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Der Begriff der Angst. Eine Einführung

Akademische Arbeit 2002 20 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Angst: Ein menschliches Phänomen des Seins

2. Unterschied zwischen Angst und Furcht

3. Angst bei Kierkegaard

4. Angst im neurobiologischen, neuropsychologischen und lerntheoretischen Kontext

5. Angst als biologische Erscheinung

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis (inklusive weiterführender Literatur)

1. Angst: Ein menschliches Phänomen des Seins

Der Zustand der Angst ist eine ambivalente Angelegenheit. Nicht ohne Grund gibt es wohl die Redewendung: „Angst verleiht Flügel!“

Die Angst ist eine Emotion, die uns manchmal in die Lage versetzen mag, Dinge zu tun, die wir im gelassenen, im entspannten Zustand wohl nicht vollbringen würden, uns zu besonderen Leistungen anspornt. Sie ist ein vieldimensionaler und vielschichtiger Wahrnehmungszustand.

Ihre Existenz hat Gründe, Sinn, wie jede andere menschliche Empfindung auch.

Wenn man die Verhaltensebene betrachtet, hindert sie uns an vorschnellen Aktionen, sie mag uns ein gewisses Maß an Bodenhaftung sichern und vor Leichtsinnigkeiten schützen.

Oft spricht man aber auch von Furcht, einem Begriff, der manchmal anstelle der Angst gebraucht wird. So vermischen sich im Sprachgebrauch zum Teil diese Begriffe, wenn es um die Zustandsbeschreibung dieser Emotion, dieses Unbehagenheitsgefühls geht, was es wohl zu sein scheint, denn die Angst wird wohl in den seltensten Fällen als positives Erleben gewertet. Diese unliebsame Facette macht auch etwas Hauptsächliches aus:

Sie ist eine Fessel, die lähmt und behindert, besonders in den Fällen, wenn sie einen lebensdominierenden Einfluss ausübt, wenn sie das alltägliche Geschehen kontrolliert oder durch ein Übermaß auffällt. An dieser Stelle muss man wohl die Angst als hinderlich bzw. auch krankhaft verstehen.

Angst ist sicherlich Bestandteil des Alltags, sie ist eine an die Lebensroutine unserer Zeit gekoppelte Erscheinung. Es ist sogar unmöglich, ohne Angst zu leben, gerade in einer Zeit, in der es von Bedrohungen aller Art nur so wimmelt. Die unangenehmen Empfindungen, die mit Angstzuständen einhergehen, lassen mit andauerndem Zustand körperliche Symptome wie etwa Müdigkeit, Ruhelosigkeit, Depressionen oder Appetitlosigkeit erkennen.(Marks, S.3)

Von nützlicher Angst spricht man, wenn sie „naturgemäß“, also in maßvollen Zustand in Erscheinung tritt, also nicht extrem ausgeprägt ist. Dann schärft sie unsere Wahrnehmung, die Wachsamkeit und die Konzentration. Das Maß ist also wiedermal entscheidend. Ein Zuwenig kann Sorglosigkeit bedeuten, ein Zuviel aber Lähmung. Man kann so in Problemsituationen oft erkennen, dass Angst in geringerem Grade nützlich ist, während sie in extremer Ausformung jedoch richtiggehend destruktiv wirken kann. (Marks, S.6)

Angst ist immer gekoppelt an Erfahrungen, Mechanismen der Stressbewältigung und natürlich an „Stressoren“, wie der Verhaltensbiologe Günter Tembrock die Umweltanforderungen grob nennt, die am Zustandekommen von Angst beteiligt sind.(Tembrock, S.163)

Das Gefühl von Angst bedingt demnach bestimmte Zustände, die subjektiv als bedrohlich wahrgenommen werden. Trotzdem ist dies, wie viele Autoren meinen, vom Begriff der Furcht abzugrenzen, der ihrerseits ein konkretes Gefahrenmoment in den Fokus nimmt, also im Ganzen doch weniger durch Unbestimmheit und „Undurchschaubarkeit“ (Tembrock, S.13) geprägt ist.

So spricht man bei definierten Angstmomenten eher von Furcht, obwohl der Sprachgebrauch das Wörtchen Angst oft beibehält: „Höhenangst“ oder „Platzangst“. Es scheint zumindest so zu sein, dass Furchterzeugung in Gestalt eines Objektes weniger psychisch beengend und belastend ist, als die vielen diffusen Ängste der Unbestimmtheit.

