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Die Furcht in "De Cive". Thomas Hobbes und seine Lehre der Staatsgründung

Seminararbeit 2008 11 Seiten

Philosophie - Philosophie der Neuzeit (ca. 1350-1600)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Der Krieg

2. Die Gründung des Staates

3. Die Furcht

4. Die Staatsformen

5. Offene Fragen

Schlusswort

Bibliographie

Einleitung

Die Schrift „Vom Bürger“ wurde 1642 in Paris unter dem Titel „Elementorum Philosophiae Sectio Tertia De Cive“ veröffentlicht. Das als Privatdruck erschienene Buch war Teil eines grösseren Ganzen, das Hobbes in der Mitte der dreissiger Jahre konzipiert hatte, um die gesamte Philosophie in den Grundzügen darzustellen. Dieser Plan bestand aus drei Teilen: Der erste sollte vom Körper, der zweite vom Menschen, der dritte vom Bürger handeln.[1] In dem als Abschluss zum ganzen Werk gedachten Teil „Vom Bürger“ geht Hobbes davon aus, dass der Mensch entweder ein Gott oder ein Wolf für den Menschen ist: „Jener, wenn man die Bürger untereinander, dieser, wenn man die Staaten untereinander vergleicht“.[2] Aus diesem Vergleich könnte man den Eindruck gewinnen, dass Hobbes den Krieg ausschliesslich als einen gewaltsamen Konflikt zwischen Staaten betrachtet. Ist es aber effektiv so?

Mit dieser Arbeit habe ich mir das Ziel gesetzt, die Begriffe „Krieg“ und „Furcht“ in „De Cive“ zu untersuchen, um zu prüfen, ob Thomas Hobbes eine kohärente Stellung dazu nimmt. Im ersten Kapitel diskutiere ich die Bedeutung des Begriffs „Krieg“. Dann gehe ich auf die Gründung des Staates ein, um anschliessend den Begriff „Furcht“ zu analysieren. Dieses Vorgehen scheint mir unumgänglich, wenn wir die von Hobbes aufgeworfenen Argumente zur Gründung des Staates verstehen wollen. Nach einer kurzen Darstellung der Staatsformen, komme ich zum Schluss zu meinen offenen Fragen.

1. Der Krieg

Thomas Hobbes ist der Auffassung, dass die Menschen im Naturzustand unter verschiedenen tierischen Leidenschaften wie Begierde, Furcht oder Zorn leiden, dass sie vor anderen Menschen Angst haben und dass folglich diese Furcht außerhalb der bürgerlichen Gesellschaft zu einem Krieg aller gegen alle führt.[3] Nun stellt sich die Frage, was Hobbes unter dem Begriff „Krieg“ versteht. Ist der Krieg im Naturzustand eine Art ständige Gewaltbereitschaft, vor der sich die Menschen fürchten müssen, oder ist der Krieg ein konkreter gewaltsamer Antagonismus? In „De Cive“ lässt sich diese Frage nicht ganz eindeutig beantworten. Einerseits neigt Hobbes dazu, den Begriff „Krieg“ vor allem den Staaten zuzuschreiben: In seiner Widmung an den Grafen Wilhelm von Devonshire lässt er diesbezüglich verlauten, dass, wenn man die Staaten untereinander vergleicht, »die Guten bei der Verdorbenheit der Schlechten ihres Schutzes wegen die kriegerischen Tugenden, die Gewalt und die List, d. h. die Raubsucht der wilden Tiere, zu Hilfe nehmen müssen.«[4] Anderseits schreibt er im ersten Kapitel, dass die Menschen in dem Naturzustande dazu neigen, sich gegenseitig Schaden zuzufügen und dass »der natürliche Zustand der Menschen, bevor sie zur Gesellschaft zusammentraten, der Krieg gewesen ist, und zwar nicht der Krieg schlechthin, sondern der Krieg, aller gegen alle. Denn was ist der Krieg anderes als jene Zeit, wo der Wille, mit Gewalt seinen Streit auszufechten, durch Worte oder Taten deutlich erklärt wird?«[5] Der Begriff „Schaden“ könnte hier eigentlich rein psychisch bzw. immateriell verstanden werden. Unbeantwortet bleibt aber die Frage, wie diese Spannung bzw. diese psychische Aggressivität sich nicht in einen offenen gewaltsamen Konflikt unter den Menschen umwandeln könnte. Aus der Erfahrung wissen wir, dass die psychische Gewalt oft eine Vorstufe der körperlichen Gewalt ist. Dass man seine eigene Gewaltbereitschaft „durch Taten“, jedoch ohne Gewaltanwendung deutlich erklären kann, scheint mir unmöglich. Was versteht Hobbes unter dem Begriff „Taten“? Man kann nicht bestreiten, dass dieser Begriff, zumindest an dieser Stelle, ziemlich zweideutig ist und deshalb ist auch nicht klar, inwiefern Hobbes unter dem Begriff „Krieg“ unter anderem auch körperliche Gewaltanwendung versteht.

