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Fiktives Reisen. Paris in der Reiseliteratur der DDR

Masterarbeit 2013 105 Seiten

Romanistik - Französisch - Landeskunde / Kultur

Leseprobe

Gliederung

Einleitung

1 Theoretische Grundlagen
1.1 Reiseliteratur und Exotismus
1.1.1 Zur Gattung der Reiseliteratur
1.1.2 Fremdwahrnehmung in der Reiseliteratur
1.2 Methode und Korpus

2 DDR-Zeitumstände und diskursive Realitäten Frankreichs
2.1 Bedingungen sozialistischer Reiseliteratur
2.2 Frankreich und die DDR: Fremdbildkonstruktionen und -konjunkturen
2.2.1 Die Beziehungen zwischen Frankreich und der DDR
2.2.2 Frankreichbilder in der DDR

3 Analyse der Reiseberichte von DDR-Autoren über Paris 1961-
3.1 Dozenten, Weltbürger und Naive: Die Autoren der Pariser Reiseberichte
3.1.1 Die Dozenten
3.1.2 Die Weltbürger
3.1.3 Die Naiven
3.2 Motive der dargestellten Paris-Bilder
3.3 Die Exotisierungsstrategien der Paris-Reisenden
3.3.1 Sinneseindrü>3.3.2 Typisches und Kurioses: Realia, Gastronomie, Kulturspezifika und Exotik
3.3.3 Der „Zauber von Paris“: Geschichtsträchtiges und touristische Begeisterung
3.4 Reiseberichte zwischen authentischem Reiseersatz und exotischer Reiselust - Eine Bilanz

4 Schlussbetrachtung und Ausblick

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

Sehnsuchtsland, zauberhaftes Land der Sinnes- und Gaumenfreuden, Wiege der europäischen Moderne - Frankreich dient seit jeher als kultureller Projektionsraum deutscher Schriftsteller, Künstler und Frankophiler.

Diese Arbeit untersucht Bücher deutscher Autoren, die in die Hauptstadt der Grande Nation reisten und ihre Erfahrungen in Reiseberichten mitteilten. Der innovative Ansatz dieser Untersuchung liegt dabei in der Herkunft der ausgewählten Autoren und deren Publikationszeitraum, denn die Verfasser stammten aus der Deutschen Demokratischen Republik und veröffentlichten ihre Berichte zwischen 1961 und 1989. In dieser Zeit erschwerte die Mauer dem Gros der DDR-Bürger das Reisen in westeuropäische Länder und die Produktion von Literatur unterlag praktisch den Zensoren der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED).

Die Problematik „Frankreich und ‚das andere Deutschland‘“1 ist Teil einer noch jungen Strömung in der romanistischen Kulturwissenschaft, denn bislang lag der Fokus auf der Erforschung der deutsch-französischen Beziehungen - will heißen: der Beziehungen zwischen Frankreich und der Bundesrepublik Deutschland. Die „‚anderen‘“ deutsch- französischen Beziehungen“2 wurden als Randerscheinung der amiti é franco-allemande lange Zeit von der romanistischen Forschung vernachlässigt, bis sich Ende der 1990er Jahre erste Publikationen mit diesem bis dato noch jungfräulichen Thema beschäftigten. In seinem Plädoyer für neue Forschungsansätze macht der Historiker Edgar Wolfrum auf diese in der Wissenschaft bisher marginal behandelte Problematik aufmerksam und kritisiert deutlich eine dort dominierende einseitige „Freundschaftsrhetorik“3. Auf undifferenzierte Weise griffen die bisherigen Untersuchungen noch immer auf mittlerweile geläufige „ikonographische Verdichtungen“4 zurück, die die Bedeutung des zweiten deutschen Staates in der Dreiecksbeziehung zwischen ihm, der Bundesrepublik Deutschland und Frankreich völlig unberücksichtigt ließen.

Die Problemstellung der Master-Thesis „Fiktives Reisen - Paris in der Reiseliteratur der DDR“ soll diesen „weißen Fleck“5 auf der Landkarte der „gesamt-“deutsch-französischen Beziehungen vermindern, indem sie sich einem Teilgebiet von Wolfrums empfohlenem Forschungsgebiet widmet: die Untersuchung von Reiseberichten von DDR-Autoren über Paris soll beispielhaft beleuchten, welche Auslandsbilder „jenseits wohlfeiler Völkerfreundschaftsrhetorik“6 zu dieser Zeit Bestand hatten.

Der Analyse liegt die These zugrunde, dass Frankreich von Beginn an einen besonderen Platz im kollektiven Gedächtnis der DDR-Bürger eingenommen hatte und im Laufe der Zeit zu einem „utopischen Traumland“7 geworden war. Dabei kommt der Reiseliteratur eine besondere Bedeutung zu, ermöglichte sie doch stellvertretend, mit diesem so fernen „Frankreich des Herzens“8 in Verbindung zu treten und es - wenn auch auf fiktive Weise - reisend zu erfahren. Aber was wurde dem Publikum in dieser sozialistischen Reiseliteratur, die sich dem politisch heiklen westlichen Ausland widmete, zugänglich gemacht, nachdem es von der Zensur zugelassen worden war? In einem Land, das Frankreich je nach „politische[r] Großwetterlage“9 entweder als kapitalistisches Feindland oder als weniger feindliches, da stark sozialistisch geprägtes Westland darstellte (die Literatur spricht von einem offizialisierten Frankreichbild10 ), interessierten das Publikum möglicherweise Berichte, die über das durch „Agitation und Propaganda“ verbreitete politisierte Frankreichbild hinaus gingen. Wie war das Schreiben über ein Land jenseits des „antiimperialistischen Schutzwalls“ vor diesem Hintergrund möglich? Wie konnten frankophile DDR-Leser ungehindert ihrer Leidenschaft frönen? Allenfalls indirekt war es ihnen über entsprechende Reiseberichte möglich, Informationen und Impressionen über ihr „Land der Sehnsucht“11 zu erhalten.

Bei der Analyse der recherchierten Primärquellen wird von den zwei folgenden Thesen ausgegangen:

1. In den Reiseberichten der DDR-Autoren wird ein sinnlich-ansprechendes Bild von Paris konstruiert, das sich aller Politisierung entzieht.
2. Die Autoren bieten den Lesern mit ihren Berichten zum einen Reiseersatz durch Authentizität (fiktives Reisen) und generieren zum anderen Reiselust auf der Ebene geschilderter Erfahrungen und infolge bestimmter Exotisierungsstrategien.

Um diese Thesen hinreichend zu belegen, werden folgende zentrale Fragestellungen zu beantworten sein: Mit welchen Mitteln konstruieren die DDR-Autoren dieses entpolitisierte Paris-Bild und wie bewirken sie dessen Authentizität? Auf welche Weise bieten die Autoren den Lesern Reiseersatz, nehmen sie sie mit auf eine fiktive Reise? Mit welchen Exotisierungsstrategien bewirken sie dagegen die Generierung von Reiselust beim Leser? Herrscht nur in Texten bestimmter Autoren eine Exotisierung vor?

Bevor auf die eigentliche Untersuchung des soeben formulierten Forschungsanliegens eingegangen wird, werden zunächst die notwendigen theoretischen Grundlagen erörtert: die Gattung der Reiseliteratur und deren Zusammenhänge mit dem kulturtheoretischen Gebiet des Exotismus. Das recherchierte Korpus und die angewandte Methodik des Vorgehens werden darauf aufbauend vorgestellt. In einem zweiten Schritt sind die besonderen Bedingungen der Reiseliteratur in der DDR, deren Beziehungen zu Frankreich und die damaligen dort verbreiteten Frankreichbilder Gegenstand der weiteren einführenden Darstellung. Nachdem auf diese Weise der notwendige kultur- und gesellschaftshistorische Rahmen abgesteckt wurde, kann daraufhin die eigentliche Analyse der ausgewählten Reiseberichte erfolgen. Eine kategorische Einteilung der aufgeführten Autoren gibt in der Folge Aufschluss über die Entstehungshintergründe ihrer Werke, während daraufhin schließlich die verschiedenen Motive in den Paris-Darstellungen aufgezeigt werden. Die Evaluation der festgestellten Exotisierungsstrategien ermöglicht im letzten Schritt, eine Bilanz in Hinsicht auf die Wirkung der Paris-Bilder zwischen Reiseersatz und Reiselust zu ziehen. Abschließend folgen eine Zusammenfassung der Ergebnisse sowie ein Ausblick auf mögliche weiterführende Forschungsvorhaben.