Sören Kierkegaard, für den die Angst ein zentraler Lebensbestandteil war, widmete ihr 1844 ein grundlegendes Werk. Er wertete die Angst als Zustand des „In-der-Welt-Seins“, als ein Zustand, der in besonderem Maße vom Bewusstsein abhängig ist. Anders als für die moderne Verhaltensbiologie ist Angst für Kierkegaard eine typische (ausschließlich) menschliche Erscheinung. Die Angst ist, wie es Jean Delumeau ausdrückt, für uns moderne Menschen, ein Gegenstück der Freiheit geworden, eine Erschütterung des Möglichen. Sich befreien heißt daher: „die Sicherheit aufzugeben und Risiken einzugehen“.(Delumeau, S.30)

2. Unterschied zwischen Angst und Furcht

Zwar blieben nach Heidegger diese beiden Phänomene verwandt, aus der Tatsache heraus, dass diese „zumeist ungeschieden bleiben“ (Kuhn in Nissen (Hg.), S.19)

Bei Nietzsche oder Kant war die „Furcht“ noch der zentrale Begriff, während sich die Angst darunterordnete, also eine exakte Umkehrung zur heutigen Ansicht.(von Baeyer, S.23)

Den Begriff der Furcht von dem der Angst zu trennen, entspricht wohl seit Kierkegaard dem (wissenschaftlichen) Habitus. Im Sprachgebrauch sind diese Worte allerdings weniger klar definiert. Oft wird heute die „Furcht“ durch „Angst“ ersetzt, im Gegensatz zu etwa früheren Zeiten, in denen der Begriff der Furcht eine wesentlichere Rolle spielte. „Ich fürchte mich“ ist weitestgehend durch „Ich habe Angst“ ersetzt worden, was wohl neben der begrifflichen Wandlung auch deutlich die Veränderung der Sprachform zu Gunsten des „Habens“ dokumentiert, eine Veränderung, die auch Erich Fromm in seinem Spätwerk „Haben oder Sein“ ausführlich beschrieb. Schon Kierkegaard definierte die Furcht als etwas „Innerweltliches“, etwas wovor man fliehen oder worauf man zugehen kann. Als Reaktion auf das Vorhandensein einer Bedrohung, folgt etwa Schreck, Grauen (langsame Annäherung der Bedrohung) oder Entsetzen (plötzliches Eintreten der Bedrohung).

Die Angst hingegen sitzt „im Nacken“, sie entzieht sich also unserem Blickfeld.

Sie bezieht sich eng auf das In-der-Welt-Sein als solches, sie steht in enger Verbindung zur Leere.(Kuhn in Nissen, 19) Wie Kuhn schreibt, entweichen Sinn und Bedeutung des Daseins mit der Erfahrung des Nichts; „Wenn die Angst vorbei ist, pflegt der Befreite zu sagen: `Es war nichts!´ Und er hat recht.“ (ebd.) Als Beispiel führt Kuhn eine Wanderung im Gebirge an, wo etwa die Anzeichen eines Gewitters (Himmel verfinstert sich, Donner wird immer lauter, etc.) Furcht bewirken, ein plötzlicher Knall erschreckt uns, gleichzeitig ängstigen wir uns auch um unser Leben, also um das „In-der-Welt-sein-können“, um unsere Existenz.

Der umgangsprachliche Ausdruck als „Furcht vor“ oder „Angst um“ zeigt sich in unserem Verhalten: „Wer eine Bedrohung durch die Welt fürchtet oder über eine solche sich erschrickt, sucht sich zur Wehr zu setzen. Er wird aktiv, und das bedeutet oft Aggression.“ (ebd.S.20) Neben dem aggressiven Entgegentreten ergreift der Mensch bei übermässig erscheinender Bedrohung die Flucht, wenn möglich. Die körperlichen Erscheinungen äussern sich u.a. in Form von Pulssteigerung, Schweissausbruch, Blässe, Unruhe, Zittern usw., die zwar allesamt ebenfalls in der Angst eintreten können, die Angst aber den entscheidenden Unterschied hat, dass ihr nicht ohne weiteres (mit Flucht) zu entkommen ist (da sie eben nicht Objekt-bezogen ist).

