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Maria Magdalena. Jüngerin Jesu, namenlose Sünderin oder Maria von Betanien?

Drei Frauengestalten in Bibel und Legendik

von Melanie W. (Autor)

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 27 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Maria Magdalena in der Bibel
2.1 Jüngerin Jesu
2.2 Die namenlose Sünderin
2.3 Maria von Bethanien

3 Maria Magdalena in der Legendik
3.1 Die Legende
3.2 Die Legenda aurea
3.3 Verschmelzung der drei Frauengestalten

4 Fazit

Bibliographie

1 Einleitung

Maria Magdalena spielt bis heute eine wichtige Rolle in der frühchristlichen Literatur. Sie ist neben Maria, der Mutter Jesu eine der bedeutendsten Frauen in der biblischen Geschichte.[1] Allerdings taucht ihr Name nicht nur in der Bibel auf, so schrieb auch Hansel 1935: „Neben Maria, der Mutter Jesu, hat keine zweite Heilige im Leben des gläubigen Volkes, in der Kunst und Dichtung einen derart tiefen Eindruck hinterlassen wie Maria Magdalena.“[2] Hier wird sie als Heilige deklariert, als Maria Magdalena, aus der der Herr[3] die sieben Teufel ausgetrieben hat, die[4] mit den anderen Frauen unter dem Kreuz von Jesus Christus stand[5], die Zeugin der Grablegung war[6], die am Ostermorgen mit diesen anderen Frauen zum Grab ging[7] und dann die Begegnung mit dem Auferstandenen hatte um den Jüngern von seiner Auferstehung zu berichten.[8] Doch in dieser Hinsicht scheiden sich die Geister, denn andere halten sie wiederum für die namenlose Sünderin[9], die durch ihre Reue die Vergebung der Sünden erhält nachdem sie dem Herrn die Füße wusch, küsste und salbte. Außerdem stellt sich die Frage, ob die biblischen Frauen Maria Magdalena, die namenlose Sünderin und Maria von Bethanien[10], Schwester des Lazarus und Martha, die den Herrn ebenfalls salbte[11] und der sie vor ihrer Schwester in Schutz nahm[12], ein und dieselbe Figur darstellen oder drei ganz unterschiedliche Frauen waren?

Erwähnt wird Maria Magdalena nicht nur in allen vier Evangelien des neuen Testaments, sondern auch in anderen Schriften, wie der Legenda aurea, der „Goldenen Legende“, welche das meist gelesene religiöse Volksbuch des Mittelalters darstellte[13] und in der auch über ihr Fortleben nach der Auferstehung Jesu Christi berichtet wird, wovon es in der Bibel kein Zeugnis gibt. Die Legenda aurea wurde von Jacobus de Voragine verfasst, dem Erzbischof von Genua von 1292-1298, der über das Leben Heiliger schrieb.[14] Seine Quellen waren unter anderem die Bibel, doch fügte er auch Erzählungen, die mündlich im Volk weitergetragen wurden, hinzu. Außerdem stützte er sich auf andere Heiligen-Vitae, wie zum Beispiel die des Papstes Gregor des Großen, der zu seiner Zeit viel Ansehen genoss wodurch die Glaubwürdigkeit seiner Legenden stieg. Durch die verschiedenen Legenden bis hin zur Legenda aurea verdichtete sich die Meinung über die Verschmelzung der drei biblischen Frauen der Jüngerin Jesu, der namenlosen Sünderin und Maria von Bethanien zu einer Person, nämlich der Heiligen Maria Magdalena, die sowohl Elemente aller drei Frauen in sich vereinigen sollte. Doch woher wurde diese Annahme genommen? Stellten die drei Frauengestalten doch verschiedene Personen dar? Und wie entwickelte sich die Figur der Maria Magdalena von der Bibel bis hin zur Legenda aurea ? Im Folgenden soll der Versuch unternommen werden anhand von verschiedenen Quellen diese Fragen zu beantworten, das Leben dieser berühmten Frau(en) zu untersuchen und eventuell der Frage auf den Grund gehen zu können, ob es sich tatsächlich um nur eine Frau oder doch drei unterschiedliche Personen handelte.

2 Maria Magdalena in der Bibel

Maria Magdalena ist eine der wichtigsten Frauengestalten in der biblischen Geschichte, sodass bis heute viele Erzählungen, Mythen und Legenden über sie entstanden sind. Trotz ihrer Popularität, besonders in der christlichen Tradition, ist nicht viel von ihr bekannt. Überlieferungen von ihrem Leben gibt es nur wenige, was sie als Person auch so umstritten macht. Die meisten überlieferten Textstellen stammen aus der Bibel, doch auch diese widersprechen sich teilweise, was eine eindeutige Beschreibung von ihr und ihrem Leben so schwierig macht.