1 Theoretische Grundlagen

1.1 Reiseliteratur und Exotismus

1.1.1 Zur Gattung der Reiseliteratur

Die Reiseliteratur hat in ihrer historischen Entwicklung von der antiken Odyssee bis zur Dokumentation moderner ozeanischer Reisen verschiedene Textsorten hervorgebracht. Aufgrund ihrer stilistischen und inhaltlichen Vielfalt ist sie als Gattung daher nur annäherungsweise zu bestimmen. Im Rahmen der vorliegenden Untersuchung kann daher weder der Versuch einer umfassenden Gattungsgeschichte unternommen, noch eine Übersicht über die Geschichte des Reisens insgesamt geleistet werden. Zu verweisen ist hier auf die einschlägigen Publikationen der interdisziplinären Reise- und Tourismusforschung u.a. in den Sozial- und Literaturwissenschaften.12

Im Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft wird die Reiseliteratur zunächst als Textgattung bezeichnet, in der „‚von unterwegs‘ berichtet (oder analog dazu fingiert) wird; in der Regel in Prosa“13. Formale Verbindlichkeiten kenne die Gattung nicht, wenngleich funktionale Charakteristika Reisebericht, -tagebuch, -skizze, -bilder und - reportage voneinander unterschieden, führt der Literaturhistoriker Jäger erklärend an. Der französische Germanist Thuret benennt demgemäß vier Funktionen von Reiseliteratur: Erstens, eine wissenschaftliche als Ergänzung zur allgemeinen Geographie von Ländern. Zweitens ermögliche Reiseliteratur, durch die Darstellung fremder Sitten und Gesetze Missstände im eigenen Land aufzudecken, Denkgewohnheiten zu relativieren und neue Lösungen zu suggerieren, kurz: verschlüsselt Kritik an den Verhältnissen zu üben, in denen der Autor selbst lebt.14 Durch Beflügeln der Phantasie könne derartige Literatur - als (fiktive) „Reiseprosa“15 - drittens das selbständige Reisen ersetzen, wenn Geld, Zeit oder Freizügigkeit fehlten, „Trost spenden, Träume nähren und durch Beflügelung der Phantasie ähnliche Freuden vermitteln wie das Reisen selbst“16.

„Touristische“ Reiseliteratur erfülle viertens, v.a. in Form von Reiseführern, Informations- und Orientierungsfunktionen im Vorfeld einer tatsächlichen Reise.17

Unter dem Oberbegriff der Reiseliteratur unterscheidet Jäger definitorisch zwischen „pragmatische[n] Texte[n], welche den Ablauf einer Reise festhalten“ und einer „literarischen bzw. literaturwissenschaftlichen Verwendung auf die fiktionale Übernahme solcher Modelle“18. Dass der nicht-fiktionale Reisebericht als narrativer Text dennoch oftmals die gleichen Strategien wie fiktionale Literatur benutze, betont die Anglistin Korte:

„ Eine authentische Reiseerfahrung wird beim Reise-Schreiben also rekonstruiert und dadurch fiktionalisiert, auch dort, wo Reiseberichte in Form von Tagebüchern oder Briefen verfasst sind, die eine geringere Distanz zwischen Erleben und Erzählen suggerieren als der rückschauende Bericht, der eine Reise nicht in ‚ Tagesetappen ‘ sondern als Ganzes verarbeitet. “ 19

Bei Reiseberichten handelt es sich „nicht nur [um] kulturgeschichtliche Zeugnisse, sondern [um] Texte, die mit bestimmten, nicht zuletzt künstlerischen, Strategien verfasst werden.“20 Korte plädiert dementsprechend für ein Berücksichtigen poetologischer Aspekte, um die bisherige kultursemiotische oder imagologische Herangehensweisen erweitert werden sollten.21 Die literarische Dimension durch die Fiktionalisierung des Reiseerlebnisses ist in der Forschung zur Reiseliteratur demnach eine junge Errungenschaft, wie auch die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema selbst: von systematischer literaturwissenschaftlicher Forschung sei erst seit den frühen 1970er Jahren zu sprechen, so Jäger.22 Seitdem wird das Themengebiet zunehmend interdisziplinär, etwa durch die Reiseforschung der Wirtschafts- und Verkehrsgeschichte, betrachtet. Von Seiten der interkulturellen Germanistik und der Imagologie wird seit den 1990er Jahren eine kultur- und mentalitätsgeschichtliche Perspektive eingenommen, die u.a. das Wechselspiel von literarischen Fremd- und Ich-Konstitutionen in Reisetexten erörtert.

1.1.2 Fremdwahrnehmung in der Reiseliteratur

Zur konstruierenden Dimension der Reiseliteratur kommt nach dem Ethnologen Kramer die Tatsache hinzu, dass „der Tourismus in Wirklichkeit eine neue Welt produziert“23: durch Tourismuskultur und „aufbereitete Exotik“24 entstehe im Ziel- und Ursprungsland eine neue Realität. Reisen und das Berichten über Reisen ist insofern untrennbar mit Prozessen der Wahrnehmung des Fremden und deren Darstellung durch die Berichtenden verbunden.

Das Forschungsgebiet der Fremdwahrnehmung ist in das interdisziplinäre Konzept der Interkulturalität einzuordnen und tangiert Themen der Imagologie und Xenologie. Als zentraler Bestandteil der interkulturellen Kommunikation beschäftigen sich die Linguistik, Ethnologie, die interkulturelle Germanistik, Romanistik und auch Psychologie mit den Phänomenen der Fremdwahrnehmung.25 Begreift man, wie der interkulturelle Romanist Lüsebrink, die Vielfalt der Fremdwahrnehmungen als eine Skala, deren negativen Pol Feindbild-Konstruktionen bilden, ist deren Gegenpol dann die Faszination für fremde Kulturen, die sich im Exotismus äußert.26 Dazwischen ordnet Lüsebrink zwei weitere Grunddispositive ein: Neugierde und Pragmatismus (z.B. das „Herrschaftswissen“ der kolonialen Eroberer) sowie kultureller Synkretismus (Vermischung von Kulturen zu einer transkulturellen Identität).27 Ein abgrenzendes Feindbild, und der faszinierte Exotismus sind also Formen, in denen sich die Fremdwahrnehmung qualitativ äußert, terminologisch spricht die Wissenschaft dabei von Fremdwahrnehmungsmustern. Zwischen den beiden genannten Extrema vollzieht sich Fremdwahrnehmung außerdem auf verschiedenen Komplexitätsebenen: von komplexen Formen, wie ethnographische, landeskundliche und soziologische Werke über andere Kulturen, bis hin zu extrem reduktionistischen Formen, wie denen der Stereotype, Vorurteile, Topoi oder des

Mythos.28 Der zentrale Begriff in der Erforschung der Wahrnehmungsmuster ist dabei der des Bildes, oder Image, als soziale Konstruktion des Fremden, die untrennbar mit den Fragen der Identität, des Eigenen und des Anderen verknüpft sind.29

