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Das "Liber ad honorem Augusti". Die Beziehung zwischen Bild- und Textkomposition

Hausarbeit (Hauptseminar) 2014 14 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung

II. Die Geburt Friedrich II. Bild - Beschreibung
II.I. Bild - Analyse

III. Die Geburt Friedrich II. Text - Beschreibung
III.I. Text - Analyse

IV. Resümee

V. Quellenverzeichnis

VI. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Rund 800 Jahre ist es her, als der Dichter Petrus de Ebulo den Liber ad honorem Augusti verschriftlichte. In der Burgerbibliothek Bern wird unter der Signatur 120 II diese einzigartige Text - Bilderchronik aufbewahrt. In 1600 Versen werden die Ereignisse bei der Machtübernahme des Stauferkaisers Heinrich VI. in von den Normannen beherrschten Königreich Sizilien beschrieben.

Die nachträglichen Korrekturen und Ergänzungen lassen deutlich erkennen, dass es sich bei den Liber ad honorem Augusti um ein außergewöhnliches Werk Petrus de Ebulo handelt. Außergewöhnlich ist die Liber ad honorem insofern, dass ein neu verfasster Text mit einem umfangreichen illustrierten Bilderzyklus in der Zeit vor 1200 neuartig war. Die Liber ad honorem Augusti wurde chronologisch und als Text - Bilderzyklus verfasst. Dabei weisen die Bildseiten der Handschrift kein traditionelles Schema auf, wie beispielsweise eine Anordnung biblischer Handschriften, sondern ist stets dem Inhalt des Textes, also den daraus ausgewählten Szenen angepasst1. Die Gewichtung der Textkomposition ist jedoch unterschiedlich. Während in der Illustration bestimmte Geschehnisse hervorgehoben werden, erhalten diese in dem dazugehörigen Text oftmals eine andere Gewichtung. Aufgrund dieser scheinbaren Differenzen zwischen der Text - Bilderzählung soll anhand der Abbildung 136r, S.204 und 137r, S.205, die die Geburt Friedrich II. beleuchten, in dieser Arbeit ermittelt werden, ob zwischen der Bild - Texterzählung eine inhaltliche Beziehung und eine Abhängigkeit voneinander besteht. Der erste Abschnitt widmet sich der Beschreibung und Interpretierung der Illustration. Anschließend folgen die Textbeschreibung und die dazugehörige Analyse. Abschließend soll in einem Resümee die Beziehung zwischen Bild- und Textkomposition diskutiert und beantwortet werden.

Nachdem heutigen Forschungsstand ist der Ebulo - Codex die einzige Quelle für gewisse Ereignisse in der Übergangszeit zwischen der Herrschaft der Normannen und der Staufer in Süditalien. Er weckte meist das Interesse der Historiker, die sich auf den Text konzentrierten und die Bilder nur als Ergänzung, wenn auch von hohem sachkundlichem Wert, betrachteten. Jedoch stellte sich dabei das Problem, dass das Werk nur bedingt als historische Quelle zu gebrauchen ist, da es an vielen Stellen zugunsten der staufischen Seite Partei ergreift. Auch aus kunsthistorische Sicht stellten die geringen künstlerischen Qualitäten und die pro - staufische Propaganda ein Problem dar. Daher wurde der Ebulo - Codex erst einmal ausführlich untersucht und gewürdigt.

II. Die Geburt Friedrich II. Bild - Beschreibung

Das Bild fol. 138 (Abb. 44, S.64) ist grundlegend in zwei Abschnitte unterteilt. Die untere Hälfte zeigt die Kaiserin Konstanze auf einem prächtigen Pferd. Gekennzeichnet wird sie durch einen roten Schriftzug, der sie als: „Imperatrix“ ausweist. Konstanze wendet sich nach hinten und hält in ihren von bräunlichen Tuch bedeckten Händen einen in grünen Stoff eingewickelten Säugling, der ein Krönchen auf seinem Haupt trägt. Hinter dem Pferd steht eine zweite Frauengestalt, die ihre ebenfalls verdeckten Arme und Hände dem eingewickelten Kind entgegenstreckt und, wie Konstanze, im Verhältnis zum Pferd viel zu groß dargestellt wurde.

