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Was ist Messen? Anforderungen an Messungen: Reliabilität und Validität.

Hausarbeit 2002 18 Seiten

Medien / Kommunikation - Methoden und Forschungslogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Messen in der Sozialwissenschaft
1.1 Theoretische Konstrukte
1.2 Indikatoren
1.3 Operationalisierung

2 Anforderungen an eine Messung
2.1 Objektivität
2.2 Reliabilität
2.2.1 Präzision und Stabilität
2.2.2 Messfehlerproblem
2.2.3 Reliabilitätskoeffizient
2.2.4 Bestimmungsformen der Reliabilität
2.2.4.1 Test-Retest-Methode
2.2.4.2 Paralleltest-Methode
2.2.4.3 Analyse der internen Konsistenz
2.3 Validität
2.3.1 Interne und Externe Validität
2.3.2 Inhaltsvalidität
2.3.3 Kriteriumsvalidität
2.3.4 Konstruktvalidität

Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Messen ist ein sehr wichtiger und grundlegender Bestandteil in der Empirischen Sozialforschung, vielmehr der Wissenschaft überhaupt.

In jedem Forschungsprozess gelangt man an den Punkt, wo es gilt Daten zu erheben und diese auszuwerten - zu analysieren. Letztendlich hierdurch kommt es zur Bestätigung (Verifikation) oder Widerlegung (Falsifikation) einer Hypothese. Vor allem bei dem Aspekt der Datenerhebung, also beim Messen, ist mit besonderer Sorgfalt vorzugehen. Möglichst präzise Messergebnisse zu erhalten um etwa genaue Vorhersagen zu treffen, ist schließlich Ziel jeder Erhebung von Daten. Verschiedene Faktoren beeinflussen jedoch diesen Vorgang. Doch wie kann man exakte Ergebnisse erhalten? Um sich dem Ziel der Genauigkeit trotz dessen so weit als möglich zu nähern, sollte das Hauptaugenmerk dabei grundlegend immer auf den Anforderungen an eine Messung liegen. Im Einzelnen sind dies die Reliabilität und die Validität, daneben ist auch die Objektivität nicht außer Acht zu lassen.

Zu Beginn der Ausarbeitung erfolgt eine Betrachtung was unter Messen verstanden wird. Dieser Darstellung folgend, sollen die einzelnen Schritte einer Messung im allgemeinen Rahmen erläutert werden. Die detaillierte Untersuchung der Reliabilität und Validität bildet den Schwerpunkt der Arbeit. Da auch die Objektivität eine basierende Rolle spielt, soll auch auf sie kurz eingegangen werden. Bei der gesamten Betrachtung soll herausgestellt werden, weshalb es von immenser Bedeutung ist, den Messvorgang, und natürlich das Messinstrument selbst, einer Überprüfung hinsichtlich der genannten Kriterien zu unterziehen.

1 Messen in der Sozialwissenschaft

Messungen werden durchgeführt um Werte festzustellen. Der Anspruch liegt darin, exakte und fehlerfreie Daten zu erhalten.

Nach STEVENS (1951) ist Messen die „Zuordnung von Zahlen zu Objekten anhand bestimmter Regeln“[1], das heißt, bei einer Messung werden Objekten oder Ereignissen (empirischer Relativ) anhand von definierten Regeln Zahlen (numerischer Relativ) zugeordnet. Es bedeutet jedoch nicht, dass durch die Zuordnung von Zahlen zu Objekten und der anschließenden Feststellung von Daten anhand dieser, das gesamte Objekt selbst gemessen wird. Erfasst werden immer nur Teilaspekte oder –eigenschaften des Betreffenden.

Dabei ist es zusätzlich erforderlich, dass die zugeordneten Zahlen die gemessenen Eigenschaften des Objektes möglichst strukturgetreu wiedergeben bzw. abbilden[2].

Während ein Messvorgang im alltäglichen Leben oft unbewusst erfolgt[3], oft auch weil die alltäglichen Feststellungen durch Messung mit unseren Sinnen leicht wahrnehmbar sind[4], verhält sich das bei einer Messung in der Sozialwissenschaft anders. Hier interessieren wir uns für Eigenschaften und Verhaltensweisen von Menschen oder für soziale Phänomene. Wie aber sollen solche Aspekte, wie beispielsweise Aggressivität, Frustration oder Gewaltpotential, welche sich unserer direkten, faktischen Erfahrbarkeit entziehen, gemessen werden? Die Annahme, dass sich auch diese in irgendeiner Art und Weise manifestieren, führt zur Bestimmung von theoretischen Konstrukten über Indikatoren und operationale Definitionen.