Zu den wichtigsten positiv besetzten Fremdwahrnehmungsmustern in okzidentalen Gesellschaften zählt Lüsebrink den Exotismus, der allgemein Phänomene der „Faszination durch fremde und ferne Gesellschaften“30 bezeichnet. Diese Phänomene äußern sich genauer etwa in den Konzepten des Orientalismus, der Chinoiserie oder dem Japonisme, die sich mit der exotischen Wahrnehmung geographisch weit entfernter Weltgegenden beschäftigen.31 In der Wahrnehmung fremder Kulturen sieht der Volkskundler und Germanist Bausinger den Exotismus desweiteren als Gegenpol zur interkulturellen Kommunikation oder dem interkulturellen Lernen: während die interkulturelle Verständigung einen Willen zur realitätsnahen Auseinandersetzung sowie zur Kommunikation und Interaktion auf beiden Seiten voraussetze, bliebe der Exotismus eine oberflächliche, von emotionaler Identifikation und Faszination getragene Annäherung an das Fremde.32 Diese emotionale Einstellung bewirke insofern einen Prozess der „Exotisierung“ fremder Menschen, Kulturen und Lebenswelten:

„ Exotisierung hebt die andere Kultur aus dem Grau des Gleichgültigen heraus, gibt ihr Farbe (meist etwas zu viel Farbe), ist eine notwendige Verfremdung, wo ein bislang ausgeblendeter Bereichüberhaupt ins Blickfeld geraten soll. “ 33

Die genannte Verfremdung sei nach Bausinger deshalb notwendig, um den exotischen Reiz nicht durch zu viel Vertrautheit mit dem Fremden zu zerstören.34 Durch diesen Vorgang des Exotisch-Machens wird das Augenmerk selektiv auf bestimmte Aspekte des Fremden gelegt, während andere Bereiche der Gesellschaft einer fremden Kultur bewusst ausgeblendet werden. Im Tourismus spiele, so Lüsebrink weiter, der Exotismus als Reisemotivation und Wahrnehmungsfilter daher eine herausragende Rolle: Tourismuswerbung, Reiseführer und auch Reiseberichte vermitteln stereotype

Fremdbilder und normieren damit den Erwartungshorizont dessen, was die Touristen in den fremden Ländern vor Ort zu finden suchen.35 Demzufolge sind Stereotypisierungen und Exotisierungen also fester Bestandteil der Reiseliteratur, die Genre-gemäß Vorstellungen anziehender, kulturell und ästhetisch faszinierender ferner Länder, alternative Lebens- und Kulturformen transportieren.

1.2 Methode und Korpus

Wenn Reiseliteratur also das Fremdwahrnehmungsmuster des Exotismus mit sich bringt, wie können diese Fremdbilder in den Paris-Berichten nachgewiesen werden? Um die Strategien der DDR-Autoren zur Exotisierung des „fremden“ Paris nachzuweisen, bietet sich eine Verbindung zweier Analyseansätze an:

Mit Korte 36 wird davon ausgegangen, dass die vorliegende Reiseliteratur Fiktionalisierungen des Erlebten enthält, die unter poetologischen Aspekten betrachtet werden müssen. Auf der Ebene der darin transportierten Fremdbilder wird außerdem der sozialpsychologische Analyseansatz nach Graumann und Wintermantel37 zur Anwendung kommen, um mögliche enthaltene psychologische Register und Sprachhandlungsschemata zu identifizieren.

Graumanns und Wintermantels Kategorisierung verschiedener sozialpsychologischer und - im vorliegenden Falle relevanterer - sprachlicher Reaktionsmuster auf Fremdwahrnehmung bietet für das vorliegende Forschungsvorhaben dahingehend Potenzial, als diese auf die grundlegende Konstruktivität sozialer Identitäten und Fremdwahrnehmungsmuster verweisen. Wie wird die Konstruktion der exotischen Fremdbilder also von den Autoren sprachlich bewirkt? Dazu wird eine Zuordnung der in den Paris-Berichten identifizierten Fremdwahrnehmungsmuster in folgende Reaktionsmuster nach Graumann/Wintermantel erfolgen38:

Separating: Ohne wertende Dimension wird zwischen Eigenem und Fremdem unterschieden, durch die sprachliche Dichotomie zwischen wir und sie bzw. un s und den Anderen.

Distancing: Die Attribuierung, etwa kulturspezifischer Eigenschaften, etabliert eine deutliche Distanz zwischen den Angehörigen der eigenen Kultur und den „Anderen“. Accentuating: In einer Polarisierung (oder Dichotomisierung), bei der unterschiedliche Kulturen und deren Angehörige als Gegensatzpaare erscheinen, findet die Unterscheidung Eigenes vs. Fremdes ihren Ausdruck.

Devaluating/Debasing: Eine Abwertung der fremden und die Aufwertung der eigenen Kultur findet oft in Kombination mit dem dritten Reaktionsmuster statt. Assigning traits: Dem Fremden werden stereotype Eigenschaften positiver oder negativer Art zugeschrieben.

Typing: Soziale Typen bzw. Typisierungen (Zuschreibung eines Ensembles meist stereotyper Merkmale) werden auf das Fremde projiziert.

Mithilfe dieser Typologie der psychologisch-sprachlichen Reaktionsmuster wird es möglich sein, das Sprechen bzw. Schreiben über das Fremde in den Paris-Berichten der DDR-Autoren methodisch einzuordnen.

Die Recherche infrage kommender Quellen gemäß des Forschungsvorhabens gestaltete sich als komplexes Unternehmen, denn dabei wurde gleichsam ein untergegangenes Gebiet der deutschen Literatur- und Kulturgeschichte neu betreten: das Buch- und Verlagswesen der ehemaligen DDR. Nach der Wiedervereinigung 1990 war die Buchbranche wie andere Bereiche der ostdeutschen Wirtschaft und Gesellschaft durch die schnelle Wirtschafts- und Währungsunion sowie die Übernahme des bundesdeutschen Rechtssystems einem radikalen Wandel ausgesetzt, der mancherorts zu nachhaltigen Verwerfungen führte, resümiert der Verleger und Publizist Christoph Links rückblickend.39 Innerhalb kürzester Zeit änderten sich mit der Übernahme des kompletten Gesellschaftsmodells der Bundesrepublik und der Privatisierung der staats- und parteieigenen Betriebe durch die Treuhandanstalt sowohl die Besitzverhältnisse bei Verlagen und Buchhandlungen als auch die Finanzierungssysteme für Bibliotheken. Letztlich blieb dies nicht ohne Auswirkungen auf das Kauf- und Leseverhalten der ehemaligen DDR-Bürger, außerdem sollte sich das Angebot an Literatur bald am bundesdeutschen „Geschmack“ orientieren. So wurden ganze Buchbestände des sozialistischen Literatur-Kanons40 durch bis dato offiziell nicht erhältliche Bücher aus den westlichen Ländern in den ostdeutschen Buchhandlungen ersetzt. Die zuletzt 78 staatlich lizensierten DDR-Verlage wechselten oft nicht nur ein Mal ihre zumeist westdeutschen Besitzer und auch die Immobilien, in denen die Bücher und Archive aufbewahrt wurden wechselten die Eigentümer. Mit dem Ende der Zensur und der Abschaffung der Lizenzflicht nach 1990 kam es außerdem zu zahlreichen Verlagsneugründungen.41 Dies hatte zur Folge, dass die DDR-Verlage nach der Öffnung des Buchmarktes für Lieferungen aus dem Westen massenhaft ihre Bücher zurückgesandt bekamen und die nunmehr reizlose Ost-Literatur wegen der überfordernden Menge teilweise einfach entsorgt wurde. Um diesem drohenden Verlust der DDR-Literatur entgegenzuwirken, entwickelten sich bald private Initiativen, die diese Bücher einsammelten und notdürftig archivierten.42 Eine verheerende Archivlage der ehemaligen DDR-Verlage und Bibliotheken erschwert heute dementsprechend eine Recherche betroffener Literatur.