Diese Vorstellung ist auch entsprechend bei anderen Autoren ähnlich zu finden, Angst ist demnach an eine unbestimmte Quelle geknüpft, ist eine gegenstandslose Emotion, sie hat in der Tat mit dem Nichts zu tun, sie schnürt ein, wie die indogermanische Sprachwurzel „angh“

besagt. Das deutsche Wort „Angst“ entstammt dem lateinischen angustia („Enge“, „Bedrängnis“) Der jetzige, in der englischen Psychopathologie übliche Begriff „Anxiety“ meint auch Jenes, was wir unter „Angst“ heute verstehen: (vgl. von Baeyer 24f.)

- ein Zustand von subjektiv empfundener Furcht
- ein unlustvoller emotionaler Zustand
- Zukunftsbezogenheit
- körperliche Veränderungen als „Begleiterscheinungen“

Ich denke, man kann die Begrifflichkeiten in dem Sinne gebrauchen, dass man nun unter der Furcht ein konkretes Gefahrenmoment versteht, während man unter der Angst eine (wohlmöglich spezifisch-menschliche) objektlose Art der Furcht, vielleicht im weitesten Sinne sogar eine „Todesfurcht“ versteht.

Der besondere Sinn des Schrecks hingegen als Folge einer Bedrohungssituation besteht laut Freud etwa darin, die Wirkung einer Gefahr hervorzuheben. Der Mensch versucht so mit Hilfe der Angst dies zu umgehen, eine Angstbereitschaft dient quasi als Schutz vor einer Schrecksituation. (Schicha, S.131) „Ich glaube nicht, dass die Angst eine traumatische Neurose erzeugen kann; an der Angst ist etwas, was gegen Schreck und also auch gegen die Schreckneurose schützt“ (Freud, zit. nach Geyer, S.130) Damit verdeutlichte Freud die ambivalente Eigenschaft der Angst; zum einen als eine „Bereitschaftshaltung“ in Bezug zur möglichen Gefahr und so auch wiederum als „schwelendes“ Unwohlsein zum Schutz vor, wie erwähnt: unvorhergesehenem Schreck (der ja oft umgangen werden will), jedoch auf der anderen Seite bleibt impliziert auch die Möglichkeit einer (Dauer)Belastung des Betreffenden.

Wie schon erwähnt sind Furcht und Angst oft innerhalb der Sprache austauschbar, was auch an ihren Gemeinsamkeiten liegt, die sich äussern als negative Emotion und angespannte Besorgnis. Beide Zustände sind auf Kommendes ausgerichtet und mit körperlichen Begleiterscheinungen verbunden. Als kennzeichnende Unterschiede schreibt Stanley Rachman der Angst ein anhaltendes Zustandserleben zu, einen wenig abgegrenzten Gefahrenbereich und beschreibt sie als insgesamt eher irrational, wohingegen die Furcht neben dem konkreten Gefahrenmoment eine zeitliche Begrenzung erfährt, die eben auch wieder schnell abzuklingen vermag, wenn die Reaktion auf den Auslöser erfolgte. Sie hat eher rationalen Charakter. (vgl. Rachman, 2000, S.12)

Als ein besonderes Problem bezeichnet Johanna Tamm hinsichtlich der vielen Fachgebiete, die an der Angst forschen, den Umstand, dass Angst unterschiedlich verstanden wird, so z.B. als Affekt, Gefühl oder Stimmung. (Tamm, S.28) Dies muss aber nicht zwangsläufig ein Problem darstellen, denn je nach Ausrichtung der Fachgebiete wird eben auch inhaltlich Verschiedenes fokussiert.

3. Angst bei Kierkegaard

Während in Hegels 1807 erschienener Schrift „Phänomenologie des Geistes“ vornehmlich von Furcht die Rede ist, und Angst nur einen partiellen Bestandteil von Furcht ausmacht (von Baeyer, S.27), wechselt später die inhaltliche Bedeutung, so dass nun „Angst“ als Zustandsbeschreibung dominiert und stärker thematisiert wird.

