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Zusammenfassung "Bildung" des Moduls Bildungswissenschaften

Zusammenfassung 2012 7 Seiten

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Leseprobe

Bildung

Mit diesem Grundbegriff ist eine sehr komplexe und historische Reflexion auf das menschliche Dasein verbunden.

Bildungsprozesse haben mit Fragen zu tun, deren Antworten nicht schon bereitliegen. Der Bildungsweg ist nicht nur eine Desillusionierung, sondern auch eine Steigerung.

Durch Neugierde gepaart mit Skepsis und reflexiver Auseinandersetzung mit sich, den anderen und der Welt erlangt man Bildung. Der Gewinn ist kein ökonomischer Ertrag, sondern eine Ausstattung mit Kompetenzen.

Der Begriff Bildung

Genealogie des Bildungsbegriffs:

antikes Gedankengut der freien Lebensführung (paideia) und der Selbstsorge (epimeleia heautou) christliche Ebenbildlichkeitsvorstellung im Spannungsfeld von Schöpfer und Geschöpf (imago dei) neuzeitliche Vorstellung vom Selbstzweck des Menschen (Kant) inhaltliche Frage nach geeigneten Gegenständen von Bildungsprozessen Kanonische Bildung (septem artes liberales) von der Antike bis in die Moderne als subjektive Aneignung von Kultur. Im 19.Jahrhundert wird das Bildungswesen neu organisiert, und Bildungsabschlüsse gewinnen an Bedeutung.

Der Mensch wird zum schöpferischen Bildhauer seiner selbst: er kann sich ein Bild von sich machen, jedoch nicht von Gott kein Ebenbild möglich.

Erst ab dem letzten Drittel des 18.Jahrhunderts, im Zuge der Aufklärung und des Neuhumanismus, erlangt der Bildungsbegriff seine spezifisch pädagogische Bedeutung. Aristoteles bestimmte Gott als einen unbewegten Beweger (nicht in Kausalitäten eingebunden, also frei.) Kant überträgt diese Denkfigur auf den Menschen: der Mensch kann eine Handlung von sich heraus anfangen, und genau darin besteht seine Freiheit.

Bis heute verbindet man mit Bildung den individuellen und gesellschaftlich sozialen und ökonomischen Fortschritt. Das ist darauf zurückzuführen, dass ab dem 19.Jahrhundert versucht wurde, den Mangel an Besitz oder Adelstiteln durch Bildungszertifikate auszugleichen.

Nietzsche kritisierte diese Entwicklung. Er machte auf den Auflösungsprozess der

Bildung aufmerksam die Tendenz zur Verminderung und die zur Erweiterung der Bildung.

„ Möglichst viel Erkenntnis und Bildung - daher möglichst viel Produktion und Bedürfnis - daher möglichst viel Glück - so lautet etwa die Formel. “ (Nietzsche 1972/1957, S.191)

Bestimmungen von Bildung

Eigentlich ist der Begriff Bildung einer der traditionsreichsten und komplexesten Begriffe unserer Kultur, wird aber gegenwärtig auf Bildungswissen reduziert.

Bildung ist nicht Ausbildung

Sie ist jedoch die Grundlage für eine gelingende Ausbildung.

Durch die reflexive Auseinandersetzung mit sich und der Welt (anderen Menschen und Kulturen) bildet sich der Mensch. Er ist fähig sich in seinem Menschsein zu verbessern, die Welt mit anderen Augen zu sehen, das Leben vernünftig zu gestalten.

Bildung ist die Sorge um sich als eine Weise der Selbstgestaltung (epimeleia heautou). Was so viel bedeutet wie wachsam sein Leben zu führen, mit dem Ziel sich selbst zu regieren. Kant beschreibt dies als Mündigkeit.

Bildung ist also eine sehr umfassende Reflexion auf die wichtigsten Dinge der Lebensführung, die auch das gute Zusammenleben der Menschen beinhaltet. Es kommt auch eine ethische Dimension dazu: der Mensch soll Möglichkeiten entdecken, um aus seinem Leben etwas zu machen, das seinen Vorstellungen entspricht (Adorno).

Bildung ist die Suche nach Erkenntnis

Die Lust und Liebe (eros), die die Bildung und das Lernen mit sich bringen sind fundamentaler Bestandteil von Bildung. Sie ist auch ein leidvoller Prozess, auf die Dauer der Aufmerksamkeit und die Anstrengungen des Verstehens bezogen.

Bildung ist ein Sichfremdwerden

Bildung steht im Zwischenraum von Eigenem und Fremden, und nur in diesem „Zwischen“ sind Erfahrungen möglich.

Man muss sich infrage stellen lassen, zugeben etwas nicht zu wissen und Irrtümer als notwendig betrachten. Bildung ist eine Antwort auf die Erfahrungen, die wir machen. Transformation des Selbst; man muss an sich etwas ändern.

Bei Humboldt ist das Sichfremdwerden Bedingung und Voraussetzung für eine Transformation. Eigenes und Fremdes sind miteinander verwoben.

Bildung ist ein Wartenkönnen und eine Verzögerung

Unser Handeln hat Gründe und ist kein Reiz-Reaktions-Schema. Denn in der Verzögerung der Reaktion (nachdenken) erhält die Erfahrung ihren Raum und somit sind Bildungsprozesse möglich. Es wird eine andere Ebene der Sicht eröffnet, indem die Frage nach Sinn und Bedeutung gestellt wird Antwort statt Reaktion. Adorno bestimmt Bildung als ein Wartenkönnen: der Begriff „warten“ leitet sich von videre (sehen) her, die Aufmerksamkeit auf etwas richten. Für Bildungs- und Erfahrungsprozesse ist die Verzögerung von grundlegender Bedeutung.

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Details

Seiten
7
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656755739
ISBN (Buch)
9783668100947
Dateigröße
402 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v281000
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen – Kulturwissenschaften
Note
Schlagworte
zusammenfassung bildung moduls bildungswissenschaften

Autor

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