Für die Recherche des beabsichtigen Textkorpus43 ergab sich vor diesem Hintergrund die Notwendigkeit eines bestimmten methodischen Vorangehens: recherchiert wurde in einem Zeitraum von insgesamt zwei Monaten in den Datenbanken der Deutschen Nationalbibliothek DNB, dem Gemeinsamen Verbundkatalog GBV, im Zentralen Verzeichnis antiquarischer Bücher ZVAB sowie in privaten antiquarischen Buchhandlungen in der Region Halle.44 Die Titelsuche erfolgte in der Deutschen Nationalbibliografie anhand der Schlagwörter Paris, Frankreich, Montmartre, Reisen, Reisebeschreibung, Reisebericht, Bildband und deren Kombinationen in den Sachgruppen Geografie/Reisen, Geschichte, Kulturgeschichte, Heimat- und Länderkunde, Erd- und Völkerkunde, Kulturgeschichte und Volkskunde.45 Die Eingrenzung der recherchierten Bücher erfolgte anschließend unter den folgenden Kritikpunkten:

Es wurden Publikationen über Reisen nach Paris recherchiert, die im Zeitraum des geltenden Reiseverbots in erster Auflage in der DDR erschienen sind, also in der Zeit zwischen dem Mauerbau 1961 und dem Fall der Berliner Mauer im November 1989. Bei der Recherche musste also eine Konzentration auf den publizierenden Verlag und den Erscheinungsort stattfinden. Bei der Recherche wurden ausschließlich in der DDR lebende Autoren berücksichtigt, auch wenn sie nicht zwangsläufig deren Staatsbürger sein mussten. Aus unterschiedlichen Gründen genossen diese Autoren das Privileg, ins westliche Ausland fahren zu dürfen. Die Auswahl der Paris-Bücher konzentrierte sich außerdem auf nicht- belletristische Werke, also auf authentische, nicht-fiktionale Berichte von Reisen, die tatsächlich stattgefunden haben. Eine gattungstheoretische Selektion wurde dabei nicht unternommen; so enthält das Korpus Reportagen, Reiseskizzen, -bilder und -berichte, deren stilistische Merkmale nicht immer eindeutig voneinander zu trennen sind. Fotografien und Illustrationen finden sich in sechs der insgesamt neun recherchierten Bücher, wobei die in Wangenheims Der goldene Turm: eine Woche Paris enthaltenen skizzenhaften Kohlezeichnungen nicht berücksichtigt werden sollen. Ebenso wie Melis‘ Fotografien in Paris zu Fuß: 160 sollen die Bilder von Paris auf ihren visuellen Aussagegehalt untersucht und zu den Text-Aussagen in Beziehung gesetzt werden.

Das Ergebnis der auf diese Weise durchgeführten Recherche stellt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, deckt sich jedoch mit jenen nicht-belletristischen Titeln, die Thuret unter anderem in seinem programmatischen Beitrag „Frankreich in der Reiseliteratur der DDR“ thematisiert.

Im Folgenden sollen nun die Bedingungen jenes historischen Kontextes beleuchtet werden, im dem die Paris-Reisen der Autoren erlebt, aufgeschrieben und veröffentlicht worden sind.

2 DDR-Zeitumstände und diskursive Realitäten Frankreichs

2.1 Bedingungen sozialistischer Reiseliteratur

Die Bedingungen sozialistischer Reiseliteratur zu untersuchen, erfordert zwangsweise ein Beleuchten dieses Genres in seinem sozialgeschichtlichen Kontext.46 Der Untersuchungsgegenstand der „Reiseliteratur der DDR“ tangiert zwei weitreichende Gegebenheiten, die sowohl Leser als auch Autoren dieses Genres in der DDR betrafen: zum einen die Bedingungen der Literaturproduktion unter der Aufsicht des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) sowie auf der anderen Seite die Reisebeschränkungen für die breite Masse der DDR-Leserschaft in der Zeit vom 1961 bis 1989.

Bekanntermaßen wird das Regime der SED-Parteiführung heute zweifellos als Diktatur eingestuft, da politische Restriktionen den Alltag der DDR-Bevölkerung bestimmten. Beispielhaft für die diktatorischen Züge der DDR-Führung war die konsequente Verbreitung, Durchsetzung und Verteidigung der Staatsideologie des Sozialismus und die daraus resultierende faktische Beschneidung der Bürgerrechte wie Meinungs-, Presse- und Reisefreiheit. Im Wörterbuch der Literaturwissenschaft, das 1986 in Leipzig herausgegeben wurde, wird die bedenkliche Stellung der Pressefreiheit in der DDR anhand des Begriffs der „Reiseliteratur“ deutlich: „Die Reisereportage wurde als operatives Genre ein konstitutives Element im Entfaltungsprozess der verschiedenen sozialistischen Nationalliteraturen“.47 Auffällig bei dieser Zuordnung ist zuerst, dass Reiseliteratur und Reisereportage definitorisch gleichgesetzt wurden, worin der französische Germanist Mortier die somit suggerierte aufklärerisch-politische Funktion ohne jede Wertfreiheit sieht.48 Aus der Klassifizierung der Reiseliteratur als „ operatives Genre“ liest die Romanistin Heymann ferner deutliche Funktionalisierungsabsichten und ein Kontroll- und Zensurbedürfnis seitens der zuständigen Institutionen ab, die mit dieser offiziellen Formulierung ein gewisses Misstrauen gegenüber dem Genre implizierten.49 In einem Land, das seine Bevölkerung mittels einer Mauer am freien Reisen hinderte, wurde der Reiselust erzeugende Aspekt des Genres offenbar als gefährdend eingestuft: so bezeichnet Thuret es als das „Dilemma des Reiseschriftstellers“, dass die Reiseliteratur ihre im Kapitel 1.1 genannte vierte Funktion, die Vorbereitung auf eine bevorstehende Reise, in der DDR nicht haben durfte, wenn es um das westliche Ausland ging.50 Reiseliteratur als Genre lebt jedoch davon, die Neugier des Lesenden auf das Reiseziel zu wecken, durch Beschreibungen des Nicht-Alltäglichen, des Anderen, des dadurch Anziehenden - diese Exotisierungsstrategien zielen somit oft auf nicht-rationale Empfindungen ab. Entsprechende „exotische“ Abbildungen in den Büchern sprechen unterbewusst die visuellen Reize an, die den Leser sozusagen „mit auf die Reise“ nehmen und gezielt Reiselust erzeugen sollen. Wie konnte sich Reiseliteratur in der DDR also gestalten, wenn sie nicht aktiv Reise-Lust erschaffen durfte? So gesehen sind die im Korpus zusammengestellten Bücher Reiseführer-Surrogate, die teilweise Funktionen eines Reiseführers übernehmen, ohne aber deren anwendungsorientierten Zweck beizubehalten. Beispielhaft für die institutionelle Einflussnahme erwähnt Thuret die Stellungnahme des Leipziger Brockhaus Verlags im Vorfeld von Ralf Klingsiecks Vorbereitungen für sein Buch Rendezvous mit Paris: es dürfe „kein Reiseführer“ werden, zitiert Thuret die Auflage des Verlages.51

Thurets Beispiel illustriert die politische Bedingtheit der Literaturproduktion, die in der DDR im Zeichen der „Agitation und Propaganda“52 nach Lenin Praxis war. Ihre Aufgabe sah die SED darin, die Presse im Rahmen einer „einheitlichen Kulturpolitik“ als ein „Instrument zur wirtschaftlichen, politischen und kulturellen ‚Umerziehung der Massen‘“53 zu funktionalisieren. Auf diese Weise legitimiert, behielt es sich die Regimeführung also vor, dezidierten Einfluss auf das Erscheinen öffentlich zugänglicher Informationen, insbesondere über das westliche Ausland, auszuüben. Die Produktion,

Distribution und Rezeption einer jeden literarischen Erscheinung in der DDR war seit Mitte der 1950er Jahre zu diesem Zweck in einen „kulturpolitischen Lenkungs- und Kontrollapparat“54 eingebettet, der unter dem Zepter des MfS operierte. Ein feines Räderwerk aus Zensurmechanismen, etwa durch Druckgenehmigungsverfahren, Verlagsgutachten und Disziplinierungsmaßnahmen gegen abweichende Autoren55 sollte sicherstellen, dass eine literarische Neuerscheinung gänzlich der „kulturpolitische[n] Linie der Partei“56 entsprach. Neben dem kulturpolitischen hatte das Druckgenehmigungsverfahren außerdem einem weiteren, ökonomischen Zweck: aufgrund von Materialengpässen in der Mangelwirtschaft der DDR mussten die begrenzten Papiervorräte bedacht vergeben werden.57

