Lade Inhalt...

Architektur des Dritten Reiches 1933 bis 1945. Ein Architekturstil?

Hausarbeit 2002 19 Seiten

Kunst - Architektur, Baugeschichte, Denkmalpflege

Leseprobe

Gliederung

1. Eine Einordnung

2. Die Architektur
die moderne Architektur
die konservative Architektur
Bauen im Dritten Reich
Repräsentationsgebäude
Produktionsstätten und Verwaltungsgebäude
Gebäude der Wehrmacht und andere

3. Fazit

4. Anhang

5. Literaturliste

1. Eine Einordnung

„Die Architektur des Dritten Reiches“ auf diesen Begriff stieß ich bei meinen Recherchen zum Thema Städtebau und Architektur des Dritten Reiches immer wieder. Was ist aber die „Kunst und Architektur des Dritten Reiches“ ?

Ist dieser Begriff wie die Ideologie die dahinter vermutet wird, in vielen Aspekten unklar und nicht definiert gehalten. Oder ist dieser Architekturbegriff klar und deutlich zu umreißen, wie die Stile des Barocks, des Klassizismus oder des Victorianischen Stils in England. Betrachtet werden sollten nicht nur ihren baulichen und äusserlichen Ausprägungen, sondern auch ihr sozialer und zeitlichern Hintergrund. Aspekte, die uns im Laufe dieser Ausarbeitung noch beschäftigen werden.

Bevor man sich jedoch an die Erörterung diese Fragen machen kann, erscheint es erforderlich diesen Begriff zeitlich und damit auch sozialstrukturell einzuordnen. Die zeitliche Einordnung des tatsächlichen Auftretens dieses Begriffes, kann anhand der bekannten geschichtlichen Daten der NS-Zeit erfolgen, also in die Zeit zwischen 1933 und 1945. Seine Wurzeln liegen jedoch schon länger zurück und sind nicht einfach zeitlich einzuordnen. Dieses liegt unter anderem in der Tatsache begründet, dass sich die Nationalsozialisten zwar einig waren, was sie als „schlecht“ bzw. „ablehnenswert“ empfanden, jedoch weniger darin, was als „Völkisch oder als im Sinne der Ideologie richtig“ anzusehen und einzuordnen war. Zum Anderem, hat es zu fast jeder Zeit Ansichten und Ideen gegeben, die denen der Nationalsozialisten glichen.

Was prägte aber eine Zeit, in der diese Begriffe entstehen konnten, in der solche Ideen die Möglichkeit zur Entstehung und Umsetzung erhielten. Es war die Zeit der sich beendenden Weimarer Republik. Einer Zeit geprägt durch inflationäre Schwächung der Wirtschaft, einer hohen Arbeitslosigkeit bei den handwerklichen und ungelernten Berufen. Ökonomischen und sozialen Strukturen, in denen sich lediglich eine Demokratisierung der politischen Herrschaftsordnung anstelle einer fundamentalen Reformierung und Demokratisierung der staatlichen, bürokratischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Institutionen nach der wilhelminischen Ära stattfand. Eine Zeit in der die Gesellschaft trotzdem anfing zu experimentieren und ihre Grenzen neu zu erfahren, neu abzustecken. Eine Art Aufbruch und Verlangen nach Veränderungen, nach radikalen Umwertungen.[1] Die Zeit des Expressionismus, Dadaismus, der Utopien, der Abstraktion und des Wiederentdeckens von Formen und Klarheit bis hin zum Neuen Bauen.

Innerhalb der Künste sind es Leute wie Kandinsky, Marc, Klee, Macke (die blauen Reiter) oder Cézanne und Gauguin, Erich Maria Remarque die für den Anfang diese Epoche stehen und sie prägten, sowie später Walter Grosz, Max Liebermann, Lyonel Feininger sowie die Schriftsteller Karl von Ossietzky, Heinrich und Thomas Mann, Carl Zuckmayer, Berthold Brecht, u.v.a. .

Auf dem Gebiet der Architektur stehen hierfür Namen wie: Peter Behrens, Walter Gropius, Bruno und Max Taut, Mies van der Rohe, Mendelsohn, die Bauhausakademie oder Hans Poelzig. Auch wenn diese Phase nicht bis an die Zeit der Machtergreifung 1933 anhielt, so drückte sie jedoch mit ihren Ideen und Fiktionen dieser Epoche einen markanten Stempel auf.

Es kann so gesehen werden, dass im großen und ganzen die alten Reichsstrukturen den Nährboden für die dann folgenden Ideen abgaben. So zusagen avant la lettre.