Als 1844 der dänische Philosoph Sören Kierkegaard sein berühmtes Werk „Der Begriff Angst“ veröffentlichte, war dies so etwas wie der Meilenstein eines Verständnisses, das später auch von Heidegger wieder aufgegriffen wurde:

Angst ist ein Grundphänomen des Menschseins, sie wird nach Kierkegaard gewahr als ein „Schwindel der Freiheit, der aufkommt, wenn der Geist die Synthese setzen will und die Freiheit nun hinunter in ihre eigene Möglichkeit schaut und dann die Endlichkeit ergreift, um sich daran zu halten.“ (Kierkegaard, S.72)

Dass der Mensch sich überhaupt zu ängstigen versteht, liegt nach Kierkegaard daran, dass er eine Synthese aus Körper und Seele ist. Beide Teile sind unausgeglichen, er ist „zerbrechlich“.

„Wenn der Mensch ein Tier oder ein Engel wäre, dann würde er sich nicht ängstigen können...“ (Kierkegaard, S.181) Arne Grön stellt fest: „Damit wird es für ihn zur Aufgabe, mit sich selbst ‚ zusammenzuhängen.‘“ (Grön, S.21)

Der „Geist“ ist die dritte Komponente, er trägt die beiden Komponenten „Körper“ und „Seele“. Neben diesem Dilemma besteht eine weitere Schwierigkeit, die uns Menschen zu Angsterfahrenen macht: Der Mensch ist ebenfalls eine Synthese aus Zeitlichem und Ewigem.

Auch dieses Spannungsverhältnis erzeugt Angst. Dies ist uns auch klar, wenn wir etwa an die Zukunft unsere Gedanken heften. Das Gefühl vor den eigenen Möglichkeiten, aber zugleich auch vor der Erkenntnis des eigenen Unvermögens, also die Spanne zwischen potentieller Möglichkeit und weitem Raum sorgt für ein Unbehagen, das sich als Angst manifestiert. Das Gewahrwerden von Angst hat also mit Freiheit zu tun, was sich hier nun als „Möglichkeit“ definiert. Die Angst besteht, weil auch die Möglichkeit besteht. Im Gewahrsein der Angst verhält man sich zu einer zukünftigen Möglichkeit, man kann sich darin so oder so verhalten, d.h . „die Möglichkeit, zu der man sich verhält, ist die Möglichkeit, sich selbst anders zu verhalten oder selbst ein anderer zu werden.“ (Grön, S.27)

Es geht also um das Verhalten in der Angst, das die Möglichkeit einschliesst, sein Selbst zu erfahren. Nach Kierkegaard erlebt man in Angst ein Selbstverhältnis im doppelten Sinne: Man erlebt hier, dass man nicht ohne weiteres ein Selbst ist, sondern dass man erst man selbst werden muss. Die Freiheit impliziert diese Möglichkeit, so äussert sie sich wohl deshalb als Angst . „Das Verhältnis der Freiheit zur Schuld ist Angst“ meinte Kierkegaard und wies auf Schuldgefühle hin.

Neben dem Freiheitsaspekt spielt für Kierkegaard eben auch speziell das Problem der Erbsünde, wie der Schuld eine Rolle. Als theologisch ausgerichteter Philosoph kam er auf Einsichten, die später sehr wohl auch der Entwicklungs- und Tiefenpsychologie dienlich wurden und prägte die Vorstellung des Unterbewussten mit, denn gerade die ist ein bedeutender Unterschied, der das menschliche Angstempfinden im Vergleich zum Tier so speziell macht. Ein Tier versteht es daher nicht, sich zu ängstigen, weil deren Natürlichkeit nicht als Geist bestimmt wird. (Baeyer a), 28)Laut von Baeyer ist die psychologische Betrachtungsweise folgende:

Anstatt sich der Mensch dem Unendlichen gläubig anvertraut, entscheidet er sich für eine endliche Lösung und wählt das Böse, damit hat er den Sprung in die Sünde unternommen; der Schwindel der Freiheit bedeutete ihm Angst. Es ist aber nicht die Gewissensangst bzw. das „schlechte Gewissen“ gemeint, wenn Kierkegaard von der Ursprünglichen Angst spricht, diese ist vielmehr von jener abgeleitet. Die Angst wird also manifest, weil sich der Mensch fortan (nach dem Verlust des Paradieses) der Freiheit hingeben muss, die eben auch den Sturz in die Tiefe als Möglichkeit beinhaltet. Insofern ist eine symbolische Nähe zur Enge in dieser Beziehung nicht gegeben, vielmehr ist der Schwindel nun ein passendes Korrelat.(ebd.29)