Auf dieselbe Weise, wie der Literaturbetrieb unter Staatseinfluss organisiert war, beanspruchte die SED-Führung das Öffentlichkeitsmonopol für sich. Der Historiker Zahlmann bezeichnet die sozialistische Diktatur der DDR in der Einleitung zu Wie im Westen, nur anders. Medien in der DDR dahingehend als „längste Phase einer staatlich kontrollierten Medienproduktion in der deutschen Geschichte"58 und die Politologin Borgwardt beschäftigt sich umfassend mit der Problematik sozialistischer Öffentlichkeit im Zusammenhang mit dem Status der Literatur in der DDR.59 Literatur sei demzufolge ein Ersatz für fehlende Öffentlichkeit gewesen und „nur aus der Literatur hofften die Menschen etwas zu erfahren, was in den Zeitungen nicht zu lesen, im Radio nicht zu hören und im Fernsehen nicht zu sehen war“60 leiten die Literaturwissenschaftler Opitz und Hofmann weiter das Metzler Lexikon DDR-Literatur ein. Das liberale Verständnis Habermas‘ von Öffentlichkeit als Kategorie des Bürgertums61 und Ort von Kritik, pluralistischer Meinungsäußerung und Entscheidungsfindung widersprach den Theorie- und Wertansätzen der „Diktatur des Proletariats“ grundlegend. Der Germanist Bathrik definiert davon ausgehend drei konstitutive Öffentlichkeitsbereiche in der DDR: die offizielle Parteiöffentlichkeit der SED und Gegenöffentlichkeiten einerseits durch den verbreiteten „Westempfang“ von Medien aus der BRD sowie seit den späten 1970ern eine Öffentlichkeit der „Nische“, die durch halb- oder inoffizielle Institutionen geschaffen wurde.62 Die beiden letztgenannten Bereiche wirkten nicht selten als „subversive Herausforderung“63 gegenüber dem autoritären Staat: im Halbdunkel der Nischen strebten einige DDR-Schriftsteller nach einer von der SED unabhängigen Meinungsbildung, der sie in ihren Werken tatsächlich Ausdruck verleihen konnten. Schriftstellern und Künstlern kam eine „einzigartige öffentliche Rolle“64 im „Leseland“ zu, wie sich die DDR in ihrem Selbstverständnis sah.65 Vielmehr handelte es sich dabei um eine „schizophrene“ Doppelrolle des Schriftstellers, zwischen seiner Position als Stellvertreter und Sprachrohr des offiziellen Systems und auf der anderen Seite als individuelle Stimme für eine spezifische Leserschaft.66 Besonders brisant wird das daraus resultierende Verhältnis zwischen Leser und Autor im Zusammenhang mit den Berichten von westlichen Auslandsreisen. Nur als privilegierte „Reisekader“67 war es diesen Schreibenden nach dem Mauerbau 1961 vorbehalten, in das imperialistische Ausland zu reisen und darüber berichten zu dürfen. Die DDR-Autoren begaben sich insofern in zweierlei Hinsicht auf eine schwierige Reise, wenn sie umfassend über ihre Erfahrungen im westlichen Ausland berichten und gleichzeitig zur Publikation zugelassen werden wollten. Die Funktion von Reiseliteratur für die DDR-Leserschaft gestaltete sich darüber hinaus ganz anders, als in Ländern mit Reisefreiheit: wie die Literatur allgemein zu einem gewissen Grad Ersatz für eine fehlende Öffentlichkeit wurde, funktionierte Reiseliteratur als Ersatz für das physische Erlebnis des Reisen - institutionell intendiert aufgrund seiner Qualität als operatives Genre. Die Entdeckung des „nichtsozialistischen“ Auslandes habe nach dem Mauerbau zu Hause und in Büchern stattzufinden, die das Reisen ersetzen sollten, ohne Reiselust zu wecken - formuliert Thuret die Ansprüche seitens der Regimeführer an die Reiseliteratur.68 So gesehen blieb den DDR-Autoren ein überschaubarer Spielraum, in dem sie ihre gewisse Freiheit als Schriftsteller ausleben konnten. Um ideologische Vorgaben zu umgehen, bedienten sich manche Autoren bestimmter Stilmittel und Formulierungstechniken, die nicht eindeutig auszulegen waren.69 Ihr Publikum eignete sich parallel eine Lesart an, die versteckte Zeichen von subversiven Botschaften eher herauslesen konnte, als die zuständigen Zensoren - dieses Arrangieren mit den restriktiven Lebensbedingungen in der DDR hatte viele Ausprägungen.70 Dementsprechend bot Reiseliteratur die Möglichkeit, aus dem in vielerlei Hinsicht beschränkten Alltag in eine imaginäre Welt zu fliehen und dadurch zumindest einen Eindruck von Freiheit zu erlangen. Unter den Reportagen über westliche Länder wurde Büchern über Frankreich ein besonderer Stellenwert zugeschrieben, Mortier spricht von einer „heiß begehrte[n] Ware, besonders wenn das Buch ‚Paris‘ im Titel führte.“71 Diese Publikationen erfüllten die Erwartungen, die sich seitens der Leser an Reisebücher über den Westen knüpften: „Sie kreisen um den Ausbruch, um Flucht und Reiseersatz.“72 Diese Wirkung der DDR-Reiseliteratur zu überprüfen, wird im Kapitel 373 unternommen werden. Im Vorfeld sollen jedoch zunächst einführend die Beziehungen zwischen Frankreich und der DDR beleuchtet werden.

2.2 Frankreich und die DDR: Fremdbildkonstruktionen und -konjunkturen

2.2.1 Die Beziehungen zwischen Frankreich und der DDR

Wenn in der öffentlichen Rhetorik von den deutsch-französischen Beziehungen gesprochen wird, werden darunter meist einvernehmlich die Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und Frankreich verstanden. Dass es allerdings seit 1949 einen zweiten deutschen Staat gab, zu dem von Seiten Frankreichs Kontakte bestanden, wurde in der deutsch-französischen Beziehungsgeschichte lange außer Sicht gelassen. Dennoch bietet die Beschäftigung mit den „anderen“ deutsch-französischen Beziehungen eine Fülle neuer Perspektiven auf das Verhältnis zugleich dreier Staaten zueinander: wenn die Politiker der DDR den Bezug zu Frankreich suchten, saß die Bundesrepublik gewissermaßen stets im Beiwagen dieses „anderen“ deutsch-französischen Tandems.74 Im Spannungsfeld der bundesdeutschen Nicht-Anerkennung und den Bestrebungen der DDR-Führung um politische Legitimation war Frankreich lange Zeit ein wichtiger Bezugspunkt der ostdeutschen Außenpolitik. Die Beziehungen zwischen Frankreich und dem „anderen Deutschland“, ihre Konjunkturen und Intensitäten in Politik, Wirtschaft und besonders der Kultur sollen im Folgenden prägnant dargestellt werden.75