Die beiden Frauen tragen sehr ähnliche Kleidung in denselben Farben. Betont wird dabei die Kaiserin durch das Blattgold in der Krone und die rote Bemalung von Zaumzeug und Satteldecke des Pferdes. Das Tier wird von zwei gerüsteten Rittern nach rechts geführt. Dabei fällt auf, dass die Farben der Schilder mit den Farben der Kleidung der beiden Frauen, übereinstimmen. Auch das Pferd wird in dieser Illustration besonders hervorgehoben. Das Tier wird als prachtvoller männlicher Schimmel dargestellt, das am ehesten mit dem Tier zu vergleichen ist, auf dem Heinrich VI. auf fol. 134r (Abb.40, S.60) triumphierend in Palermo einzieht. Im Vergleich der beiden Tiere wird jedoch deutlich, dass das Pferd Konstanzes lebhafter und detailreicher illustriert wurde. Die Unterschiede kommen am Kopf, an den Gelenken, am Behang der Beine sowie an den Hufnägeln zum Ausdruck. Mähne und Schweif sind sehr lang, besonders auffällig ist die Stirnlocke. Die Bewegung des Pferdes wird nicht nur durch die Beinstellung gezeigt, sondern auch durch das leicht nach rechts verschobene Rückgrat. Betrachtet man weitere Pferde in der Handschrift kommt man zu dem Entschluss, dass gerade Konstanzes Pferd besonders komplex gezeichnet wurde. Darüber hinaus ist festzustellen, dass zeitgenössische oder spätere Benutzer des Buches Heinrichs Pferd durch Einstiche kopierten, dasjenige von Konstanze hingegen ein Unikat blieb2.

Die obere Hälfte des Bildes zieren drei verschiedenartige, illustrierte Palmenpflanzen. Die Inschrift: „ Imperatix Siciliam repetens benedictum filium suum ducisse dimisit“ befindet sich unterhalb der Palmenstämme und verbindet die obere und die untere Hälfte der Illustration, in dem die Handlung der Kaiserin veranschaulicht wird. Beim Betrachten der beiden Bildhälften wird sichtbar, wo das Augenmerk des Illustrators lag. Während die untere Bildhälfte detailreich und prachtvoll gestaltet wurde, wirkt die obere Hälfte des Bildes eher unscharf. Die palmenartigen Pflanzen wirken nachlässig gezeichnet und schemenhaft. Im Hintergrund der Illustration erkennt man den verblassten Abdruck des dazu gehörigen Textes.

II.I. Bild - Analyse

Bei dem Abbild wird deutlich, dass die Analogien ein geschichtliches Ereignis darstellen. Illustriert wurde die Kaiserin Konstanze, die sich auf dem Weg nach Bari begibt, wo an Ostern 1195 ein großer Hoftag stattfindet3. Das eingewickelte Kind, welches kein geringerer als Friedrich II. ist, vertraute sie der Gattin Konrads von Urslingen an. Dieser schwäbische Adlige bewährte sich einst im Dienste Barbarossa in Italien und wurde 1176 oder 1177 zum Grafen von Spoleto erhoben. Die Quelle über seine Frau, der Gräfin von Spoleto, in deren Händen nun die Verantwortung über Friedrich II. lag, gibt so gut wie nichts über sie preis. Nicht einmal ihr Name ist bekannt, doch es ist sicher, dass sie engste Vertraute Heinrichs VI. waren4. Die Kleidung und die Kopftücher der Frauen weisen nicht nur farblich auf Gemeinsamkeiten hin, sondern geben auch Hinweise darüber, dass byzantinische Vorbilder den Illustrator in seinem Werk beeinflussten5. Nachdem diese bereits in der ersten und zweiten Handschrift als Inspiration dienten, wird erkenntlich, dass es verschiedene Vorbilder zwischen Text und Bildgestaltung innerhalb des dritten Werkes gab. Da bereits die enge Zusammenarbeit zwischen dem Illustrator und dem Autor durch kodikologische Untersuchungen bestätigt wurde, lässt sich daraus schließen, dass der Maler möglicherweise Vorbilder für seine Darstellung der Kaiserin Konstanze in dem Werk Ebulos fand, die Kaiserin selbst aber nach byzantinischen Vorbildern gestaltete. Auch die Zusammengehörigkeit lässt sich anhand der Kleidung ableiten, da die Farbgebung zwischen der Kleidung der Kaiserin und der Gräfin und der Schilder der Ritter einheitlich ist.

[...]


1 Vgl. Sibyl Kraft: Ein Bilderbuch aus dem Königreich Sizilien, S.10

2 Vgl. Sibyl Kraft: Ein Bilderbuch aus dem Königreich Sizilien, S. 242

3 Vgl. Wolfgang Stürner: Friedrich II., S. 41 - 57

4 Vgl. Wolfgang Stürner, Friedrich II., S. 50

5 Vgl. Kleidung und Mode im Mittelalter, S. 40

Details

Seiten
14
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656754466
ISBN (Buch)
9783656754411
Dateigröße
430 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v280987
Institution / Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,0
Schlagworte
liber augusti beziehung bild- textkomposition

Autor

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Titel: Das "Liber ad honorem Augusti". Die Beziehung zwischen Bild- und Textkomposition