2. Die Architektur

Über das was die Architektur inhaltlich darstellt, wurde nicht viel diskutiert in den letzten Jahrzehnten, vielmehr sehr kontrovers darüber ob sie als eigene Architekturrichtung bzw. -entwicklung gekennzeichnet werden darf. Bis heute gehen die Meinungen in dieser Richtung sehr auseinander.

Bevor ich meine Ansicht darlege, muss ich noch einmal auf die Zeit vor 1933 zusprechen kommen. In dieser Zeit wurden bereits die Grundsteine für das spätere architektonische Denken der Nationalsozialisten gelegt. Die Nationalso­zialisten übernahmen für sich in einer strengen Hierarchie, drei Stilrichtungen aus der Weimarer Republik und verwendeten sie für ihre Zwecke. Es war der Stil des Neo- oder Neuklassizismus für Repräsentative Gebäude, des Regionalismus (Heimatschutzstil) für den Siedlungsbau und die moderne Architektur für Zweckbauten und Industrieanlagen.

In der Weimarer Republik gab es einen bis 1929, am Anfang verdeckten und dann doch immer offensichtlicher (Blockmanifest 1928), geführten Streit, zwischen zwei Richtungen, wie sich die Architektur in Deutschland zu entwickeln habe.

die moderne Architektur

Die Anhänger der „modernen Architektur“ mit Vertretern wie Mies van der Rohe, Bruno Taut oder dem Bauhaus sahen in der Technik das Mittel der gesellschaftlichen Befreiung von ökonomischen und sozialen Herrschaftsverhältnissen. Es wurde unterschieden zwischen der organischen Richtung und den Expressionisten. Ihr Ziel versuchten sie über die Form und den Gebrauch bestimmter Materialien (Glas und Ziegel) zu erreichen. Es wurden in ihren Entwürfen der Gedanke der „romantischen Architektur“[2] aufgegriffen. Es sollte versucht werden mit räumlichen und architektonischen Mitteln allein eine Verbesserung der Umwelt zu erreichen. In Norddeutschland entsprach dem Tenor die Formen und Stile der Backsteinbauten mit Ziegeldach und im Süden waren es die heimische Putzbauten, welche als Grundlage Verwendung fanden. Es entstand bis Ende der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts eine Art Formalismus, in dem lediglich eine Umdeutung und Umformulierung der traditionellen Bauaufgaben entstand.

Die moderne Architektur wurde gestützt durch Kreise des Großbürgertums, die auf diese Weise Imagepflege betrieben, Intellektuelle und auch durch große Teile der Arbeiterschaft, die in ihr eine Möglichkeit zur Absetzung gegenüber den bürgerlichen Wohntypen und Formen sah.

die konservative Architektur

Die andere Richtung war die der sog. „konservativen Architektur“. In ihr verbanden sich Kräfte, wie Heinrich Tessenow, Paul Schultze-Naumburg, Theodor Fischer und Fritz Schumacher, die eine formale Fortführung der bis zum Ende der Kaiserzeit bestehenden und bewährten Architekturformen und Gestaltungsweisen befürworteten. Für sie bestand die Entwicklung in der Fortführung und Anpassung der „höheren Bauaufgaben“ im Sinne des Klassizismus zum Neoklassizismus. Es war für sie die Erfüllung der Gesinnung einer „anständigen Baugesinnung“ wie sie als Vorbild für das deutsche Volk notwendig war.

Innerhalb dieser Richtung entwickelte sich zum Ende der 20er der sogenannte „Heimatschutzstil“. Ein Stil der sich die Bauformen und Bauelemente, aber auch nur bestimmte Formen, zur Weiterentwicklung zunutze machte, um eine architektonische Erd- und Heimatverbundenheit herzustellen. Im Gegensatz zu den Architekten der „modernen Architektur“ wollten die konservativen Kräfte nicht „das Wesen der Menschen und Dinge“ aufspüren und damit u.a. eine Leichtigkeit des Seins erreichen, sondern vielmehr durch den Einsatz dieser regionalen - Elemente, zum Teil mit Formen des Klassizismus, gleichzeitig eine Bodenständigkeit und Verwurzelung der Objekte und ihrer Benutzer erreichen. Die Bauten und Entwürfe sollten die Traditionen, wenn nicht in jedem Fall wiederspiegeln, so doch erkennbar aufnehmen und zeigen.

Getragen wurde diese Richtung vom größten Teil des Großbürgertum und hauptsächlich von den kleinbürgerlichen Schichten, die Angst hatten, dass die Grenze zum Proletariat sich auflösen könnte.