In den vierzig Jahren der Beziehungen zwischen Frankreich und der DDR stellt die französische Germanistin Metzger76 drei bestimmende Phasen fest: Von der Nicht- Anerkennung zum Beginn offiziöser Beziehungen (1949 bis 1958), über eine „gewisse Verständigung“ durch de Gaulles Ostpolitik (1958 bis 1973), bis zur politischen Anerkennung der DDR (1973) und deren Konsequenzen. Wie Metzger in ihrem Artikel herausarbeitet, fand in den 23 Jahren vor Aufnahme der diplomatischen Beziehungen 1973 jedoch keineswegs eine französische Isolation aufgrund der offiziellen Ablehnung statt.77 Vielmehr war bereits seit den 1950er Jahren eine offiziöse Anerkennung seitens Frankreichs abseits der „politisch-diplomatischen ‚Nullbeziehungen‘“78 zu beobachten, die sich in der Aufnahme vielfältiger Kooperationen auf der zivilgesellschaftlichen Ebene manifestierte: wirtschaftliche Transaktionen, die im europäischen Vergleich jedoch eher bescheiden waren, fanden ohne Handelsabkommen statt, auf den internationalen Messen in Paris und Leipzig waren beide Staaten vertreten.79 Mit den wirtschaftlichen Beziehungen ergaben sich gleichzeitig erste kulturelle Annäherungen zwischen französischen und ostdeutschen Gleichdenkenden: 1950 schlossen Anciens Combattants, französische Deportierte und deutsche Widerstandskämpfer ein Bündnis als gleichermaßen Betroffene des Nationalsozialismus80, ebenso gründeten sich

„Kampfbündnisse“ zwischen den Gewerkschaften CGT und dem FDGB mit dem Ziel, „den

Kampf der Arbeiter zur Verteidigung des Friedens in Frankreich und in Deutschland zu stärken“.81 Außenpolitisch fanden sich besonders im Zuge der Wiederbewaffnung der BRD Parallelen zwischen der DDR und Frankreich, wo man die Vorgänge in derselben Weise skeptisch wegen einer potentiellen bundesdeutschen Revanche der Niederlage im Zweiten Weltkrieg beobachtete.82 Eine merkliche ideologische Nähe zwischen den beiden Lagern war demnach symptomatisch für diese frühe Annäherung abseits politischer Strategien. Pfeil bezeichnet diese Strategien zutreffend als „bilderreiche Imagepolitik statt offizielle diplomatische Beziehungen“ seitens der DDR.83 Diese ideologische Öffentlichkeitsarbeit seitens der DDR fand in den Bereichen des programmatisch verbindenden Antifaschismus statt, aber ebenso auf der sozialen und kulturellen Ebene.84 Der unmittelbare Kontakt zwischen Franzosen und Ostdeutschen blieb von 1949 bis 1958 faktisch eher begrenzt, bis mit den É changes franco-allemands (EFA) eine erste Freundschaftsgesellschaft85 für den breitenwirksamen deutsch-französischen Kulturaustausch ins Lebens gerufen wurde. Damit sollte die Gelegenheit für ein unmittelbares Kennenlernen durch Austauschen von Delegationen,Patenschaftsabkommen zwischen Städten und Gemeinden, Austauschreisen von Jugendlichen und Fachpersonal geschaffen werden. Durch zahlreiche Ortsgruppen und Ausstellungen in Frankreich über den DDR-Alltag wurde somit die Verbreitung eines bestimmten DDR-Bildes durchgeführt.86 Darüber hinaus wurde der Literatur ein großer Stellenwert bei der Bildkonstruktion des sozialistischen Deutschland beigemessen: durch die Verbreitung ostdeutscher Publikationen beabsichtigte die DDR-Führung, sich gezielt kulturell von der BRD zu distinguieren.87

Seit 1958 waren die französisch-ostdeutschen Beziehungen also von einer gewissen Annäherung geprägt: dass der damalige französische Regierungschef de Gaulle in Konkurrenz zur BRD eine Russland-freundliche Ostpolitik verfolgte, wurde auch in der

DDR wohlwollend betrachtet - wenn auch weiter an der offiziellen Nichtanerkennung der DDR festgehalten wurde.88 Auf der Leipziger Buchmesse war Frankreich 1959 im Vergleich mit anderen nicht-sozialistischen Ländern am meisten repräsentiert und die DDR war nach der UdSSR trotz fehlendem Handelsabkommen zweitwichtigster Abnehmer französischer Exporte unter den Ländern des Ostblocks. Die fortschreitende Intensivierung der wirtschaftlichen Beziehungen fand 1965 einen ersten Höhepunkt, als eine Handelsvereinbarung zwischen der Außenhandelskammer Ostdeutschlands und der französischen Handelsabteilung in Deutschland unterzeichnet wurde. Die Vertretung der Außenhandelskammer der DDR in Frankreich wurde drei Jahre später als „Vertretung des Amtes für Auswärtige Beziehungen der DDR“ umbenannt; 1970 wurde in Berlin ein Büro der französischen Industrie- und Handelskammer eingerichtet.89 Diese „stille Interessenpartnerschaft mit Ost-Berlin“, wie der Journalist und Politologe Maxim Leo90 diese offiziösen Beziehungen nennt, brachte Frankreich allerdings immer wieder in einen Interessenkonflikt, da die Freundschaft mit der Bundesrepublik stets unangefochten außenpolitische Priorität hatte. Leo unterstreicht dabei das gleichzeitig herrschende gemeinsame Interesse der DDR und Frankreichs: das Widerstreben gegen eine potentielle, von bundesdeutscher Seite anhaltend intendierte, deutsche Wiedervereinigung bestimmte spätestens seit Anfang der 1970er Jahre die inoffizielle Außenpolitik Frankreichs, was den Legitimitätsbestrebungen der DDR nur zugutekam. Nachdem auf Druck der einflussreichen Wirtschaft in den 1960ern halboffizielle Vertretungen in den beiden Ländern eingerichtet worden waren, wurden in den frühen 1970er Jahren gesellschaftliche Stimmen für die Aufnahme offizieller Kontakte in den Kulturbeziehungen laut: insbesondere im Bereich des Hochschulaustausches sollte eine Normalisierung der Beziehungen errungen werden. Nachdem die BRD und DDR ihren Grundlagenvertrag über die ostdeutsche Souveränität geschlossen hatten, erkannte auch Frankreich die DDR schließlich 1973 als 71. Staat offiziell an und veranlasste die Aufnahme diplomatischer Beziehungen.91 Die Intensität der Kontakte zwischen Paris und Berlin ließen paradoxerweise in der Folge allerdings nach, denn einerseits vereinnahmte dieser neue Status die DDR-Führung umfassend, während innenpolitisch der Kampf gegen Dissidenten immer intensiver geführt wurde. Auf außenpolitischer Ebene traten die ostdeutsch-französischen Interessen zusätzlich angesichts der „unter Schmidt und Giscard aufblühende[n] Achse Bonn-Paris“92 in den Hintergrund. Die international rezipierte Affäre um die Ausweisung von Wolf Biermann und die damit einhergehende Welle an Ausbürgerungen von andersdenkenden Künstlern und Intellektuellen warf seit 1976 seitdem kein positives Licht auf die ostdeutsche Staatsführung. Der französische Germanist Badia spricht gar von einer „Schockwirkung“93 bei den französischen Sympathisanten der DDR. Erst mit dem Konsular- und Kulturabkommen von 1980 setzte die DDR eine tatsächliche Anerkennung durch, was sich in der Einrichtung von Kulturinstituten in der jeweiligen Hauptstadt beider Länder ausdrückte: in Anwesenheit der zuständigen Außenminister wurde 1983 in prominenter Lage, dem Studentenviertel St. Germain, zunächst das DDR-Kulturzentrum für eine publikumswirksame Öffentlichkeitsarbeit eingeweiht; 1984 öffnete dann das Centre Culturel Fran ç ais Unter den Linden die Pforten zu seiner begehrten Bibliothek, die mit (für DDR-Bürger) rarer und vorwiegend moderner Literatur gefüllt war.94 Badia sieht aufgrund dieser internationalen Ausnahme an Kulturrepräsentanz die Verbesserung der Beziehungen Paris-Ostberlin auf staatlicher Ebene in den 1980er Jahren. Allen genannten Bestrebungen in Diplomatie, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft lag allerdings zu keinem Zeitpunkt ein ausgearbeitetes Gesamtkonzept ostdeutscher Frankreichpolitik zugrunde.95 Vielmehr richteten sich die strategischen Bemühungen der DDR-Führung nach tagesaktuellen Gesichtspunkten, die je nach „politische[r] Großwetterlage“96 zwischen Ablehnung und Annäherung an Frankreich changieren konnten.