Maria Magdalena wurde um 1 in Magdala bei Tiberias geboren und starb wahrscheinlich Mitte des 1. Jahrhunderts in Frankreich, allerdings gibt es keine eindeutigen Belege dafür. Maria wird von Mirjam aus dem Hebräischen abgeleitet. Ihren Beinamen erhält sie vermutlich nach ihrem Heimatort Magdala, dem heutigen Migdal in Israel am See Genezareth. Sie war Jüdin im Palästina jener Zeit. Ihr Namenszusatz aus Magdala lässt einerseits darauf schließen, dass sie diesen Ort irgendwann verließ. da sie zur Nachfolgegemeinschaft Jesu gehörte. Andererseits erhielten Frauen zu dieser Zeit immer den Beinamen ihres Ehemannes oder Vaters (z.B. Maria des Jakobus). Da dies bei Maria Magdalena nicht der Fall war, könnte man daraus schließen, dass sie sowohl unverheiratet und somit auch kinderlos war als vielleicht auch unabhängig von ihrer Familie und deshalb den Namen ihres Heimatortes angenommen hat.[15] Über ihren Stand in der Gesellschaft ist nicht viel bekannt, doch man geht davon aus, dass sie nicht aus ärmlichen Verhältnissen stammte, sondern eher aus gehobenerem oder wenigstens der Mittelschicht angehörte, da sie die einzige Frau in der Bibel ist, die ihren Beinamen ihrer Herkunft nach bekommen hat. Es ist zwar nichts Genaues über ihre gesellschaftliche Position, Alter oder Vermögen bekannt, doch es wird immer von ihrer Schönheit gesprochen. Da schöne alleinstehende Frauen oft als Sklavinnen verkauft wurden und dies von Maria Magdalena nicht überliefert wurde, geht man davon aus, dass sie genug finanzielle Mittel besaß.[16] Somit war sie keine Frau, die Jesus aufgrund ihres gesellschaftlichen Standes folgte. Unter der Gefolgschaft von Jesus lebte man in Armut, ohne jeglichen Besitz anzuhäufen und in völliger Gleichheit untereinander. Was war also der Grund dafür, dass Maria Magdalena ihr Leben in Magdala aufgab? Gab es nichts und niemanden, der sie dort hielt? Normalerweise wurden junge Frauen zu jener Zeit im Alter von 12-15 Jahren von ihren Eltern verheiratet. Aus welchem Grund also hatte sie niemals einen Ehemann oder lebte sie verwitwet und nahm deshalb den Namen ihrer Heimat an? An dieser Stelle kann nur gemutmaßt werden, denn es gibt keinerlei Quellen über Maria Magdalenas familiäre Stellung.[17] Bis heute ist es auch umstritten aus welchen Gründen sie zur Gefährtin Jesu wurde. Tatsächlich begleitete sie ihn aber bis zu seinem Tod und war Zeugin seiner Auferstehung. Danach verliert sich ihre Spur in den Aufzeichnungen des Neuen Testaments. Was danach mit ihr geschah, wird lediglich in Mythen und Legenden wieder aufgegriffen, was die Frage um die Popularität dieser Frau heute so besonders macht. Im Folgenden soll es allerdings vorerst um die namentliche Nennung der Maria Magdalena in der Bibel gehen. Sie tritt in der Heiligen Schrift in unterschiedlicher Weise auf: als Jüngerin Jesu, als namenlose Sünderin und auch als Maria von Bethanien. Doch sind diese drei Frauengestalten ein und dieselbe? In der Bibel gibt es kein Zeugnis davon, doch wie sieht es in der Legendik aus? Bevor dies allerdings thematisiert wird, soll es zunächst um die Maria Magdalena in der Bibel gehen.