Genau diese gesellschaftlichen Klassengegensätze waren unter anderem von den Nationalsozialisten in der Wahl ihres zu favorisierenden Baustils miteinbezogen worden. Da gerade das Kleinbürgertum ein sehr wichtiges politisches Massenpotential für Hitler darstellte, bekämpfte er sehr früh die moderne Architektur. Für ihn war die architektonische Ästhetik ein ideales Instrument zur Mobilisierung von Massen. Man kann sagen, „wäre die moderne Architektur weiterverbreitet und akzeptierter gewesen, so hätten die Nationalsozialisten vermutlich auf sie zurückgegriffen“.[3]

An dieser Stelle wird klar, das die Architektur des Dritten Reiches eine Weiterentwicklung bestehender Richtungen und Tendenzen darstellt. Es standen den Nationalsozialisten nur einige sog. Architekturtheorien zu Verfügung, die für sich genommen kein geschlossenes Architekturprogramm darstellten. Diese Theorien waren ein Konglomerat aus verschiedenen konservativen Architekturströmungen der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts. Es kam somit zum einverleiben und „ausleihen“ von Bau- und Stilelementen. Ist diese Architektur durch die Neugliederung von Stilelementen deshalb schon als eine eigenständige Architekturrichtung anzusehen?

Bauen im Dritten Reich

Auch die Architektur im dritten Reich war Perioden der Entwicklung unterzogen. Jedoch war an dieser Architektur jederzeit die spezielle Teilung der Bau- und Stilelemente je nach Verwendungszweck erkennbar. Gemeint ist hier nicht die übliche Funktionserfüllung, der Gebäudefunktion und die an konstruktive Organisation realer Bedürfnisse angepasste Bauausführung, sondern vielmehr die Tatsache, dass die Art der Bauausführungen den politischen Funktionen untergeordnet wurde. „Eine zu Stein gewordene Weltanschauung“. Sie dient einzig und allein der politischen Erziehung des Volkes. Daher ist es zu erklären, warum die Architektur in dieser Epoche so gar kein einheitliches Bild darbot. Um diese Aussage zu verdeutlichen möchte ich hier einige Beispiele erläutern.

Repräsentationsgebäude

Den markantesten Baustil den die Nationalsozialisten für ihre Propaganda und zu ihrer Eigendarstellung vereinnahmten, war der Neoklassizismus. Einige der wohl bekanntesten Gebäude dieser Richtung sind u.a. das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg, das Olympiastadion in Berlin, der Flughafen Berlin-Tempelhof, das Reichsluftfahrtministerium in Berlin und der Erweiterungsbau der Reichsbank in Berlin.

In diesen Gebäuden bzw. Gebäudekomplexen stellt sich die Verknüpfung von Politik und Architektur sehr deutlich dar (Staats- und Parteibauten). Es handelte sich bei diesen Gebäuden um „nationalsozialistische Bauten, entstanden zur Stärkung der Autorität des Staates und damit der Partei und zur Verkündigung nationalsozialistischer Weltanschauung, denn je ‚größer die Anforderungen des heutigen Staates an seine Bürger sind, um so gewaltiger muß der Staat auch seinen Bürgern erscheinen“. Oder mit den Worten Nerdingers: „gedacht den Besucher klein und den Besuchten groß zumachen“.

Mit der Zeit wurde jedoch aus der Anleihung an die Neoklassik eine Architektur für Repräsentationsgebäude, die als architectura militans beschrieben wurde. Nicht die antike Architektur oder deren Rezeption im Klassizismus war die architektonische Verpflichtung und Richtung, sondern nur die Möglichkeit dieses Stil zur Monumentalität. Die Gebäude sollten keine symbolische, sondern nur eine materielle Wirkung auf das Volk ausüben. Es kam also zu einer Art der Fassadenbauerei, wie sie deutlicher in Nürnberg nicht zusehen ist, welche nur Wirkung in Verbindung mit der Politik und Propaganda erzielen konnte.

[...]


[1] Bernd Nicolai (2000), „Der weiße Kristall“ in „Stadt der Architektur der Stadt“ , Berlin 2000

[2] architecture parlante – sprechende Architektur

[3] Joachim Pietsch, 1976, „Baukunst und Stadtplanung im Dritten Reich“, Seite 38

Details

Seiten
19
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638116930
ISBN (Buch)
9783638756198
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v2810
Institution / Hochschule
Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin – FB3
Note
2,0
Schlagworte
Architektur Dritten Reiches Architekturstil Grundlinien Kulturgeschichte

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Architektur des Dritten Reiches 1933 bis 1945. Ein Architekturstil?