2. Die Gründung des Staates

Weil die Menschen nicht nur leidenschaftlich, sondern auch vernünftig sind, folgt gemäss Hobbes, dass sie aus diesem kriegerischen bzw. fürchterlichen elenden Zustand herauskommen wollen. Aber wie? Als Antwort auf diese Frage kündigt Hobbes an, dass dies nur möglich sei, wenn die Menschen durch Verträge von ihrem natürlichen Recht auf alles verzichten[6] und »ihren Willen dem Willen eines einzelnen, d. h. eines Menschen oder einer Versammlung so unterwerfen, dass dieser Wille für den Willen aller einzelnen gilt, soweit er etwas über das zum gemeinsamen Frieden Notwendige bestimmt«.[7] Die so gebildete Vereinigung ist nach Hobbes der Staat, vor dem die Bürger Angst haben müssen, wenn er den gesellschaftlichen Frieden sichern muss. Daraus folgt, dass der Staat, wenn nötig, verdächtige Bürger durch Folter zur Aussage zwingen kann[8] und dass er seinen Bürgern gegenüber das Recht auf Leben und Tod hat, da der Staat »zur Bestrafung des einzelnen keines Vertrages mit ihm bedarf«:[9] »In jedem Staate gilt der Mensch oder die Versammlung, deren Willen die einzelnen ihren Willen unterworfen haben, als der Inhaber der höchsten Gewalt. […] Diese Macht besteht darin, dass jeder einzelne Bürger alle seine Kraft und Macht auf jenem Menschen oder jene Versammlung übertragen hat […] und dass jeder sein Recht auf Widerstand aufgegeben hat.«[10]

3. Der Furcht

Die Menschen sind nach Hobbes von Natur so beschaffen, dass, wenn diese vor einer Macht bzw. einem Staate nicht zurückhielten, sie einander weiter misstrauen würden: Wenn die Furcht sie nicht hinderte, würden sie zur Herrschaft neigen und dadurch die Gesellschaft erneut zum ursprünglichen natürlichen kriegerischen bzw. fürchterlichen elenden Zustande treiben.[11] Seiner Argumentation zugunsten schreibt Hobbes, dass alle Staaten ihre Grenzen durch militärische Besatzungen oder ihre Städte durch Mauern sichern und dass ihre Bürger nicht ohne Waffen zu ihrer Verteidigung auf Reisen gehen. Fazit: Die Menschen können einander nicht trauen.[12] Durch Furcht kann man also verhindern, dass diejenigen, die sich einmal zum Frieden verbunden haben, sich später aus privatem Interesse wieder trennen.[13] Voraussetzung dafür ist, dass der, dem man sich unterwirft, eine so große Macht erlangt, dass er durch den Schrecken den Willen der einzelnen zur Einheit und Einigkeit bestimmen kann.[14]

In der Tat versteht Hobbes unter dem Begriff „Furcht“ jedes Voraussehen von kommendem Unheil:

„Nicht nur die Flucht, sondern auch Misstrauen, Verdacht, Vorsicht und Vorsorge, damit man nichts zu fürchten braucht, sind dem Furchtsamen eigen. Wer sich schlafen legt, verschliesst die Tür; wer eine Reise macht, nimmt eine Waffe mit aus Furcht vor Räubern. Staaten schützen ihre Grenzen durch Festungswerke, ihre Städte durch Mauern; und das alles aus Furcht vor den Nachbarstaaten.“[15]

Man kann ja die Furcht vor dem Nachbarn nicht mit der Furcht vor dem Rechtsstaate gleichstellen: Die erste ist willkürlich, die zweite ist rechtskonform. Von einem ethischen Standpunkt aus ist die Furcht vor der unerwarteten Gewalt der Mitmenschen nicht mit der vernünftigen reglementierten Gewalt des Rechtsstaates gleichzustellen: Ich sehe aber eine Ausnahme und che aber eine Ausnahmen. 15 mme ich zum Schluss zu meinen Einwchenzufechten, durch Worte oder die List, d.zwar, wenn ein Rechtsstaat in eine willkürliche Diktatur degeneriert.