2.2.2 Frankreichbilder in der DDR

Unter dem Einfluss dieser soeben sichtbar gemachten Konjunkturen in den Beziehungen der DDR zu Frankreich standen auch die Frankreichbilder, die in der „sozialistischen Öffentlichkeit“97 zu finden waren. Die Darstellung Frankreichs war dabei von verschiedenen Faktoren geprägt: wie bereits erwähnt beeinflusste einerseits das tagespolitische Geschehen in der DDR das jeweilige Frankreichbild, darüber hinaus brachte die Entstehungsgeschichte des jungen sozialistischen Staates seinerseits gewisse Traditionen in der Frankreichperzeption mit sich. In dieser Hinsicht sind es besonders die Immigranten aus dem Westen und Osten jenseits der DDR-Grenzen, die verschiedene Fremdbilder prägen sollten. Die Menschen, die sich nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bewusst für ein Leben im neugegründeten sozialistischen Teil Deutschlands entschieden, hatten dazu persönliche und politische Motive. Ihre antifaschistische Staatsdoktrin macht die DDR attraktiv für viele Opfer des Nazi-Regimes, ob Emigranten, Deportierte, Widerständler, verurteilte Kommunisten oder andere Verfolgte - sie alle sahen in der neuen Staatsform des Sozialismus einen grundlegenden Bruch mit dem Nationalsozialismus und hielten die DDR nicht selten für den „besseren“ deutschen Staat.98 Nach der Machtergreifung 1933 waren viele dieser neuen DDR-Bürger vor den Nationalsozialisten nach Frankreich geflüchtet und hatten dort prägende Erfahrungen gesammelt. Diese ehemaligen Westemigranten - oft Schriftsteller, Wissenschaftler oder Künstler - brachten nach 1949 nun die positiven Bilder ihres „Frankreich des Herzens“99 in die DDR und übten somit als Kulturmittler fortan einen starken gesellschaftlichen Einfluss aus. Als Nation mit einer großen linken Tradition, die sich im sozialistischen Verständnis in der Revolution von 1789 und der Entstehung der Pariser Kommune 1871 versinnbildlichte, sahen die führenden Parteifunktionäre der SED geschichtliche Parallelen, sodass Frankreich im Kalten Krieg oft als „gutes imperialistisches Land“ gehandelt wurde und seltener Zielscheibe von Angriffen war als die USA, Großbritannien oder die BRD.100 Die „Nebengleisdiplomatie“101, die im vorangegangen Kapitel erwähnt wurde, machte Frankreich außerdem zu einem Sympathisanten und geheimen Verbündeten, was die Gestaltung des Verhältnisses zur BRD betraf. Gleichzeitig betrachtete die politische Öffentlichkeit gleichwohl kritisch Frankreichs Stellung als (ehemalige) Imperialmacht, die ihren Arbeitern lamentable Lebensbedingungen bot und als Knecht des westlichen Kapitalismus unterdrückt wurde.

[...]


1 Röseberg, Dorothee (Hg.): Frankreich und "das andere Deutschland": Analysen und Zeitzeugnisse. Tübingen : Stauffenburg-Verlag, 1999.

2 Siehe dazu: Pfeil, Ulrich: Die "anderen " deutsch-französischen Beziehungen: die DDR und Frankreich 1949 - 1990. Weimar: Böhlau, 2004.

3 Wolfrum, Edgar: Wo ist der Ort der DDR in den deutsch-französischen Beziehungen? - Plädoyer für neue Forschungsaktivitäten. In: Dokumente 56, 2000, S.18.

4 Wolfrum 2000, S.18. Wie beispielsweise die sogenannte „Bruderhand“ von François Mitterrand und Helmut Kohl 1984 bei einer Gedenkfeier in Verdun, die als Symbol der Aussöhnung ins kulturelle Gedächtnis beider Länder eingegangen ist.

5 Wolfrum 2000, S.18.

6 Ebd., S.22.

7 Vgl. Röseberg, Dorothee: „Vorwort“ in Röseberg 1999, S.13.

8 Vgl.: Röseberg, Dorothee: „Frankreich des Herzens - ein Mythos.“ In: Grenzgänge. Beiträge zu einer modernen Romanistik. 12, 1999, S.126-134.

9 Wolfrum 2000, S.21.

10 Vgl. Röseberg in Röseberg, 1999, S.13.

11 Thuret, Marc: „Frankreich im Werk von Rolf Schneider.“ in Röseberg 1999, S.639. 4

12 Vgl. dazu: Brenner, Peter (Hg.): Der Reisebericht: die Entwicklung einer Gattung in der deutschen Literatur . Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1989; Kramer, Dieter/Lutz, Ronald (Hg.): Reisen und Alltag. Beiträge zur kulturwissenschaftlichen Tourismusforschung. Kulturanthropologie-Notizen 39, Frankfurt am Main: Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie, 1992; Fuchs, Anne: Reisen im Diskurs: Modelle der literarischen Fremderfahrung von den Pilgerberichten bis zur Postmoderne. Heidelberg: Winter, 1995.

13 Jäger, Hans-Wolf: „Reiseliteratur“ in Müller 2003, S.258.

14 Vgl. Thuret, Marc: „Frankreich in der Reiseliteratur der DDR.“ in Röseberg/Thoma 2008, S.319.

15 Kawohl 2000, S.19.

16 Thuret in Röseberg/Thoma 2008, S.319.

17 Ebd.

18 Jäger in Müller 2003, S.258.

19 Korte 1996, S.16.

20 Vgl. ebd., S.3.

21 Ebd.

22 Jäger in Müller 2003, S.260.

23 Kramer, Dieter: „Kulturwissenschaftliche Tourismusforschung“ in Kramer/Lutz 1992, S.13

24 Ebd.

25 Eine Übersicht der interdisziplinären Ansätze zur interkulturellen Kommunikation veröffentlichte Lüsebrink in: Konzepte der Interkulturellen Kommunikation: Theorieansätze und Praxisbezüge in interdisziplinärer Perspektive. Saarbrücken: Röhrig Universitätsverlag, 2004.

26 Vgl. Lüsebrink 2008, S.85.

27 Vgl. ebd., S.95f.

28 Vgl. Lüsebrink 2008, S.87ff.

29 Vgl. ebd., S.83.

30 Vgl. Lüsebring 2008, S.113.

31 Vgl. ebd.

32 Vgl. Bausinger 1987, S.2f.

33 Vgl. ebd. S.2.

34 Vgl. Bausinger 1987, S.2f.

35 Vgl. Lüsebrink 2008, S.117.

36 Vgl. Korte 1996, S.16.

37 Die Sozialpsychologen befassten sich mit der Untersuchung von Diskriminierung in sprachlichen Äußerungen und thematisierten darin Phänomene der Stereotypisierung als Reaktion auf Fremdes. Siehe: Graumann, Carl Friedrich/Wintermantel, Margret: „Discriminatory Speech Acts: A Functional Approach.“ In: Bar-Tal, Daniel/Graumann, Carl Friedrich (Hg.): Stereotyping and Prejudice: Changing Conceptions. New York/Heidelberg: Springer, 1989, S.183-204

38 Graumann/Wintermantel 1989, zit. n. Lüsebrink 2008, S.106ff. 10

39 Vgl. Links, Christoph: „Was blieb vom Leseland DDR?“ In: APuZ 11/2009, S.32-38.

40 Das Kapitel 2.1 wird dahingehend Aufschluss bieten.

41 Vgl. Links in APuZ 11/2009, S.32.

42 Die Peter-Sodann-Bibliothek in Staucha (Sachsen) sammelt auf Initiative des gleichnamigen Schauspielers und Vorstandes des 2007 gegründeten „Vereins zur Förderung, Erhaltung und Erweiterung einer Sammlung von 1945 - 1990 im Osten Deutschlands erschienener Literatur e.V.“ solche „vergessenen“ Bücher. Da die Bibliothek sich noch im Aufbau befindet, ist aufgrund der bisherigen Unüberschaubarkeit eine Recherche nach den beabsichtigten Vorgaben nicht möglich gewesen.