2.1 Jüngerin Jesu

Maria Magdalena wird in der Bibel in allen vier Evangelien namentlich genannt. Besonders in den Oster- und Passionstexten spielt sie eine Rolle, wohingegen sie nur im Lukasevangelium als Jüngerin Jesu genannt wird:[18]

Lk 8,1-3

„1 Und es geschah danach, dass er nacheinander Städte und Dörfer durchzog, indem er predigte und die gute Botschaft vom Reich Gottes verkündigte; 2 und die Zwölf mit ihm, und einige Frauen, die von bösen Geistern und Krankheiten geheilt worden waren: Maria, genannt Magdalena, von der sieben Dämonen ausgefahren waren, 3 und Johanna, die Frau des Chuza, des Verwalters Herodes‘, und Susanna und viele andere, die ihnen mit ihrer Habe dienten.“

Anhand dieser Bibeltextstelle wird deutlich, dass Jesus Christus zwar 12 Jünger um sich scharte, die ihm folgten, doch begleiteten ihn auch Frauen, nämlich jene, welche von Krankheiten geheilt worden waren. Vielleicht gingen sie mit ihm, weil sie aufgrund ihrer Krankheiten nicht heiraten konnten und somit keine Familie hatten oder gerade weil sie selbst das Wunder der Heilung erfahren haben und dies auch anderen Menschen wünschten? Maria Magdalena war unter ihnen wie auch andere Frauen, die Vermögen besaßen, wie es in dieser Textstelle beschrieben wird. Somit lässt sich vermuten, dass Maria Magdalena aus gutem Hause stammte. Waren ihre Eltern bereits verstorben und sie hatte das Vermögen geerbt? Da es kein Zeugnis über ihr Alter gibt, bleibt dies eine Vermutung. Fest steht, dass sie Jesus und seinen Jüngern folgte und sich somit auch zu einer seiner Jüngerin zählen lassen könnte.

Es gibt allerdings noch weitere Erwähnungen der Maria Magdalena in allen vier Evangelien als Gefährtin Jesu Christi, ja sogar bis zu seinem Tod. So heißt es im Markusevangelium:

Mt 27,55-61

55 Es sahen aber dort viele Frauen von weitem zu, die Jesus von Galiläa nachgefolgt waren und ihm gedient hatten; 56 unter ihnen waren Maria Magdalena und Maria, des Jakobus‘ und Josefs Mutter, und die Mutter der Söhne des Zebedäus.

57 Als es aber Abend geworden war, kam ein reicher Man von Arimathäa, mit Namen Josef, der selbst auch ein 58 Jünger Jesu war. Dieser ging hin zu Pilatus und bat um den Leib Jesu. Da befahl Pilatus, [den Leib] zu übergeben. 59 Und Josef nahm den Leib und wickelte ihn in ein reines Leinentuch 60 und legte ihn seine neue Gruft, die er in den Felsen ausgehauen hatte; und er wälzte einen großen Stein an 61 die Tür der Gruft und ging weg. Es waren aber dort Maria Magdalena und die andere Maria, die dem Grab gegenübersaßen.

Somit war Maria Magdalena Zeugin der Grablegung Jesu Christi nachdem er verraten wurde. Doch sah sie nicht allein zu. Es ist immer die Rede von mehreren Frauen. Maria Magdalena beobachtete das Geschehen allerdings von Weitem. Doch war sie da, im Gegensatz zu den Jüngern Jesu, die ihn im Stich gelassen und verraten hatten. Die Frauen (unter ihnen Maria Magdalena) waren es, die unter dem Kreuz standen und damit ihr Leben riskierten, da sie sich somit zu ihm bekannten, einem Mann, der von den Römern gekreuzigt wurde. Maria Magdalena kann durch ihre Taten und ihre Loyalität durchaus als eine mutige Frau bezeichnet werden[19]

Auch in allen anderen drei Evangelien lässt sich eine ähnliche Schilderung über die Kreuzigung und Grablegung Jesus Christus finden und in allen Evangelien wird Maria Magdalena als Zeugin genannt.[20]

Auch am Ostermorgen war Maria Magdalena am Grab von Jesus was durch Bibeltextstellen belegt werden kann:

Mk 16, 1-8

„1 Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria Magdalena und Maria, die [Mutter] des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben. 2 Und sie kommen sehr früh am ersten Tag der Woche zu der Gruft, als 3 die Sonne aufgegangen war. Und sie sprachen zueinander: Wer wird uns den Stein von der Tür der Gruft 4 wegwälzen. Und als sie aufblickten, sehen sie, dass der Stein zurückgewälzt ist; er war nämlich sehr groß. Und 5 als sie in die Gruft eintraten, sahen sie einen jungen Mann zur Rechten sitzen, bekleidet mit einem weißen Gewand, 6 und sie entsetzten sich. Er aber spricht zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus, den Nazarener, den Gekreuzigten. Er ist auferweckt worden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hingelegt hatte. 7 Aber geht hin, sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er euch nach Galiläa vorausgeht! Dort werdet ihr ihn sehen, 8 wie er euch gesagt hat. Und sie gingen hinaus und flohen von der Gruft. Denn Zittern und Bestürzung hatte sie ergriffen, und sie sagten niemand etwas, denn sie fürchteten sich.“[21]

