...]


[1] Vgl. Hulpke/Wendt (2002), S. 112.

[2] Vgl. für die vorangehenden Aussagen Bernstein (1998), S. 18; Wiedemann/Hager (2003), S. 217.

[3] Vgl. für die vorangehenden Aussagen Oehler/Unser (2002), S. 10.

[4] Vgl. Knight (1971), S. 233.

[5] Vgl. für die vorangehenden Aussagen Knight (1971), S. 233.

[6] Vgl. für die vorangehenden Aussagen Oehler/Unser (2002), S. 11.

[7] Vgl. für die vorangehenden Aussagen Oehler/Unser (2002), S. 11.

[8] Vgl. Knight (1971), S. 233.

[9] Vgl. Schierenbeck/Lister (2002), S. 183; Gleißner (2004), S. 351; Oehler/Unser (2002), S. 21.

[10] Vgl. Schierenbeck/Lister (2002), S. 183.

[11] Vgl. Wiedemann/Hager (2003), S. 217.

[12] Vgl. für die vorangehenden Aussagen Hölscher (2002), S. 5.

[13] Vgl. Füser/Gleißner (1999), S. 753.

[14] Vgl. Wolf (2003), S. 565.

[15] Vgl. Wiedemann (2002a), S. 509; Bartram (2000a), S. 1280.

[16] Vgl. für die vorangehenden Aussagen Füser/Gleißner (1999), S. 757.

[17] Vgl. Diederichs (2004), S. 15; Wolf (2003), S. 566.

[18] Bei Bartram werden Marktpreisrisiken auch unter dem Begriff finanzwirtschaftliche Risiken geführt. (Vgl. Bartram (2000b), S. 242).

[19] Vgl. Wiedemann (2002a), S. 508; Bartram (1999), S. 9.

[20] Vgl. Becker (1998), S. 393; Gebhardt/Mansch (2001), S. 35.

[21] Vgl. für die vorangehenden Aussagen Wiedemann/Hager (2003), S. 219.

[22] Vgl. Jorion (2001), S. 4-5.

[23] Die verwendeten Daten sind im Anhang A III. hinterlegt.

[24] Vgl. für die vorangehenden Aussagen Gebhardt/Mansch (2001), S. 1; Jorion (2001), S. 4.

[25] Vgl. Burger/Buchhart (2002), S. 116.

Details

Seiten
19
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783656734208
ISBN (Buch)
9783656735175
Dateigröße
601 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v280377
Note
1,0
Schlagworte
cash flow risk risikomanagement begrifflichkeiten grundlagen

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Titel: „Cash Flow at Risk“-Verfahren für das Risikomanagement. Begrifflichkeiten und Grundlagen