43 Zitate aus den Quellen werden zur besseren Übersichtlichkeit der neuen Rechtschreibung angepasst wiedergegeben.

44 In den letztgenannten Antiquariaten ergaben sich bei den Recherchen interessante Gespräche mit den Inhabern, die zumeist selbst Buchhandlungen in der DDR betrieben hatten. Sie bestätigten mit ihrer persönlichen Erfahrung die große Nachfrage der DDR-Leserschaft nach Titeln zu Paris und Frankreich.

45 Die Einteilung der Sachgruppen innerhalb der Deutschen Nationalbibliografie wurde 2004 vereinfacht, bis 2003 umfassten die Sachgruppen eine größere Detailorientierung.

46 Die Germanistin Barbara Zwirner unternimmt dies umfassend in ihrer Dissertationsschrift an der Freien Universität Berlin „ Besseres Land - schöne Welt “ . Sozialistischer Patriotismus und Welterfahrung in der Reiseliteratur der DDR nach dem VIII. Parteitag der SED 1971, noch vor dem Ende der DDR, als die Problematik der reisenden DDR-Autoren Gegenwart und kein historisches Themengebiet war. Siehe Zwirners Kapitel 1, S.1- 59. Weiterführend relevant sind: Kawohl, Birgit: " Besser als hier ist esüberall " : Reisen im Spiegel der DDR Literatur. Marburg : Tectum-Verlag, 2000; Meyen, Michael /Fiedler, Anke: Die Grenze im Kopf : Journalisten in der DDR . Berlin: Panama-Verlag, 2011; Zahlmann, Stefan: Wie im Westen, nur anders. Medien in der DDR. Berlin: Panama-Verlag, 2010

47 Wörterbuch der Literaturwissenschaft, Leipzig, 1986. S.431 zit. nach Heymann in Höfner 1998, S.21.

48 Vgl. Mortier, Jean: „Reiseliteratur“ in Opitz/Hofmann 2009, S.270.

49 Vgl. Heymann, Brigitte: „PARIS. TEXAS - Eine Retrospektive. Reiseliteratur in der DDR.“ in Höfner 1998, S.21.

50 Siehe S. 7.

51 Vgl. Heymann in Höfner 1998, S.319.

52 Nach Historiker Holzweißig seien diese Begriffe nur außerhalb diktatorischer Systeme negativ konnotiert, während im sozialistischen Verständnis damit vielmehr ein Instrument zur Verbreitung der Lehre des Marxismus-Leninismus gemeint sei, also gewissermaßen eine ideologisch motivierte Öffentlichkeitsarbeit. Vgl. Holzweißig 1997, S.13.

53 Bathrik, David: „Öffentlichkeit“ in Opitz/Hofmann 2009, S.241. 15

54 Borgwardt 2002, S.98.

55 Ausführlich dazu: Westdickenberg, Michael: „Druckgenehmigung“ sowie Brohm, Holger: „Zensur“ in Opitz/Hofmann 2009, S.82-84 bzw. S.374-376.

56 Braun, Matthias: „Staatssicherheit und Literatur.“ in Opitz/Hofmann 2009, S.325.

57 Vgl. Lokatis, Siegfried: „Die Hauptverwaltung des Leselandes“ in APuZ 11/2009, S.24.

58 Zahlmann 2010, S.10.

59 Siehe Borgwardt 2002, S.127-136.

60 Opitz/Hofmann: „Vorwort“ in Opitz/Hofmann 2009, Vorwort S.röm.V.

61 Siehe dazu Habermas, Jürgen: Strukturwandel deröffentlichkeit. Untersuchungen zu einer Kategorie der bürgerlichen Gesellschaft. Neuwied: Luchterhand, 1962.

62 Vgl. Bathrick in Opitz/Hofmann 2009, S.242.

63 Vgl. ebd., S.242.

64 Vgl. ebd., S.242.

65 Ausführlich nachzulesen ist die Thematik der „Literaturgesellschaft DDR“ im Artikel „Leseland“ in Opitz/Hofmann 2009, S.189-191 sowie in der Publikation „Leseland DDR“ aus der Reihe Aus Politik und Zeitgeschichte der Bundeszentrale für politische Bildung, Jahrgang 11/2009.

66 Vgl. Bathrick in Opit/Hofmann 2009, S.242.

67 Zu den Bedingungen des Reisens in der DDR, insbesondere Schriftsteller betreffend, siehe Zwirner 1986, S.6- 37.

68 Vgl. Thuret in Röseberg/Thoma 2008, S.321.

69 In diesem Zusammenhang erwähnt Brohm „klandestines Sprechen“ von DDR-Autoren, die dadurch der Zensur durch die Behörden zuvor zukommen. Siehe Brohm, Holger: „Zensur“ in Opitz/Hofmann 2009, S.375.

70 Thuret spricht beispielsweise von einer „selektiven Leseweise“ des DDR-Publikums, das das wiederkehrende ideologische Vokabular bei der Lektüre gewissermaßen ausblenden konnte, um sich auf neue und interessantere Inhalte zu konzentrieren. Siehe Thuret in Röseberg/Thoma 2008, S.329.

71 Mortier, Jean: „Reiseliteratur“ in Opitz/Hofmann 2009, S.271.

72 Ebd.,S.271.

73 Ab S.27.

74 Seit den späten 1990er Jahren widmet sich die kulturwissenschaftliche Forschung diesem Themengebiet.

75 Ausführlich untersucht der Romanist Ulrich Pfeil die Entwicklungen der französisch-ostdeutschen Beziehungen in der Erscheinung Die „ anderen “ deutsch-französischen Beziehungen: die DDR und Frankreich 1949 - 1990. Weimar: Böhlau, 2004.

76 Metzger, Chantal: „Vierzig Jahre Beziehungen zwischen Frankreich und der DDR.“ in Röseberg 1999, S.19 -33.

77 Vgl. Metzger in Röseberg 1999, S.19.

78 Siehe Pfeil 2004, S.34ff.

79 Vgl. Metzger in Röseberg 1999, S.22f.

80 Vgl. Metzger in Röseberg 1999, S.22.

81 Ebd., S.22.

82 Vgl. Metzger in Röseberg 1999, S.22.

83 Siehe Pfeil 2004, S.169ff.

84 Siehe dazu ebd., S.174-269 bzw. S.311-429.

85 Pfeil geht ausführlich auf die Entstehung, Funktion und Bedeutung dieser Freundschaftsgesellschaften ein in: Pfeil 2004, S.269-311.

86 Vgl. Badia, Gilbert: „Die Entwicklung der DDR bis zu deutschen Vereinigung aus französischer Sicht.“ in Sommer-Hasenstein 2001, S.47.

87 Pfeil 2004, S.36.

88 Vgl. Metzger in Röseberg 1999, S.25.

89 Vgl. Metzger in Röseberg 1999, S.25.

90 Leo, Maxim: „Die Beziehungen zwischen der DDR und Frankreich in den siebziger Jahren aus ostdeutscher Sicht.“ In: Sommer-Hasenstein 2001, S.56-69.

91 Metzger in Röseberg 1999, S.28.

92 Pfeil 2004, S.39.

93 Badia, in Sommer-Hasenstein 2001, S.50.

94 Vgl. Badia in Sommer-Hasenstein 2001, S.51.

95 Vgl. Röseberg, Dorothee: „Erinnerung und Utopie. Frankreich in der DDR“ in Résistances 2004, S.91.

96 Wolfrum 2000, S.21.

97 Das Problem der „sozialistischen Öffentlichkeit wurde in Kapitel 3.1 angesprochen. 22

98 Vgl. Röseberg in Résistances 2004, S.92.

99 Ebd., S.101.

100 Vgl. ebd., S.91.

101 Ebd., S.94.

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Titel: Fiktives Reisen. Paris in der Reiseliteratur der DDR