4. Die Staatsformen

Thomas Hobbes geht davon aus, dass es nur drei Staatsformen geben kann: Die Monarchie, die Demokratie und die Aristokratie. Andere Arten von Gemeinwesen seien ausgeschlossen, weil alle die souveräne Macht, die unteilbar ist, ganz innehaben müssen. Die politischen Philosophen der Antike hatten diesen Staatsformen drei andere entgegengestellt: Die Anarchie, die Oligarchie und die Tyrannis. Hobbes vertritt die Meinung, dass diese nicht drei andere Staatsformen, sondern nur drei andere Namen sind, die von denen angewendet wurden, denen die jeweilige Regierung missfiel.

„Denn die Menschen pflegen mit den Namen nicht bloß die Dinge, sondern zugleich auch die eigenen Leidenschaften, Liebe, Hass, Zorn usw., auszudrücken. Deshalb nennt der eine das Demokratie, was der andere Anarchie nennt, und der eine das Aristokratie, was der andre Oligarchie nennt, und der einen den einen König, welchen der andere einen Tyrannen nennt. So bezeichnen diese Namen nicht verschiedene Arten des Staates, sondern die verschiedenen Meinungen der Bürger über die Herrschenden.“[16]

Es besteht kein Zweifel, dass die Monarchie für Hobbes die beste Regierungsform ist und um diesen Gedanken zu unterstützen, erwähnt er in Leviathan sechs Gründe, die für die Monarchie sprechen. Im Gegensatz zu Aristoteles sind für Hobbes die Tyrannis und die Oligarchie keine Degenerationsformen, sondern nur andere Namen der Monarchie und der Aristokratie:

[...]


[1] Thomas Hobbes, Vom Menschen Vom Bürger, eingeleitet und herausgegeben von Günter Gawlick, Hamburg, 1994: S. XV.

[2] Thomas Hobbes, Vom Bürger, Widmung an Se. Exz. Den Grafen von Devonshire, meinen hochzuverehrenden Herrn, 1994: S. 59.

[3] Thomas Hobbes, Vom Bürger, Vorwort an die Leser, 1994: S. 69.

[4] Thomas Hobbes, Vom Bürger, Widmung, S. 59.

[5] Thomas Hobbes, Vom Bürger, 1. Kapitel, § 12, S. 83-84.

[6] Thomas Hobbes, Vom Bürger, Vorwort an die Leser : S. 70.

[7] Thomas Hobbes, Vom Bürger, 5. Kapitel, § 6: S. 128.

[8] Thomas Hobbes, Vom Bürger, 2. Kapitel, § 19 .: S. 96.

[9] Thomas Hobbes, Vom Bürger, 2. Kapitel, § 18 .: S. 95.

[10] Thomas Hobbes, Vom Bürger, 5. Kapitel, § 11: S. 129.

[11] Thomas Hobbes, Vom Bürger, 1. Kapitel, § 2 .: S. 79.

[12] Thomas Hobbes, Vom Bürger, Vorwort an die Leser: S. 68.

[13] Thomas Hobbes, Vom Bürger, 5. Kapitel, § 4: S. 126.

[14] Thomas Hobbes, Vom Bürger, 5. Kapitel, § 5: S. 127.

[15] Thomas Hobbes, Vom Bürger, 1. Kapitel, § 2, Anm.: S. 79.

[16] Thomas Hobbes, Vom Bürger, 7. Kapitel, § 1: S. 149.

Details

Seiten
11
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656745792
ISBN (Buch)
9783656745785
Dateigröße
518 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v281174
Institution / Hochschule
Universität Zürich
Note
Schlagworte
Thomas Hobbes Staatslehre Absolutismus

Autor

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