Auch hier gibt es wieder einen Verweis auf Maria Magdalena. Sie stand Jesus nicht nur bei als er ans Kreuz genagelt wurde, sie war auch noch da um ihn zu salben, was ihre Treue zu ihm ausdrückt. Außerdem ist wieder zu erkennen, dass Maria Magdalena und die anderen Frauen Jesus und seine Gefolgschaft mit ihrer Habe, in diesem Fall Öle, die sie extra dafür nach Beendigung des Sabbats kauften, unterstützen wollten. Daraus lässt sich wieder der Schluss ziehen, dass es sich hierbei um eine wohlhabende Frau gehandelt haben muss. Die Frauen waren da an seinem Grab. Zwar waren seine 12 Apostel Männer, die zu seinem engsten Kreis gehört haben, doch die Frauen hielten wirklich zu ihm, sogar nach seinem Tod. Auffallend ist hierbei, dass in allen betreffenden Textstellen in der Bibel die Betonung auf Gruppen und nicht auf Einzelpersonen gelegt wurde. Es ist zum Beispiel immer die Reden von den Frauen, auch wenn Maria Magdalena oft namentlich zu dieser Gruppe gezählt wird. Es scheint dabei nicht um die Auszeichnung oder Hervorhebung von Individuen zu gehen, sondern um eine gemeinschaftliche Leistung um Jesus.[22]

Zwar war Maria Magdalena auch zugegen als Jesus auferstanden ist, doch als offizielle Zeugin seiner Auferstehung[23] wird sie nicht mehr erwähnt, da sie als Frau, der jüdischen Tradition nach, nicht als Zeugin auftreten konnte,[24] doch in den Evangelien findet man dann Zeugnis ihrer Begegnung mit dem Auferstandenen:

Mt 28,9-10: 9 Und siehe, Jesus kam ihnen entgegen und sprach: Seid gegrüßt! Sie aber traten zu [ihm], umfassten seine Füße und warfen sich [vor ihm] nieder. 10 Da spricht Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht hin, verkündet meinen Brüdern, dass sie hingehen nach Galiläa! Und dort werden sie mich sehen![25]

Maria Magdalena und die anderen Frauen scheinen keine Sekunde daran zu zweifeln, dass Jesus wirklich von den Toten auferstanden ist im Gegensatz zu einem seiner Jünger Thomas.[26] Jesus begegnet Maria Magdalena nicht nur, sondern gibt ihr außerdem den Auftrag der Verkündung seiner Auferstehung. Somit spielt Maria Magdalena eine wichtige Rolle als Jüngerin Jesus oder zumindest als eine seiner treuesten Begleiterinnen auf seinem Weg bis zum Kreuz, zur Grablegung und seiner Auferstehung.

2.2 Die namenlose Sünderin

Die Gestalt der Maria Magdalena taucht allerdings nicht nur in den vier Evangelien auf, sondern auch in den Salbungsgeschichten in der Bibel. Salbende sind zum einen die namenlose Sünderin und zum anderen Maria von Bethanien. Beide werden in der lateinischen Kirche aufgrund des Sündenmotives, aber auch aufgrund des Salbungsmotives mit der Figur der Maria Magdalena gleichgesetzt.[27] Salbung steht eng in Beziehung zur Auferstehung, da die Salbung zu neuem Leben erwecken soll.[28] Auch heute gibt es die letzte Salbung oder auch Krankensalbung in der römisch-katholischen Kirche als Sakrament. Sie soll der Stärkung bei Krankheit dienen. Im Markus- und Lukasevangelium kommt Maria Magdalena mit Ölen zum Grab um den Leichnam Jesu Christi zu salben, weshalb sie auch mit den anderen salbenden Frauen gleichgesetzt wird. In der Bibel findet sich folgende Textstelle um die namenlose Sünderin, die Jesus salbte:

Lk 7, 36-50

36 Es bat ihn aber einer der Pharisäer, dass er mit ihm essen möge; und er ging in das Haus des Pharisäers und 37 legte sich zu Tisch. Und siehe [da war] eine Frau in der Stadt, die eine Sünderin war; und als sie erfahren hatte, dass er in dem Haus des Pharisäers zu Tisch lag, brachte sie eine Alabasterflasche 38 mit Salböl, trat von hinten an seine Füße heran, weinte und fing an, seine Füße mit Tränen zu benetzen, und trocknete sie mit den Haaren ihres Hauptes. [Dann] küsste sie seine Füße und salbte sie mit dem Salböl. [...]