1.1 Theoretische Konstrukte

Aggressivität, Frustration oder auch Gewaltpotential, sind theoretische Konstrukte, sie werden in einer Hypothese in Relation zueinander gesetzt. Es sind Begriffe welche mehrere Dimensionen umfassen[5], sie lassen sich nicht eindeutig und sofort definieren, man nennt sie umgangssprachlich auch „schillernde Begriffe“. Um ein theoretisches Konstrukt messen zu können, bedarf es der Definition desselben. Die Schwierigkeit liegt nicht darin, das Konstrukt zu beschreiben, sondern die richtige/ entsprechende Definition zu finden und diese dann präzise auszudrücken. Als Beispiel: Gewaltbereitschaft beginnt bei Person X bereits bei einer verbalen Attacke, während bei Person Y erst eine Handgreiflichkeit Gewaltbereitschaft signalisiert. Die Definition des Konstruktes erfolgt über die Festlegung von Indikatoren.

1.2 Indikatoren

Indikatoren (Items) sind beobachtbare Sachverhalte die dem Konstrukt zugeordnet werden können. In ihnen zeigen sich die latenten Eigenschaften beziehungsweise die Ausprägungen bestimmter Merkmale des Konstruktes. Ganz bestimmte Verhaltensweisen oder Meinungen einer Person können Indikatoren sein. Zur Veranschaulichung: Indikatoren für politisches Interesse sind Parteizugehörigkeit oder die Teilnahme an Demonstrationen. Je nachdem, wie ein theoretisches Konstrukt definiert ist, ergeben sich für selbes unterschiedliche Möglichkeiten für Indikatoren. Sie sollen jedoch immer die markantesten Punkte des Konstruktes treffen, „bei mehrdimensionalen Begriffen sollte jede relevante Bedeutungsdimension durch mindestens einen Indikator repräsentiert werden.“[6]. Aus Mehreren ergibt sich dann ein Teil der operationalen Definition[7]. Gemeint ist, dass mit Hilfe der Indikatoren das theoretische Konstrukt über die Definition messbar geworden ist.

Eine weitere Unterscheidung und Klassifikation der Indikatoren ist möglich, soll aber im Rahmen dieser Ausarbeitung nicht vorgenommen werden[8].

1.3 Operationalisierung

Nach der Festlegung von Indikatoren stehen diese auf der einen, das theoretische Konstrukt auf der anderen Seite. Die Verknüpfung beider miteinander wird Operationalisierung genannt. Erreicht wird dies mit Hilfe der Angabe von Korrespondenzregeln. Unter ihnen ist die Zuordnung der Indikatoren zu einem Konstrukt zu verstehen, also das „Wie“ der Zuordnung. Die Operationalisierung beinhaltet zudem wie gemessen werden soll, welches Messinstrument verwendet wird und wie es zu handhaben ist, sowie Angaben darüber, in welcher Form die Daten protokolliert werden sollen. Die Gesamtheit der genannten Instruktionen wird auch als operationale Definition bezeichnet.

[...]


[1] KNIEPER (1993), 75

[2] Zum Beispiel bei der Messung der Länge von Stäben, bezeichnet die größte Zahl den längsten Stab.

[3] So wird beispielsweise die Zeit von einer Uhr abgelesen, das Mehl beim Backen gewogen oder die Geschwindigkeit des Tachos abgelesen, ohne, dass man dabei den Messvorgang selbst beobachtet.

[4] Beispiele hierfür sind die Größe oder das Gewicht eines Körpers.

[5] Darunter versteht man, dass das theoretische Konstrukt sozusagen eine Reihe von in Zusammenhang stehenden Merkmale umfasst.

[6] KROMREY (1994), 113

[7] Vgl. Punkt 1.3

[8] Vgl. KROMREY (1994), 113; SCHNELL, HILL, ESSER (1999), 123

Details

Seiten
18
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638299398
Dateigröße
559 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v28044
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaften
Note
1,0
Schlagworte
Messen Anforderungen Messungen Reliabilität Validität Forschungslogik Experiment

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