In dieser Ohnmacht der Angst, ist der Mensch zugleich schuldig, als auch unschuldig, der Abgrund schreckt ab und lockt zugleich. Diese Doppeldeutigkeit wurde später von den Psychoanalytikern mit „Angstlust“ bezeichnet. (ebd.,S.30)

Das Verbot ist ein Mittel, das unter Strafandrohung bezweckt, den Sündenfall zu verhindern, verstärkt jedoch jenes Bedürfnis, die Möglichkeit der Freiheit zu erfahren. Dieses göttliche Verbot wird später noch deutlicher anstelle Adams in Gestalt des „historisch-vergesellschaftlichen Menschen“ , wo aus der Urangst die Sozialangst wird. (ebd.,S.31)

Die Angst hat, wie Kierkegaard ausführte, auch einen besonderen Zeitbezug. Neben der Angst aufgrund des Schuldiggewordenseins, einer Angst die ihren Ursprung im eigenen Handeln, im Vergangen hat, hat die Angst vor Zukünftigem eine besondere Bedeutung. Zunächst besteht die Angst vor dem bereits Vergangenen in der Weise weiter, weil der Angst eine Angst vor der Wiederholung jenes Zustandes innwohnt, sie also quasi wieder im Futur präsent scheint. Sie hört auch nach dem Schuldigwerden in keinster Weise auf, sondern offenbart sich in vielfältigen Formen. Ein entscheidendes Charakteristikum ist also: Angst hat etwas mit Zukünftigem zu tun, ob man sich nun etwa vor der Strafe ängstigt oder vor dem Schicksal, etwa dem Schauder vor dem Tod.

Oft wird Vergangenes wieder präsent, da es eben nicht wirklich vergangen war, sondern nur verdrängt (tiefenpsychologischer Aspekt) wurde. Die Angst ist, wie Kierkegaard betont, eine Angst vor Möglichem und Künftigem. (Kierkegaard, S.93f.)

Die Angst ist aber trotzdem keine Geisel, sondern sie ist eine Chance. Nach Kierkegaard bedeutet ihr Vorhandensein nicht Destruktivität, sondern eben die Erfahrung der Möglichkeit, mit dem Ziel dadurch zu wachsen und zu reifen. Sie ist für ihn eine glaubensbildende Komponente, die eben die Möglichkeit bietet, das Entsetzliche ebenso zu erfassen, wie das Freundliche. (vgl. Kierkegaard, 162) Das Bilden und Reifen durch die Angst feit den Menschen gegen äusseres Schicksal, stärkt ihn in der Bewusstheit. Sie ist hier durchaus auch eine Entwicklungsmöglichkeit, eine Einsicht, die auch von Tiefenpsychologie übernommen wurde.

„Wer durch die Angst gebildet wird, der wird durch die Möglichkeit gebildet“ schreibt Kierkegaard (S.182) und unterstreicht damit die Hoffnung, die in der Angstüberwindung zu finden ist. Angst ist für ihn also auch eine Stimulanz, die zur Reifung führt, allerdings nur dann, wenn der Mensch ihr als freier Mensch begegnet. (Braun, S.5)

Kierkegaards Ausführungen zum Thema Angst lassen uns die innwohnende Dynamik und Mehrdeutigkeit erahnen. So handelt es sich bei seiner Angstdefinition auch nicht um „ein blosses Gefühl oder etwas schlechthin Pathologisches, oder um ein blosses Verhaltensmuster“, sondern sie warnt uns im Gegenteil davor, „die methodischen Vereinfachungen der empirischen Wissenschaften für absolut zu nehmen und zu vergessen, dass Angst in der Tat eine von den verschiedensten Aspekten aus zu sehende menschlich-kreatürliche ´Grundbefindlichkeit´ ist.“ (von Baeyer, S.34)

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Details

Seiten
20
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783656734550
ISBN (Buch)
9783668137394
Dateigröße
444 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v280398
Institution / Hochschule
Universität Erfurt
Note
1,3
Schlagworte
begriff angst eine einführung

Autor

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Titel: Der Begriff der Angst. Eine Einführung