48 Er aber sprach zu ihr: Deine Sünden sind 49 vergeben. Und die, die mit zu Tisch lagen, fingen an, bei sich selbst zu sagen: Wer ist dieser, der auch Sünden 50 vergibt? Er sprach aber zu der Frau: Dein Glaube hat dich gerettet. Geh hin in Frieden!

Die salbende Frau scheint an Jesus Christus als Messias zu glauben und zu vertrauen. Warum sollte sie sonst in das Haus kommen, sich ihm unterwürfig verhalten und ihn salben? Im Gegensatz dazu stehen der Pharisäer, der Jesus in sein Haus bat und die Anderen, die ebenfalls mit zu Tisch waren. Sie wundern sich über die Tatsache, dass Jesus Sünden vergibt, was bedeutet, dass sie nicht an ihn als Heiland und Sohn Gottes glauben. Wieder verhält sich eine Frau treuer Jesus gegenüber als die Männer (Apostel oder in diesem Fall Pharisäer) von denen man es erwarten würde.

Hier zeigt die namenlose Sünderin ihr offenes langes Haar, was zu jener Zeit in der Öffentlichkeit untersagt war, da es in der jüdischen Gesellschaft sexuell konnotiert war. So könnte man das offene Haar der Frau zusammensehen als „sexuelle Verfehlungen gedeuteten Dämonen, von denen Maria Magdalena nach Lk 8,2 besessen war.“[29] Diese Annahme würde bedeuten, dass die Figur Maria Magdalena erst von sieben Dämonen besessen war, von denen sie befreit wurde und dann in das Haus des Pharisäers kommt, um Jesus dort mit ihren Tränen seine Füße zu waschen und sie dann mit ihrem Haar zu trocknen und zu salben. So könnte es sich also um ein und dieselbe Person gehandelt haben? Doch bevor dies genauer untersucht wird, soll zunächst noch die Figur Maria von Bethanien untersucht werden.

[...]


[1] Vgl. Boxler 1996: 15.

[2] Hansel 1935: 157.

[3] Lk 8,2. (Alle Zitate in dieser Arbeit sind der Elberfelder Bibel (2010) entnommen. Die Abkürzungen entsprechen dem Namen des Evangeliums, des Kapitels und des Verses.)

[4] Mt 27,55; Mk 15,40; Lk 23,49; Joh 19,25.

[5] Mt 27,61; Mk 15,17; Lk 23,55.

[6] Mt 28,1; Mk 16,1-8; Lk 24,1-11; Joh 20,1.

[7] Joh 20,11-18.

[8] Vgl. Knoll 1934: 19.

[9] Lk 7,36-50.

[10] Joh 11,20 u. 28-32.

[11] Mt 26,6-13; Mk 14,3-9, Joh 12,1-8.

[12] Lk 10,38-42.

[13] Vgl. http://www.heiligenlexikon.de/Legenda_Aurea/Legenda_Aurea.htm.

[14] Vgl. Kasper 1995: 265.

[15] Vgl. Petersen 2011: 185.

[16] Vgl. Wrembek 2008: 83.

[17] Vgl. Petersen 2011: 184f.

[18] Vgl. Boxler 1996: 30.

[19] Vgl. Schüssler 1988: 389.

[20] Textstellen in der Bibel in denen Maria Magdalena namentlich genannt wird im Zusammenhang mit der Nachfolge Jesu und seiner Grablegung: Mk 15,40-47; Lk 23,49-56 und Joh 19,25.

[21] Textstellen in der Bibel in denen Maria Magdalena genannt wird in Zusammenhang mit der Grabaufsuchung am Ostermorgen: Mt 28, 1-8, Lk 24,1-10, Joh 20,1-13.

[22] Vgl. Boxler 1996: 34.

[23] 1 Kor 15,5-8.

[24] Vgl. Heister 1984: 160ff.

[25] Textstellen in der Bibel in denen Maria Magdalena als Auferstehungszeugin genannt wird: Mk 16,9-11, Joh 20,14-18.

[26] Joh 20,19-29.

[27] Vgl. Boxler 1996: 35.

[28] Vgl. Mulack 1987: 104ff.

[29] Boxler 1996: 38.

Details

Seiten
27
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656748922
ISBN (Buch)
9783656748434
Dateigröße
522 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v281307
Institution / Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Note
2,0
Schlagworte
maria magdalena jüngerin jesu sünderin betanien drei frauengestalten bibel legendik

Autor

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    Melanie W. (Autor)

    5 Titel veröffentlicht

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Titel: Maria Magdalena. Jüngerin Jesu, namenlose Sünderin oder Maria von Betanien?